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	<title>Laura Klemm, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>„Es soll Freude und Spaß machen, in Innsbruck zu leben“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2024 11:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gespräch mit Bürgermeister Johannes Anzengruber über Innsbruck als Heimat, die Sonnendeck-Lösung und wie er sich als „Mann der Mitte“ dem Rechtsruck verwehrt. Vor dem Büro des Bürgermeisters im zweiten&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Ein Gespräch mit Bürgermeister Johannes Anzengruber über Innsbruck als Heimat, die Sonnendeck-Lösung und wie er sich als „Mann der Mitte“ dem Rechtsruck verwehrt.</span></div>
<p><span id="more-20980"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor dem Büro des Bürgermeisters im zweiten Stock des Innsbrucker Rathauses werde ich von geschäftigem Trubel empfangen. Drinnen ist es wie im Empfang einer modernen, aber heimeligen Bergstube: Viel Holz, gemütliche Sessel, Bilder an den Wänden. Wir sprechen kaum länger als zwanzig Minuten, doch auch in dieser Zeit lässt sich viel über den seit kurzem amtierenden Bürgermeister erfahren.</span></p>
<p><b>UNIpress: Sie haben auch in Innsbruck studiert. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich habe zuerst auf der SoWi BWL studiert und das neben dem Berufsalltag gemacht. Das war wirklich eine tolle Zeit mit tollen Vorlesungen, Bekanntschaften und Festen. Ich erinnere mich an die Mensa- und SoWi-Feste. Weil ich im Gesundheitswesen tätig war, habe ich dann Gesundheitswissenschaften studiert, in Innsbruck und in Hall.</span></p>
<p><b>UNIpress: An welche Probleme erinnern Sie sich?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich habe das Studieren durchweg positiv in Erinnerung. Es ergeben sich natürlich Schwierigkeiten, wenn man berufsbegleitend studiert. Aber es war eine geniale, sehr schöne, tolle Zeit.</span></p>
<p><b>UNIpress: Es hat sich seit Ihrer Studienzeit in Innsbruck einiges geändert. Mittlerweile ist bezahlbarer Wohnraum knapp, es fehlt an konsumfreien Räumen. Wie wird Innsbruck studierendenfreundlicher?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> </span><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, wir sind durchaus im Wohnbau und vor allem im Bau von Studentenheimen sehr gut unterwegs. Wir haben eine Studie gemacht, wo wir Potenziale für Studentenheime gesucht haben. Es entstehen mehr als 500 neue Zimmer. Das ist der richtige Weg. Innsbruck hat eine große Qualität, und als Student kann man die Vielfältigkeit unserer Stadt erleben. Natürlich lockt auch der tolle Naturraum mit den Trails und Mountainbike-Strecken. Gleichzeitig kann man sehr niederschwellig und fußläufig die Nacht erleben. Natürlich sind Ausgehlokale verschwunden. Aber es sperren immer wieder neue auf. Das wollen wir auch forcieren: dass immer mehr Raum und Platz entsteht, sowohl für den Tag als auch für die Nacht.</span></p>
<p><b>UNIpress: Gerade die schließenden Clubs sind unter Studierenden immer Thema. Das Cubique hat geschlossen, der Dachsbau…</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber: </strong></span><span style="font-weight: 400;">Und der Dachsbau hat wieder geöffnet. Da versuchen wir viel zu tun und auch immer wieder zu vermitteln. Wir sind offen, wenn junge Leute Ideen haben für Veranstaltungen oder Nacht-Gastronomie. Was uns auch interessiert, ist die Aufenthaltsqualität im Zentrum im öffentlichen Raum. Ob das die Aktivierung des Englischen Gartens ist, die Planung eines Hofgartencafés, die Steigerung der Attraktivität, was die Plätze betrifft. Wir möchten uns auch mit dem Marktplatz beschäftigen. Wir haben beim Sonnendeck eine Lösung. Natürlich möchten wir unsere Stadt klimafit machen. Damit unsere Stadt weiterhin attraktiv bleibt, damit man an konsumfreien Plätzen Zeit verbringen kann, Partys und Ausgehmöglichkeiten hat. Ich glaube, da sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir haben uns im Rahmen unseres Zukunftsplans viel vorgenommen, und ich freue mich darauf. Auch auf Veranstaltungen, die nicht nur bis 22 Uhr, sondern auch länger stattfinden können. Aber wir befinden uns natürlich immer im Spannungsfeld mit Anwohner:innen und behördlichen Vorgaben. Ich setze mich dafür ein, dass Feste und Veranstaltungen stattfinden. Dafür, dass man Freunde und Spaß haben und Innsbruck genießen kann.</span></p>
<p><b>UNIpress: Sie haben auch das Sonnendeck angesprochen. Dort konnte jetzt eine Lösung gefunden werden. </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Das war durchaus nicht einfach. Es hat mehrere Vor-Ort-Begehungen gebraucht, wo wir wirklich alle eingebunden waren und wir gesagt haben: „Okay, wir brauchen jetzt eine Lösung.“ Für mich war es schockierend, einen zwei Meter hohen Zaun zu haben, wenn ich dort mit dem Rad fahre oder zu Fuß gehe oder auch nur aus der Hauptuni rausgehe. Das geht nicht für eine Stadt wie Innsbruck. Mein Versprechen war, dass wir sofort den Bauzaun reduzieren, und das haben wir umgesetzt. Und nun haben wir auch weitere Maßnahmen eingeleitet, die wir bald final umsetzen. Es ist auch gelungen, wieder Sonnendeck-Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Wir haben mit den Behörden und den Veranstaltern gesprochen, und an diese Gespräche wollen wir weiter anschließen. Damit die Aufenthaltsqualität und auch das Verweilen neben dem intensiven Studieren auf der Uni auch gegeben ist.</span></p>
<p><b>UNIpress: In Innsbruck leben nicht nur Einheimische, sondern zum Beispiel auch Geflüchtete. (Anmerkung: Siehe Seiten 6-7 in diesem Heft für die Geschichte eines jungen Mannes, der von Syrien nach Österreich kam.) Wie kann Innsbruck für diese Menschen zur neuen Heimat werden?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Wir haben uns da sehr viel vorgenommen. Das steht ganz klar im Koalitionsvertrag und im Zukunftsplan. Wir wollen die Integration stärker forcieren. Wie wollen Angebote schaffen. Wir wollen die Leute mitnehmen, zum Beispiel im Sommer durch intensive Schulvorbereitungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Wir haben gemeinsam mit Stadträtin Mayr [Elisabeth Mayr, SPÖ, Anm.] Schwimmkurse organisiert. Wir wollen den Leuten unter die Arme greifen. Damit sie sich hier geborgen fühlen und die Chance haben, integriert zu werden. Am Ende des Tages braucht es nicht nur Großunterkünfte, sondern eine gesunde Verteilung. Wir möchten den Geflüchteten auch die Möglichkeiten aufzeigen, hier Berufe zu ergreifen, denn viele sind qualifiziert und haben Ausbildungen. Sodass wir hier alle gemeinsam, sowohl die Geflüchteten als auch wir, eine Win-win-Situation haben.</span></p>
<p><strong>UNIpress: G</strong><b>erade Geflüchtete sind das Ziel von Hass und Gewalt von rechts. Der Rechtsruck ist auch in Innsbruck politisch spürbar. Wie wollen Sie diesem begegnen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich glaube, dass gerade auch diese Gemeinderatswahl gezeigt hat, dass Innsbruck da anders tickt. Für mich steht der Mensch, die Unterstützung der Bevölkerung, aller, die in Innsbruck verweilen, an erster Stelle. Die Koalition lässt wenig Rechtsruck spüren. Wir haben die Grünen mit dabei, die SPÖ. Ich bin parteifrei, aber immer zum Wohle der Stadt. Ich bin ganz klar ein Mann der Mitte. Ich spüre vom Rechtsruck in der Stadt Innsbruck wenig und werde den auch nicht zulassen.</span></p>
<p><strong>UNIpress: S</strong><b>ie haben vorhin von der Bergwelt in Innsbruck gesprochen, die von der Bevölkerung als auch Tourist:innen genutzt wird…</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> </span><span style="font-weight: 400;">Deshalb sind wir ja da. </span></p>
<p><strong>UNIpress: </strong><b>Die meisten Studierenden auch. Wie schützen wir die Bergwelt am besten?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Wir haben eine Waldschule, wir investieren in Kooperationen mit Kindergärten, Volksschulen und Mittelschulen, aber auch mit der ÖH. Wir klären auf über Biodiversität. Wir haben Projekte gestartet, auch ein EU-Projekt, was den Stadtwald betrifft. Wir haben auch Versuchsflächen, wo wir Baumarten testen. Im ganzen Nordketten- und auch im Patscherkofelbereich sind wir dran, klimafitte Wälder umzusetzen und pflanzen mehrere tausend Bäume, um die Natur zu schützen. Natürlich ist jeder einzelne dazu aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten. Ganz klassisch: Den Müll, den man mitnimmt, trägt man auch wieder nach Hause. Ich wünsche mir mehr, dass alle lernen, die Natur auch zu schätzen. Die Natur zwar zu nutzen, aber auch durchaus die Natur wahrzunehmen. Man kann hier fußläufig und mit der Bahn den höchsten Punkt der Stadt erreichen. Immer, wenn man möchte, kann man mal alleine durch den Wald spazieren. Das ist das Tolle an dieser Stadt. All unsere Projekte wollen wir forcieren, da werden wir auch nicht lockerlassen. Aber wir sind alle dazu aufgerufen, die Natur zu schätzen. Und auch bitte über der Waldgrenze auf den Wegen zu bleiben. </span></p>
<p><strong>UNIpress: </strong><b>Ein kurzes Bild. Wie sieht Innsbruck am Ende Ihrer Amtszeit aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich möchte dann mit dem Cappuccino auf dem neuen Bozner Platz sitzen. Ich habe als Bürgermeister gerade einmal 100 Tage hinter mir, aber noch 2000 Tage harter Arbeit vor mir. Ich wünsche mir eine weltoffene Stadt, die klimafit ist und nachhaltig. Und es wird Mountainbikestrecken geben. Wir werden eine Stadt haben, in der es Freude und Spaß macht zu leben. Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie schön wir es haben, welche Qualität wir haben, und dass wir diese mehr schätzen, dass wir ein Wir-Gefühl stiften. Das können wir gemeinsam erreichen, und das werden wir schaffen.</span></p>
<p><b><span style="font-weight: 400;"><strong>UNIpress: </strong></span>Noch drei schnelle Fragen zum Ende: Ist Innsbruck eine Großstadt oder ein Bergdorf?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Innsbruck ist natürlich eine Großstadt. Nicht die größte, aber für mich die größte. </span></p>
