Die Schneeburggasse beginnt am Höttinger Kirchplatz und schlängelt sich über rund 2,5 km leicht bergauf, wo sie schließlich in den Allerheiligenhofweg mündet. Zu Beginn der Straße ist das ehemalige Dorf Hötting noch zu erahnen; je weiter man ihr folgt, desto mehr wird das Straßenbild von Villen, Einfamilienhäusern und Mehrparteienhäusern geprägt. Wer in Zeiten von Corona ein wenig Sightseeing-Gefühl braucht, kann diese Reise auch gut mit der Buslinie K bis zur Brandjochstraße und von dort weiter mit der Linie A zu den Allerheiligenhöfen bestreiten.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war die Schneeburggasse die wichtigste Verbindung in das Oberinntal. Sie wurde erst durch den Bau der heutigen Kranebitter Allee unter Erzherzog Ferdinand II. abgelöst.
Lichtenthurn oder Schneeburg(-schlössl)?
Der erste Stopp unseres Spaziergangs ist der Namensgeber der Gasse, die spätgotische „Schneeburg“. Der Kern des Gebäudes geht bis auf das Mittelalter zurück und ist über die Jahrhunderte mehrmals umgebaut worden. 1588 wurde der Ansitz Lichtenthurn, wie es eigentlich heißt, von Erzherzog Ferdinand II. zum Edelsitz erhoben. Der Name Schneeburg(-schlössl) ist dem Gebäude bis heute im Volksmund erhalten geblieben und kommt von den Freiherren von Schneeburg, in deren Besitz der Ansitz bis 1883 war.
Wenige Schritte weiter müssen wir bei einem Ornament der Schneeburg den Kopf einziehen. Hier merkt man durch die Enge und den schmalen Gehsteig, dass es sich um eine alte Stadtbebauung handelt.

Der bewegte Goldene Bär
Unser nächster Stopp bei der Haltestelle Brandjochstraße ist die Hausnummer 31. Heute sehen wir hier ein Kunst- und Auktionshaus, früher jedoch befand sich an dieser Stelle die Taverne “Goldener Bär”, oft auch als Kammerhof bezeichnet. Der Hof lässt sich bis in das 15. Jahrhundert zurückdatieren.
Ein dunkler Fleck in der jüngeren Geschichte des Gebäudes ist vor allem die Höttinger Saalschlacht vom 27. Mai 1932. Dabei handelt es sich um eine Massenschlägerei zwischen Nationalsozialisten, Mitgliedern des Republikanischen Schutzbundes und den Kommunisten. Der Auslöser war eine nationalsozialistische Kundgebung in dem traditionellerweise roten Hötting. Bei dieser Schlägerei ist Sylvester Fink, ein NS-Mann, mit einem Stich durchs Herz umgekommen. Daraufhin stilisierten die Nationalsozialisten Fink zum Märtyrer und benannten die Schneeburggasse während der Dauer ihres Schreckensregimes von 1938–1945 in Sylvester-Fink-Straße um.

Etwas später kann der Goldene Bär als Bühne für eine fröhlichere Angelegenheit dienen: in den 1960er und 1970er Jahren wurde der Keller mit dem “Uptown Jazz Saloon” zu einem Tipp für Musikliebhaber. Mit Jazzklängen im Kopf geht unser Spaziergang weiter.
Großer Gott
Der nächste Halt ist die Kapelle „Zum Großen Gott“. Diese war im Mittelalter die Gebetsstätte der zu Tode Verurteilten, die sich auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung am Galgenbühel befanden. Heute handelt es sich um eine offene Wegkapelle aus dem Jahre 1967, mit spätbarockem Wegkreuz und eingerahmt von Keramikfiguren. In einer Darstellung vom Tod sind russische Kriegsschauplätze integriert. Gestaltet wurde sie von Künstler und Kriegsberichterstatter Max Spielmann.

Grauer Stein
Auf unserem Spaziergang kommen wir nun am Knappenweg vorbei. Dieser Name geht auf den Höttinger Bergbau zurück: es heißt, dass früher die Knappen in dieser Gegend wohnten.
Wir gehen weiter und mit jedem Schritt ragt die Martinswand immer massiver vor uns auf. Jetzt befinden wir uns an der Bushaltestelle „Grauer Stein“. Der Höttinger „Grawstein“ wurde bereits 1446 so genannt. Der Name ist vermutlich auf eine Sage zurückzuführen; Verbrecher seien an dieser Stelle versteinert worden.
Allerheiligenhöfe: Endstation
Wem schon langsam der Atem ausgeht, keine Angst – wir haben es bald geschafft. Wir schlendern weiter und kommen am Kerschbuchhof aus dem Jahre 1305 vorbei, passieren renovierte Ferienwohnungen und den über 500 Jahre alten Bertoldshof, der mittlerweile ein Wirtshaus ist. Je weiter man dem Verlauf der Straße folgt, desto mehr verliert sie ihren mittelalterlichen Charme und wirkt wie das Wohngebiet eines Vorstadtviertels. Unsere Reise endet an der Stelle, wo die immer enger werdende Schneeburggasse in den Allerheiligenhofweg mündet. Dieser Name wird von der ehemaligen Allerheiligenkirche abgeleitet, die unterhalb der Buzihütte stand. Wer diesen Weg zu Fuß gegangen ist, hat nun die Möglichkeit, mit dem Bus heimzukehren: beide Linien der Bushaltestelle Allerheiligenhöfe führen zurück in die Stadt.