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	<title>Jule Pichler, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Politische Vorstellungskraft und kühne Utopien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jule Pichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 May 2023 10:30:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Vorstellung sind keine Grenzen gesetzt. Das ist auch gut so, denn um die Politik der Zukunft zu entwerfen, bedarf es einer Menge Vorstellungskraft. Träumer sind jene, die versonnen aus&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up" style="font-weight: 400;">Der Vorstellung sind keine Grenzen gesetzt. Das ist auch gut so, denn um die Politik der Zukunft zu entwerfen, bedarf es einer Menge Vorstellungskraft.</div>
<p><span id="more-19223"></span></p>
<p style="font-weight: 400;">Träumer sind jene, die versonnen aus dem Fenster blicken und seufzend über eine friedliche Zukunft sinnieren. Romantisierend philosophieren sie über eine Welt ohne Artensterben und über eine Politik, die Chancengleichheit schafft. Naiv inszenieren sie ihr Schlaraffenland der Superlative. Realitätsfern sind diese Leute, die tagträumerisch der realen Welt entfliehen. Doch ohne waghalsige Träume wird es wohl keine Zukunftsvision geben, ohne gedankliche Kreativität kein politisches Neudenken. Es folgt ein Plädoyer für die Einbildungskraft.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Krisen-Zeitalter stellt Politik und Gesellschaft vor Herausforderungen und bestimmt die politische Agenda. Wir wollen nicht länger mit der Angst vor einem sich aufheizenden Planeten leben oder um unseren europäischen Frieden bangen. Doch haben wir eine Vorstellung von einer Welt ohne Übel?</p>
<p>Politische Utopien sind Entwürfe einer Zukunft, die eine bessere Staatsform als die jetzige bereithält. Diese sinnstiftenden Visionen sollen bereits in Krisenzeiten Hoffnung wecken, um das Gefühl der Hilflosigkeit zu überwinden. Es handelt sich um Wunschvorstellungen, die losgelöst von der reinen Kapitalakkumulation auch andere Ziele ideeller Art verfolgen. <span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3 style="font-weight: 400;"><strong>Schlaue Köpfe aus der Vergangenheit machen es vor</strong></h3>
<p style="font-weight: 400;">Bereits vor mehr als 500 Jahren beschrieb der humanistische Renaissance-Autor Thomas Morus in seinem Werk <em>Utopia</em> einen politischen Gegenentwurf des damaligen Englands. Inspiriert von den elenden Verhältnissen im damaligen Europa konstruiert er in seiner Imagination einen republikanischen Staat ohne Privateigentum, patriarchale Verhältnisse und die Idealisierung der monogamen Ehe als anzustrebendes Konzept. Das durch Morus beschriebene Ideal und seine Idee einer bestmöglichen politischen Ordnung ist nur ein, wenn auch geschichtsträchtiger, Entwurf des utopischen Umdenkens.</p>
<p>Ganz unter dem Motto „Wissen ist Macht“ gestaltete Francis Bacon seine Idealvorstellung einer Insel mit der interdisziplinären Forschungsstätte „Haus Salomons“ als Zentrum. Das Ergründen natürlicher Gesetzmäßigkeiten durch empirische Untersuchungen soll das Leben der Inselbewohnenden vereinfachen. Das Werk <em>Nova Atlantis</em> rückt die Wissenschaft als Angelpunkt in den gesellschaftlichen Mittelpunkt und romantisiert die Vorzüge einer ganzheitlichen Art des Erkenntnisgewinns.</p>
<p>Klingen die Ausführungen der beiden Denker aus der heutigen Perspektive vielleicht überholt, so muss stets der Entstehungskontext der visionären Zukunftsvorstellungen beachtet werden. Jede Utopie ist ein Kind ihrer Zeit und häufig dem Wunsch geschuldet, mit einem politischen Neuentwurf auf die gesellschaftlichen Missstände zu antworten.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter wp-image-19321 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-684x1024.jpg" alt="" width="684" height="1024" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-684x1024.jpg 684w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-200x300.jpg 200w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-768x1150.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-1026x1536.jpg 1026w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-1368x2048.jpg 1368w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-1920x2875.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-1170x1752.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-585x876.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-furkanfdemir-7080696-scaled.jpg 1710w" sizes="(max-width: 684px) 100vw, 684px" /></p>
<h3 style="font-weight: 400;"><strong>Die Technik als Zauberformel </strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei den heutigen zukunftsorientierten Vorstellungen des Fortschritts fußen die idealisierten Vorstellungen fast ausschließlich auf technologischen Errungenschaften. Statt die kulturelle Komponente eines Staates revolutionieren zu wollen, wird der Fokus auf die technische Weiterentwicklung als Allheilmittel gesetzt. Futuristische Zukunftsprojekte treten an die Stelle von revolutionären Gegenentwürfen der Staatsform. Ein Projekt des japanischen Baukonzerns Shimizu macht dies deutlich. Um die Unterwasserwelt zu kapitalisieren und Japans überbevölkerte Städte zu entlasten, wird versucht, den Meeresgrund bewohnbar zu machen. Was sich zunächst wie Zukunftsmusik anhören mag, ist nun kein utopischer Entwurf mehr, sondern ein realisierbares </span>Projekt. 26 Milliarden US-Dollar sollen in die Hand genommen werden, um das bis 2030 fertiggestellte Konzept „Ocean Spiral“  realisierbar zu machen.</p>
