ÖH für Dich: Umwelt und Nachhaltigkeit

von Michael Schlegel
Lesezeit: 5 min
Was ist die Antwort der Uni Innsbruck auf ökologische Krisen wie Klimawandel und Artensterben? Darüber sprachen wir mit dem Umweltreferenten der HochschülerInnenschaft im zweiten Teil unserer Artikelreihe über die ÖH-Referate.

Tobias Natterer ist Verantwortungsträger für die Umwelt. „Nachhaltigkeit war mir schon früh ein Anliegen und durch mein Politikstudium habe ich angefangen, mich noch mehr für das Thema zu interessieren“, erzählt der 21-jährige Student im Zoom-Call. Als er diesen Sommer auf die Ausschreibung für die Stelle als Referent für Umwelt und Nachhaltigkeit an der ÖH Innsbruck stieß, bewarb er sich darauf und wenig später hatte er den Job in der Tasche. Mit seinem Bachelor in Politikwissenschaft ist er inzwischen fertig, jetzt studiert er Wirtschaftswissenschaften. Das Referat leitet er ehrenamtlich.

Die Sicht der Studierenden einbringen

Als Referent ist es eine von Tobias‘ Hauptaufgaben, Ansprechperson für Studierende zu sein: „Alle Studierenden, die sich für Umwelt und Nachhaltigkeit an der Uni engagieren wollen, können mir jederzeit eine Mail schreiben. Dann kann ich weiterhelfen.“ Er ist bestens vernetzt und steht im Kontakt mit Studierenden, die sich für das Thema einsetzen – zum Beispiel mit der „Initiative Nachhaltige Universität Innsbruck“ (INUI) und auch mit dem Rektorat. Derzeit ist er an der Erarbeitung eines Nachhaltigkeitskonzepts für die Uni beteiligt. Dafür sei Vizerektor Wolfgang Streicher auf ihn zugekommen. „Er hat uns ins Boot geholt, damit wir die Sicht der Studierenden mit einbringen können,“ sagt Natterer. Näheres darf er dazu noch nicht verraten. Aber er plant, einen Fragebogen an Studierende zu schicken, über den er Vorschläge und Erkenntnisse sammeln will, die er in das Nachhaltigkeitskonzept mit einbringen möchte.

Ich würde mir an der Uni viel mehr Radlabstellplätze wünschen

Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit betreffen fast alle Lebensbereiche. Deshalb gibt es an der Uni viele Stellschrauben, an denen man drehen könnte, um in dieser Hinsicht etwas zu verbessern. Zum Beispiel, wenn es darum geht, die klimafreundliche Mobilität von Studierenden zu fördern. „Ich würde mir an der Uni viel mehr Radlabstellplätze wünschen. An der SoWi zum Beispiel ist oft gar kein Platz mehr für ein Radl. Dann muss man es irgendwo an irgendeinem Zaun abstellen,“ sagt Tobias. Auch einen weiteren Ausbau von Radwegen, vor allem außerhalb des Stadtzentrums, und ein günstigeres Semesterticket würde Studierende dabei unterstützen, emissionsarm unterwegs zu sein, glaubt Natterer. Einen weiteren möglichen Ansatzpunkt für Verbesserungen sieht Tobias beim Essen an der Uni: „Es wäre wichtig gewesen, die Mensen zu evaluieren, was wir gerade nicht machen können, weil sie nicht offen sind.“ Allerdings fügt er lobend an: „Dort achtet man meiner Erfahrung nach schon sehr auf Müllvermeidung und Mehrwegsysteme. Außerdem setzen die Mensen sehr häufig auf Regionalität und Bio-Lebensmittel.” Positiv sieht er auch, dass die Universität Teil der „Allianz nachhaltige Universitäten Österreich“ ist. Die Allianz möchte die Nachhaltigkeit ihrer Partneruniversitäten in der Forschung, der Lehre und dem Universitätsmanagement verbessern, trägt zum Wissensaustausch bei und vermittelt gemeinsame Forschungsprojekte.

