Rafael Horzon ist Unternehmer und Sachbuchautor, auch wenn auf Wikipedia lange etwas anderes behauptet wurde. Er besucht die Hochzeit des Bloggers Carl Jakob Haupt, eröffnet das Deutsche Zentrum für Dokumentarfotografie und beehrt diverse weitere Veranstaltungen mit seiner Anwesenheit. Und trotzdem ist es etwas zu still um ihn geworden. Daher hat er ein neues Ziel: Den Nobelpreis gewinnen.
„Aus dieser einfachen Grundidee zaubert Rafael Horzon ein wahres Meisterwerk, das manchmal tieftraurig ist und hauptsächlich unfassbar lustig, und vor allem ist an dieser wahnwitzigen Geschichte auch noch kein Wort erfunden…“
So verspricht es der Klappentext. Schnell wird aber klar: Selbstironie findet sich nicht nur an den Rändern des Werks. Sie gehört ebenso zur Inszenierung wie die im Buch eingefügten Dokumentarfotos.
Die/der Leser*in könnte das Gefühl haben, den Protagonisten und den gleichnamigen Autor beinahe greifen zu können und ist dennoch denkbar weit davon entfernt. Das Spiel mit der Autofiktionalität erinnert an Thomas Glavinic´ „Das bin doch ich“ oder Horzons erstes Werk „Das weisse Buch“. Und doch ist alles ein wenig inszenierter, ein wenig weiter Richtung Spitze getrieben. Da verwundert es auch nicht, dass Christian Kracht das Buch für „erhebend“ und Daniel Kehlmann es für „bewegend“ befindet. Handelt es sich hier um Werbung? Vielleicht, aber in erster Linie gehört es zur Vorführung.
Denn eines ist klar: Der Autor Rafael Horzon zeichnet seinen Protagonisten Rafael Horzon nicht gerade von der vorteilhaftesten Seite. Er ist naiv, das Verhalten erinnert stellenweise an jenes eines Kleinkindes und die Bezeichnung „Beeinflussbar“ greift zu kurz. Seine Meinung dreht sich wie ein Fähnchen im Wind, trotzdem scheint er bei seinen Kollegen nicht schlecht anzukommen. Es ist ein Versteckspiel, bei dem an manchen Stellen wahrscheinlich nicht einmal der Autor selbst weiß, wo die Grenze zwischen Kunstfigur und Realität verläuft.
Der Weg zum Erfolg ist ein langer und auch Andeutungen auf eine Ghostwriterin des ersten Buches dürfen nicht fehlen. Das Scheitern wird in dem Werk zelebriert, neu ist es in der Literatur aber nicht. Beziehungsweise ist es nicht neu, dass das erwartete Versagen überraschenderweise – Achtung Ironie – dann doch ausbleibt.
Es ist alles ein wenig überzogen, alles ein wenig zu dandyhaft und deshalb genau so gewollt. Wer über den Schreck der ersten Seiten hinweglesen und sich auf den übertrieben einfachen Stil einlassen kann, wird seinen Spaß an diesem Werk haben.