Kaum ein Denkmal an der Universität Innsbruck war in der Vergangenheit so oft Grund für Proteste und Auseinandersetzungen wie das Adler-Denkmal auf dem Christoph-Probst-Platz vor dem Hauptgebäude. Das 1926 errichtete Denkmal besteht aus einem dreieckigen Betonsockel, auf dem ein Adler aus Kupfer steht. Vor allem aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds des „Ehrenmals“ und den drei Worten, die auf dem Betonsockel stehen: „Ehre, Freiheit, Vaterland“, war der Adler sehr umstritten. Das Datum der Errichtung und die Beschriftung lassen schon einiges über die geschichtlichen Umstände erahnen. Das 1926 – also in der Zwischenkriegszeit – errichtete Denkmal war unter anderem auch erbaut worden, um den im ersten Weltkrieg gefallenen Personen der Universität Innsbruck zu gedenken. Darüber hinaus waren und sind die Worte auf dem Beton – vor allem durch den geschichtlichen Hintergrund – klar Anzeichen für eine Assoziation mit deutschnationalem Gedankengut.
Auf der Uni-Website ist zu lesen, dass der damalige Prorektor Theodor Rittler seine Ansprache zur Einweihung der Statue (welche online als „eine deutschnationale Kundgebung der Innsbrucker Professoren und Studierenden“ betitelt wird) unter anderem mit folgenden Worten eröffnete:
„Es zeigt uns den Adler, der die Wappen Deutschlands, Österreichs und Tirols schmückt. Wir wussten kein besseres Zeichen unseren Toten aufzuerrichten. Denn für Deutschlands Größe, Österreichs Ehre und die Einheit Tirols sind sie in den Kampf gezogen. Im Anblick des Adlers wollen wir uns der Kraft und Stärke unseres Volkstums getrösten und gläubig sprechen: Deutschland, Dein Reich komme!“
Im Zuge des 350-Jahr-Jubliäums im Jahr 2019 wurde die Geschichte der Universität Innsbruck wissenschaftlich neu aufgearbeitet: In zwei Bänden schreiben Prof. Margret Friedrich vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie und Prof. Dirk Rupnow vom Institut für Zeitgeschichte kritisch über die Entstehung und Entwicklung der Universität Innsbruck. Ein klarer Fokus liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Rolle der Uni Innsbruck während des 19. und 20. Jahrhunderts und ihrer Rolle in den großen Kriegen und der Zwischenkriegszeit in den 20ern und 30ern des 20. Jahrhunderts.
Die roten Buchstaben und die weiße Rose
Das Denkmal kann man seit der künstlerischen Intervention nun in veränderter Art bewundern. Dem Adler wurde eine weiße Rose zu Füße gelegt. Das hat laut dem Künstler Wolfgang Flatz verschiedene Gründe. Die weiße Rose ist – als Symbol der Nazi-Protestbewegung „Weiße Rose“ – als Gegensatz zum nationalistischen Adler zu verstehen und sei generell ein Zeichen für Frieden und Ehre. Die roten Schriftzüge, von welchen die Farbe wie Blut über die Wörter Ehre, Freiheit und Vaterland strömt, sollen die Begriffe hinterfragen. Aus Ehre, Freiheit, Vaterland wurde „Welche Ehre, welche Freiheit, welches Vaterland“. Man kann nun von der Art und Ausführung der künstlerischen Intervention halten, was man will, Kunst ist immer diskutabel. Doch eines ist sicher: Der untragbare Umstand, dass ein ursprünglich nationalistisches Denkmal auf einem Platz stand, der mit Christoph Probst nach einem durch die Nazis hingerichteten Mann benannt ist, ist behoben.
Dieser Artikel erschien erstmals in der November-Ausgabe 2019.