Der Traum vom Auslandssemester trotz(t) Pandemie

von Magdalena Altmiks
Lesezeit: 4 min
Die Ferne ruft. Doch sind Auslandssemester derzeit möglich? Und wenn ja, was erwartet uns Studierende dann? Wir haben für euch nachgefragt.

Viele träumen davon und im Lebenslauf macht es sich auch gut: die Rede ist vom Auslandssemester. Nach der Uni noch schnell an den Strand von Tel Aviv, die griechischen Tempel in Athen bewundern oder einen Kaffee in Perugia trinken – durch einen Aufenthalt im Ausland lassen sich viele dieser Träume erfüllen. Doch im letzten Jahr hat sich einiges verändert. Grenzen wurden geschlossen, Digitallehre flächendeckend umgesetzt und die individuelle Mobilität und Freiheit stark eingeschränkt. Reisewarnungen und Inzidenzen bestimmen unser Leben. Darf man da überhaupt noch vom Auslandssemester träumen?

Die Qual der Wahl

Prinzipiell hat man als Studierender der Universität Innsbruck eine große Auswahl an Partneruniversitäten. Egal ob Frankreich, Kroatien, Portugal oder Finnland, um nur ein paar Beispiele zu nennen, es kann aus einem breiten Erasmus+ Programm gewählt werden. Neben dieser Vielzahl von europäischen Ländern bietet die Universität Studierenden auch die Möglichkeit im Zuge des Erasmus+ International Credit Mobility Programm eine Reihe von israelischen Universitäten zu besuchen. Dabei werden die Bewerberinnen und Bewerber von AIANI, kurz für Austria-Israel Academic Network Innsbruck, unterstützt.

(Geplatzter) Traum vom Auslandssemester

Will man sich in Zeiten von Corona einen solchen Traum verwirklichen, braucht man vor allem eines – Flexibilität. In meinem Fall dachte ich bis vor kurzem noch, aktuell in Jerusalem zu sein und Kurse an der Hebrew University zu besuchen. Mit Quarantäne und virtueller Online-Lehre vor Ort hatte ich mich schon abgefunden, als im Januar die nächsten Hiobsbotschaften aus Israel folgten. Versicherungen baten die obligatorische Reise- und Krankenversicherung wegen der Reisewarnung nicht an, Visa Anträge wurden wegen der aktuellen Situation nicht bearbeitet und Flughäfen vor Ort waren vorübergehend geschlossen. Hierbei wurde ich aber nicht allein gelassen: AIANI steht bei auftauchenden Problemen zur Seite. Verschieben oder virtuell beginnen, mit der genannten Flexibilität lässt sich meist eine Lösung finden.

Was sagt die Uni dazu?

Beschäftigt man sich mit der Planung eines Auslandssemesters, stellt das International Relations Office einen wichtigen Ansprechpartner dar. Zwar kann man sich gerade nicht in Präsenz vor Ort beraten lassen, aber Online-Sprechstunden und der Mailkontakt sind noch möglich. Zu der aktuellen Situation äußern sie sich wie folgt:

„Die Universität Innsbruck ermöglicht es Studierenden weiterhin, ein Semester oder ein Jahr im Ausland zu studieren, sofern die Lage der Pandemie es zulässt.“

So ist die Teilnahme an Erasmus+ Programmen und die Bewerbung für eigene universitäre Studienprogramme möglich. So planten laut IRO

„ursprünglich rund 270 Studierende, das Wintersemester 2020/21 im Ausland zu verbringen. Viele haben diesen Plan im Laufe des Sommers aber auf das kommende Semester verschoben oder ganz aufgegeben, sodass nun rund 140 Studierende ihr Austauschsemester angetreten haben. Im Vergleich zum letztjährigen Wintersemester bedeutet dies ein Minus von rund 55%. Für manche Studierende ist eine Verschiebung ihres Auslandsaufenthalts auf einen späteren Zeitpunkt keine Option, da sie bereits kurz vor dem Abschluss ihres Studiums stehen.“

Es lässt sich auch eine hohe Anzahl an Interessenten an einem Auslandssemester verzeichnen. So nahmen an der letzten Informationsveranstaltung über “Auslandssemester und Covid“ 350 Studierende teil. Theoretisch gibt es viele Möglichkeiten, praktisch wurde der Austausch mancher Partnerinstitutionen vorübergehend eingestellt.

 

@Pixabay

Und wenn man trotzdem fliegt?

Hört man sich einmal bei Studierenden um, die ein Auslandssemester unter diesen Bedingungen absolviert haben oder sich aktuell in diesem befinden, sind die Rückmeldungen überraschend positiv. Allerdings erwartet die Studierenden meist bei Einreise eine Quarantäne. Bei einem Aufenthalt mit Erasmus können diese Quarantäne-Zeiträume zum Förderzeitraum gezählt werden, wodurch eine finanzielle Unterstützung möglich ist.

Doch was bedeutet das für den Auslandsaufenthalt? Ein Student erzählt von seinen Erfahrungen.

Der Informatikstudent Benjamin, der eigentlich aus Deutschland kommt, entschied sich im Wintersemester 20/21 trotz der aktuellen Bedingungen, ein Auslandssemester anzutreten – in seinem Fall an der Soongsil University in Seoul. Aufgrund der niedrigen Inzidenzwerte in Südkorea erwartete ihn dort jedoch erst einmal eine 14-tägige Quarantäne. Diese verbrachte er eingesperrt in einem Hotelzimmer, in dem man das Fenster nicht öffnen konnte, mit Essen vom Lieferservice. Anschließend fanden die Vorlesungen zwar zum größten Teil online statt, was bei einem Auslandsaufenthalt natürlich schade ist, aber dank der niedrigen Inzidenz in Südkorea boten sich auch viele Chancen. So waren beispielsweise an Halloween Clubs und Bars geöffnet und reisen innerhalb des Landes möglich. Auch viele touristischen Ziele konnten besucht werden und waren gleichzeitig aufgrund der aktuellen Situation längst nicht so überfüllt, wie es normal der Fall wäre. So gab es zwar Einschränkungen, aber insgesamt war es eine spannende Erfahrung.

 

Du bist auch an einem Auslandssemester interessiert?

International Relations Office: https://www.uibk.ac.at/international-relations/

AIANI: http://www.aiani.at/outgoing.html

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