Ein Cappuccino – aber mit Hafermilch, bitte!

von Annalena Haller
Lesezeit: 4 min
Das Thema Nachhaltigkeit ist in unserer Gesellschaft in aller Munde Auch an uns Studierenden geht’s nicht spurlos vorbei. Knappe Budgets und volle Zeitpläne machen aber vielen einen Strich durch die Rechnung.

Am 22. April hieß es wieder: Happy Earth Day! Pünktlich wurden wir erinnert, dass es – mal wieder – höchste Zeit ist, die Beine in die Hand zu nehmen und unseren Alltag nachhaltiger zu gestalten. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Gesagt, getan. Ich sitze mit Freunden bei einem Kaffee und bestelle ihn, wie üblich, mit Hafermilch. „Und du glaubst wirklich, dass du mit dieser kleinen Tasse einen Unterschied machen kannst?“, folgt als kleiner Seitenhieb von einem Freund. Er lächelt mir frech zu, während meine Gedanken zu rauschen beginnen. 

Den ganzen Ansprüchen der Nachhaltigkeit im Studentenleben gerecht zu werden, ist nicht einfach. Uni-Pflichten, Mini-Jobs und Freizeitaktivitäten nehmen genug Zeit und Nerven in Anspruch. Ab jetzt nur noch bio einkaufen, auf Secondhand umsteigen und unsere Habseligkeiten auf das Nötigste reduzieren? Verständlich, dass man da gern die weiße Flagge hissen würde. Beim täglichen Kaffee auf Pflanzenmilch umzusteigen, wird nicht sofort die Welt retten. Aber es ist ein erster Schritt – der schmeckt.

Das ist aber nicht bio?

Tatsächlich haben Ersatzprodukte schon lang den ein oder anderen Stammplatz in unseren Kühlschränken gefunden. Neben dem Genuss haben diese Produkte auf den ersten Blick noch einen anderen, süßen Beigeschmack: das gute Gewissen. Doch beim genaueren Mustern der Zutatenliste kommt man schnell ins Grübeln. Die Inhaltsstoffe vieler Produkte hatten eine nicht gerade kurze Anreise und die Verpackungen bringen viel Plastikmüll mit sich.

Als nachhaltigere Alternative werden die regionalen Bioläden oder Bio-Abteilungen im Supermarkt angepriesen. Doch wenn man vor den vollgepackten Bio-Regalen steht und die Auswahl mustert, muss man bei den stattlichen Preisen erst mal schlucken. Die Produkte sind zwar schön und gut, ecken aber auch an vielen Stellen an. So langsam köchelt die Frage hoch: Kann man überhaupt noch irgendwas richtig machen? Es muss doch die ein oder andere Möglichkeit geben, wie man besser davonkommt.

Lebensmittel, die nur darauf warten, gerettet zu werden

Auf der Suche nach einer Antwort stoße ich auf die App “Too Good To Go”.  Nach kurzem Stöbern findet man, unter einer großen Auswahl an Vertrieben von Lebensmitteln, den ein oder anderen Glückstreffer. Nur wenige Klicks reichen, um sich für nur 3,99 Euro in einem teuren Bio-Laden nach Ladenschluss ein „Überraschungssackerl“ zu sichern. Dieses macht seinem Namen alle Ehre. Denn beim Blick in die Tüte wird man in der Tat vom Inhalt äußerst positiv überrascht! Die geliebte Hafermilch muss jetzt ein bisschen rüber rutschen, denn hochpreisige Lebensmittel, die sonst in der Tonne gelandet wären, finden spontan eine neue Bleibe im Kühlschrank – wenn auch nur kurzfristig bis zur nächsten Mahlzeit.

Wer ein bisschen die Augen offen lässt, findet die sogenannten „Fairteiler“, die sich gerade in der Innenstadt ausbreiten. Da diese sogar komplett kostenlose Lebensmittel beinhalten, lohnt es sich sehr, das ein oder andere Mal reinzuschnuppern.

Auf eine weitere wahre Goldgrube stößt man bei Foodsharing. Das ist eine Organisation, die es allen Interessierten ermöglicht, sich an bunten Obstregalen und duftenden Backstuben zu bedienen und die Lebensmittel mitzunehmen, die nicht mehr gut genug für den Verkauf sind. Und das sind nicht wenige. Wenn man sich auch mal im Bekanntenkreis umhört, findet man vielleicht einige Beteiligte, die gerne was von ihrer geretteten Beute abgeben. 

Den neuesten Trends widerstehen

Aber wie schaut’s im Kleiderschrank aus?

Man läuft die Maria-Theresien-Straße entlang und macht kurz einen Abstecher ins Kaufhaus Tyrol, weil’s eh auf dem Weg liegt. Große Fast-Fashion-Läden locken mit ihren neuen Kollektionen. Der Gedanke, wie das Zeug produziert wurde und woher es kommt, verblasst bei der Vorstellung daran, wie schick es an einem aussehen wird, wenn die Sonne zukünftig wieder auf die Stadt knallt.

Dabei verstecken sich in Innsbruck sehr viele Secondhand-Shops, die auch für kleines Geld sehr tolle Sachen anbieten und mit den großen Fast-Fashion-Giganten locker mithalten können. Es lohnt sich sehr, vom Herkömmlichen mal abzuschweifen und einen Abstecher in die kleinen Seitengassen zu machen. Dabei tut man der Umwelt und seinem Geldbeutel einen großen Gefallen. 

Auf was es wirklich ankommt

Beim Thema Nachhaltigkeit trifft man auf sehr viele Punkte, die man bei seinen Gewohnheiten verbessern könnte… Der Gedanke, all diesen hohen Ansprüchen gerecht werden zu müssen, kann vorweg lähmen – bevor man erst richtig damit beginnt. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es oft gar nicht von einem erwartet wird, sofort alle Entscheidungen richtig zu treffen.

Hier heißt es: kühlen Kopf bewahren und in kleinen, realistischen Schritten vorgehen. Dazu gehört, sich selbst kein schlechtes Gewissen einzureden, wenn man mal eine nicht so nachhaltige Alternative getroffen hat.

Wenn man sich ein bisschen über das Thema informiert, kommt schnell die Erkenntnis, dass ein nachhaltigeres Leben gar nicht mal so schwierig und zeitraubend ist. Kleine Fortschritte passen, wenn wir ehrlich sind, auch in den Alltag eines jeden Studenten und können viel bewirken. Es ist schlichtweg unmöglich, ein durch und durch nachhaltiges Leben zu führen. Aber dafür sollte auch niemand an den Pranger gestellt werden.

1 Kommentar

Laner Christina 2. Mai 2022 - 18:20

Bravo Annalena sehr sehr guit gschriebn nomo bravo???

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