Was ich nicht in der Schule gelernt habe

von Kristina Kerber
Lesezeit: 7 min
Finanzen, Haushalt, Work-Life-Balance? Noch nie gehört. Dafür weiß ich aber, dass das Mitochondrium das Kraftwerk der Zelle ist. UNIpress wirft einen Blick auf all die Dinge, die im Laufe unserer Schullaufbahn von den Mitochondrien überschatten wurden.

How To: Karrierefinden

Wer nicht wird, wird Lehrer. Ein Sprichwort, das uns in unserer Schülerkarriere oft zum Schmunzeln gebracht hat. Aber jetzt, wo es um unsere tatsächliche Karriere, sprich Geld und Existenzerhaltung, geht, wirkt der leicht dahingeworfene Spruch eher wie eine Drohung. Schließlich sind nicht umsonst etliche Studierende an der Uni Innsbruck auf dem Weg, selbst Lehrende zu werden. Zugegebenermaßen hat es bei dem ein oder anderen tatsächlich damit zu tun, dass der Karrierehut nicht die richtigen Antworten ausspucken wollte und man nicht gewusst hat, welchen Studiengang man sonst wählen soll. Wer kann das schon verübeln, immerhin sind wir bis dato den Großteil unseres Lebens mit Schule konfrontiert gewesen – aber das Lehrerdasein kann definitiv auch eine Passion sein, die sich hinter dem Lehrerpult bezahlt macht. Doch wie findet man seine Passion? Was den Beruf Lehrer angeht, könnte man meinen, dass es eine sehr naheliegende Wahl ist, da man mit dieser Berufsgruppe besonders viel Kontakt hatte. Aber heißt das, dass meine kindliche Süßigkeitssucht und die damit einhergehenden frequenten Zahnarztbesuche bedeuten, dass Zahnarzt meine berufliche Bestimmung ist? Und haben Polizisten und Polizistinnen einfach korrupte Verwandte, die den Beruf greifbar gemacht haben? Die ein oder andere Schule mag zwar einen Karrieretest anbieten, jedoch ist bei mir von besagtem „Karrieretag“ nur hängengeblieben, dass eine Doppelstunde Mathe ausgefallen ist und „Schauspieler“ leider nicht ganz oben auf der Liste war. Auch im Internet findet man viele Onlinetests, die etliche Antworten bereithalten. Jedoch sind es zumeist die gratis Tests, die hierbei in Anspruch genommen werden und mit Fragen wie „Was ist denn dein Lieblingstier?“ subtil herleiten wollen, ob du denn Tierarzt, Hundefrisör oder lieber Drachenzähmer werden solltest. Es gibt natürlich auch hilfreichere Angebote wie beispielsweise den AMS Berufskompass oder der AK Berufsinteressentest, bei denen man sich zumindest so vorkommt, als würde man ernstgenommen werden und möglicherweise sogar auf ein, zwei realistische Ideen stoßen. Am besten sind jedoch Beratungsstellen, bei denen man ein Gegenüber hat, mit dem man aktiv kommunizieren und interaktiv seinen eigenen Senf dazu geben kann. Hier sind vor allem die Beratungsstellen am Wifi von Interesse. Auch die ÖH bietet eine gute Unterstützung, was den existentiellen Wahnsinn angeht, mit dem früher oder später jeder konfrontiert wird. Selbstverständlich liegt es am Ende immer noch an einem selbst. Aber wie auch beim Matheunterricht ist man zumeist für jede Hilfe dankbar, die einen Schritt näher ans Ziel führt.

©pixabay

 How to: Gute Quellen finden

In der Mittelschule beziehungsweise Unterstufe wars Wikipedia, in der Oberstufe dann alles außer Wikipedia und jetzt in der Uni kann man sich froh schätzen, wenn sich überhaupt etwas in den Tiefen des Internets zu seinem Thema finden lässt, sei es Wikipedia oder irgendeine obskure Internetseite, die bestenfalls noch mit dem Dark Web zu tun hat. Woher also weiß ich, wie und wo ich meine Informationen für meine etlichen Seminararbeiten finden kann? In der Schule lernt man eher, wo man nicht nachschauen soll. Stichwort Wikipedia. Immerhin kann da ja jeder ein Artikelchen schreiben und bearbeiten. Wer weiß, ob der Eintrag übers Fliegenfischen der Feder eines Harvardprofessors oder dem Bleistift eines präpubertären Internettrolls entsprungen ist. Natürlich ist am Hinterfragen der Vertrauenswürdigkeit solcher Quellen etwas dran. Allerdings sollte der Wert von Wikipedia und Co nicht unterschätzt werden. Nämlich findet man unter der „Literatur“ alle angeführten und verwendeten Quellen sowie (meist) korrekte Zitierform. Wikipedia selbst ist zumindest ein guter Start, um sich einen Überblick über so ziemlich jedes erdenkliche Thema zu verschaffen. Dieses Wissen zu vertiefen ist jedoch ebenso möglich, indem man sich ganz dreist durch die angegebenen Quellen klickt und auf den ein oder anderen Schatz stößt, der jede erdenkliche Information bereithält. Seien es Internetquellen oder Bücher, an die man im Traum nicht gedacht hätte. Die Literaturangabe ist generell eine Fundgrube. Die ersten Ergebnisse der Internetsuche führen einen meist zu Artikel, die zwar zumeist schön und gut sind und mit ihrer Überschaubarkeit überzeugen, allerdings sind solche Quellen bei akademischen Arbeiten nur ungern gesehen. Aber auch hier hält sich der ein oder andere literarische Diamant versteckt. Zuerst geht es darum, abzuklären, ob brauchbare Information zu ernten ist. Nach einem kurzen Drüberlesen kann man dann das arme Mausrädchen quälen und bis zum Seitenende scrollen, wo dann Quellen nach Quellen ins müde Studentenäugchen stechen. Dasselbe gilt auch für Dissertationen, Fachartikel sowie all die Must-have Quellen, die das Professorenherz höherschlagen lassen. Was besagte Sources angeht, kann auch Google Scholar Abhilfe verschaffen. Einfach den gewünschten Suchbegriff eintippen, Google Scholar anhängen und schon hat man sich selbst von wissbegierigem Normalo zu bravem Studenten upgegradet. Peer Reviewte Artikel und akademische Studien, wo das Auge hinschaut. Von der Vielzahl an online Plattformen, die akademische Texte zu bieten haben, mal ganz abgesehen. Für deutsche und englische Texte sind beispielsweise Taylor & Francis Online, Microsoft Academic und BASE sehr zu empfehlen. Aber auch die Uni Innsbruck bietet Suchmaschinen an, die alles zu bieten haben, was das Akademikerherz begehrt. Neben der klassischen Literatursuche mit den hilfreichen Filtern der „erweiterten Suche“ gibt es hier auch das Datenbank Informationssystem (DBIS), bei dem alle Studienrichtungen vertreten und nicht nur unzählige akademische Artikel, Bücher, und Journals zu finden sind, sondern bei dem auch schon alles für das gefürchtete Zitieren aufgeführt ist. Hierbei auch ein Shoutout an Citavi, das nicht nur automatisch je nach präferiertem Zitationsstil zitiert, sondern die Quellen auch speichert und übersichtlich für späteren Gebrauch kategorisiert. Ein weiterer Tipp bezüglich Literatursuche, sei es via der BibSearch oder sonstigem, ist der VPN-Zugang der Uni Innsbruck, der den Zugriff auf normalerweise gesperrte Texte ermöglich.

