Wieso Klimaaktivist:innen recht haben

von Manuel Tonezzer
Lesezeit: 3 min
Wo immer Klimaaktivist:innen Thema werden, sind hitzige Diskussionen angesagt. Doch bei all den Debatten um ihre Aktionen und ihr Wirken ist zumindest eins gewiss: Sie haben recht.

Dienstagabend. Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer sitzt im Studio der Puls4-Show „Pro und Contra“ und zerpflückt mit spielerischer Leichtigkeit jede noch so nichtssagende Phrase und sämtliche kleingeistigen Argumente der nur wenig jugendlichen Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm. Neubauer ist dabei sachlich, bleibt faktenbasiert und liefert Argumente, die nur schwer zu entkräften sind. Wer diese Diskussion mitbekommen hat? Zumindest in der breiten Masse nur wenige.

Das Streben nach Aufmerksamkeit

Falls man sich also fragt, wieso Klimaaktivist:innen zu Methoden wie Sitzstreiks, Demonstrationen oder den heftig diskutierten Klebe-Aktionen greifen, dann ist diese Diskussion wohl die passende Antwort darauf.  Wird sachlich argumentiert und aufgeklärt, sorgt das nämlich für wesentlich weniger Aufmerksamkeit, als es sämtliche andere Vorgangsweisen tun. Dies bedeutet nun im Umkehrschluss nicht, dass diese Aktionen deswegen allesamt zielführend, richtig und angebracht sind, variieren sie doch sehr in Art und Wirkung, bedeutet aber, dass diese zumindest ein größeres Publikum erreichen.

Aufmerksamkeit, die in der Klima-Frage eine zentrale Rolle spielt. Nun kann man natürlich über eben diese Aktionen diskutieren, ihren Sinn und ihre Effizienz ergründen (was allerdings schon zu genüge getan wurde), muss sich zeitgleich aber auch die Frage stellen, was Menschen überhaupt dazu veranlasst, zu solchen Maßnahmen zu greifen?

Spiel mit der Zukunft

Hierbei spielt insbesondere die Empathie eine große Rolle. Denn genauso wie Autofahrer:innen zu verstehen sind, die aufgrund der Klebe-Aktionen in den daraus resultierenden Staus viel Zeit verlieren , gilt es auch, sich in die Aktivist:innen hineinzuversetzen. Diese protestieren nämlich nicht, weil sie daran unglaublichen Spaß haben oder dadurch ihren Lebensunterhalt finanzieren. Auch nicht für Ruhm und Ehre, denn großteils schlägt ihnen bekanntlich heftige Kritik entgegen. Sie protestieren, weil sie offensichtlich recht haben.

Weil die Fakten auf dem Tisch liegen, ihre Anliegen auf einer fachlichen Grundlage basieren und die Zukunft auf dem Spiel steht. Sie protestieren, weil sie in Diskussionsrunden immer noch mit wissenschaftsfeindlichen und realitätsverweigernden Menschen konfrontiert werden. Weil uns die Klimakatastrophe mitsamt ihren Auswirkungen vor der eigenen Nase präsentiert wird. Weil der Klimawandel von manchen weiterhin geleugnet wird, obwohl er doch schon von zahlreichen Expert:innen belegt wurde (u.a. Klaus Hasselmann, Träger des Physik-Nobelpreises).

Weil viele weiterhin das Offensichtliche leugnen und lediglich damit glänzen, dass sie den Unterschied zwischen Wetter und Klima immer noch nicht verstanden haben. Weil Parteien für Stimmenfang entgegen ihres eigenen Leitbilds handeln und der nahen Zukunft deutlich mehr Bedeutung beigemessen wird als der fernen. Weil Menschen nicht dazu bereit sind, die Fehler ihres Tuns einzugestehen und auf etwas Luxus zu verzichten.

Moralische Vertretbarkeit

Man mag von den Aktionen der Aktivist:innen nicht überzeugt sein und man kann sie selbstverständlich auch kritisieren. Man darf zeitgleich aber nicht vergessen, dass sich diese Menschen für eine Zukunft einsetzen, von der nicht nur sie allein – sondern auch ihre Kritiker:innen – profitieren. Man darf auch nicht vergessen, dass der Einsatz für die Rettung des Planeten zumindest moralisch richtig ist. Und man darf auch nicht vergessen, dass diesen Menschen, trotz Argumenten und immer deutlicheren Beweisen, weiterhin zu wenig Gehör geschenkt wird.

Und wenn all das nicht mehr reicht, um Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, dem offenkundig nicht jene Wichtigkeit beigemessen wird, die es verdient hätte, welche Möglichkeiten bleiben sonst? Wer Klimaaktivist:innen ernsthaft mit Terroristen vergleicht, der sollte wohl etwas weniger Zeit auf Telegram verbringen.

 

 

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