Vor fast 10 Jahren wurde Viktoria Machajdik in ihrer Heimatstadt Innsbruck als Model entdeckt. Bei einer Shopping-Tour mit ihrer älteren Schwester. Modelscout Andreas Kranebitter drückte ihr im Einkaufszentrum West die Visitenkarte von SP-Models in die Hand. Das war 2013. Heute ist Machajdik 25 Jahre alt, hat bereits einen Psychologie-Bachelor in der Tasche und bald auch einen in Soziologie.
Begonnen hat alles mit einem erfolgreichen Elite-Model-Look-Casting im Sillpark. Von dort aus ging es nach Wien – zum Halbfinale und schließlich zum österreichweiten Finale. Dieses gewann sie. Kurzerhand ging es für Machajdik im November 2013 zum Weltfinale nach Shenzhen, eine Millionenmetropole in China, wo sie es unter die Top 15 schaffte – mit gerade einmal 17 Jahren und kaum Laufstegerfahrungen. Mentoren zum „richtigen“ Laufenlernen hatte Machajdik zuvor nie: „Am Anfang geht es gar nicht darum, was du kannst, sondern nur, ob du die gewünschten Maße hast“, sagt sie.
Die bloße Reduktion auf das Äußerliche steht natürlich schon lange in kritischer Diskussion. Während sich die Standardmaße in der Werbung verändern, ist eine Veränderung auf den Laufstegen noch nicht bemerkbar. Machajdik: „Ich persönlich profitiere davon – aber, das heißt nicht, dass ich den Trend in Richtung Diversität nicht gut finde.“
Mit internationalen Agenturen in Kontakt
Durch die Reise nach China kam sie in Kontakt mit internationalen Agenturen, welche ihr Türen für die kommenden Jahre öffneten. 2014 hat Machajdik maturiert und dann drei Jahre lang Vollzeit gearbeitet – also praktisch rund um die Uhr. Ein typischer Casting-Tag beginnt früh morgens. Wie lange er dauern wird und was einen genau erwartet, wissen die Models im Vorhinein selten. Größe: 179 cm, Haarfarbe: braun, Augenfarbe: blau. Das steht in Machajdiks Model-Buch, welches sie neben ein paar Snacks, genug zu trinken und High-Heels immer in ihrer Tasche mit sich führt. Wenn die Tür hinter ihr ins Schloss fällt, startet der „Casting-Marathon“. Anrufe der Agentur für neue Castings und Fittings stehen an der Tagesordnung. „Meistens ist alles ziemlich hektisch, aber ich versuche, ruhig zu bleiben“, sagt sie. Geduld ist eine Tugend, die Machajdik bald lernen musste, vor allem dann, wenn schon hunderte Models vor ihr beim Casting eintrafen und stundenlanges Warten angesagt war.
Das lange Warten und die Ungewissheit sind eine Schattenseite des Model-Dasein. Spontanität und Flexibilität sind ein Muss. Das macht es schwierig, langfristig zu planen. Ihren Freunden und ihre Familien kann sie selten sagen, wann sie wieder Zuhause sein wird oder wann es wieder los geht. „Es kann gut sein, dass ich heute Abend einen Anruf bekomme und morgen im Flieger sitzen muss“, sagt Machajdik. Mailand, Barcelona, Dubai, Paris, London und New York.
Manche Städte hat das Model lieben gelernt. Mailand, zum Beispiel, sei wie ein zweites Zuhause für sie geworden. In New York habe sie sich vom ersten Augenblick an wohlgefühlt, sagt Machajdik. Paris sei ihre Lieblingsstadt. Und nach einigen Anlaufschwierigkeiten möge sie mittlerweile sogar London.
Von den Bergen in die größten Modemetropolen der Welt

Instagram Viktoria Machajdik
Ihre Karriere kann man von Anfang an als erfolgreich betrachten. Dabei hatte Machajdik vorher nie mit dem Gedanken gespielt, Model zu werden. „Als Kind wollte ich immer Volksschullehrerin werden“, sagt sie. Als die Frage fällt, ob sie den Job als Model empfehlen würde, zögert Machajdik. „Schwierig. Wenn, eher ab 18.“ Dem Druck, dem man ausgesetzt ist, standzuhalten, geht sowohl auf Kosten der Psyche, als auch auf die körperliche Ausdauer. Castings von früh bis spät sind vor allem bei den Fashion-Weeks nicht unüblich.