<p><strong>UNIpress: </strong><b>Patscherkofel oder Hafelekar?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Hafelekar ist einzigartig. Immer wieder, wenn ich dort oben bin und runterschaue, gehen mir sehr viele Emotionen durch den Kopf, da kribbelt es am ganzen Körper. Aber durchaus auch der Patscherkofel. Dort habe ich meine Anfänge gemacht im Skisport.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UNipress:</strong> </span><b>Innsbruck für Studis oder Touris?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Innsbruck für alle.</span></p>
<div id="attachment_20981" style="width: 310px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20981" decoding="async" class="size-medium wp-image-20981" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-20981" class="wp-caption-text">Bürgermeister Johannes Anzengruber bei der Eröffnung des Bichl-Trails / Bild: David Sailer</p></div>
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		<title>Teilnehmer:innen für Onlinestudie zu Resilienz gesucht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Jun 2024 10:30:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lokal]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Multiple Krisen erfordern eine erhöhte psychische Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz. Ein Forschungsprojekt der Medizinischen Universität Innsbruck, gefördert vom Land Tirol, will diese untersuchen und sucht noch Teilnehmer:innen. In Zeiten multipler&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Multiple Krisen erfordern eine erhöhte psychische Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz. Ein Forschungsprojekt der Medizinischen Universität Innsbruck, gefördert vom Land Tirol, will diese untersuchen und sucht noch Teilnehmer:innen.</div>
<p><span id="more-20770"></span></p>
<p>In Zeiten multipler globaler Notlagen und Ausnahmesituationen, aber auch bei individuellen Krisen, Unsicherheiten oder in Stresssituationen ist eine erhöhte psychische Widerstandsfähigkeit gefordert: die sogenannte Resilienz. Oft wird die Resilienz auch als „seelisches Immunsystem“ beschrieben: Als persönliches Schutzschild, das dabei hilft, Krisen zu akzeptieren, zu bewältigen und aus ihnen gestärkt hervorzugehen.</p>
<p>Die Resilienz ist sehr individuell: Manche Menschen sind psychisch widerstandsfähiger als andere. Allerdings handelt es sich bei der Resilienz nicht um ein Persönlichkeitsmerkmal, das man besitzt oder eben nicht. Im Gegenteil: Die eigene Resilienz kann erlernt und gestärkt werden. An genau dieser Stelle setzt das Resilienz-Projekt der Medizinischen Universität an.</p>
<h3>Das Forschungsprojekt: Resilienz kann trainiert werden</h3>
<p>Bei dem Resilienztraining handelt es sich um ein Forschungsprojekt der Medizinischen Universität Innsbruck, gefördert vom Land Tirol. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden zwei unterschiedliche Verfahren zur Steigerung der psychischen Widerstandsfähigkeit angeboten. Dabei handelt es sich um die progressive Muskelentspannung und das RASMUS-Resilienztraining. Diese Verfahren werden durch Untersuchungen der Univ.-Klinik für Psychatrie I der Medizinischen Universität Innsbruck begleitet.</p>
<p>Bei der progressiven Muskelentspannung handelt es sich um eine anerkannte Entspannungstechnik, die vom Körper ausgeht, um auf den Geist einzuwirken. Entwickelt hat sie der amerikanische Arzt Edmund Jacobson, und das bereits in den 1920er-Jahren. Als Basis dient die Erkenntnis, dass Stress meist mit erhöhter Anspannung einhergeht. Bei der progressiven Muskelentspannung spannen Teilnehmende gezielt Muskelgruppen an, um sie danach wieder zu entspannen. Das Ziel: einen Entspannungszustand zu erreichen.</p>
<p>Das RASMUS-Resilienztraining dagegen stellt den Geist in den Vordergrund. Trainiert wird die emotionale Stabilität, darunter die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren. Es geht darum, die psychischen Ressourcen zu stärken, zu aktivieren und langfristig ein gesundheitsförderndes Verhalten zu erlernen. Dazu gehört unter anderem ein achtsamer Umgang mit sich selbst, ein verbessertes Stressmanagement, der Aufbau eines stabilen sozialen Netzwerks und ein optimistischer Blick in die Zukunft. Das RASMUS-Resilienztraining will diese Fähigkeiten den Teilnehmer:innen präventiv näherbringen und so ihr körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden steigern.</p>
<p>Wer möchte, kann zusätzlich zu einem der beiden Trainingsverfahren noch an insgesamt drei MRT-Untersuchungen teilnehmen. Die Teilnahme an MRT-Untersuchungen ist ausdrücklich freiwillig. Dabei beobachten Forschende der Medizinischen Universität Innsbruck die Auswirkungen der jeweiligen Trainingsmethode auf Struktur, Stoffwechsel und Funktion des Gehirns.</p>
<h3 class="subtitle_up">Die Teilnahme: Bequem von zu Hause</h3>
<p>Teilnehmer:innen können an einem der beiden Trainingsverfahren teilnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos und findet online statt. Wer nicht in Innsbruck wohnt oder in den Semesterferien verreist ist, kann die Trainingseinheiten also bequem von überall aus durchführen. Die Trainingseinheiten finden über einen Zeitraum von zehn Wochen wöchentlich statt und dauern je 60 Minuten.</p>
<p>Wichtig an dieser Stelle: Das Resilienztraining der Medizinischen Universität Innsbruck ist kein Allheilmittel. Manche Situationen erfordern psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Wer sich bereits in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befindet oder andere Therapiemethoden in Anspruch nimmt, erfüllt die Teilnahmevoraussetzungen für die Studie nicht.</p>
<p>Mehr Informationen zu dem Forschungsprojekt, seinem Ablauf und den Teilnahmevoraussetzungen können über die <a href="https://www.resilienz-tirol.at/">Homepage</a> abgerufen werden. Dort können sich Interessierte auch für das Forschungsprojekt anmelden und bereits den ersten Fragebogen ausfüllen.</p>
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		<title>Die (un)endliche Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2024 10:39:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahr 1989 prophezeite der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das Ende der Geschichte: Die Menschheit hätte nun ihre letzte Entwicklungsstufe erreicht. 2024 sieht das anders aus. Das Ende der Geschichte –&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Im Jahr 1989 prophezeite der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das Ende der Geschichte: Die Menschheit hätte nun ihre letzte Entwicklungsstufe erreicht. 2024 sieht das anders aus.</div>
<p><span id="more-20651"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Ende der Geschichte – dieses Ereignis proklamierte der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama in seinem Essay „The End of History“ im Sommer 1989. Der Artikel löste eine regelrechte Kontroverse aus. Er verkaufe sich besser als Pornografie, soll ein Zeitungsverkäufer der New York Times berichtet haben. Während manche infolge der Veröffentlichung in Fukuyama eine Art Prophet sahen, unterstellten ihm andere wiederum die Verherrlichung des Kapitalismus – und einzelne waren schlichtweg verängstigt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dass eine Begrifflichkeit wie das „Ende der Geschichte“ starke Regungen und Reaktionen hervorruft, ist dabei jedoch nur allzu verständlich: Zu oft schon haben Fantasien über Weltenden und -untergänge Schlagzeilen dominiert. Wenn Fukuyama aber vom Ende der Geschichte spricht, dann – so betonte er nachdrücklich im Jahr 2019 – nicht vom Ende der Welt.</span></p>
<h3><b>Keine weiteren Fragen mehr </b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Für Fukuyama endet die Geschichte gegen Ende der Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts, da in dieser Zeit etwas Fundamentales geschieht: Die Mauer fällt, die Sowjetunion zerbricht. Nach Zeiten von wahlweise absolutistischem, faschistischem, bolschewistischem oder marxistischem Bestreben und dem Beinahe-Ende der Welt durch eine nukleare Katastrophe sei nun in weiten Teilen der Welt der Frieden zum Greifen nah. Die Weltgeschichte habe einen „Full Circle“ beschrieben und die liberale Demokratie sich als beständige Ideologie und einzig funktionierende Regierungsform bewiesen. Der Sieger im Kalten Krieg: der Westen und seine Ideologie des wirtschaftlichen und politischen Liberalismus. Diese würde sich nun ausbreiten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Jahr 1989 markiere damit nicht nur das Ende des Kalten Krieges, sondern auch das Ende der Menschheitsgeschichte: Nach Fukuyama kann nun kein weiterer Fortschritt in der Entwicklung grundlegender Prinzipien und Ideologien erfolgen – alle großen Fragen seien abschließend geklärt. Wenn Fukuyama also vom Ende der Geschichte spricht, dann vom Ende der Weiterentwicklung der menschlichen Lebens- und Organisationsformen, von einem endgültigen Zustand, der gleichzeitig auch Ausdruck eines Endziels ist.</span></p>
<h3><b>Vorstellung versus Realität</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ist für Fukuyama die liberale Demokratie das Erfolgsmodell, so sind Faschismus und Kommunismus ihre ärgsten Herausforderer. Im Jahr 1989 schätzte Fukuyama totalitäre Systeme jedoch als begrenzt gefährlich ein, da sie zwecks mangelnder Legitimation nicht haltbar seien und dadurch zwangsläufig erodieren würden. Diese Einschätzung bemängelten Kritiker:innen schon bei der Veröffentlichung des Artikels als zu optimistisch. Heute räumt Fukuyama dies selbst ein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Viele Kritiker:innen stufen Fukuyamas Beschreibung des Kapitalismus außerdem als quasireligiöse Verklärung ein. Die liberale Demokratie mit ihrer freien Marktwirtschaft sei instabil: Es gebe zu viel Leid und Ungleichheit; die Welt sei unterteilt in Gewinner:innen und Verlierer:innen. Zudem sei der Westen nicht an einer Demokratisierung des globalen Südens interessiert. Das aktuelle Weltgeschehen zeige auch: Autoritäre Staatengebilde wie China und Russland sind modernisiert und wieder erstarkt – trotz mangelnder Demokratie. Religiöse fundamentalistische Ideologien und ihre Vertreter:innen seien außerdem nicht nur widerständig, sondern würden teils auch weltanschauliche Alternativen zur liberalen Demokratie darstellen. Denn die moderne liberale Demokratie biete zwar wirtschaftlichen Erfolg, aber keine Gemeinschaft. Sie trage nicht zur Identitätsbildung bei, wie es etwa Religionen und nationalistische Ideologien tun. Die Kritiker:innen verweisen außerdem auf das aktuelle Weltgeschehen wie den Klimawandel oder die COVID-19-Pandemie: Kaum größer könnten die aktuellen Fragestellungen sein, kaum dringlicher geeignete Lösungsansätze.</span></p>