<div id="attachment_19320" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-19320" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-19320 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/15839064052_1142d8d67c_o-1024x724.jpg" alt="" width="1024" height="724" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/15839064052_1142d8d67c_o-1024x724.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/15839064052_1142d8d67c_o-300x212.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/15839064052_1142d8d67c_o-768x543.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/15839064052_1142d8d67c_o-585x414.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/15839064052_1142d8d67c_o.jpg 1170w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-19320" class="wp-caption-text">https://www.flickr.com/photos/eager/15839064052</p></div>
<p>Gewiss ist technische Innovation erfolgversprechend im Umgang mit den Krisen unserer Zeit. Das Gesundheitswesen ist dafür das Paradebeispiel. Die mRNA-Medizin erwies sich in der Corona-Pandemie als effektiv in der Entwicklung eines Impfstoffs, ebenso soll sie zukünftig den Fortschritt in der Krebsforschung vorantreiben.</p>
<p>Fluch und Segen ist die moderne Technik. Während sie visionär die Zukunft gestaltet und Innovation schafft, die uns in Krisensituationen hoffen lässt, entsteht durch sie auch der profitmaximierende Wettkampf. Höher, schneller, weiter heißt es oft trotz der Ressourcenkanppheit und des sich erwärmenden Planetens.</p>
<h3 style="font-weight: 400;"><strong>Mut zur Fantasie!</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Technischer Fortschritt schön und gut, doch wie kann eine Politik der Zukunft aussehen, welche der Krisen Herr werden kann? G</span>emäß der politischen Theoretikerin Hannah Arendt ist die höchste Bestimmung des Menschen, Neues zu schaffen, um das Alte hinter sich zu lassen. Die Politik soll den Menschen die Freiheit zum Weiterdenken gewähren. <strong><span style="font-weight: 400;">Was wir der Denke Arendts heute, im Umgang mit Krisen der Politik und Umwelt und den sich daraus ergebenden </span></strong>gesellschaftlichen Folgen, abgewinnen können, ist ihr Appell zur Vorstellungskraft. Der Status quo soll nicht länger statisch determiniert bleiben. Im Umgang mit den Problemen müssen wir unsere Kreativität und den Mut zu innovativem Denken erlangen, um Unreflektiertes aus der gewohnten Form herauszulösen. Klimaziele können nicht eingehalten werden, wenn der Fokus auf Profit die Unternehmen ungehindert leitet. Umweltbewusste Alltagsentscheidungen werden nicht ohne das gesellschaftliche Neudenken der Wertvorstellungen etabliert. Statt sich, eingebettet in den bestehenden Denkmustern, mit dem Strom treiben zu lassen, sollten wir unsere Politik mittels unseres Einfallsreichtums zu einem besseren und zukunftsorientierten Ort gestalten. Nicht Neutralität, sondern die politische Stellungnahme befähigt uns, aus Problemlagen auszubrechen.<em><strong> </strong></em></p>
<p style="font-weight: 400;">Kreativität und Vorstellungskraft sind keine naiven Eigenschaften. Sie können uns im Hinblick auf eine bessere Zukunft den Weg weisen und Entwürfe für eine Politik vorlegen, welche die Zeit nach dem Krisen-Zeitalter beschreiben. Hören wir nicht auf zu träumen!</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter wp-image-19323 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/pexels-jakayla-toney-6154444-1-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
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		<title>Für- und Widerspruch: Beauty vs. Brains</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jule Pichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 May 2023 10:30:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Für- und Widerspruch]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die ewige Disharmonie unserer Gesellschaft, ein gottgleiches Duell, möchte man fast behaupten. Adonis gegen Athene. Die Schönheit gegen den Geist. Über einen vermeintlichen Gewinner dieses Wettkampfs lässt sich dabei freilich&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Die ewige Disharmonie unserer Gesellschaft, ein gottgleiches Duell, möchte man fast behaupten. Adonis gegen Athene. Die Schönheit gegen den Geist. Über einen vermeintlichen Gewinner dieses Wettkampfs lässt sich dabei freilich streiten.</span></div>
<p><span id="more-19295"></span></p>
<h2>Das Ticket zur Welt</h2>
