A Lifesaving Match – wenn Studierende Leben retten

von Annalena Haller
Lesezeit: 6 min
Studierende sagen gemeinsam dem Blutkrebs den Kampf an. UNIpress hat die Organisation AIAS Innsbruck, einen Studierendenverein zur Registrierung potenzieller Stammzellspender:innen, zum Interview getroffen. Die nächste Aktion findet am 31. Mai am GeiWi-Vorplatz statt.

„AIAS“ kommt aus dem Griechischen und ist auf den Begriff „Held“ zurückzuführen. Jährlich erkranken ca. 1.000 Menschen in Österreich an Blutkrebs. Eine Stammzellspende ist für viele davon Betroffene der letzte Ausweg, aber nur acht von zehn an Blutkrebs erkrankten Personen finden im Stammzellregister ein passendes Match. Die Non-Profit-Organisation AIAS wurde von Studierenden für Studierende ins Leben gerufen. Sie haben es sich zur Herzensangelegenheit gemacht, an Blutkrebs erkrankten Personen eine Stammzellspende zu ermöglichen. An Aktionstagen kann man sich direkt am Unicampus informieren, sich als Stammzellspender:in registrieren lassen und, im besten Fall, zu Lebensretter:innen werden. Die nächste Aktion findet schon am Mittwoch, dem 31. Mai, am GeiWi-Vorplatz statt.

Katharina und Niclas von AIAS Innsbruck erzählen die spannende Geschichte, wie die deutsche Organisation AIAS auch in Innsbruck in Gang gesetzt wurde, und erklären, wie einfach es geht, sich als Stammzellspender:in zu registrieren.

UNIpress: Die Organisation AIAS gab es bis jetzt nur in Deutschland. Wie kam diese nach Innsbruck?

Katharina: Im Sommer 2019 kamen zwei deutsche Studentinnen, Eva und Katja, die beide bei der deutschen AIAS tätig waren, auf die Idee, im Oktober 2019 eine Aktion an der SoWi zu organisieren. Bei dieser ersten Aktion konnten damals über 1.000 Leute registriert werden. Vor Ort kam man ins Gespräch und so beschlossen wir den Schritt, einen offiziellen AIAS-Verein auch hier in Innsbruck zu gründen. Vier von uns sind immer noch tätig: Anna, Andrea, Niclas und ich. Das Konzept haben wir dabei von dem deutschen Modell übernommen: unter anderem, die Aktion hauptsächlich für Studierende zu machen oder nicht mit Gesichtern zu werben. Natürlich war die offizielle Gründung im Februar 2020 ein etwas ungünstiger Zeitpunkt, weshalb einige auch wieder abgesprungen sind. Jetzt, wo wir wieder Aktionen in Präsenz machen können, spüren wir das große Interesse der Leute, die auf uns zukommen und bei uns gerne mitmachen würden.

UP: Wie können euch Leute unterstützen? Kann man bei euch mitmachen?

Katharina: Wir schicken vor jeder Aktion eine Mail raus, wo sich jeder melden kann, der uns bei den Aktionstagen gerne unterstützen würde. Man wird dann eingeschult und ist für Sachen wie Aufbau, Beantwortung der Fragen oder Informationsauskunft zuständig. Natürlich kann man uns auch direkt an den Aktionstagen ansprechen oder uns bei Instagram oder an aias_innsbruck@web.de eine Nachricht schreiben, wenn man an Planung und Organisation der Aktionen interessiert ist.

UP: AIAS Innsbruck ist eine Non-Profit-Organisation. Von wem werdet ihr unterstützt?

Katharina: Ganz groß werden wir unterstützt vom Roten Kreuz, das uns viele Materialien, wie Zelte oder alles Medizinische, für die Aktionen zur Verfügung stellt. Da wir hauptsächlich die Studierenden ansprechen wollen, arbeiten wir auch intensiv mit der ÖH, der MedUni und der LFU zusammen. Zudem werden Materialien, so gut es geht, immer wiederverwendet.

UP: Wer kann sich registrieren lassen?

Katharina: Grundsätzlich kann sich jeder zwischen 18 und 35 registrieren lassen, wobei 35 Jahre die Obergrenze für die Registrierung ist, nicht aber für die Spende. Man wird bis 55 in dem Register behalten. Es gibt auch andere Ausschlusskriterien, beispielsweise falls selbst eine Krebserkrankung vorliegt, auch wenn diese Jahre zurück liegt und austherapiert ist. Auch andere Immunerkrankungen können ein Ausschlusskriterium sein. Größe und Gewicht spielen keine große Rolle, denn besonders das Gewicht kann vom Zeitpunkt der Registrierung bis zum Zeitpunkt der potenziellen Spende variieren. Falls man sich unsicher fühlt, kann man bei den Aktionen immer auf uns zukommen. Wir helfen da gerne weiter.