<h3><b>Zeiten des Aufruhrs?</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Ende seines Essays aus dem Jahr 1989 äußert sich Fukuyama etwas deprimiert über das nahende Ende der Geschichte: Langweilige Zeiten stünden bevor. Das Ende der Geschichte sei auch eine traurige Zeit. Teils ironisch, teils ernst schreibt Fukuyama, er trauere den Zeiten nach, als Individuen ihr Leben für abstrakte Ziele und Ideologien riskierten – und zeigt sich nostalgisch über die „Zeiten der Geschichte“, deren Ende er proklamiert. Er meint auch: Es bestehe alternativ die Möglichkeit, dass die bevorstehenden langweiligen Zeiten einen Katalysator darstellen – für die Weltgeschichte, für Ideen und Ideologien.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dreißig Jahre später veröffentlicht Fukuyama noch immer Essays und Bücher. Journalist:innen steht er in Interviews Rede und Antwort. Mit ihnen spricht er unter anderem über den Angriffskrieg auf die Ukraine. Das aktuelle Geschehen sei lediglich ein „Rocky Patch“ in der Weltgeschichte. Doch ob nur steiniges Stück oder anhaltender Trend: Die Geschichtsschreibung läuft weiter, und wir mit ihr mit.</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Journalismusfest 2024: „Genau hinsehen, was geschieht“</title>
		<link>https://www.unipress.at/kultur/journalismusfest-2024-genau-hinsehen-was-geschieht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2024 10:30:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das diesjährige Journalismusfest war vor allem eines: vielfältig. Am vergangenen Wochenende konnten 60 Events an 25 Standorten in ganz Innsbruck besucht werden. Die UNIpress-Redaktion war unter den mehr als 6500&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Das diesjährige Journalismusfest war vor allem eines: vielfältig. Am vergangenen Wochenende konnten 60 Events an 25 Standorten in ganz Innsbruck besucht werden. Die UNIpress-Redaktion war unter den mehr als 6500 Besucher:innen.</div>
<p><span id="more-20611"></span></p>
<p>„Genau hinsehen, was geschieht“ – unter diesem Leitspruch, einem Zitat von Ilse Aichinger, wurde das diesjährige Journalismusfest abgehalten, auch bekannt als Internationale Tage der Information. Informiert haben die zahlreichen anwesenden Medienschaffenden über eine große Bandbreite an Themen, und das auf sehr unterschiedliche Art und Weise:  Nicht selten in klassischen Gesprächsrunden, aber auch experimentell in Form von Slam Poetry oder sogar Theater. Die meisten Veranstaltungen waren kostenfrei für die gesamte Innsbrucker Öffentlichkeit und das angereiste Publikum zugänglich. Es folgt ein Rückblick auf eine kleine Auswahl an spannenden Events.</p>
<h3>„Verbrennen Medienfrauen am digitalen Scheiterhaufen?“</h3>
<div id="attachment_20619" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-20619" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-20619 size-medium" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Claudia_ReiterercRachel-Mabala-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-20619" class="wp-caption-text">Foto: Rachel Mabala</p></div>
<p>Claudia Reiterer, österreichische Fernsehmoderatorin und Journalistin, moderiert seit 2017 die ORF-Sendung <em>Im Zentrum</em>. Nach zahlreichen Grußworten durch die Lokalpolitik erzählt Reiterer in ihrem Vortrag zur Eröffnung des Fests eindringlich von (Medien-)Frauen, die im Netz zur Zielscheibe von Hass und Hetze werden. Die Analogie der Hexenverbrennung ist dabei nicht zufällig gewählt: Denn nicht selten wird Reiterer online als Hexe bezeichnet, anderweitig beleidigt oder erfährt Androhungen von sexueller und roher Gewalt. Ihre Erfahrung ist dabei nur eine von vielen: Medial werden Frauen strukturell diskreditiert, beleidigt und bedroht. Reiterer warnt in diesem Zusammenhang vor KI und Deep Fakes. Bildmaterial aus ihrer Sendung wurde bereits manipuliert und gegen sie verwendet – was sich mit weiteren technischen Entwicklungen wohl häufen wird. Reiterer spricht auch über die Unterrepräsentation von Frauen in der Medienwelt. Die Ironie hinter der Eröffnungsveranstaltung: Weil die Politiker ihre vorgesehene Redezeit überschritten, musste Reiterer ihren Beitrag von einer Stunde auf eine halbe kürzen.</p>
<h3>Martin Thür, die Slipeinlage und der Gartenzwerg</h3>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-20631 size-medium alignright" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-300x287.jpeg" alt="" width="300" height="287" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-300x287.jpeg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-1024x980.jpeg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-768x735.jpeg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-1536x1470.jpeg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-1170x1119.jpeg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4-585x560.jpeg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/7E96EC6D-3FD0-4B48-A1D8-4751242EECC4.jpeg 1641w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>Außerdem vom Bundes-ORF in Wien kam Martin Thür – ZIB2-Moderator und, wie sich herausstellte, ein richtiger Publikumsmagnet. Im Treibhaus führte er durch die Ausstellung seiner Sammlung an Wahlkampfgeschenken. Für dieses Hobby jagt er auf Ebay nach Gegenständen, die die bewegte politische Geschichte Österreichs einmal ganz bildlich und haptisch erzählen. Unter anderem darunter: Eine wiederverwendbare Slipeinlage, bedruckt mit dem Namen von Grünen-Kandidatin Monika Vana, Support-Stufe: für leichten Fluss. Ob man damit wohl die richtige politische Botschaft gesendet habe, fragt sich Thür und lacht. In der Sammlung macht sie sich jedenfalls gut.</p>
<h3><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="alignleft wp-image-20633 size-medium" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Gartenzwerg1-300x300.jpeg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Gartenzwerg1-300x300.jpeg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Gartenzwerg1-150x150.jpeg 150w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Gartenzwerg1-768x766.jpeg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Gartenzwerg1-585x585.jpeg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/Gartenzwerg1.jpeg 951w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></strong></h3>
<p>Außerdem kurios: Die <em>Playboy</em>-Ausgabe, für die der langjährige Bundeskanzler Bruno Kreisky ein Interview gab. Ein Gartenzwerg mit Sonnenbrille und Schild mit Aufdruck „Diesmal darf’s ein Roter sein“, Handschrift: SPÖ Vorarlberg (eine Leihgabe von Christian Willim, Tirol-Korrespondent des <em>Kurier</em>). Eine Erwin-Pröll-Actionfigur zur Niederösterreicher Landtagswahl 2003, „unverkäuflich, aber am 30.03.2003 lebensgroß wählbar“. Und natürlich eine Vielzahl an Flyern, Prospekten und anderem Printmaterial, ab der ersten Wahl der zweiten Republik. Schon früh ging es rhetorisch grob zu: Auf den ersten Wahlplakaten Österreichs neugeborener Demokratie beleidigten sich politische Gegner gegenseitig unter anderem als Esel. Fröhlicher hingegen: Ein Plakat aus dem Jahr 1994 verkündet der Linzer Bevölkerung großen Anlass zur Freude – „Jörg Haider kommt!“ Und auf einer Karte steht prominent „Österreich zuerst“. Was Trump’sch anmutet, hat schon Bundespräsident Thomas Klestil für sich beansprucht.</p>
<div id="attachment_20634" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20634" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-20634" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/martin-thuer-cAlena-Klinger-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-20634" class="wp-caption-text">Foto: Alena Klinger</p></div>
<h3><strong>„Alternative Medien unterstützen einander“</strong></h3>
<p>Was sind alternative Medien, und wie arbeiten sie? Dieser Frage wird in der Gesprächsrunde zwischen Rebecca Sandbichler (<em>Straßenzeitung 20er</em>), Lukas Ladner (<em>UND Magazin</em>) und Elisabeth Grabner-Niel (<em>aep-informationen</em>) nachgegangen, moderiert von Studierenden des Medien-Masters der Universität Innsbruck. Der Begriff „alternativ“ ist in diesem Zusammenhang kontrovers – nicht selten bezeichnen sich so rechte Blogs und Chatgruppen auf Telegram. Alternative Medien beschreiben aber auch etwas anderes: Medien etwa, die alternativ, beispielsweise durch Straßenverkäufe, vertrieben werden, bei denen marginalisierte Gruppen im Fokus stehen oder die eine Gegenöffentlichkeit darstellen. Vor diesem Hintergrund definieren sich alle anwesenden alternativen Medien als alternativ: Die <em>aep-informationen</em> beispielsweise als Sprachrohr einer aktiven feministischen Szene, „mit analytischem Ansatz und Perspektiven auf Veränderung“.</p>
<p>Die Arbeit bei einem unabhängigen, alternativen Medium ist dabei zeitgleich oft auch eine Arbeit im Prekariat. Wer bei den <em>aep-informationen</em> schreibt, schreibt ehrenamtlich – und das muss man sich leisten können, sagt Grabner-Niel. Auch das <em>UND Magazin</em> stand schon kurz vor dem Aus, sagt Ladner, konnte sich aber letztendlich retten. Das Ziel des <em>UND Magazins</em>: Verschiedenen Menschen und Perspektiven eine Plattform geben – das geschieht beispielsweise durch Open Calls. Auch Sandbichler von der <em>Straßenzeitung 20er</em> spricht über ihre Arbeit als Chefredakteurin, die gleichzeitig Sozialarbeit ist: Nicht selten kommen die Straßenverkäufer:innen der Zeitung in die Redaktion, weil sie kein Dach über dem Kopf haben oder Hunger leiden. Diese Unmittelbarkeit betreffe auch die Berichterstattung. Ein Redaktionsmitglied der <em>aep-informationen</em> sagte einmal, erzählt Grabner-Niel: „Wir schneiden uns die Zeitschrift aus dem Fleisch heraus.“</p>
<h3><strong>„In Israel, it&#8217;s still October 7th“</strong></h3>
