Piefkesaga ohne Ende

von Rosa Schmitz
Schlagwörter: Lesezeit: 2 min
Trotz Corona – die Deutschen sind in Österreich allgegenwärtig. In den Städten, auf den Pisten, in den Universitäten.

Laut. Besserwisserisch. Anmaßend. Verhaltensauffällig. Notorische Quasselstrippen. Die Deutschen. Sie nerven allgegenwärtig. Wo sie auftauchen, ist ihnen nur schwer zu entkommen.

Schon die Aussprache. Zungenschläge wie an Wetzsteinen geschliffen. Sätze schlagen wie Peitschenhiebe. Jedes Wort wird belehrend artikuliert. Dialektsprecher – Ösis überhaupt – gelten als Menschen zweiten Grades. Sie meinen, das sei “schön sprechen”. Sie halten uns offenbar für Bauerntrampel und “Provinz-Puper”. Und benehmen sich wie Kolonialherren.

Sie wollen uns ihre Wortwahl aufzwängen. Kartoffel, Tüte, Sahne. Kafffee. 

Tut doch in den Ohren weh. Am Schlimmsten ist aber, wenn sie so tun, als könnten sie österreichischen Dialekt sprechen und sich dann noch lustig vorkommen. Dabei sollten sie es einfach lassen. Aus Deutschen werden keine Österreicher. Dazu pflegen sie zu sehr ihre mitgebrachten Macken.

Sie sind geborene Beschwerdeführer. Und außerdem knauserig. In Restaurants hört man sie allenthalben lautstark klagen: “Wieso muss ich fürs Leitungswasser zahlen!?” Wer will ihnen da recht geben.

Die Schrecken auf der Piste. In der Schlange zum Sessellift atmen sie einem schon bedrohlich in den Nacken, fahren die Ellbogen aus, walzen keuchend vorwärts, drängen andere zur Seite, stoßen ihnen Skistöcke in die Waden. Gemütlichkeit kennen sie nur als Wort. Sie wollen möglichst schnell zur Abfahrt. Wo sie dann im Schneckentempo die gesamte Breite abfahren, ohne zu schauen.  Und wenn’s sie auf die Goschen haut, weil sie einem Einheimischen über die Ski gefahren sind, muss man ihnen auch noch die gesamte Ausrüstung zusammenklauben, damit sie nicht weiter im Weg liegt. Alleine aufstehen können sie kaum.

Sie meinen, sich überall und mit allem am besten auszukennen. Sie erklären uns sogar die Coronaregeln in Österreich. Sie halten sich für unentbehrlich. Schon weil sie als Billig-Touristen zu uns kommen. Und neuerdings auch als Student:innen. Dabei stellen sie Ansprüche bis zum Gehtnichtmehr. Alles muss sich um sie drehen. Und nie kriegen sie genügend Aufmerksamkeit. Echt anstrengend.

Unbegreiflich für mich ist, wieso meine Mutter auf einen Piefke reingefallen ist. Als ob nicht alle gleich wären. Aber ja, sie hat ihn geschliffen.

So musste ich lernen, mich mit deutschen und österreichischen Genen hier zurechtzufinden und nicht ständig aufzulaufen. Ich habe sogar einige Freunde gefunden, mit dem ständigen Bemühen, mich anzupassen. Auch wenn ich manchmal selbst die Klappe nicht halten kann, sag ich zumindest Erdäpfel, Sackerl und Schlag. 

Schreibe einen Kommentar

* Durch die Verwendung dieses Formulars stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website zu.

Artikel aus der selben Rubrik