<div class="bildunterschrift">von Simon Riegler</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Schönheit regiert die Welt. Die Schönen sind die Speerspitze unserer zutiefst medialisierten Gesellschaft. Sie sind es, die die Menschheit voranbringen mit ihren Beauty-Produkten, Gutscheincodes und den hilfreichen Tipps fürs </span><i><span style="font-weight: 400;">Daily Life </span></i><span style="font-weight: 400;">und den nächsten Flug nach Thailand.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Schönen sind bereits von vornherein privilegiert. Pretty Privilege nennt sich das Ganze. Schönheit als allgemeingültiges VIP-Ticket. Also all jene, die im Disneyland mit nem Fastpass+ die Schlange überspringen können und dafür noch bejubelt werden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und wer schön sein will, muss heute auch nicht mehr zwingend leiden. Filter übernehmen die Arbeit von Stylisten und Schönheitschirurgen, und wenn das nicht reicht, dann kann man auch immer noch unruhigen Gewissens auf die gute alte Schönheits-OP zurückgreifen. Wer will da noch ewig lernen und sein Portfolio an Diplomen, Zertifikaten und Weiterbildungen füllen, wenn die Schönheit und all die mit ihr verbundenen beruflichen und gesellschaftlichen Vorteile nur zwei Schnitte im Gesicht entfernt sind. Die Schönen arbeiten nicht mit dem Geist, sondern sie lassen ihre Schönheit für sich arbeiten. In gewissen seltsamen Gruppierungen würde das auch als Alpha-Mindset durchgehen</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Tückische an dem ganzen Beauty-Ding: Schönheit ist Ansichtssache und wird täglich aufs Neue von der Gesellschaft verhandelt. Sie ist nicht greifbar und wird individuell nochmals unterschiedlich ausgelegt. Und ganz ehrlich: Schönheit liegt am Ende des Tages im Auge des Betrachters. Also ernst gemeinter Rat, findet euch selbst schön. </span></p>
<h2><strong>Schönheit ist vergänglich, Dummheit lebenslänglich</strong></h2>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">von Jule Pichler</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span><span style="font-weight: 400;">Die jüngsten Entwicklungen der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ stellen unter Beweis: Einfach nur schön sein reicht nicht mehr aus. Um von Modelmutti Heidi Klum das wöchentliche Foto zu erhalten, ist das makellose Aussehen für das Modeldasein zwar brauchbar, jedoch längst nicht mehr ausreichend. „Personality“ ist das Stichwort und das Wissen darüber, wie man sich durch seine charismatische Art von der Menge abhebt, scheint nun dem 90-60-90 Ideal den Garaus gemacht zu haben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Entwicklung ist zu begrüßen, so muss das monatlich knappe Budget nicht mehr in teure Cremes mit straffendem Effekt oder Fitnesskurse inklusive Traumfigur-Versprechen investiert werden. Schlau scheint das neue Sexy zu sein und Intelligenz erhöht Studien zufolge den Erfolg nicht nur an der Uni, sondern auch die Chancen auf dem Singlemarkt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie beruhigend! Sich ständig ändernde Schönheitsideale sind, angesichts der Intelligenz als unwiderstehliches Merkmal, hinfällig geworden. Nun ist unser Selbstoptimierung Drang nicht mehr durch unsere Körperlichkeit eingeschränkt. Denn unser Wissen haben wir aktiv in der Hand. Gewiss ist auf weite Sicht die Weisheit unsere beste Altersvorsorge! Wenn die Haut altert und der Buckel wächst, kann dennoch mit wissenschaftlichem Halbwissen Eindruck geschunden werden. Praktisch, denn unsere Intelligenz kann im Gegensatz zu der Attraktivität messbar gemacht und durch die Höhe des IQs besiegelt werden. Schönheit liegt hingegen bekanntlich im Auge des Betrachters. Über eine so subjektiv behaftete Determinante unserer Persönlichkeit sollten wir uns nicht definieren lassen!</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die beste Nachricht zum Schluss: Der Speicher des Langzeitgedächtnisses unseres Gehirns ist unbegrenzt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir müssen ihn nur nutzen. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Dilemma mit der Wohnungssuche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jule Pichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2023 10:36:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei der Suche nach einer WG überkommt mich der Leichtsinn. Blauäugig habe ich mich kopfüber in die Welt der Wohnungsinserate und WG-Castings gestürzt. Es ist Sonntagmittag. Der Sonnenschein macht mir&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Bei der Suche nach einer WG überkommt mich der Leichtsinn. Blauäugig habe ich mich kopfüber in die Welt der Wohnungsinserate und WG-Castings gestürzt.</span><span id="more-19133"></span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist Sonntagmittag. Der Sonnenschein macht mir gute Laune und ich bin auf dem Weg zu meiner ersten Wohnungsbesichtigung. Ich bin zuversichtlich. Das Online-Inserat scheint vielversprechend. Es gibt mir Hoffnung auf all das, was ich bislang vermisste. Die Bilder vom Balkon haben mich angezogen. Ebenso verlockend schienen die vielen Quadratmeter, die darauf warten, von mir möbliert zu werden. Bei der ausgeschriebenen Adresse angekommen, freue ich mich bereits über die schmucke Altbaufassade und den herrschaftlichen Treppenaufgang.