UP: Wie läuft eine Registrierung ab?

Niclas: Manche glauben, dass bei der Registrierung schon Blut abgenommen wird, was abschreckend wirkt. Dabei läuft das ganz anders ab. Bei den Aktionstagen bekommt man ein Set von uns, das einen Registrierungsbogen und Wattestäbchen beinhaltet. Nach Ausfüllen des Registrierungsbogens folgt ein Wangenabstrich mit vier Wattestäbchen. Die ganze Prozedur dauert um die fünf Minuten. Danach geht alles zusammen in einem Umschlag nach Wien und man wird in das Register aufgenommen. Nach einiger Zeit bekommt man per Brief die Bestätigung für die Aufnahme ins Spendenregister. Wenn man sich in einem Land schon mal registriert hat, kommt man automatisch in das internationale Register und muss sich nicht neu registrieren.

Bild: Niclas Schweder

UP: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, als Spender:in in Frage zu kommen?

Niclas: Diese Wahrscheinlichkeit liegt tatsächlich nur bei unter einem Prozent, doch die Wahrscheinlichkeit, als erkrankte Person eine:n Spender:in zu finden, liegt bei 80 Prozent.

UP: Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch! Warum ist es dennoch so wichtig, sich registrieren lassen?

Katharina: Stammzellen werden nicht nur im Kampf gegen Blutkrebs eingesetzt, sondern auch bei anderen Krebserkrankungen. Eine Stammzellspende ist meistens der letzte Ausweg einer Therapie. Man schaut bei einer potenziellen Spende immer, wie viele Merkmale zwischen Spender:in und Empfänger:in zusammenpassen. Manchmal gibt es mehrere potenzielle Spender:innen. Hier entscheidet man sich für die Person mit den meisten übereinstimmenden Merkmalen. Somit wird das Risiko von Komplikationen nach der Transplantation so gering wie möglich gehalten.

UP: Gibt es bei der Spende Unterschiede zwischen Mann und Frau?

Niclas: Tendenziell kommen mehr Männer als Spender in Frage. Das hat etwas mit der Schwangerschaft zu tun, da Frauen währenddessen eine Sensibilisierung des Immunsystems erfahren. Das Eiweiß des Kindes aktiviert bei Kontakt mit der Mutter das Immunsystem. Dieses aktivierte Immunsystem kann beim Empfänger als fremd anerkannt werden und greift den Körper an – das nennt sich Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion.

Das Spendenregister besteht zu rund 65 Prozent aus Frauen. Dies heißt aber nicht, dass Frauen sich nicht mehr registrieren müssen. Im Gegenteil, jede Registrierung, egal von welchem Geschlecht, kann entscheidend sein!

UP: Was passiert, wenn man als Stammzellspender:in in Frage kommt?

Katharina: Sollte man in Frage kommen, wird man in Österreich direkt vom Roten Kreuz kontaktiert. Anschließend folgt eine medizinische Untersuchung in Wien. Wenn dann alles passt, kommt es zur Stammzellspende. Die Kosten für den Transport übernimmt vollständig die Krankenkasse, schließlich rettet man einer Person das Leben. Eine wichtige Information: Man kann sich jederzeit, bis zu kurz vor der Spende, dagegen entscheiden, wenn man sich beim Gedanken an die Spende unwohl fühlen sollte.

UP: Wie viele potenzielle Stammzellspender:innen habt ihr bis jetzt registrieren können?

Katharina: Das müssten knapp um die 2.000 sein. Bei unserer ersten Aktion waren es ungefähr 1.100 Registrierungen. Bei den Onlineaktionen während der Coronapandemie fielen die Zahlen etwas nüchtern aus. AIAS lebt davon, miteinander zu reden, um Vorurteile und Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Bei weiteren zwei Aktionen konnten wir jeweils zwischen 300 und 450 Leute registrieren. Weltweit sind 39,5 Millionen Menschen im Spendenregister eingetragen.

UP: Können Spender:in und Empfänger:in Kontakt zueinander aufnehmen?

Niclas: Tatsächlich kann man schon am gleichen Tag Kontakt aufnehmen, aber nur anonym über die Transplantationsklinik und auch nur mit beidseitigem Einverständnis. Es liegt eine mindestens zweijährige Anonymitätspflicht vor. Nach diesen zwei Jahren ist eine persönliche Kontaktaufnahme möglich. Die Transplantation und die Genesungsphase brauchen Zeit. In den meisten Fällen verläuft alles gut, sollte der oder die Empfänger:in die Spende aber nicht gut vertragen haben, sollte der oder die Spender:in auch nicht damit konfrontiert werden. Es wurde schließlich das Bestmögliche getan – der Versuch, jemandem das Leben zu retten.

 

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