Der Tiefpunkt des Jahres
Ich kann es kaum glauben, liebe Fischgemeinde. Schon wieder schwimmen wir durch meinen Hassmonat. Er wird auch assoziiert mit Kälte, Schneematsch, Straßen voll mit betrunkenen, äußert unlustig verkleideten Menschen und dem einen Tag, der jedermanns und jederfraus Nerven für das restliche Jahr aufbraucht. Freut euch auf den Valentinstag. Während Verliebte uns schon Wochen vor diesem Pflichttermin des Rosenschenkens mit ihren vor Kitsch triefenden, nicht umsetzbaren Plänen in den Wahnsinn treiben, stürzen uns all die verzweifelten Singles in eine Zeit der Peinlichkeit. Spätestens wenn wir ungewollt mitbekommen, wie unsere geliebten und vernünftigen Freundinnen und Freunde alle Hemmungen über Bord werfen, um ein Valentinstagsdate in letzter Sekunde zu ergattern, erscheint der Untergang der Menschheit plötzlich sehr realistisch.
Die von der Bildfläche verschwundenen, notorischen Auf-den-letzten-Drücker-Lerner erstehen langsam wieder von den Toten auf, nur um zu bemerken, dass das neue Semester schon bald wieder vor der Türe steht und sie die lang ersehnte Pause wohl in die Pension verschieben müssen. Wäre ja nicht so, als würde sich der Februar zumindest an die Tagesanzahl eines normalen Monats halten. Er bringt uns nicht nur jede Menge sinnloser gesellschaftlicher Ereignisse, Stress ohne Ende, sondern auch das schlechte Gewissen. Liebste Fischfreunde, ich habe es euch im Jänner ja schon geraten: vergesst die guten Vorsätze für das neue Jahr. Denn wer von euch hat sich an seine Pläne gehalten? Eben.
Um euch noch ein kleines bisschen für euren Unglauben und das falsch investierte Vertrauen in euch selbst zu bestrafen, hat der Februar noch eine Gratisportion Schlechtfühlen für euch. Die Fastenzeit. Egal ob es um den Verzicht auf Zigaretten, Schokolade oder Alkohol geht, das Debakel des eigenen Scheiterns wird sich wiederholen. Also mein Rat an alle: entscheidet euch für eine Bärenfaschingsverkleidung und haltet einen genüsslichen und ausgiebigen Winterschlaf. So kann der Hassmonat vorbeiziehen, ihr erleidet keinen Nervenzusammenbruch und seid zudem endlich wieder ausgeschlafen.
Februar – oh ja!
Natürlich gehört der Februar in den Kalender wie das Amen ins Gebet. Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn man am 31. Dezember plötzlich feststellt, dass das Jahr nur elf Monate hatte, um alle nicht erledigten Versäumnisse ins Trockene zu bringen. Allein die Tatsache, dass die Summe dieser wertvollen 28 Tage zwei verschiedene Bezeichnungen hat (heißt es nun Februar oder Feber?), räumt jeden Zweifel aus. Nur der große Bruder Januar (oder Jänner?) schafft ebenfalls dieses Double.
Ausgelassenheit, Spaß und Liebe, aber auch Verzicht und Dauerstress – sprich ein einziges Gefühlschaos – werden auf wunderbar kurze, knackige 657 Februar-Stunden komprimiert: Während sich FaschingsnärrInnen gleich zu Beginn des Monats ihrer Hoch-Zeit erfreuen und verkleidet in unterschiedlichsten Kostümen dem Alkoholkonsum hingeben, läutet der Aschermittwoch die Fastenzeit und damit, für die gläubigen Fische unter uns, die 40-tägige Zeit des bewussten Verzichts ein. Zugegeben, eine harte Umstellung, welche hier nicht nur in einem Monat, sondern innerhalb einer Woche von uns verlangt wird. Die RomanFische unter uns werden einem anderen, besonderen Tag entgegenfiebern: dem Valentinstag am 14. Februar. Übrigens 2018 am selben Tag wie der Aschermittwoch – ein Zufall? Für alle Uni-gestressten StudentInnen, welche zwischen Prüfungen und der Abgabe von Seminararbeiten rudern, zählt wohl weniger Februar-Liebe oder Februar Hass, sondern nur die magische Grenze, welcher es hinterherjagen zu gilt: Abgabetermin, 1. März.
Dieser Artikel erschien erstmals in der Feber-Ausgabe 2018.