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Nach wiederholtem Läuten an dem Klingelschild mit den meisten Nachnamen wird mir endlich die Tür geöffnet. Vor mir erstreckt sich eine Wendeltreppe, wie ich sie nur aus den <em>Harry-Potter</em>-Filmen kenne. Galant schlängle ich mich die Stiege hinauf und fühle mich in die Jane-Austen-Zeit versetzt. Mein Mantel hinter mir wehend nehme ich beschwingt mehrere Stufen auf einmal. Euphorisch und mit roten Wangen komme ich im dritten Stockwerk an. Die Wohnungstüre steht offen und ich stecke meinen Kopf hinein, bevor ich mich durch ein lautes „Morgeeen“ bemerkbar mache. Vier der Zimmertüren öffnen sich langsam und es treten blinzelnde Gestalten aus dem Schatten ihrer abgedunkelten Zimmer. Die gegen das gleißende Licht des Treppenhauses kämpfenden Erscheinungen sind dann wohl meine potentiellen Mitbewohner. „Es war eine lange Nacht“, beteuert einer der Jogginghosenträger und bricht damit das Schweigen. „Wir sind eine Party-WG“, kommt es aus dem Türstock eines anderen Zimmers. Immer noch voller Zuversicht, dass ich zukünftig meinen Besuch diese schöne Altbautreppe hinauf führen werde, ringe ich mich zu einem Lächeln durch und frage nach einem Rundgang durch ihr Partynest.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Um meinen guten Manieren Ausdruck zu verleihen, befreie ich mich von meinen Stiefeln und folge den Bewohnern in die Küche. Der Anblick des Küchenbodens lässt mich meine Tat des Anstands jedoch umgehend bereuen. Mein Blick senkt sich auf meine Socken, die nun die längste Zeit weiß gewesen sind. Auf Zehenspitzen folge ich den Partymäusen auf den Balkon. Das „Herzstück“ der WG war jedoch seines Zweckes komplett entfremdet. Bierkisten und sonstiges Leergut versperrten den Zugang ins Freie. Immerhin profitieren Weinhälse und Spirituosenflaschen von dem Blick auf die Nordkette. An einen Kaffee in der Morgensonne war wohl unter diesen Umständen nicht zu denken.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Meine Entscheidung gegen diese Wohnung ist insgeheim final, dennoch steht jetzt die Besichtigung der restlichen Räumlichkeiten auf der Agenda. Wollmäuse, Nudelboxen und Bierflaschen liegen dicht an dicht auf dem Fischgrätenparkett. Zeugen durchzechter Nächte der letzten Wochen sollen mir einen Vorgeschmack auf den WG-Alltag geben. Mir fällt eine Zimmerpflanze in den Blick, die sich in meine Richtung beugt, als würde sie mich beten, sie von ihrer Durststrecke zu erlösen. Ich werde ihr nicht helfen können, denke ich, während mich einer der Bewohner zur Türe begleitet.</span></p>
<h3>Was nicht passt, wird passend gemacht</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ernüchternd war nicht nur mein WG-Casting in Party-Hogwarts. Auch die kommenden Besichtigungstermine können den Zyklus aus utopischen Erwartungen und rigorosen Enttäuschungen nicht durchbrechen. Die Welle an bedürftigen Wohnungssuchenden, die Plattformen wie WG-Gesucht gerade während des Semesterwechsels flutet, eröffnet das Battle „Einer gegen 30“. Um aus der grauen Masse der Suchenden herauszustechen, versuche ich selbstreflexiv herauszuarbeiten, welche Eckpunkte meiner Persönlichkeit mich besonders machen, und mich somit von meiner Konkurrenz abzuheben. Möchte ich einer von unzähligen Kontrahenten sein, die behaupten, sie seien eine gesellige Person mit einer Vorliebe für Bergsport? Oder sollte ich mich lieber als Musikliebhaberin bekennen, die früher oder später ihre Zimmernachbarn mit wummernden Bässen in den Wahnsinn treibt? Welchen Persönlichkeitsumhang ich mir überwerfe, so beschließe ich, sollte situativ entschieden werden.</span></p>
<h3>Den Möglichkeiten sind Grenzen gesetzt</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich bemerke: Es ist wie bei Tinder. Nicht jeder Swipe ist ein Match. Aber auch nicht jedes Wohnungsinserat ist es wert, kostbare Zeit zu opfern und sich auf ein Treffen einzulassen. Selektiert wird auf Basis einer Kurzbeschreibung. Auch wenn die Uhr des auslaufenden Vertrages tickt, möchte ich mich nicht auf das erstbeste Mietverhältnis einlassen. Sind meine Ansprüche zu hoch oder warum ist meine Erfolgsrate so klein? Utopisch kostspielig sind die WG-Zimmer, in denen man von den Wänden bedrohlich eingeengt wird, und erschreckend gering scheint das Angebot an bezahlbaren Bleiben. Innsbruck, die Stadt inmitten der Berge Tirols, ist ein Industrie- und Universitätsstandort ebenso wie ein Magnet für Touristen und Bergsportler. Der heiß umkämpfte Wohnraum der Landeshauptstadt übertrumpft preislich sogar die weitaus bevölkerungsreicheren Städte wie Wien und Graz. So spielt die Stadt in der gleichen Preisliga wie das mondäne Freizeitörtchen Kitzbühel, wo der Quadratmeter monatlich im Durchschnitt 14€ Miete kostet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ob Glücksgriff oder Übergangslösung, gemeinsames Hausen in einer Wohngemeinschaft oder alleine, wir werden uns wohl auf der Suche nach den heimeligen vier Wänden verstellen, präsentieren oder neu erfinden müssen. Der Darwinismus behält auch unter Wohnungssuchenden seine Gültigkeit. Geben wir uns nicht geschlagen!</span></p>