<p>Was eigentlich als Dialog zwischen Ahmed Alnaouq, Journalist aus Gaza und derzeit in London, und Tamar Tsvaigrach, der leitenden Redakteurin der israelischen Zeitung <em>Haaretz</em>, hätte stattfinden sollen, ereignet sich am Sonntag in zwei voneinander getrennten Veranstaltungen. Um zu betonen, dass es eben nicht zwei Perspektiven, sondern zahlreiche gibt, sagt der Leiter des Journalismusfests Benedikt Sauer – und um Tsvaigrach und Alnaouq jeweils genügend Raum für ihre Einschätzungen zu geben. Im Gespräch mit der Journalistin Inge Günther spricht Alnaouq in der ersten Veranstaltung über Herausforderungen für die Berichterstattung in Zeiten des Krieges. Auch Tsvaigrach teilt dazu ihre Einschätzung im anschließenden Gespräch mit dem Literatur- und Medienwissenschaftler und Leiter des Jüdischen Museums Hohenems Hanno Loewy.</p>
<p>Seit dem 7. Oktober hätten Journalist:innen eine neue, große Aufgabe, sagt Tsvaigrach: Die Zeitung <em>Haaretz</em> beispielsweise sieht sich nun anstelle der Politik in der Verantwortung, die Bevölkerung objektiv und kritisch zu informieren, teilweise ersetze sie sogar die Polizei. Tsvaigrach erzählt, wie Besucher:innen des Festivals, das die radikalislamistische Hamas am 7. Oktober angriff, ihrem Kollegen bei <em>Haaretz</em> ihre Standorte schickten und ihn baten, sie zu retten. Er war es schließlich, der den Polizeichef mit den Informationen versorgte. Für große Teile der israelischen Bevölkerung sind Tsvaigrach und ihre Kolleg:innen „Leftist Traitors“. Es habe einen Rechtsruck in der israelischen Bevölkerung gegeben, auch in linken Kreisen herrsche wenig Empathie für die Palästinenser:innen im Gaza-Streifen, der Diskurs habe sich in den Mainstream-Medien seit dem 7. Oktober kaum differenziert. Tsvraigrach sagt: „In Israel, it’s still October 7th.“ Anlaouq teilt, dass aus dem Gaza-Streifen nur wenig Informationen herausgetragen werden, was eine ausführliche Berichterstattung durch die Medien erschwere. Bei all den teils verschiedenen Einschätzungen durch Alnaouq und Tsvaigrach bleibt aber eines indiskutabel, betont Loewy: Der Krieg müsse aufhören, dem Leid ein Ende gesetzt werden.</p>
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		<title>Gen Z: Für ein Ende der Fremdzuschreibungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Mar 2024 11:30:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Generation Greta, Generation Beziehungsunfähig oder „einfach nur lost“? Im aktuellen Diskurs ist die Gen Z kaum mehr als Clickbait. Generation Y, Generation Z, Generation (es geht wieder von vorne los)&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Generation Greta, Generation Beziehungsunfähig oder „einfach nur lost“? Im aktuellen Diskurs ist die Gen Z kaum mehr als Clickbait.</div>
<p><span id="more-20417"></span></p>
<p>Generation Y, Generation Z, Generation (es geht wieder von vorne los) Alpha: Dass selbsternannte Expert:innen ganzen Bevölkerungsgruppen gerne große Stempel aufdrücken, ist keine Neuheit. Schon die Generation Y („Millennials“) konnte sich vor Fremdzuschreibungen kaum retten. Als prägende Ereignisse in ihrer Jugend nannte man 9/11, die Bologna-Reform oder die Finanzkrise.</p>
<p>Auch die Gen Z erlebt als gehyptes Schlagwort eine Flutwelle an Aufmerksamkeit von Presse, Politik und (Pseudo-)Forschung: Die Gen Z „überschätzt sich im Job“, erträumt sich ein „hohes Gehalt“, „verlässt sich lieber auf das Erben“ (Der Standard, September und Oktober 2023), sieht „nur ihr eigenes Ego“ (SZ, Februar 2024) oder ist „einfach nur lost“ (Der Spiegel, Oktober 2023). Häufig fallen im Zusammenhang Wörter wie „Fachkräftemangel“, „4-Tage-Woche“ oder – besonders nett – „faul“. Die Generation Z scheint also besonders im Arbeitskontext äußerst interessant zu sein. Ansonsten wird sie mit Vorliebe als „sicherheitsbewusst“, „autonom“, „sensibel“, „beziehungsunfähig“ oder „individualistisch“ beschrieben.</p>
<div id="attachment_20429" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-20429" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-20429" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-20429" class="wp-caption-text">Foto: Prateek Katyal auf Unsplash</p></div>
<h3>Mit dem Schein-Segen der Wissenschaft</h3>
<p>Soziolog:innen sehen diese Zuschreibungen kritisch. Sie bemängeln schwammige Definitionen und Willkür bei der Zuordnung bestimmter Jahrgänge zu bestimmten Generationen. Für die Generation Z werden beispielsweise je nach Quelle unterschiedliche Geburtenjahre genannt. Das Pew Research Center spricht von den Geburtenjahren 1997–2012, andere Quellen geben die Jahrgänge 1995–2005 an, einen allgemeinen Konsens gibt es nicht. Der Blick auf die – um es einmal einfacher zu fassen – um die Jahrtausendwende Geborenen ist außerdem vor allem eines: verallgemeinernd. Dass Generationen keine homogenen Gruppen sind, wird dabei gerne vergessen. Auch sind die Erfahrungen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Alltag der meisten Meschen bestimmt haben, nicht exklusiv für eine Generation. Nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene sehen und sahen sich mit neuen, digitalen Medien, dem Klimawandel oder der Covid-Pandemie konfrontiert. Entscheidend ist nur, dass die Gen Z diese Ereignisse in ihrer Jugend erlebte – und sie daher als besonders prägend wahrnahm.</p>
<p>Wenig repräsentativ sind daher die zahlreichen Darstellungen der Gen Z in der Presse und auf dem Buchmarkt. Schon über die Millennials wurden Bücher veröffentlicht und Schmähschriften verfasst, und auch damals stammten diese selten aus der Feder der Millennials selbst. Wie zur Zeit der Millennial-Debatte zeichnen sich die endlosen Berichte über die scheinbar mega-alternative Generation Z heute durch „knackige&#8221; Thesen aus, die in schön zitierbare Zeilen gequetscht und schließlich mit schicken Fußnoten untermauert werden.</p>
<h3>Existenz- und Klimaangst im Trend</h3>
<div id="attachment_20428" style="width: 210px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-20428" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-20428" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-200x300.jpg 200w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-683x1024.jpg 683w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-768x1152.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-1024x1536.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-1365x2048.jpg 1365w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-1920x2880.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-1170x1755.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-585x878.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/03/ehimetalor-akhere-unuabona-sW16rbnZHp8-unsplash-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /><p id="caption-attachment-20428" class="wp-caption-text">Foto: Ehimetalor Akhere Unuabona auf Unsplash</p></div>
<p>Ein Buch über die Gen Z beigesteuert hat auch die Journalistin, Autorin und Influencerin Valentina Vapaux. In ihrer Essay-Sammlung „Generation Z. Zwischen Selbstverwirklichung, Insta-Einsamkeit und der Hoffnung auf eine bessere Welt“ schreibt Vapaux über das Internet, Sex, Politik und Drogen. Sie erhebt dabei nicht den Anspruch, eine gesamte Generation verstanden zu haben, sondern schreibt aus ihrer eigenen Erfahrung heraus. Erkenntnisse aus der Wissenschaft zitiert sie dennoch, weswegen sich auch ihr Beitrag stellenweise zumindest wie der Versuch einer Analyse liest. Vapaux nennt dabei Begrifflichkeiten, mit denen wohl viele junge Erwachsene etwas verbinden würden: Existenzangst, das Gefühl des Verlusts der Kontrolle über das eigene Leben, Pessimismus in Bezug auf den Klimawandel, eine zunehmende Politisierung, ob mit kosmopolitischer oder (national-)populistischer Tendenz, oder die Bereitschaft, therapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen.</p>
<p>Einzigartig ist Vapaux‘ Essay-Sammlung jedoch besonders aus dem Blickwinkel, dass die Autorin 2001 geboren und damit entsprechend der meisten Angaben tatsächlich Teil der Gen Z ist. Aus diesem Grund ist ihr Beitrag zur Gen Z einer der wenigen, der ohne Fremdzuschreibungen auskommt. Genau dieser Punkt ist zentral. Denn egal wie repräsentativ das Generationenkonzept „Gen Z“ ist, egal ob die Gen Z hoffnungsloser oder glücklicher oder verkorkster ist als Millennials, Alphas oder gar Boomer – die Schlagzeilen und Urteile sind selten Stimmen aus den eigenen Reihen. Im Endeffekt sind es also Fremdzuschreibungen, die ein Bild dieser Generation zeichnen. In den seltensten Fällen sind sie schmeichelhaft.</p>
<h3>Nicht aus Eitelkeit</h3>
<p>Nun ist es wenig produktiv, sich von Schlagzeilen kränken zu lassen. Dabei wird jedoch vergessen: Diese Fremdzuschreibungen grenzen ein. Menschen in Führungspositionen treffen und verbreiten Aussagen über Konsumverhalten, Art der Politisierung, Lebensweise und Arbeitsmoral der Gen Z. Im Umkehrschluss definieren Menschen in Führungspositionen und die Empfänger:innen dieser Botschaften also auch, wie die Gen Z konsumiert, wählt, lebt, liebt und arbeitet, welche Produkte Teil ihrer vorsichtig kuratierten Identität werden, welche Politiker:innen welche Entscheidungen treffen, welche Lebens- und Liebesformen akzeptiert werden, womit junge Erwachsene jetzt und in Zukunft ihren Lebensunterhalt verdienen.</p>
<p>Beim Scrollen durch Pressebeiträge fällt mir wenig später eine weitere Schlagzeile ins Auge. „Eigentlich ist die Generation Z doch gar nicht so anders“, titelte die SZ noch im November. Doch auch diese Aussage scheint der Debatte nicht gerecht zu werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sex-Toys – zwischen Tabu und Emanzipation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Feb 2024 11:50:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sexspielzeug ist ein integraler Bestandteil des Alltags vieler Österreicher:innen. Tabuisiert wird die Verwendung noch immer. Dabei hat die Industrie einen Imagewandel vollzogen.  Die Emanzipation kann sich die moderne Frau für&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Sexspielzeug ist ein integraler Bestandteil des Alltags vieler Österreicher:innen. Tabuisiert wird die Verwendung noch immer. Dabei hat die Industrie einen Imagewandel vollzogen. <span id="more-20347"></span></div>
