ChatGPT, wer bist du?

von Sarah Embacher
Lesezeit: 6 min
Ob Smartphones, Social Media oder das Internet: Neue Technologien stellen unsere Welt auf den Kopf. Das fällt uns mit der Zeit gar nicht mehr auf. Jetzt kommt die künstliche Intelligenz ChatGPT – und könnte wieder alles verändern.

Kannst du dich noch erinnern? Daran, als irgendwann in der Schulzeit das erste Tastenhandy kam und prompt das Prepaid-Guthaben mit haufenweise Emoji-Nachrichten an die beste Freundin verballert wurde? Und dann, als die ersten Samsung Galaxies und iPhones auf dem Pausenhof auftauchten, ging es so richtig los: Whatsapp-Gruppen (mit vielen Emojis und geistreichen Abkürzungen im Titel), verwaschene Spiegel-Selfies und Doodle-Jump. Mit jeder Generation wurden die Handys schneller, die Kameras besser und der Speicherplatz größer. Und heute? Da ändert sich beim neuen iPhone nur noch die Position der Kamera oder der Preis, der wohl noch nicht hoch genug ist. Heute gibt es außerdem etwas, das weit mehr Aufsehen erregt als neueste iPhone-Modell: Die künstliche Intelligenz ChatGPT. Jeder kann sie benutzen: Einfach auf openai.com ein Konto erstellen und schon kann man mit der künstlichen Intelligenz chatten:

Hallo ChatGPT, wer bist du?

Hallo! Ich bin ChatGPT, ein großes Sprachmodell, das von OpenAI entwickelt wurde. Ich wurde darauf trainiert, menschenähnliche Konversationen zu führen und auf eine Vielzahl von Fragen und Themen zu antworten. Wie kann ich dir heute helfen?

Ich würde gerne Folgendes wissen: Warum sprechen gerade so viele Leute über dich?

Das könnte daran liegen, dass ich ein relativ neues und fortschrittliches Sprachmodell bin. Viele Leute sind neugierig auf meine Fähigkeiten und wie ich ihnen bei verschiedenen Aufgaben helfen kann. Ich werde auch von Forschern, Unternehmen und anderen Organisationen verwendet, um die natürliche Sprachverarbeitung und künstliche Intelligenz voranzutreiben.

Inzwischen ist also ein regelrechter Hype um ChatGPT ausgebrochen. Von der Tiroler Tageszeitung bis zur New York Times wird berichtet, in der richtigen YouTube-Blase regnet es nur so Tutorials zur Verwendung von ChatGPT. Auch in Discord-Channeln und Subreddits diskutieren die Nutzer, von denen es Ende Januar, nur zwei Monate nach dem Release, bereits über 100 Millionen gab.

Wie bei fast jeder neuen Technologie, vom Smartphone bis zum Staubsauger, wird sich ChatGPT nach einer S-förmigen Kurve entwickeln. Zu Beginn gibt eine kleine Zahl an Nutzern, die sogenannten Early Adopters. Bei den ersten Smartphones sind das Businessleute und Tech-Enthusiasten, die Mitte der 2000er in die Tasten der ersten Blackberrys hacken. Dann beginnt der Hype und die Zahl der Nutzer steigt rasant an: 2007 kommt das erste iPhone auf den Markt. Inzwischen sind Smartphones in der breiten Masse angekommen und die Anzahl an neuen Nutzern stagniert. Selbst viele unserer Großeltern besitzen heute eins (und erfreuen den Familienchat mit Fotos von den Hauskatzen oder sonnigen Grüßen von Omi).

Die große Frage ist nun: Wo stehen wir bei ChatGPT? Eine mögliche Antwort wäre, dass der Hype bereits vorbei ist und schon bald noch kaum noch neue Nutzer oder nennenswerte Weiterentwicklungen hinzukommen werden. Die künstliche Intelligenz bleibt dann ein Werkzeug, das für manche Anwendungen sinnvoll ist und für manche eben nicht.

Eine andere Antwort wäre, dass wir noch ganz am Anfang stehen, ganz unten auf der Kurve. In diesem Fall, wenn die Nutzerzahlen und damit der Einfluss von ChatGPT unaufhaltsam steigen, kann alles passieren. Die Art, wie wir Nachrichten konsumieren und Informationen finden, könnte sich revolutionieren. Wir könnten ganz neue Wege finden, zu kommunizieren, zu arbeiten und unsere Freizeit zu gestalten. In der Wirtschaft könnten ganze Branchen wegbrechen und gleichzeitig neue entstehen, vielleicht ändern wir unser Einkaufsverhalten oder unsere Kindererziehung. Und keiner kann sagen, wie die Politik reagiert. Klingt unwahrscheinlich? Dann sei nur noch einmal an die S-Kurve erinnert und an die Sache mit den Smartphones. Zusammen mit dem Internet, das sich ähnlich schnell und unreguliert entwickelt hat, haben sie unser Leben umgekrempelt.