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		<title>Toxisch, narzisstisch und gegaslightet: die Vokabeln der modernen Küchenpsychologie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jule Pichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2023 11:30:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Halb-ironische Selbstdiagnosen und Gruppentherapie in der Raucherpause: Was hinter der inflationären Verwendung psychologischer Buzzwords wirklich steckt und wieso wir uns zu diesen so hingezogen fühlen. Vom narzisstischen Exfreund traumatisiert, depri&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Halb-ironische Selbstdiagnosen und Gruppentherapie in der Raucherpause: Was hinter der inflationären Verwendung psychologischer Buzzwords wirklich steckt und wieso wir uns zu diesen so hingezogen fühlen.</div>
<p><span id="more-18193"></span></p>
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<p>Vom narzisstischen Exfreund traumatisiert, depri durch die graue Jahreszeit und von den Urlaubsposts auf Instagram getriggert. Die Beschreibung einer Generation, die endlich Gefühle enttabuisiert?</p>
<p>Hat Testedich.at einen um das Wissen des eigenen Persönlichkeitstyps bereichert, würden wir jenen am liebsten auf unsere Visitenkarte schreiben. Die menschliche Psyche ist ein Schlaraffenland für die neue Generation an Hobbypsychologen und Freizeittherapeuten. Stets auf der Suche nach einer Diagnose für die Eigenarten, die wir an den Tag legen. Psychologische Begriffe haben ihren Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden.</p>
<h3>Die traumatisierte Gesellschaft</h3>
<div id="attachment_18197" style="width: 229px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-18197" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18197 size-medium" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/image_6487327-219x300.jpg" alt="" width="219" height="300" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/image_6487327-219x300.jpg 219w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/image_6487327-746x1024.jpg 746w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/image_6487327-768x1054.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/image_6487327-585x803.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/image_6487327.jpg 828w" sizes="(max-width: 219px) 100vw, 219px" /><p id="caption-attachment-18197" class="wp-caption-text">Prince Harry betreibe Trauma-Dumping, witzelt Twitter-User H4TEDEMON</p></div>
<p>Kindheitstrauma, Beziehungstrauma, transgenerationales Trauma, religiöses Trauma, verkörpertes Trauma: Bei der wachsenden Auswahl an produktiven Nomen und Adjektiven, die vor das Wort “Trauma” gestellt neue Buzzwords bilden, kann ein jeder und eine jede von uns sich sein oder ihr ganz persönliches Trauma selbst diagnostizieren. Neben diesen individuellen Beschreibungen gibt es aber freilich auch noch kollektive Traumata, denn vom Sportunterricht in der Schule sind wir sowieso alle schwer geschädigt. Aber Achtung: Teilt man seine prekäre seelische Lage unaufgefordert, macht man sich des Trauma-Dumpings schuldig.</p>
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<p>Ursprünglich ein Begriff für eine schwere Wunde der Seele nach schlimmen Erlebnissen wie Unfällen, Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen ist <em>Trauma</em> für manche zum schneidigen Begriff für alles, was in einem Leben je schief lief, geworden. Ist das den Überlebenden sexueller Gewalt, den Opfern von Naturkatastrophen würdig?</p>
<p>Zwei Punkte. Einerseits obliegt jedem Menschen das Einordnen seiner eigenen Erfahrungen. Was für einen Menschen in einem bestimmten Kontext schlimm oder gar traumatisch sein kann, kann ein anderer nicht beurteilen. Es ist keine Aufgabe der Öffentlichkeit, Erlebnisse auf die Goldwaage zu legen und dem Schweregrad nach zu ordnen, um diejenigen zu bestimmen, die ein Trauma für sich beanspruchen dürfen. Andererseits ist <i>Trauma</i> letztendlich ein medizinischer Begriff, der durch einen lockeren Umgang im Alltag an Schärfe einbüßen kann, wodurch echte Traumata womöglich unerkannt bleiben oder gar weniger ernst genommen werden.</p>
<h3>Todesangst durch Kaugeräusche</h3>
<p>„Dein lautes Kauen triggert mich.“ Kaugeräusche sind nervig. Die Missgunst, welcher wir durch solche Aussagen Ausdruck verleihen, transportieren wir mit einer Prise Humor. Das Gegenüber lacht über den überspitzten Erguss unserer Gefühlswelt. Die Message ist dennoch angekommen. Jedoch, und das ist uns selten bewusst, ist der Trigger in der Psychologie eine Beschreibung von stark negativen Erinnerungen oder Gefühlen durch eine vergangene oder immer noch andauernde unangenehme Erfahrung. Oft reicht nur ein Geruch als Schlüsselreiz, um in einen Zustand der Panik zu verfallen. Herzrasen, Todesangst oder gar Ohnmacht können die Betroffenen ereilen. So findet der Trigger als psychologisches Phänomen seinen Weg in unseren Alltags-Slang Gebrauch.</p>
<h3>You&#8217;re toxic, I&#8217;m slipping under<b><br />
</b></h3>
