Innsbruck vs. Die Welt

von Rosa Schmitz
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Innsbruck: Die kleinste Großstadt der Welt? Oder die weltweit größte Kleinstadt? Egal wie man’s sieht, die Tiroler Landeshauptstadt hat auf jeden Fall einiges zu bieten. 

Unendliche Freuden in Innsbruck

Sie ist in alle Himmelsrichtungen von Bergen umgeben. 13 Skigebiete gibt es in der Region. Darunter die bei Freeridern beliebte Axamer Lizum, das familienfreundliche Rangger Köpfl und der 3.210 Meter hohe Stubaier Gletscher. 300 Pistenkilometer. 111 Bergbahnen. Die Vielseitigkeit ist riesig. Außerdem ist alles in kurzer Zeit erreichbar. Vor allem das Haus-Skigebiet der Innsbrucker, die Seegrube. Aber nicht nur zum Shredden, sondern auch zum Sonnen ist die Nordkette ein beliebter Spot. Und in den Sommermonaten stehen von hier oder der Stadt aus tausende Wanderrouten zur Auswahl. 

Das Angebot allein macht es für jede andere Stadt unmöglich, mitzuhalten. Aber es ist nur ein Grund, warum Innsbruck der beste Ort zum Leben ist. 

Nach einem ganzen Tag im Schnee ist es Zeit für Après Ski. Im “legendärsten Club der Welt”: die Mausefalle. Auf voller Lautstärke werden hier heimische Hits wie “Mama Lauda”, “Ich Bin Solo” und “Anton aus Tirol” gespielt. Schwitzend, schubsend, schaukelnd – alle singen, oder – ehrlicher gesagt – schreien mit. Wo sonst gibt es eine solche ausgelassene Atmosphäre?

Berlin. London. New York. Keiner kann damit konkurrieren. Natürlich haben sie alle mehr und größere Veranstaltungsorte. Aber haben sie kostenlosen Eintritt? Haben sie Ahoj-Brause mit Vodka? Haben sie die Bögen? Anreise mit dem Rad. Wird lässig getanzt in Skihosen oder Wanderschuhen? Nein. Die bekannte Partymeile ist einzigartig. Ein Techno-, Deep-House- und sogar Trance-Musik-Club neben dem anderen. Dazwischen ein Pizza-Mann, der Bosnawürstel in Pizzabrot serviert. Die vielleicht beste Hangover-Cure. Und für alle, die nicht drinnen sein wollen: Irgendwo läuft immer grad ein Rave… in der Sillschlucht, unter der Autobahn, draußen beim Flughafen.

Und sobald es warm genug ist, liegt Kranebitten nicht nur in der Sonne, sondern auch voll im Trend. Tagsüber wird hier geschwommen, gebräunt, gegrillt: saftiges Fleisch, vegane Wurst und blasse Haut. Abends wird groß gefeiert. Als Alternative nahe der Innenstadt bietet sich das Sonnendeck an. Auch hier kann man die Füße und die Seele über dem Inn baumeln lassen. Sogar Surfen ist hier eine Möglichkeit. Wildes Wasser statt hohe Wellen. Wer braucht Hawaii oder Kalifornien? Die australische Gold Küste, Jeffrey’s Bay in Südafrika und die Bukit Peninsula in Bali, Indonesien, sind doch alle mit Touristen überrannt. 

Ich hab’s gesehen. Ich kenn mich aus. Glaubt’s ma. I bleib gern dahoam. Pfiat-enk!

Wieso ausgerechnet diese Kleinstadt?

Es stimmt: Wenn die Sonne scheint, ist Innsbruck ein schönes Plätzchen. Zwischen Mietpreisen, die beinahe höher sind als die umliegenden Berge, stellt sich allerdings doch die Frage: Wieso ausgerechnet diese Kleinstadt? Willkommen geheißen werden hier vor allem die Wintersportelnden. Falls man (noch) nicht dazu gehört, wird einem nahegelegt, dies schleunigst zu ändern. Gelegenheit dazu hat man ja reichlich – auch wenn das bedeutet auf der Nase zu landen. Das kann einem auf der Piste passieren, oder auch auf den „fehlenden“.

Die Stadt ist „klein und fein“, man erreicht hier locker alles mit dem Rad. Aber man sollte sich der Gefahr, die von den mangelnden Fahrradwegen und der an Straßenbahnschienen umso reicheren Fahrbahn ausgeht, bewusst sein (nur ein Ratschlag nebenbei). Die größte Zeit des Jahres fröstelt es dich, wehe dem, der die Mütze über die Ohren zieht! Der „Windsbrucker“ Föhn beschert manch einem Kopfschmerzen, verstärkt werden diese fix durch den Tiroler Dialekt, woasch eh.

Beim Ausgehen lande ich persönlich immer nur in der Falle (wobei, da bin ich, glaube ich, selbst dran schuld). Die Kulinarik ist eher mau, wenn man von den Hipster-Lokalen nicht angetan ist… sogar die Nicht-Veganer haben irgendwann genug vom „Leberkas“. „Die Stadt hat so viel zu bieten!“, heißt es.

Ja, wer Langeweile, Sport und Ruhe sucht, ist hier genau richtig. Für die Pension herziehen? Auf alle Fälle! Aber fürs Studium? Hier ist es weder übermäßig geil noch übertrieben uncool. Ein Mittelding aus kleiner Stadt und großem Dorf. Klar ist alles nicht nur schwarz und weiß – Innsbruck bleibt daher wohl grau.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Mai/Juni-Ausgabe 2022.

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