Die Ökonomin aus Kenia
Linda lebt schon seit circa drei Jahren in Österreich. Sie stammt aus Kenia und hat dort auch ihren Bachelor im Bereich Finanzen absolviert. Mit 22 Jahren ist sie nach Europa gekommen, um ihren Master an der Universität in Padua fortzusetzen. Dort hat sie die Forschung für sich entdeckt und sich dazu entschlossen, ein Doktorat in Political Economics an der Universität Innsbruck anzustreben.
Auf der Suche nach geeigneten Universitäten gefiel ihr das österreichische System sehr gut. Zudem hatte Linda an der Universität in Innsbruck die Möglichkeit, sich in einer Gruppe von PhD-Studenten austauschen zu können. Bei anderen Universitäten liege der Fokus fast ausschließlich auf dem Schreiben der Dissertation. Angetan hat sie aber auch der traumhafte Winter in Tirols Hauptstadt. Den ersten Kontakt mit der Stadt assoziiert Linda bis heute mit frischem Neuschnee und strahlender Sonne. Diese beiden Gründe, so unterschiedlich sie auch sein mögen, waren ausschlaggebend, Innsbruck als ihr neues Zuhause auszuwählen.
Es gibt zwei Faktoren, in welchen Linda die größten Unterschiede zu ihrem Heimatland Kenia sieht. Zum einen: das Wetter. In Kenia ist nämlich immer Sommer. Jahreszeiten gibt es dort keine. Dazu kommen die vielen Regenbögen Kenias – die Linda hier besonders vermisst. Zum zweiten: Die Bürokratie-Systeme, die sie faszinieren. Alles sei so schön unkompliziert, sagt sie. “Vor allem im Vergleich zu meiner Heimat.”
Am besten gefällt Linda an Innsbruck die optimale Größe der Stadt. Innsbruck ist keine Großstadt. Hier ist es weder zu laut noch zu voll. Aber Innsbruck ist auch nicht zu klein und beherbergt genug Menschen, um sich nie allein fühlen zu müssen. Es gibt von nichts zu viel und von allem genug.
Ängstlich war sie keinesfalls, als sie ihr Zuhause verließ, um nach Europa zu kommen. Schon als Kind konnte sie sich überall aufhalten, ohne sich fehl am Platz zu fühlen. Die Kenianerin sagt:
Ich bin nicht furchtlos, aber ich bin wirklich gut darin, andere Personen auszublenden und meinen eigenen Weg zu gehen. Ich denke, das ist eine meiner großen Stärken im Leben.
Kenia ist aber auch ein Land mit großer Diversität. Dadurch war die Studentin oft mit Menschen, die anders aussehen oder eine anderer Sprache sprechen, in Kontakt. Sie ist es schon von Geburt an gewohnt, nicht wie alle anderen zu sein und sich trotzdem wohl zu fühlen – auch in Österreich.
Von Vietnam nach Österreich verschlagen
Công Danh kam ebenfalls extra von sehr weit her, um in Innsbruck studieren zu können. Sein Heimatland ist Vietnam. Der 24-Jährige befindet sich gerade in seinem Bachelorstudium Economy & Management. Er hat sich für eine Wiederholung seines Studiums hier in Österreich entschieden, da die Sprachbarriere, um direkt in ein Masterstudium einsteigen zu können, zu groß für ihn war.
Die Idee, hierher zu kommen, stammte anfänglich von Công Danhs Onkel aus München. Doch auch eine gute Freundin von ihm hatte es schon ein Jahr zuvor nach Innsbruck verschlagen. So kam es, dass es auch ihn für seine Ausbildung nach Europa zog. Noch nie zuvor hatte er sein Land verlassen. Daher war der Umzug mit sehr viel Aufregung und Nervosität verbunden.
Einen großen Unterschied merkte Công Danh an den Öffnungszeiten von Supermärkten. Eines Abends stand er um acht Uhr vor ausschließlich geschlossenen Läden. “Ich war total verwundert darüber, denn in Vietnam kann ich auch um drei Uhr Nachts meinen Einkauf erledigen.” In Vietnam sei es ganz normal, 24/7 einkaufen oder essen zu können.