<p>Ist die eigene Psyche erschöpfend diagnostiziert, wenden wir uns unseren Mitmenschen zu. Emotional noch verletzt von der Trennung von dem Exfreund wird die Schuld geschwind auf diesen abgeladen. Den Groll, den wir hegen, verbalisieren wir nun, indem wir ihn als einen toxischen Narzissten verdammen. Britney Spears befeuert in ihrem Song „Toxic“ den Thrill, welchen eine Liebschaft mit Machtgefälle in der unterworfenen Person auslösen kann. Spannend klingt das besungene Spiel um Macht und Unterwerfung, doch sind die realen Auswirkungen einer solchen Beziehung weniger glamourös. Abhängigkeit, Kontrolle, grenzüberschreitende Herabwürdigung und Manipulation sind als unschöne Folgen zu verzeichnen.</p>
<p>Das psychologische Phänomen toxischer Beziehungen wird häufig glorifiziert oder das Attribut im Affekt zu leichtfertig vergeben. Dies könnte die real existierenden Probleme in Beziehungen bagatellisieren oder gar beschönigen.</p>
<h3>Gaslighting: Treiben uns Notlügen wirklich in den Wahnsinn?</h3>
<p><i>Gaslighting </i>bezeichnet eine Art der psychischen Gewaltausübung, bei der ein Opfer so stark belogen, manipuliert und in der eigenen Wahrnehmung verunsichert wird, dass es an seinem eigenen Verstand zu zweifeln beginnt und sich wahnsinnig glaubt. Zunehmend wird das Wort aber auch für Alltagslügen oder abweichende Wahrnehmungen derselben Situation verwendet.</p>
<p>Gebraucht wird der Begriff zunehmend häufig von Menschen, die sich beispielsweise in einer Beziehung durch die Handlungen des Partners verletzt sehen, während dieser aber sein angebliches Vergehen nicht einsieht. Dabei werden sie aber meistens nicht “gegaslightet”, sondern eher invalidiert. Diese Invalidierung, das Nicht-Ernst-Nehmen von Gefühlen, kann sehr schmerzhaft sein, ist jedoch im Gegensatz zum Gaslighting nicht (notwendigerweise) missbräuchlich. Und wer sich etwas vormacht, gaslightet sich nicht selbst, sondern will wohl die Realität einfach nicht akzeptieren.</p>
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<div id="attachment_18199" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-18199" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18199 size-medium" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/TikTok_Gaslighting-300x154.png" alt="" width="300" height="154" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/TikTok_Gaslighting-300x154.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/TikTok_Gaslighting-585x301.png 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/TikTok_Gaslighting.png 702w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-18199" class="wp-caption-text">Foto: iaml1979 auf TikTok</p></div>
<p>Wirkliches Gaslighting erschüttert und destabilisiert die Opfer hingegen massiv. Sie halten sich oft für verrückt, weil ihnen beispielsweise weisgemacht wird, sie hätten Dinge getan oder gesagt, die nie passiert sind. Eine kleine Alltagslüge oder das Rechtfertigen der eigenen Prokrastination ist damit nicht vergleichbar.</p>
<h3>Woher die Besessenheit?</h3>
<p>Wieso werfen Menschen also mit Fachbegriffen um sich, die so schwerwiegende psychische Zustände beschreiben? Einerseits versprechen Wörter wie <em>Trauma</em> oder <em>toxisch</em> einen gewissen Komfort: Sie geben den Menschen, die sie benutzen, Recht. Und vielleicht ist ja etwas dran; vielleicht war der Ex-Partner wirklich nicht gut für einen; vielleicht hat ein schlechtes Erlebnis in der Vergangenheit tatsächlich Spuren hinterlassen. Ob es nun wirklich ein Trauma war, macht aus subjektiver Sicht wenig Unterschied für die Menschen, die es erlebten.</p>
<p>Außerdem wären diese Begriffe nicht die ersten, deren semantische Grenzen wir zugunsten einer bewussten (oder unbewussten) Übertreibung dehnen. Und vielleicht fehlen uns auch teilweise einfach die Worte, um unsere Gefühle und Erlebnisse gezielt und präzise auszudrücken, ohne auf extremere Begriffe zurückgreifen zu müssen.</p>
<p>Zuletzt könnte sogar die Geschichte der Zivilisation etwas mit dem Gebrauch dieser Begriffe zu tun haben: Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich die Art und Weise, wie wir die Welt verstehen, gewandelt. Wir sind vom Mythos zum Logos übergegangen, erklären uns die Welt jetzt also primär durch Wissenschaft und Logik statt durch Geschichten und Mythen. Doch wir haben wohl kaum alles Erzählerische und Mythische abgelegt, sind keine perfekt rationalen Maschinen. Vielleicht ist es ein Merkmal des Zeitgeists, dass wir wissenschaftliche Begriffe nutzen, um uns subjektive Geschichten über uns selbst und andere zu erzählen. Wir hüllen unseren Mythos in ein logisches Gewand, wir verbreiten Gossip im Laborkittel.</p>
</div>
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		<title>Die Uni von Gestern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jule Pichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jan 2023 11:30:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Zu unseren Zeiten musste man im Studium noch mehr leisten.“ Wahrhaftig glücklich schätzen kann man sich, wenn man bisher auf keiner Familienfeier mit dieser Aussage konfrontiert wurde. Aber wie war&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">„Zu unseren Zeiten musste man im Studium noch mehr leisten.“ Wahrhaftig glücklich schätzen kann man sich, wenn man bisher auf keiner Familienfeier mit dieser Aussage konfrontiert wurde. Aber wie war es tatsächlich, früher zu studieren?</div>