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<p><span style="font-weight: 400;">Die Emanzipation kann sich die moderne Frau für 185 Euro kaufen. Sie ist lilablassblau oder roségold, hergestellt aus körperechten Materialien, ausgestattet mit einer eleganten Benutzeroberfläche sowie einer wiederaufladbaren Lithium-Batterie. Auf der Verpackung räkelt sich kein Pornostar, denn einschüchtern soll das Produkt nicht. Stattdessen soll es einladend wirken, mit der Umgebung verschmelzen. Angeboten wird es in minimalistisch anmutenden Geschäften in familienfreundlichen Kaufhäusern. Käufer:innen können auswählen zwischen „Mia“, „Form 6“ und weiteren ästhetischen, qualitativ hochwertigen Designer-Produkten. In anderen Worten: Sexspielzeug.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Unter Sexspielzeug versteht man Produkte, die bei Verwendung sexuell stimulierend wirken. In westlichen Gesellschaften verzeichnet der Markt ein konstantes Wachstum. Rund die Hälfte der hiesigen Zielgruppe hat bereits mindestens einmal ein solches Produkt verwendet. Der Gebrauch wird vermehrt als gewöhnlich betrachtet und gilt weitgehend als akzeptiert. Laut aktuellen Studien gehören junge Erwachsene zu den aktivsten Nutzer:innen.</span></p>
<h3><strong>Typisch viktorianisch!</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Erfinder des Vibrators gilt der britische Arzt J. Mortimer Granville. Entwickelt in den 1880er-Jahren, wurde die Technologie erst weitgehend zur Behandlung von weiblicher „Hysterie“ verwendet.  Zu dieser Zeit maßen Ärzte der Anwendung keinen sexuellen Nutzen bei. Dieser wurde in den folgenden Jahren bald bekannt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Allerdings gestaltete sich die Vermarktung schwierig. Das war einerseits der schweren, alles andere als sinnlich wirkenden Maschinerie geschuldet. Andererseits galt sexuelles Vergnügen, besonders Masturbation, als unmoralisch und tabu. Darüber hinaus war der Verkauf von sexuell stimulierend wirkenden Produkten zeitweise verboten. Daher brachte man den Vibrator unter dem Deckmantel eines medizinischen Geräts oder Haushaltsprodukts an die Kundschaft. Kodierte und sexuell aufgeladene Sprache sowie sexualisierte Abbildungen von Männern und Frauen implizierten den eigentlichen Nutzen. </span></p>
<h3><strong>Ein geschlechterspezifischer Markt </strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Je nach biologischem Geschlecht der Zielgruppe unterschied sich die Werbung. Vibratoren würden Frauen die „perfekte Figur“ verschaffen, die Anwendung an der weiblichen Brust würde diese vergrößern. Bereits damals implizierte die Werbung, dass die moderne Frau über ihre eigene Sexualität walten würde. Der Fokus lag jedoch auf der größeren Anziehung auf Männer, die von einer solchen Frau ausgehen würde. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Anders als weibliche Lust war männliche Sexualität bereits im frühen 20. Jahrhundert gesellschaftlich akzeptiert und wurde sogar gefeiert, beispielsweise als „animalischer Instinkt“. An Männer gerichtete Werbung kaschierte den sexuellen Nutzen von Sexspielzeug daher nicht, sondern erwähnte ihn explizit: Vibratoren würden die „Männlichkeit“ stärken und Impotenz heilen. Außerdem sollten sie dem Muskelaufbau dienen. Bald galt Sexspielzeug als Symbol des körperbewussten Selfmademans oder war Zeichen des Befreiungsschlags der sexuell selbstbewussten sowie sexualisierten modernen Frau. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Sexspielzeug in den 1920er-Jahren in der Pornographie auftauchte, konnte die Tarnung als Haushalts- und Gesundheitsgerät nicht mehr aufrecht erhalten werden. Mit der Liberalisierung der westlichen Gesellschaft ist aus einem Produkt, das tabuisiert wurde, als anstößig, peinlich, gar unaussprechlich galt, mittlerweile ein Designer-Produkt geworden. Mediale Meilensteine, darunter Filme wie „Sex and the City“ und „Fifty Shades of Grey“, haben zu einer allgemeinen Akzeptanz von Sexspielzeug geführt. Die Konsument:innen müssen nicht mit dem Verlust ihres gesellschaftlichen Status rechnen. Dennoch hält sich das Tabu auf individueller Ebene hartnäckig: Öffentlich wird kaum über die Verwendung von Vibratoren oder ähnlichen Produkten gesprochen. </span></p>
<h3><strong>Die neue Produkt-Generation </strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei hat sich in den letzten Jahren die Kauferfahrung maßgeblich verändert. Vertrieben wird zu großen Teilen online, aber auch in gewöhnlichen Kaufhäusern und Einkaufsmeilen. In einer finnischen Studie zur Verwendung von Sexspielzeug äußert sich eine befragte Sexualtherapeutin: „Man nimmt dem Ganzen das Negative, das Mystische, man verkauft das Spielzeug nicht mehr im Keller, man zeigt: Es kann wunderschöne, attraktive Geschäfte mit professioneller Kaufberatung geben.“ Die Ära von schmierigen Sexshops sei vorbei. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese „attraktiveren“ Geschäfte sind vor allem bei Frauen beliebt. Viele Expert:innen sprechen außerdem von einer Feminisierung der vertriebenen Produkte. Das Hauptaugenmerk bei der Konzipierung liege auf dem Produktdesign. Der Hersteller Nomi Tang beschreibt, die Designabteilung hätte die Vorgabe erhalten, das Produkt solle sich optisch von Körperformen lösen, sich in die Umgebung einfügen und „an ein Kunstwerk erinnern“.  Darüber hinaus distanzieren sich diese Firmen von traditionelleren Herstellern. Die Firmengründer:innen haben meist ihre Berufserfahrung in der Entwicklung von High-Tech-Produkten gesammelt – nicht in der Porno-Industrie. Der Gründer des Herstellers Jimmyjane erklärt, seine Marke vertrete nicht nur eine bestimmte Produkt-Ideologie, sondern auch eine gesellschaftliche Agenda. </span></p>
<h3><strong>„Pleasure is your birthright“ </strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Heute, 150 Jahre nach der Erfindung des Vibrators, gehen Sex und Konsum Hand in Hand. Die moderne Frau kann sich in diesen Geschäften ihre Emanzipation kaufen, sich über ihren Konsum selbst sexuell verwirklichen, sich auf eine „erotische Reise“ begeben. In der oben genannten Studie äußern sich viele Expert:innen positiv: „Wie cool es ist, etwas zu kaufen, mit dessen Hilfe ich meine Sexualität ausleben kann. Ich bin nun mal ein sexuelles Wesen, und das ist ein gutes Gefühl.“ Ein weiterer befragter Sexualtherapeut sagt: „Eine Frau mit starkem Willen kauft Sexspielzeug. Die, die weiß, was sie will, auch in Bezug auf ihre Sexualität. Die, die Gründe für ihren Kauf nicht übermäßig hinterfragt und sich nicht unnötigerweise schämt. Eine starke Frau.“ Der Kauf von Sexspielzeug würde Frauen stärken und ihnen ein Stück Unabhängigkeit geben. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Andere Expert:innen wiederum äußern Zweifel an dieser Sichtweise. Die Hälfte der Zielgruppe in westlichen Ländern würde aktuell kein Sexspielzeug verwenden. Medien, allen voran Pornographie, könnten diesen Menschen das Gefühl vermitteln, sie seien anderen deswegen unterlegen. Dabei müsse niemand Sexspielzeug verwenden, und es müsse auch nicht darüber gesprochen werden. „Es darf Dinge geben, die nur einem selbst gehören, die nicht unbedingt in der Öffentlichkeit geteilt werden. Das ist okay“, äußert sich eine im Rahmen der Studie befragte Sexologin. So könne auch das Geheime und Mystische rund um die Verwendung von Sexspielzeug erhalten bleiben. Besonders für Paare wäre das etwas Tolles: ein gemeinsames Geheimnis, aufregend und unterhaltsam. </span></p>
<div id="attachment_20348" style="width: 232px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20348" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-20348" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-222x300.jpg" alt="" width="222" height="300" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-222x300.jpg 222w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-759x1024.jpg 759w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-768x1036.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-1138x1536.jpg 1138w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-1518x2048.jpg 1518w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-1920x2591.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-1170x1579.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-585x789.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-480x650.jpg 480w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/02/Bildbeschreibung_-Werbung-fuer-den-_Star-Electric-Massage-Vibrator_-1920.-Bildrechte_-Wikimedia-Commons-scaled.jpg 1897w" sizes="(max-width: 222px) 100vw, 222px" /><p id="caption-attachment-20348" class="wp-caption-text">Bild: Wikimedia Commons / Werbung für den „Star Electric Massage Vibrator“, 1920</p></div>
<h3><strong>Die Sexual-Wellness-Revolution </strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Auffällig oft wird in den vergangenen Jahren von sexueller Wellness gesprochen, wenn es eigentlich um Sexspielzeug geht. Hersteller sprechen sogar von einer „Sexual-Wellness-Revolution“. Wenn sich jemand den eigenen Kauf mit Gesundheitsgründen erklärt, wird die auf den Kauf bezogene Verlegenheit vermindert. Viele Sexolog:innen sprechen außerdem von dem Effekt des „weißen Kittels“: Wenn Sexolog:innen, also medizinische Expert:innen, ihren Patienten vermitteln, dass der Gebrauch von Sexspielzeug in Ordnung sei, ja, sogar einen medizinischen Nutzen habe – dann würden sich mehr Menschen trauen, Sexspielzeug zu verwenden oder sogar auch darüber zu reden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sexspielzeug blickt damit auf eine 150-jährige Produktgeschichte zurück. Vieles hat sich verändert, anderes wiederum nicht. Während im öffentlichen Diskurs das Tabu schwindet, bleibt es besonders auf privater Ebene oft bestehen. Außerdem: Vibratoren als Gesundheitsprodukt? Das erinnert an das viktorianische Zeitalter.  </span></p>
</div>
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		<title>Holocaust-Gedenktag: Judenverfolgung in Innsbruck</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jan 2024 11:30:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der heutige 27. Januar steht im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auch in Innsbruck beging das NS-Regime zahlreiche Morde an der jüdischen Bevölkerung. Die Befreiung des Konzentrationslagers&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der heutige 27. Januar steht im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auch in Innsbruck beging das NS-Regime zahlreiche Morde an der jüdischen Bevölkerung.</div>
<p><span id="more-20323"></span></p>