Wie bei GNTM sieht das Leben eines Fashionmodels allerdings nicht aus. „In der Show bekommt eines der 20 Mädchen den Job – im echten Leben sieht das total anders aus.“ Bei den meisten Castings ist es üblich, dass bis zu 1000 Bewerberinnen am Start sind – da ist es weder leicht, sich durchzusetzen, noch ist garantiert, dass du nach stundenlangem Warten den Job überhaupt bekommst. Es ist auch keine Seltenheit, mit Absicht lange aufgehalten zu werden, sodass man andere Castings von potentiellen Jobs verpasst.
Zwischen harter Realität und heiler Welt
Zudem, sagt Machajdik, sei es nicht übertrieben, zu behaupten, dass mit den Models vor allem bei den Castings schlecht umgegangen wird: „Eigentlich wirst du wie eine Schaufensterpuppe behandelt – Kunden vergessen, dass du auch Essen und Trinken musst. Wenn Essen bestellt wird, wird meist davon ausgegangen, dass ein kleiner Salat ausreicht.”
Machajdik ist von Diäten und Essstörungen verschont geblieben: „Ich hätte nie für einen Job abgenommen – das war ein No-Go für mich“. Aber sie kennt auch Mädchen, denen es anders ergangen ist. Vor allem in den großen Modemetropolen wird man als Objekt behandelt. „Aber“, rudert Machajdik wieder zurück, „ich habe auch nette Menschen kennengelernt und positive Erfahrungen gemacht“. Ein Erlebnis ist ihr immer noch präsent: Eine Show bei einem Schloss direkt am Como See für Dolce und Gabbana. Mit Grinsen und „Prinzessinnen-Make-Up“ im Gesicht, Diadem und wunderschönen Kleidern.
Für ein Fashionmodel ist die Follower-Zahl auf Social Media nicht ausschlaggebend für eine erfolgreiche Karriere. Auf der Straße wird Machajdik nicht angesprochen, an der Uni können wir ungestört reden. Die Fotografen allerdings kennen sie sehr wohl. Nach einer Show in Mailand, staunte ihre Familie nicht schlecht, als im Blitzlicht Machajdiks Name wiederholt aus der Menge gerufen wurden.
Von Allein-sein…
Gewohnt wird mit anderen Models gemeinsam in einem Apartment. Was auf den ersten Blick als gute Gelegenheit erscheint, Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, erweist sich allerdings als gar nicht so leicht: „Investiere ich in eine Freundschaft, obwohl wir uns nur drei Wochen sehen und dann vielleicht nie wieder?“ Trifft man sich wieder, ist die Freude dafür umso größer.
Dennoch – die meiste Zeit ist man im Job alleine. Das bringt zwar enorme Selbstständigkeit mit sich, aber Freunde und Familie sind Zuhause. „Man erlebt viele coole Sachen, kann sie aber kaum mit anderen teilen“, sagt Machajdik. Auch weil ein Konkurrenzkampf zwischen den Models spürbar ist. „Ich erzähle nicht so gern von einem erfolgreichen Job, wenn ich weiß, dass meine Mitbewohnerinnen heute keinen hatten.“
… und vermissen…
Seit 2020 ist Machajdik in keinen Fashion-Weeks mehr mitgelaufen. „Ich vermisse den Moment auf dem Laufsteg“, sagt sie. Während unzählige Augen auf sie gerichtet sind, sind die Gedanken des Models schon bei den alltäglichen Wichtigkeiten des Lebens, wie: Wie komme ich nach der Show zum nächsten Casting oder was soll ich nachher essen?
… und Zukunftsplänen
Was die Zukunft mit sich bringt, weiß Machajdik noch nicht genau – so lange sie interessante rentable Jobs bekommt, möchte sie aber weiterhin neben dem Studium modeln: „Ich bin froh darüber, dass ich diese Chance in meinem Leben bekommen habe.“
Für sie ist alles gut gelaufen.