Am besten gefällt Công Danh hier – wie auch Linda – die Natur und das Wetter. Immer wieder bestaunt er von seinem Fenster aus die Berge mit den verschneiten Gipfeln. Der Tiroler Bevölkerung hingegen blickt er oft etwas skeptisch entgegen. Die Menschen seien zwar freundlich, die Sprache sei außerhalb der Universität aber oft ein Hindernis in der Kommunikation mit Einheimischen.
Dennoch plant Công Danh anschließend seinen Master in der schönen Alpenstadt zu absolvieren, bevor er wieder nach Hause zurückkehrt.
Extra aus Moldawien angereist
Caroline hat es ebenfalls für ihr Studium in Tirols Landeshauptstadt verschlagen. Die 21-Jährige kommt aus der Republik Moldawien und befindet sich derzeit im vierten Semester ihres Business & Management Studiums am MCI. Nach Abschluss der High School in ihrem Heimatland stand für Caroline fest, in Europa zu studieren. Somit begann ihre Recherche.
Ein wichtiges Kriterium für die Studentin war ein Land, in dem Ausbildung gratis oder nicht zu teuer zu erlangen ist. In die Wahl miteinbezogen wurden auch Deutschland und Dänemark, die ähnliche Studiensysteme wie Österreich haben. Die Vorzüge Innsbrucks fielen ihr jedoch sofort ins Auge.
Die Stadt gefällt Caroline nach zwei Jahren immer noch wie am ersten Tag. Sogar die Flugzeuge, die nur knapp über ihrem Kopf vorbeifliegen und nicht unweit von ihrem Zuhause landen, haben nicht an Faszination verloren. Vielmehr gehören sie zum wunderschönen Stadtleben in Innsbruck dazu, meint Caroline.
Aber auch die Berge gehören zu ihren Favoriten.
Hier gibt es Wasser, Berge, alles ist perfekt. Ich liebe es einfach.
Der Umzug war zwar eine große Sache für Caroline, doch Angst hatte sie nie. Die ersten Tage wurde sie von ihren Eltern bei den wichtigsten Angelegenheiten unterstützt, kurz darauf starteten schon die ersten Kurse. Die Aufregung war groß. Die Eingewöhnungsphase dauerte jedoch nicht lang. Auch von vier Semestern Distance Learning hat sich Caroline nicht unterkriegen lassen. Eine große Hilfe beim Kontakteknüpfen war dabei das internationale Studentenheim, in dem sie wohnt. Denn ihrer Meinung nach bleiben Österreicherinnen und Österreicher gerne in ihren bekannten Gruppen. So sei es entsprechend schwierig, schnell Anschluss zu finden.
Die größten Unterschiede zwischen Moldawien und Österreich sieht Caroline einerseits im Wetter, denn in ihrem Heimatland sind Wetterumschwünge nicht sehr häufig. Andererseits nennt sie fasziniert die öffentlichen Verkehrsmittel, die für uns alle zur alltäglichen Gewohnheit gehören. In Moldawien gibt es so etwas nicht.
Was die Menschen bei uns in Österreich anbelangt, sieht Caroline ebenfalls einen klaren Unterschied im Verhalten. Während man in Moldawien selbst zu fremden Personen immer offen und teils sogar überfreundlich reagiere, sei man hierzulande sehr verschlossen zu Menschen, die man nicht kennt.
Einen festen Plan für die Zukunft hat Caroline zwar noch nicht, doch im Herbst wird sie im Zuge des Erasmus-Programms ein Semester in Slowenien verbringen. Sie liebt verschiedene Kulturen und spricht neben Rumänisch und Englisch auch noch Russisch und ein bisschen Deutsch. Ihren Master wird sie daher wahrscheinlich in einem anderen Land anstreben. Doch Österreich gefällt ihr nach wie vor sehr gut.
Dieser Artikel erschien erstmals in der Mai/Juni-Ausgabe 2022.