<p>Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau jährt sich. Gedacht wird am internationalen Holocaust-Gedenktag dem Völkermord an den sechs Millionen Jüdinnen und Juden, außerdem dem „anderen“ Völkermord an den Sinti:zze und Rom:nja, den verfolgten und ermordeten Menschen mit Behinderungen, Menschen aus der queeren Community, Obdachlosen, sogenannten „Asozialen“ und Kriegsgefangenen. Sie alle wurden Opfer des NS-Regimes.</p>
<h3>Antisemitismus als Staatslehre</h3>
<p>Am 20. Januar 1942 lud der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich zur „Besprechung mit anschließendem Frühstück”. Als „freudig“ wurde die Atmosphäre zwei Jahrzehnte später vom damals anwesenden Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer und „Hauptorganisator” des Holocaust, beschrieben. Beschlossen wurde die „Endlösung der europäischen Judenfrage“ –  europaweit sollten Jüdinnen und Juden deportiert und vernichtet werden. Die Besprechung ging als Wannseekonferenz in die Geschichte ein. Sie ist Ausdruck des kaltblütigen bürokratischen Vorgehens des NS-Regimes und seiner Entschlossenheit zum Völkermord an der jüdischen Bevölkerung.</p>
<p>Zum Zeitpunkt der Wannseekonferenz war der Völkermord an der jüdischen Bevölkerung längst Wirklichkeit. Spätestens mit der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 war der Antisemitismus die Staatslehre im deutschen Herrschaftsgebiet. Jüdische Menschen wurden Opfer von Maßnahmen der Entrechtung, Ausgrenzung, Diskriminierung und Vertreibung. Mit dem Erlass der Nürnberger Gesetze 1935 degradierte das NS-Regime Jüdinnen und Juden endgültig zu Bürger:innen zweiter Klasse. Die Wirtschaft wurde „arisiert“ und jüdische Menschen schrittweise von jeglicher Art der Erwerbstätigkeit ausgeschlossen. Dies bedeutete die Verelendung der jüdischen Bevölkerung. Ihr öffentliches Leben kam zum Erliegen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 verschlechterten sich auch in Tirol die Existenzbedingungen für jüdische Menschen drastisch.</p>
<div id="attachment_20337" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20337" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-20337 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0923-505_Innsbruck_Annexion_Oesterreichs_2.jpg" alt="" width="800" height="572" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0923-505_Innsbruck_Annexion_Oesterreichs_2.jpg 800w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0923-505_Innsbruck_Annexion_Oesterreichs_2-300x215.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0923-505_Innsbruck_Annexion_Oesterreichs_2-768x549.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0923-505_Innsbruck_Annexion_Oesterreichs_2-585x418.jpg 585w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p id="caption-attachment-20337" class="wp-caption-text">Foto: Deutsches Bundesarchiv, via Wikimedia Commons</p></div>
<p>Mit den Novemberpogromen in der Nacht des 9. Novembers 1938 erreichten die antisemitischen Gewaltexzesse ihren bisherigen Höhepunkt. Am Morgen des 9. Novembers beging der 17-jährige Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris. Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, hielt daraufhin noch am selben Abend in München eine Hetzrede vor Mitgliedern der NSDAP. Darin rief er zur Gewalt an der jüdischen Bevölkerung auf. Auch der Tiroler Gauleiter Franz Hofer war anwesend.</p>
<h3>Innsbruck: Schauplatz des Völkermords</h3>
<p>Hofer wies daraufhin die Innsbrucker Mitglieder der SS, der SA und des NSKK (Nationalistisches Kraftfahrkorps) an, sich in Zivil zu versammeln. Dies geschah um Mitternacht. Die „Aktionen“ in Innsbruck begannen gegen 3 Uhr 30 und sollten als spontane Volkserhebungen wahrgenommen werden. Anteilig gemessen an der Anzahl der jüdischen Bevölkerung in Innsbruck, sind in dieser Nacht in Innsbruck am meisten jüdische Menschen ermordet worden.</p>
<p>SS, SA und NSKK erhielten den Befehl, vier prominente jüdische Bürger zu ermorden. Es handelte sich dabei unter anderem um Ing. Richard Berger, Leiter der israelitischen Kultusgemeinde. NSDAP-Kampfeinheiten zerrten Berger aus seiner Wohnung in der Anichstraße 13 und ermordeten ihn schließlich in Kranebitten. Dr. Wilhelm Bauer, Chef der jüdischen Handelsorganisation, wurde in seiner Wohnung in der Gänsebacherstraße 4 in Saggen misshandelt und erstochen. Durch das gleiche Vorgehen starb Ing. Richard Graubart, wohnhaft im Nachbarhaus Wilhelm Bauers. Karl Bauer, Mitbesitzer des Kaufhauses Bauer &amp; Schwartz (heute Kaufhaus Tyrol), überlebte einen Mordversuch mit schweren Kopfverletzungen. Auch Oberbaurat Ing. Josef Adler, wohnhaft in der Anichstraße 5, überlebte schwere Misshandlungen durch die Angreifer zunächst. Einige Wochen später erlag er jedoch den erlittenen Verletzungen.</p>
<h3>Die organisierte Vernichtung</h3>
<p>In derselben Nacht wurden jüdische Einrichtungen, Firmen und Wohnhäuser stark beschädigt oder zerstört. Die Kampfeinheiten plünderten und demolierten außerdem den jüdischen Betsaal in der Sillgasse 15, setzten ihn jedoch nicht in Brand: Er sollte später der Hitlerjugend zur Verfügung gestellt werden. Die Täter der Novemberpogrome wurden nie zur Verantwortung gezogen. Allein in Innsbruck entstanden Sachschäden im Wert von 200 000 Reichsmark. Die Geschädigten mussten diese Summe selbst begleichen. In den „Innsbrucker Nachrichten“ veröffentlichte Hauptschriftleiter Ernst Kainrath am nächsten Morgen einen Hetzartikel. Er schrieb, man hätte in „berechtigter Notwehr“ gehandelt, die jüdische Bevölkerung sogar mit „Glacéhandschuhen“ angefasst.</p>
<p>Den Novemberpogromen folgte die organisierte physische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Hunderttausende Jüdinnen und Juden wurden in Ghettos deportiert, von dort „transportierten“ die Nationalsozialisten die Ghettobewohner:innen in die Vernichtungslager. Ghettos waren jahrelange Zwischenstationen, der Historiker Wolfgang Benz bezeichnet sie als „Wartesäle der Vernichtung“. Eine solche „Vorhölle“ stellte auch das „Arbeitserziehungslager Reichenau“ dar. Für fast alle Südtiroler Jüdinnen und Juden ein Zwischenstopp bis zur Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz. Schließlich begingen die Nationalsozialisten den industrialisierten Massenmord in den Vernichtungslagern. Auschwitz, vor dem Ersten Weltkrieg Teil von Österreich-Ungarn, war dabei der größte Vernichtungskomplex des nationalsozialistischen Imperiums. Heute vor 79 Jahren wurden die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz von der Roten Armee befreit.</p>
<div id="attachment_20329" style="width: 1034px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-20329" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-20329 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck-1024x819.jpg" alt="" width="1024" height="819" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck-1024x819.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck-300x240.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck-768x615.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck-1170x936.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck-585x468.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/01/Pogromdenkmal_Innsbruck.jpg 1367w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-20329" class="wp-caption-text">Pogromdenkmal in Innsbruck; Bild: Christian Michelidis, Wikimedia Commons</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<h3></h3>
<h3>Trauma und Erinnerung</h3>
<p>Die Bevölkerung des deutschen Herrschaftsgebiets wusste um den organisierten Völkermord. Zur Lebenslüge einer gesamten Generation wurde die Beteuerung, nichts gewusst zu haben. Viele Gerichtsverfahren haben zur Aufklärung beigetragen. Den Vereinten Nationen wurden durch die Nürnberger Prozesse der Weg bereitet, um Angriffskrieg, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit Einhalt zu gebieten. Heute, acht Jahrzehnte nach Ende des Holocaust, erleben religiöse, soziale und ethnische Gruppen sowie ganze Völker noch immer Massengewalt, und die Schauplätze der Gräueltaten geraten – auch in Innsbruck – in Vergessenheit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="bildunterschrift">Wer sich über den Holocaust informieren möchte, kann dies mit dem Sachbuch „Der Holocaust“ von Wolfgang Benz tun, 2018 in neunter Auflage im Verlag C.H.Beck Wissen erschienen. Einen Blick auf das nationalsozialistische Innsbruck wirft der Historiker Niko Hofinger. Er hat einen virtuellen Rundgang mit Bild, Ton und Text zu den Schauplätzen des Novemberpogroms in Innsbruck erstellt. Auf den Rundgang kann via pogrom-erinnern.at zugegriffen werden.</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Male Gaze, Female Gaze – wie Medien unseren Blick auf Frauen prägen</title>
		<link>https://www.unipress.at/kultur/male-gaze-female-gaze-wie-medien-unseren-blick-auf-frauen-praegen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Nov 2023 11:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie Frauen in Filmen inszeniert werden, beschreiben in der Filmwissenschaft die Begriffe “Male Gaze” und “Female Gaze”. Diese Darstellungen beeinflussen auch den Blick auf Frauen in der realen Welt. In&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Wie Frauen in Filmen inszeniert werden, beschreiben in der Filmwissenschaft die Begriffe “Male Gaze” und “Female Gaze”. Diese Darstellungen beeinflussen auch den Blick auf Frauen in der realen Welt.</div>
<p><span id="more-20035"></span></p>
<p>In den 1970er-Jahren verwendete die Filmwissenschaftlerin Laura Mulvey den Begriff des „Male Gaze“ erstmals. Seitdem wird der Ausdruck inflationär verwendet, besonders in den sozialen Medien. Heutzutage geschieht das nicht nur im Kontext einer Filmanalyse, sondern auch in Beschreibungen von Alltäglichem.</p>
<p>Das Konzept des „Male Gaze“ und seine Antwort, die Theorie des „Female Gaze“, stützen sich auf ein binäres Geschlechtermodell. Manche Menschen lehnen die Begriffe daher ab. Die Theorien ließen keinen Platz für Menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren. Dass das Konzept auf Generalisierungen und Vereinfachungen beruhen würde, merkte Laura Mulvey schon bei der Verfassung ihrer Schrift „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ an. Allgemein bleibt anzumerken, dass es viele verschiedene „Gazes“, also Blickwinkel und Sichtweisen, gibt. Sie sind einander nicht unter- oder überlegen – sie unterscheiden sich nur.</p>