<p><span id="more-18096"></span></p>
<p>Schwelgend in Gedanken an die eigene Studienzeit berichten Eltern, Großeltern oder Verwandte über das Uni-Leben damals. Ob das Studium heute tatsächlich leichter ist als früher und wie sich der Alltag um und an der Uni Innsbruck verändert hat, erzählen uns drei Professoren und eine Professorin.</p>
<h3>Anatomieprofessor über die lange Tradition des Sonnendecks</h3>
<p>„Wenn es einen besonderen Krankenfall auf der Station gab, so wurde der Patient kurzerhand als Lehrmittel in den Hörsaal gekarrt.“ Was gelernt wurde, so Dr. Erich Brenner, richtete sich nach keinem strikten Lehrplan.  An diese Zeit erinnert sich der Anatomieprofessor, welcher 1983 sein Medizinstudium an der Uni Innsbruck begann, wo er noch heute als Professor für Anatomie tätig ist. Für ihn war damals vieles fundamental unterschiedlich verglichen mit dem heutigen System. Der oftmals persönliche Umgang, den Professor:innen heutzutage mit den Studierenden pflegen, war zu seiner Zeit als Student noch undenkbar.</p>
<p>Als Professor Braun studierte, waren die Professoren der medizinischen Fakultät unnahbar, sie galten als „Götter in Weiß“ und waren häufig bekannt für ihre rigorosen Prüfungsverfahren. Obgleich der Lernstoff damals angesichts des geringeren Forschungsstands noch nicht dem heutigen Umfang entsprach, musste dennoch tatkräftig gepaukt werden. Aufgrund der Fülle an Lernmaterial und Fächern kam es laut Professor Braun vor, dass er sich als frischer Studienabsolvent an manche Prüfungen gar nicht mehr erinnern konnte.</p>
<p>Neben all dem Lernen durfte es auch damals selbstverständlich nicht an Ausgleich fehlen. In der Freizeit konnte dann Abstand zu den anfänglich befremdlichen Arbeiten an toten Körpern genommen werden. Der Bergsport eignete sich damals schon blendend als Freizeitbeschäftigung und Mittel zur Prokrastination. Professor Braun erinnert sich zudem gerne an das Nachtleben seiner Studienzeit. Sezierkurspartys waren besonders toll. Auch die Wanderungen zum</p>
<div id="attachment_18100" style="width: 360px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-18100" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18100" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-300x300.png" alt="" width="350" height="350" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-300x300.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-1024x1024.png 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-150x150.png 150w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-768x768.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-1536x1536.png 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-1920x1920.png 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-1170x1170.png 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1-585x585.png 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu-1.png 2000w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /><p id="caption-attachment-18100" class="wp-caption-text">Bild: Vera Egger</p></div>
<p>Höttinger Bild, wobei die Langsamen für die nächste Runde Bier aufkommen mussten, waren bereits etabliert. Außerdem waren das Sonnendeck und das Innufer schon damals ein beliebter Treffpunkt der Studierenden, egal welcher Disziplin. Dass sich ein Fahrrad ideal eignet, um zwei Personen als Stütze auf ihrem Heimweg nach einem feuchtfröhlichen Abend zu dienen, ist ein Rat des Professors, von dem man auch heute noch profitieren kann.</p>
<h3>„In der Mathematik hatte ich damals nur männliche Vorbilder“</h3>
<p>Professorin Mechthild Thalhammer ist die erste Frau mit einer Habilitation im Fachbereich Mathematik an der Uni Innsbruck. 1992 begann sie hier ihr Studium der Mathematik, wobei sie nebenher noch Physik, Querflöte, Latein und Geschichte studierte. Zwar war sie als einzige Frau den Kollegen in der Mathematik und Physik von der Körpergröße unterlegen, das schmälerte jedoch nicht ihren Ehrgeiz, in der Männerdomäne der Naturwissenschaften Fuß zu fassen. Die Hörsäle waren damals schon dieselben, jedoch mit weitaus weniger technischer Ausstattung und einer geringeren Anzahl an Studierenden, die diese füllten.</p>
<p>Die Mathematikerin erinnert sich gerne an die Zeit mit ihren Kommilitonen zurück, insbesondere blieben ihr die Institutsausflüge zum Brenner im Gedächtnis, wobei selbst die sportlichen Studierenden Mühe hatten, mit dem ambitionierten Professor und Bergführer Schritt zu halten. Schmunzelnd erinnert sich Professorin Thalhammer an die Büros ihrer damaligen Professoren. Speziell fällt ihr jenes ein, das man vor lauter Zimmerpflanzen kaum durchdringen konnte und sich unter Mühen den Weg zum Professor bahnen musste. Außerdem denkt sie an einen Professor zurück, der stets hinter sich stapelnden Büchern aufzufinden war. Für Fragen war jener immer gewappnet, denn er hatte allenfalls das passende Nachschlagewerk in Reichweite. Ganz im Gegensatz zu ihrem Professor mit Ordnungsfimmel, der sich bereits bei wenigen herumliegenden Blättern aufrichtig bei dem Besuch für die Unordnung entschuldigte.</p>
<h3>Unbezahlbar teure Taschenrechner</h3>