©pixabay

How to: Unbiased Nachrichten konsumieren

In einer Welt voll von „Fake News“ ist es oft schwer, wirklich objektive Informationen und Nachrichten zu konsumieren. Vor allem angesichts der enormen und stetig wachsenden Zahl an Medien ist es oft schwierig zu wissen, was jetzt wirklich brauchbar ist und was eher einer meinungsbasierten Hasstirade eines aufgewühlten Pseudojournalisten entspricht. Wichtig ist immer die Überlegung rund um die Intention des Autors und des Mediaoutlets. Geht es hierbei um ein wirtschaftliches Interesse? Politik? Ideologie? Klicks? Manche Medien sind politisch gefärbt, sei es links oder rechts, blau oder grün. Das betrifft Zeitungen, Nachrichtensender und sogar den eigenen Twitter-Feed, der ja zumeist aus gleichgesinnten und ähnlich denkenden Menschen besteht, die grundlegend schon in die eine oder andere Richtung tendieren, die der eigenen Meinung entsprechen. Auch Zensur ist beim Konsumieren von Nachrichten ein großes Thema. Handelt es sich denn schon um „Fake News“, wenn gewisse Themen aufgebauscht und stundenlang zerkaut werden, während andere Themen – sei es bewusst oder einfach als Konsequenz – vertuscht werden? Vor allem Leute zwischen 18 und 24 beziehen ihre Informationen hauptsächlich aus dem Internet – sei es nun WhatsApp, Twitter, Instagram, YouTube oder Facebook. Es ist zugegebenermaßen schwierig, wahrlich unbiased News zu finden, da jeder Mensch wohl oder übel seine politischen, ideologischen und sonstige Einstellungen und Überzeugungen hat. In der Schule wird leider nicht sonderlich viel wert auf kritisch-hinterfragendes Denken gelegt. In diesen prägenden Jahren der Wissensvermittlung geht es vor allem um das Aufnehmen und Festigen von Wissen, dass von (größtenteils) qualifizierten Lehrpersonen vermittelt wird. Zwar besteht zu den Lehrenden oft kein sonderlich gutes Verhältnis, dennoch ist es recht selten, dass man der verhassten Mathelehrerin nicht abkauft, was sie einem so zu lehren hat. Natürlich werden in vielen Fächern auch Diskussionen willkommen geheißen, bei denen es darum geht, eine kritische Meinung zu bilden und diese zu verteidigen. Allerdings wird dieser Aspekt inmitten des ganzen Faktenabfragens oft vernachlässigt. In der Uni sieht es dann schon ein bisschen anders aus. Hier stehen Gruppendiskussionen auf dem Lehrplan und es wird verlangt, selbst Recherche zu betreiben. Meist klappt das auch ganz gut und man adaptiert besagtes kritisches Denken auch für nicht-akademische Bereiche. Was Nachrichtenkonsum angeht fällt es allerdings manchmal schwer, das zu hinterfragen, was schwarz-auf-weiß – oder je nach Einstellungen weiß-auf-blau – im Twitterfeed geschrieben steht. So kann es dann auch passieren, dass jemand auf TikTok ein Gerücht startet, dass Kayne West eine Affäre mit Jeffrey Star hat, dieses Gerücht dann auf Twitter trendet, und wenige Stunden später Online- und Printmedien in Flammen setzt. Hier gilt: Tippfreudigkeit über Faulheit. Auch wenn BuzzFeed ganz überzeugend erläutert, warum Giraffen jetzt fliegen können, heißt das nicht, dass man ab sofort einen Sicherheitshelm tragen muss.

Schreibe einen Kommentar

* Durch die Verwendung dieses Formulars stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website zu.

Artikel aus der selben Rubrik