<h3><b>Der Male Gaze </b></h3>
<p>Film an. Zu sehen ist eine Frau mit perfektem Körper, stets in knappen Outfits gekleidet. Sie schraubt an Autos und scheut sich nicht davor, es ihrem Mann zwischen Kochen und Abspülen, ohne lang zu meckern, so richtig zu besorgen. Das ist sie. Die perfekte Frau, in den Augen eines Mannes halt. Sie existiert nur, um das Leben des Mannes so angenehm wie möglich zu machen. Das will man(n) sehen, so will man(n) es haben. A woman written by a man, eben.</p>
<p>Diesen männlichen Blick, fachsprachlich „Male Gaze“ genannt, findet man nicht selten in der Bücher- und Filmwelt. Innerhalb der feministischen Filmtheorie wird der Begriff des „Male Gaze&#8221; verwendet, um die Sichtweise eines männlichen, heterosexuellen Betrachters auf Frauen zu beschreiben, also die Herangehensweise des Regisseurs oder des Autors.</p>
<p>Der Begriff an sich entsprang der Filmtheorie der 1970 Jahre. „Gaze“, englisch für „Blick“, als alleinstehender Begriff soll beschreiben, wie Zuschauer:innen visuelle Medien empfinden. Der „Male Gaze“ ist also ein männlicher, sexualisierter Blick, der weibliche Protagonistinnen stark objektiviert. Ob Megan Fox in Transformers, Harley Quinn in Suicide Squad oder die Bond-Girls, Frauen sind oft nur aus ästhetischen Gründen Teil eines Films, während der Mann, der Macher und das Alphatier, mal eben so die Welt rettet.</p>
<p>Eine solche Objektifizierung bringt den negativen Effekt mit sich, dass Zuschauer:innen unbewusst diesen Blick übernehmen und zu Objektbetrachter:innen werden. In vielen Fällen werden Frauen in unserer Gesellschaft auf ihr äußeres Erscheinungsbild reduziert, was dazu führt, dass ihre menschlichen Eigenschaften nicht ausreichend gewürdigt werden.  Sie existieren nur, um der Männerwelt zu gefallen. Derartige Objektifizierungen in Film, Serie und Buch tun den Frauen keinen Gefallen, im Gegenteil. Sie bestärken nur ein misogynes Weltbild, das auch heute noch viele Menschen verinnerlicht haben.</p>
<h3><b>Picassos Blicke</b></h3>
<p>Die Darstellung einer Frau durch den Blick eines Mannes kann man nicht nur in Film und Literatur, sondern auch in der Kunst beobachten. Pablo Picasso, der Frauen auf der Straße mit seinen Augen förmlich durchdrang, war bekannt für seinen Blick auf Frauen und dafür, wie er diese in seiner Kunst darstellte.</p>
<p>Picassos Gemälde zeugen von einer einzigartigen Beobachtung, wie seine zahlreichen Liebesbeziehungen ihn dazu anregten, verschiedene Stilrichtungen aufzugreifen. Oft wird darauf hingewiesen, dass Picassos Verwendung dieser unterschiedlichen Stile eine völlig neue künstlerische Darstellung der Frau hervorgebracht hat. Seine Frauen waren seine Musen, nicht selten wurde ihm nachgesagt, er würde Frauen nur lieben, um einen Grund zum Malen zu haben. Ein Kunstwerk veranschaulicht dies deutlich. In „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Les_Demoiselles_d%27Avignon.jpg">Les Demoiselles d&#8217;Avignon</a>“ malte Picasso fünf Frauen in einem Bordell, deren Körper sehr eckig und kantig dargestellt sind. Das Bild sorgte damals für kritische Reaktionen. Auch aus heutiger Sicht bleibt es ein kontrovers diskutiertes Gemälde. Es scheint so, als würden sich die fünf nackten Frauen ihren Betrachter förmlich anbieten. Dies ist aber auch nur eine mögliche Interpretation des Kunstwerkes.</p>
<p>Der Male Gaze, der sich wie ein Schleier über die Film-, Kunst- und Literaturlandschaft legt, ist in Wahrheit oftmals eine trügerische Linse, die unser Weltbild verzerrt. Dabei bleibt die Vielfalt der Frauen verborgen, während die Rolle des männlichen Protagonisten auf ein Podest gestellt wird, was an veraltete Machtstrukturen erinnert. Jeder  klischeehafte Schnitt und jede stereotype Beschreibung verfestigt ein Narrativ einer Gesellschaft, in der Frauen als nichts anderes wahrgenommen werden als ein beachtliches Schmuckstück.</p>
<h3><b>Der Female Gaze</b></h3>
<p>Der Female Gaze beschreibt den weiblichen Blick. Die Filmtheorie definiert ihn zum einen als die Erzählweise einer Filmemacherin. Ihr Frausein beeinflusse dabei ihre Arbeit. Das Geschlecht beziehungsweise die Geschlechtsidentität der Filmfiguren spielt keine Rolle: Auch die Betrachtung einer männlichen Figur kann Aspekte des Female Gaze beinhalten. Andererseits beschreibt der Female Gaze das subjektive Erfahren einer weiblichen Filmfigur. Ein Female-Gaze-Film zeigt: Das bedeutet es, als Frau in unserer Gesellschaft zu leben. Auch in den sozialen Medien wird das Konzept aufgegriffen. Dort kleidet man sich für den Female Gaze, also um Frauen statt Männern zu gefallen.</p>
<p>Die Regisseurin und Autorin Joey Salloway, die maßgeblich zur Definition des Konzepts rund um den Female Gaze beigetragen hat, betont jedoch eines: Der Female Gaze beschreibe nicht die bloße Umkehrung des Male Gaze. Somit befürworte er nicht die Objektifizierung von Männern, sonders spreche sich lediglich für einen tiefgehenden Blick auf die Lebensrealitäten von Frauen aus. Die auf TikTok groß gewordene Bezeichnung „Men written by a woman“ zeigt außerdem beispielhaft, dass besonders männliche Film- und Buch-Charaktere nicht zwangsläufig von einer weiblichen Perspektive profitieren. Männliche Charaktere „written by a woman“ sind oft weiß und niemals dick. Sie sind immer groß, schlau und charmant, sie zitieren hin und wieder eine feministische Theorie, bezahlen den Kaffee ihrer Partnerin, halten ihr die Tür auf und sie dennoch für gleichwertig. Die amerikanische Autorin Colleen Hoover geht noch weiter: Die männlichen Love-Interests in ihren Büchern sind eifersüchtig, besitzergreifend, dominant und manipulativ – aber dabei natürlich unfassbar heiß. Die Beziehung zwischen der weiblichen Hauptfigur und dem männlichen Love-Interest wird dabei als stark und „empowering“ dargestellt. Colleen Hoover wird vorgeworfen, ihr Schreiben sei stark durch internalisierte Misogynie gekennzeichnet, und damit das Gegenteil von feministisch.</p>
<h3><b>Diskriminierung, Wut und kleine Feuer überall</b></h3>
<p>Das schicke amerikanische Vorstadt-Haus der Familie Richardson brennt. Verursacht haben das Feuer viele kleine Flammen. Die Mutter der Familie, Elena Richardson, nimmt die Schuld auf sich: Sie habe das Feuer gelegt. Von Beginn an stellt sich die Frage: Wie konnte es so weit kommen?</p>
<p>Die Serie „Kleine Feuer überall“ erschien im Jahr 2020 auf der Streaming-Plattform Hulu und handelt von zwei Familien in den 1980er-Jahren in den USA. An der Erstellung des Skripts und der Produktion waren fast ausschließlich Frauen beteiligt. In der Serie nehmen die männlichen Charaktere kaum Einfluss auf das Geschehen, statt ihnen handeln die Frauen. Die beiden Familien, auf die sich die Handlung konzentriert, sind das Produkt der unermüdlichen Bemühungen der jeweiligen Mutter. Besonders deutlich wird das in dem Kalender der Vorzeige-Mutter Elena Richardson: Unzählige Post-Its in verschiedenen Farben weisen auf Verpflichtungen und Verantwortungen hin. Dieser Kalender wird konstant von ihrer Familie belächelt, vor allem von ihrem Ehemann. Bill Richardson hält sich aus dem Leben seiner Frau, ihren Problemen und Sorgen, weitestgehend zurück. „Kleine Feuer überall“ ist dahingehend einzigartig, dass Elenas Bemühungen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, nicht belächelt, sondern respektvoll betrachtet werden.</p>
<h3><b>Männer als Statisten</b></h3>
<p>Besonderen Wert legt die Serie auf die Beziehungen zwischen den Frauen. Mia Warren ist die Mutter der anderen Familie. Als Elena Richardson sie als ihre Haushälterin einstellt, entsteht zwischen ihnen ein ungleiches Machtverhältnis. Elena ignoriert dieses, genauso wie die Tatsache, dass Mia eine schwarze Frau ist. Für sie spiele die Hautfarbe einer Person keine Rolle, sagt Elena – dass sie Martin Luther King bewundert, bringt sie in Anwesenheit schwarzer Menschen dennoch pausenlos zur Sprache. Mia bringt Elenas Versuche, dieses ungleiche Machtverhältnis zu ignorieren, in einem Gespräch wutentbrannt zur Sprache: „Warum möchten alle immer mit ihrem Dienstmädchen befreundet sein?“</p>
<p>Die Wut der Frauen spielt eine zentrale Rolle in der Serie. Dies ist interessant, da wütende Frauen oft als unweiblich wahrgenommen oder als hysterisch abgetan werden. In der Serie sind die Frauen wütend aufeinander, aber auch über Dinge wie Sexismus, Rassismus, gesellschaftliche Normen und den Mythos, als Frau in den 1980er-Jahren eine freie Wahl zu haben. In einem Zeitsprung sehen wir Elena, die durch eine Abtreibung die Geburt ihres vierten Kinders verhindern will. „Leute wie wir machen so etwas nicht“, sagt ihre Mutter, und Elena gebärt das Kind.</p>
<p>Die Bildsprache der Serie ist ruhig, der Blick geduldig. Die Kamera lässt sich Zeit, aber nicht, um die Handlung mit überflüssigem Zoomen auf weibliche Körperstellen aufzuhalten. Stattdessen zeigt sich der weibliche Blick in „Kleine Feuer überall“ durch einen Sinn für Details und für den Rhythmus sowie die Muster des Lebens einer Frau in den 1980er-Jahren: Man spürt die Frau im Raum.</p>
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		<title>Für- und Widerspruch: Wer trägt die Verantwortung beim Konsum?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 11:30:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Klimakrise spaltet die Gemüter. Niemand fühlt sich verantwortlich und die Schuld schieben sich alle gegenseitig zu – dabei sollte doch eigentlich am selben Strang gezogen werden. Die Macht liegt&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Die Klimakrise spaltet die Gemüter. Niemand fühlt sich verantwortlich und die Schuld schieben sich alle gegenseitig zu – dabei sollte doch eigentlich am selben Strang gezogen werden.</span></div>
<p><span id="more-20081"></span></p>
<h2><span style="font-weight: 400;">Die Macht liegt bei dem Volk</span></h2>