Chat GPT, warum fällt uns gar nicht mehr auf, wie sehr Smartphones und das Internet unser Leben verändert haben?

Ein Grund dafür, dass es uns nicht mehr so bewusst ist, wie sehr Smartphones und das Internet unser Leben verändert haben, ist, dass diese Technologien so allgegenwärtig geworden sind. Viele von uns nutzen sie täglich, um uns zu informieren, zu unterhalten, zu kommunizieren und sogar zu arbeiten. Es ist so selbstverständlich geworden, dass wir uns oft nicht daran erinnern, wie wir ohne sie gelebt haben.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass die Veränderungen, die durch Smartphones und das Internet ausgelöst wurden, allmählich und subtil waren, anstatt dramatisch und sofort spürbar zu sein. Zum Beispiel haben wir uns allmählich daran gewöhnt, immer und überall erreichbar zu sein und sofortigen Zugang zu Informationen und Unterhaltung zu haben. Diese Veränderungen waren nicht unbedingt negativ, aber sie haben unsere Art zu leben und zu kommunizieren grundlegend verändert.

Ähnlich subtil ist ChatGPT schon jetzt fester Bestandteil unserer Lebenswelt. Zum Beispiel an der Uni: Lisa, die an in Innsbruck Geografie studiert, erzählt uns von einem Professor, der in der letzten Klausur einen von ChatGPT verfassten Text präsentierte. Die künstliche Intelligenz erklärt darin, wie sich eine Schneedecke durch Umwelteinflüsse über die Zeit verändert. Die Studierenden sollten im Text markieren, welche Fehler ChatGPT in seiner Beschreibung macht und was stimmt. Das Fazit von Lisa: ChatGPT bringt in der Antwort einiges durcheinander, sogar der Großteil des Fachwissens, das die KI von sich gibt, ist falsch.

Beat, der Physik an der Uni Innsbruck studiert, verwendet zum Programmieren oft ChatGPT. Er beschreibt, wie er ein bestehendes Programm mit Hilfe der künstlichen Intelligenz in eine andere Programmiersprache übersetzt hat. „Was ChatGPT da geleistet hat, ist schon erstaunlich“, meint er. „Ohne die künstliche Intelligenz hätte ich Stunden länger für diese Aufgabe gebraucht. Andererseits waren auch ein paar kleinere Fehler in dem von ChatGPT übersetzten Programm. Um die zu korrigieren, habe ich dann schon mein Programmier-Wissen gebraucht.“

So nützlich ChatGPT ist und so vielseitig die Anwendungen, die künstlich Intelligenz liegt bei ihren Antworttexten (noch) oft daneben. Konkrete Quellenangaben gibt sie selbst auf Nachfrage nicht.

ChatGPT, woher beziehst du deine Informationen? Warum sind manche deiner Antworten falsch?

Ich beziehe meine Informationen aus einer Vielzahl von Quellen, einschließlich Online-Enzyklopädien, Nachrichtenartikeln, akademischen Publikationen, Büchern und anderen zuverlässigen Informationsquellen. Es kann verschiedene Gründe geben, warum manche meiner Antworten falsch sein könnten. Als Computerprogramm bin ich auf Daten und Informationen angewiesen, die in meiner Datenbank verfügbar sind, und manchmal kann es vorkommen, dass die Informationen unvollständig, ungenau oder veraltet sind.

Ein weiterer Grund dafür, dass meine Antworten falsch sein können, ist, dass ich auf Wahrscheinlichkeiten basiere. Wenn ich beispielsweise eine Frage erhalte, auf die es keine klare oder eindeutige Antwort gibt, kann es vorkommen, dass ich eine Antwort generiere, die möglicherweise falsch oder nicht vollständig ist.

Es ist auch möglich, dass ich die Frage nicht vollständig verstehe oder dass meine Algorithmen oder Modelle nicht für eine bestimmte Art von Fragen optimiert sind. In diesen Fällen ist es immer ratsam, weitere Recherchen durchzuführen und andere Quellen zu konsultieren, um sicherzustellen, dass die Informationen korrekt und aktuell sind.

Im Moment muss man sich also gut überlegen, für was man ChatGPT verwenden kann. Mit den richtig formulierten Fragen lässt sich aber schon jetzt manches Problem im Alltag, im Studium oder im Beruf vereinfachen. Die Zukunft könnte noch viel mehr bringen, bis hin zu Dimensionen der Veränderung, wie sie das Internet hervorgebracht hat.

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