<p>Professor Bernhard Braun begann 1975 sein Chemiestudium an der Uni Innsbruck, bevor er sich später verstärkt der Philosophie zuwandte. Der Besitz eines eigenen Taschenrechners, so berichtet der in Hall geborene Professor, war für ihn damals, angesichts des stolzen Preises der ersten Modelle von umgerechnet 1200 Euro, eine Zukunftsvision. Heute kaum mehr vorstellbar ist das Studieren in Zeiten, als sich die Recherche zwischendurch nicht lediglich auf einen Eintrag in der Google-Suchleiste beschränkte. Professor Braun erklärt, dass er seine Programmierungen auf Lochkarten anfertigen und nach Wien schicken musste, da der dortige Computer die fortschrittlichste Forschung ermöglichte.</p>
<p>Umso entschleunigter das Studieren damals aufgrund der langsameren Informationsbeschaffung und der noch kleineren Universitätsgemeinschaft war, umso bewegter war das Engagement der Studierenden zu dieser Zeit in politischer Richtung. Die Jahre nach der 68er-Studentenbewegung waren entscheidende Wegweiser in Richtung einer Uni, die der Mitbestimmung der Studierenden offensteht. Braun beschreibt, dass die politische Orientierung der Studierenden damals eine deutlich größere Rolle spielte.</p>
<div id="attachment_18102" style="width: 360px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-18102" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18102" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-300x300.png" alt="" width="350" height="350" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-300x300.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-1024x1024.png 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-150x150.png 150w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-768x768.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-1536x1536.png 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-1920x1920.png 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-1170x1170.png 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2-585x585.png 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/neu2.png 2000w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /><p id="caption-attachment-18102" class="wp-caption-text">Bild: Vera Egger</p></div>
<p>Etwas schmerzlich betrachtet der Philosoph jedoch die Entwicklung der Universitäten in eine verschulte Richtung. Während den Studierenden damals ein größerer Spielraum in der Fächerwahl und den Interessensgebieten gewährt war, lässt das heutige, starr vorgegebene Curriculum weniger interdisziplinären Austausch zu. Dies führt Braun auf die verstärkte Spezialisierung der Professor:innen auf ein bestimmtes Forschungsthema sowie den allgegenwärtigen Publikationsdrang zurück. Als „Forschungsmanie“ bezeichnet er diese Dynamik, die das Interesse für Allgemeinbildung häufig untergräbt. Auch wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten an der Uni Innsbruck viel verändert hat, bleiben manche Dynamiken trotzdem beständig. So stellt Professor Braun fest, dass die Studierenden aus Südtirol schon damals das Wochenende in der Heimat verbracht haben.</p>
<h3>„Das Physikstudium glich damals mehr einem Selbststudium“</h3>
<p>Wie man sich in Innsbruck häufig in einer durch die Berge abgeschnittenen, langsameren Welt fühlt, so erging es Professor Peter Zoller auch, als er 1970 sein Studium im Fach Physik begann. Einerseits gemütlich, andererseits einschränkend war das Lernen in den Bergen damals, welches wenigen Strukturen und Vorgaben folgte. Der heutige Experte im Bereich der Quantenphysik erinnert sich, dass diese Art der Lehre viele seiner Mitstudierenden dazu veranlasste, das Bett morgens eher später zu verlassen, abends länger zu feiern oder die Energie in den politischen Diskurs der Zeit zu investieren. Das Studium lief langsamer ab, da der Prof die einzige Wissensquelle war. Bezogen wurde sich auf Literatur, welche häufig in einzelner Ausführung in der Unibib vorhanden war, jedoch ungünstiger Weise meist vom Prof selbst ausgeliehen war. Demnach erachtet Professor Zoller die heutige universitäre Ausbildung als komplexer, da sich die Uni Innsbruck von ihrem provinziellen Charakter emanzipiert habe. Dennoch sieht der Physiker sein damaliges Studium für sich persönlich als sehr gewinnbringend. Für ihn eröffnete der weit gefasste Lehrplan die Möglichkeit, seinen eigenen Interessen nachzueifern und sich dementsprechend zu spezialisieren, wodurch er es schaffte, über die Berggipfel hinaus mit internationalen Personen der Forschung in den Austausch zu treten.</p>
<p>Auch wenn das Lernen heutzutage im Gegensatz zu früher fortschrittlicher ist, so schwelgen die Professor:innen dennoch gerne in Erinnerung an die damalige Zeit ihres Studiums mit Notizbüchern statt Tablets und Nachschlagewerken statt Studydrive. Mit Sicherheit hätte Professor Braun vor 47 Jahren, als der Besitz eines eigenen Taschenrechners noch eine Zukunftsvision war, die Vorstellung einer völlig digitalisierten Uni für eine kühne Utopie gehalten.</p>
<p><em>Dieser Artikel erscheint auch in der <a href="https://www.unipress.at/ueber-uns/archiv/jaenner-2023/">Jänner-Ausgabe 2023</a>.</em></p>
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