<div class="fusnote bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">von Annalena Haller</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Ignoranz ist out. Wer sich heutzutage nicht um die Umwelt sorgt, tanzt aus der Reihe. Wie Hollywood-Schauspielerin Emma Watson schon sagte: “As consumers, we have so much power to change the world just by being careful in what we buy.” Mag plausibel klingen, ist für viele jedoch schwer umsetzbar. Vor allem wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass ein Wocheneinkauf aus B</span><span style="font-weight: 400;">iopro</span><span style="font-weight: 400;">dukten das halbe Monatsgehalt fordert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dies ist aber keine Ausrede. Es gibt genug Baustellen, an denen man als Normalsterblicher ganz leicht anknüpfen kann. Denn wenn man sich für eine Jacke aus dem Vintage-Store entscheidet, die anhand ihrer Abnutzung eine Wertsteigerung von 200 Prozent erfahren hat, sieht man nicht nur gut dabei aus, sondern lässt jeden Großkonzernbesitzer vor Neid erblassen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Direkt ausführen lässt sich das neu gewonnene Schmuckstück mit einer Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es ist förmlich unsere Bürgerpflicht, noch umweltbewusster zu reisen und uns nicht auf den Scheiterhaufen der Umweltsünden auszuruhen. Ungelogen, es hat auch seinen Charme, sich in stickigen, überfüllten Zügen stundenlang abzuquälen, vorausgesetzt man kann die CEOs, die weiterhin fröhlich in ihren edlen Privatjets über die Wolken schweben und die Sektgläser klirren lassen, ausblenden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Solange die Reichen mit Leichtigkeit über dem Thema Nachhaltigkeit stehen können, liegt Verantwortung eben bei den Kleinen. Und wenn die sich für den Beitrag zum Umweltschutz auch noch auf die Schulter klopfen dürfen, dann mag das wohl das i-Tüpfelchen auf dem selbstlosen Verzicht sein. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><span style="font-weight: 400;">Wir haben die Wahl</span></h2>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">von Laura Klemm</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf der Suche nach den Verantwortlichen der größten Ungerechtigkeit unserer Zeit, der Klimakatastrophe, wird mit Vorliebe der gemeine Mensch zum Sündenbock gemacht. Politik und Industrie zeigen gern mal anklagend auf das Individuum – statt ihren Versprechen nachzukommen. Zufrieden richten die Mächtigen unserer Zeit also Appelle an eh schon sensibilisierte, urbane, linksgrüne Mittelschichtsveganer und düngen damit fleißig den Nährboden, auf dem sich individualistische Freiheitskämpfer und moralisch Überlegene gegenseitig den Tag versauen. Klimafreundliche Produkte sind nur ein weiterer Konsumbereich. Radfahrer die wahren Klimakiller. Denn die gleichen ihr Kaloriendefizit womöglich mit Fleisch aus Massentierhaltung aus.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei sind Politiker als gewählte Vertreter dazu verpflichtet, Signale aus der Bevölkerung zu sehen und politische Anstrengungen zu unternehmen. Das ist nicht einmal schwer – denn der Mensch ist von Natur aus gierig und „tendenziell faul”, sagt zum Beispiel Klimasoziologe Tobias Rüttenauer. Es braucht finanzielle Anreize statt Appelle, praktische Alternativen statt Verbote (wobei diese ein guter Anfang wären). Aus Angst vor dem Beinamen „Ökodiktatur” machen Kanzler Karl und Olaf aber lieber – man ahnt es bereits – gar nichts. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sowieso ist der Begriff „Individuum” im Klimakontext ein Witz. Die ökologischen Fußabdrücke von verschwenderischen Superreichen (erst kürzlich gießt auf Instagram Theo, 18, seine Blumen mit Champagner) und am Existenzminimum lebenden Niedrigkonsument</span><span style="font-weight: 400;">en</span><span style="font-weight: 400;"> lassen sich nun einmal nicht vergleichen. Es bringt also nichts, wenn wir uns mit dem Waschlappen säubern, statt unter die Dusche zu hüpfen, wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried vorschlägt. Wir Kleinen können kaum etwas verändern – deswegen haben wir ja gewählt.</span></p>
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		<title>Erasmus: Studieren in der Parallelwelt?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Nov 2023 11:30:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele Erasmus-Studierende bleiben unter sich, gleichzeitig bedauern sie den fehlenden Austausch mit den einheimischen Studierenden. Misslingt Erasmus+? Beobachtungen einer Studentin, die beide Seiten kennt. Erasmus+ ist das weltgrößte und erfolgreichste&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Viele Erasmus-Studierende bleiben unter sich, gleichzeitig bedauern sie den fehlenden Austausch mit den einheimischen Studierenden. Misslingt Erasmus+? Beobachtungen einer Studentin, die beide Seiten kennt.</div>
<p><span id="more-19917"></span></p>
<p>Erasmus+ ist das weltgrößte und erfolgreichste Programm für internationale Studierendenmobilitäten. Seit der Einführung im Jahr 1987 durch die Europäische Gemeinschaft verbringen jedes Semester zahlreiche Studierende einen Teil ihres Studiums an einer Universität im Ausland. Viele erhoffen sich davon, die Zielsprache zu lernen, sie wollen dem gewohnten Alltag für eine bestimmte Zeit entfliehen und sich persönlich weiterentwickeln. Sie streben nach Unbekanntem, möchten die ihnen fremde Kultur verstehen und sich in ihr zurechtfinden. Und natürlich: sich integrieren.</p>
<p>Im März 2023 sitze ich in einem Seminarraum der Universität Innsbruck. Wie jedes Semester schieben sich neue Gesichter durch die Gänge des Instituts: Erasmus-Studierende. Eigentlich möchte ich zum kulturellen Austausch beitragen, ihnen das Einfinden in Innsbruck erleichtern. Aber ich bin ein wenig gestresst, ich habe viel zu tun. Mir überhaupt Zeit für meine bestehenden Freundschaften zu nehmen, fällt mir schwer. Ich merke: Ich kann gerade keine Zeit und Mühe in eine potentielle Freundschaft stecken, die dieses eine Semester möglicherweise nicht überdauert. Nicht einmal ein halbes Jahr später sitze ich bei 30 Grad am Ufer der Rhone, einem der zwei Flüsse, die durch Lyon fließen. Ich bewohne ein kleines Zimmerchen im ersten Arrondissement. Die ersten Wochen sind bereits vergangen, ich fühle mich hier wohl. Die Wochenenden verbringe ich mit anderen Erasmus-Studierenden. Es ist schwer, die hier heimischen Studierenden kennenzulernen. Die Gründe sind zahlreich.</p>
<h3>„Wenn nicht jetzt, wann dann?“</h3>
<p>Die Freizeitgestaltung der meisten Erasmus-Studierenden ist für die einheimischen Studierenden oft kaum finanzierbar. Viele Auslandsstudierende besuchen nicht nur sämtliche Ecken der neuen Heimatstadt, sondern auch alle mit Bus und Bahn erreichbaren umliegenden Städte. Manche internationale Studierende wollen außerdem nicht nur ihr Zielland kennenlernen. Das gilt besonders für diejenigen, die zuvor auf einem anderen Kontinent studiert haben. An den Wochenenden baden sie auf Mallorca, arbeiten sich durch Londons Innenstadt, besichtigen griechische Tempel. Sie verbringen kein Erasmus-Semester in einem anderen Land, sie leben in „Europe“ – eine einmalige Chance. Sowieso ist die akademische Motivation der meisten Erasmus-Studierenden eher gering. „Jetzt oder nie!“ lautet die allgemeine Einstellung, verbringen die meisten nur vier, fünf Monate im jeweiligen Zielland.</p>
<p>Dann: Man sitzt im selben Boot. Im Schaukelgang wird ähnlichen bürokratischen Hürden der Kampf angesagt (Erasmus-Beauftragten ohne Englisch-Kenntnisse, endlosen Warteschlangen vor dem Internationalen Büro), man leidet gemeinsam unter Sprachbarrieren und dem Nicht-Verstanden-Werden, an schlechten Tagen kann man ungefiltert Dampf ablassen. Miteinander kann man sich über Kultur-Kuriositäten austauschen, man versteht das Durcheinander aus Heim- und Fernweh, man lernt gemeinsam, die andere Kultur zu akzeptieren und wertzuschätzen (und darf zugeben, dass manchmal schon das bloße Akzeptieren schwerfällt).</p>
<h3>Englisch als Lingua Franca</h3>
<p>Es fehlt außerdem an Räumen, an denen ein zwangloser Austausch mit einheimischen Studierenden stattfinden kann. Ein richtiges Gespräch entsteht wohl kaum beim Tasche-Packen nach Ende des Kurses. Besonders in solchen Situationen scheitert es an Sprachbarrieren, an Verständnisproblemen und Sprachnuancen. Oft ist die Kommunikation in der Fremdsprache mit viel Unsicherheit, womöglich sogar Scham verbunden, und auf der anderen Seite fehlt die Geduld, zuzuhören, gegebenenfalls nachzufragen oder zu korrigieren. Viele Erasmus-Studierende versuchen ab einem gewissen Zeitpunkt in ihrem Aufenthalt, mit Bekannten aus der Erasmus-Community die Zielsprache zu sprechen. Manchen Erasmus-Studierenden fehlt dagegen die benötigten Sprachkompetenz ganz – Englisch ist für sie im Verlauf der ganzen Mobilität die einzige Verkehrssprache. An einem der zahlreichen warmen Tage verbringe ich meine Mittagspause mit zwei griechischen Anglistik-Studentinnen am Flussufer. “You know, it’s perfect!“ – eine der beiden nimmt einen Schluck von ihrem Kaffee – “I can live here, I can study here, and I don’t even have to speak French!”</p>
<h3>Eine Frage der Identität</h3>
<p>Eines der zentralen Ziele von Erasmus+ scheitert in den meisten Fällen: der interkulturelle Austausch mit den einheimischen Studierenden. Die Welt der Erasmus-Studierenden existiert parallel zu dem Universum der einheimischen, je nach Stärke der Eigeninitiative gibt es mal mehr, mal weniger Berührungspunkte zwischen den beiden Welten.</p>
<p>Was jedoch funktioniert? Der Austausch innerhalb der internationalen Studierenden-Gemeinschaft. Viele Erasmus-Studierende würden in einigen Ländern Europas problemlos einen kostenlosen Schlafplatz finden. Manche Vorurteile bestätigen sich von Tag zu Tag, viele nicht. Sich über Gepflogenheiten der jeweiligen Kulturen austauschen, macht Unterschiede sichtbar und zeigt Gemeinsamkeiten auf. Es entsteht neben der nationalen Identität eine europäische Identität, diese zwei Identitäten können koexistieren, sie ergänzen sich, sie müssen sich nicht widersprechen. An einem Abend spreche ich eine Freundin auf diesen Gedanken an, nach einem ersten Erasmus-Semester in den Niederlanden verbringt sie nun ein zweites an derselben Universität in Lyon wie ich. Sie sagt: „Ich identifiziere mich nicht mehr mit meinem Heimatland, auch nicht mit meinen Zielland. Ich würde meine Identität nicht nur als europäisch, sondern als international beschreiben.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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