Im Bildausschnitt seines Zimmers, in dem sich Natterer während des Onlinegesprächs befindet, kann man hinter ihm an der Wand eine Weltkarte aus Glas erkennen. An jeder ihrer beiden oberen Ecken hängt ein türkiser Mund-Nasen-Schutz an seinem Gummiband. Der Coronakrise kann Tobias auch Positives für die Umwelt abgewinnen: „Viele Treffen, für die man sonst Auto fahren oder womöglich sogar fliegen müsste, werden auf online umgestellt. Ich sehe eine riesige Chance darin, das auch nach der Krise beizubehalten.“ Doch man müsse aufpassen, dass nicht der gegenteilige Effekt Eintritt: „Es gibt die Angst, dass nach der Krise die Gemütlichkeit des Autofahrens bleibt.“ In jedem Fall hofft Tobias darauf, bald wieder zusammen mit seinen Kommiliton*innen im Hörsaal und im Seminarraum sitzen zu können: „Es will natürlich niemand, dass es unser restliches Leben lang nur noch distant learning gibt.“

(c) Michael Schlegel

Tobias Natterer in seinem Zimmer während des Zoom-Gesprächs mit Unipress.

Jede*r einzelne kann etwas tun

Zusätzlich zu den Maßnahmen, die ergriffen werden können, damit die Uni strukturell nachhaltiger wird, gibt Natterer auch alltägliche Tipps für jede*n einzelne*n Student*in dafür, wie man nachhaltiger studieren kann. Zum Beispiel könne man in der Mittagspause darauf achten, wenig verpacktes Essen zu kaufen und den produzierten Müll sorgfältig zu trennen. Oder man könne seine eigene Trinkflasche mitnehmen, anstatt immer wieder eine neue Flasche aus Plastik zu kaufen. Ein weiterer Tipp, den er gibt, ist es, den Computer zwischendurch auszumachen, anstatt ihn ständig laufen zu lassen. „Das sind so kleine Sachen, für die niemand viel ändern muss. Das kann ich eigentlich von heute auf morgen umstellen,“ sagt Tobias. Regional und saisonal zu essen sei eine weitere Möglichkeit, mit Konsumentscheidungen seinen eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Und auch wenn er wisse, dass dieses Thema durchaus kontrovers diskutiert wird, meint er: „Es ist sicher viel damit geholfen, wenn man versucht, ein bisschen weniger Fleisch zu essen.“

Natterer ist sich dessen bewusst, dass Essensentscheidungen etwas sehr Persönliches, beinahe Intimes, sind und mit vielen Emotionen verbunden werden. Er weiß, dass er selbstverständlich niemandem vorschreiben kann, was er oder sie essen soll. Und doch sprechen die Zahlen eine klare Sprache: In der Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln werden beträchtlich viel weniger Ressourcen und Land verbraucht und viel weniger Treibhausgase ausgestoßen als in der Produktion von tierischen Lebensmitteln. Er bringt es vereinfacht so auf den Punkt: „Ein Tier isst auch was, und ein Tier isst viel.“

Es fehlt nur der letzte Schritt, um das klar zu bündeln

Sobald es wieder möglich ist, werde das Nachhaltigkeitsreferat Workshops zu verschiedenen Themen organisieren, zum Beispiel zur Müllvermeidung. Diese würden auf fruchtbaren Boden fallen, glaubt Tobias: „Ich habe das Gefühl, dass der Großteil der Studierenden sich der Problematik und der Notwendigkeit, etwas zu tun, bewusst ist.“ Zudem seien viele Studierende bei den Fridays for Future-Demonstrationen dabei gewesen oder engagieren sich in der Studenteninitiative INUI. „Es fehlt nur der letzte Schritt, um das klar zu bündeln,“ meint Natterer.

Tobias Natterer schließt das Gespräch mit einem Appell: „Wir sitzen alle im gleichen Boot und müssen alle gemeinsam etwas ändern. Das geht nicht von oben herab, sondern das ist eine gemeinsame Bemühung, die wir machen müssen. Je mehr sich beteiligen, desto besser.“

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