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	<title>Lena Hallbrucker, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Musikkapellen in Tirol: Progression trotz Tradition</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Hallbrucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 13:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Du spielst in einer Blasmusikkapelle mit? Aber da sind doch sonst nur so Konservative dabei!“ Als Innsbrucker Studentin, die Teil einer Musikkapelle ist, gehören derartige Reaktionen von Kolleg:innen zum Alltag.&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2><b>„Du spielst in einer Blasmusikkapelle mit? Aber da sind doch sonst nur so Konservative dabei!“ Als Innsbrucker Studentin, die Teil einer Musikkapelle ist, gehören derartige Reaktionen von Kolleg:innen zum Alltag. Mit ihren bunten Trachten und schmucken Hüten wirken Musikant:innen für viele so, als würden sie in ein anderes Jahrhundert gehören. Da stellt sich die Frage: Sind Traditionsvereine wie Musikkapellen überhaupt noch mehr als verstaubtes Kulturgut?</b></h2>
<p><span id="more-22285"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Begriff „Tradition“ wird in unserem Zeitalter der Fortschritte und Umbrüche zunehmend kritisch betrachtet. Vor allem in der österreichischen Politik werden Reformen aus Gründen der Tradition häufig hinausgezögert – ganz nach dem Motto „Das war schon immer so, und deshalb wird sich auch nichts daran ändern.“ Daher liegt es auch nahe, dass </span><b>Traditions</b><span style="font-weight: 400;">vereinen vor allem von der jüngeren Bevölkerung eine gewisse konservative Einstellung zugeschrieben wird. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieses Vorurteil wird selbsterklärend noch verstärkt, wenn mehr als drei Viertel der Tiroler </span><b>Schützen</b><span style="font-weight: 400;"> – ebenfalls ein Traditionsverein – gegen die Aufnahme von Frauen als Schützinnen stimmen, wie es im Jänner 2026 der Fall war.  Dass im Jahr 2026 Geschlechtergleichheit aufgrund einer jahrhundertelangen „Tradition“ ausgehebelt werden kann, ist absolut kritisch zu betrachten und büßt Traditionsvereinen einiges an Sympathiepunkten ein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Mander, s’isch Zeit</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei zeigen Blasmusikkapellen, dass solche Traditionen auch aufgebrochen werden können und sogar zur Verbesserung beitragen. Blasmusikkapellen haben eine jahrhundertelange Geschichte (die älteste noch aktive Blasmusikkapelle in Österreich wurde 1698 gegründet) und waren, genau wie Schützenkompanien, für sehr lange Zeit exklusive Männervereine. Das liegt daran, dass Musikkapellen ihren Ursprung im Militär haben, zu dem österreichischen Frauen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts der Beitritt verwehrt blieb. Außerdem galt die Annahme, Blasmusikinstrumente seien für Frauen „zu anstrengend“ und „von fragwürdiger Moral“, weshalb Frauen ausschließlich die repräsentative Rolle der </span><b>Marketenderin</b><span style="font-weight: 400;"> (Gäste begrüßen und Schnaps ausschenken) ausfüllen durften. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ab den 1920er-Jahren wurden vereinzelt auch Frauen in Musikkapellen der österreichischen Bundesländer aufgenommen – in Tirol geschah dies erstmals 1962 durch die Aufnahme von vier Frauen in die Marktmusikkapelle Telfs. Beweggrund dafür war vor allem die zunehmende Überalterung der Musikanten. Heute wären Musikkapellen ohne Musikantinnen größtenteils nicht mehr spielfähig, da bei den unter 30-jährigen Blasmusikant:innen der Frauenanteil bereits überwiegt. Schätzungen des Blasmusikverbandes zufolge werden auch bei den über 30-jährigen in wenigen Jahren mehr Frauen vertreten sein.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Dem Land Tirol die Treue?</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch bei der Frage nach Gleichberechtigung hören die Vorurteile über „konservative Musikant:innen“ nicht auf. In Student:innenkreisen ist die Vorstellung von Musikkapellen meiner Erfahrung nach häufig mit Stammtischparolen und politischen Einstellungen Richtung rechts verbunden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Vorurteile sind Überbleibsel des NS-Regimes von den 1930ern bis 1945. Blasmusikkapellen wurden damals strategisch für Kriegspropaganda eingesetzt, indem sie politische Veranstaltungen und Kundgebungen begleiteten. Musikkapellen, die sich weigerten, wurden aufgelöst. Außerdem trat der wohl berühmteste Marsch-Komponist, Sepp Tanzer, nach dem Anschluss Österreichs 1938 aktiv der NSDAP bei – und Tanzers Märsche gehören heute noch zum Standard-Repertoire, wenn auch mit einigen Ausnahmen (das Spielen des „Standschützen-Marsch“ wurde 2013 vom Blasmusikverband untersagt). </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Musikkapellen werden seither mit Patriotismus verbunden, und genau wie der Begriff „Tradition“ gehört auch „Patriotismus“ zu heute veralteten und kritisch hinterfragten Konzepten. Zur Geschichte der Blasmusik und ihrer Rolle in Tirol hat der Tiroler Blasmusikverband gemeinsam mit den Landesarchiven in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufklärungs- und Aufarbeitungsarbeit betrieben, kürzlich gab es dazu auch eine Ausstellung in den Tiroler Landesmuseen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Die heutige Bedeutung von Blasmusikkapellen</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer traditionsreichen, nicht immer unproblematischen Vergangenheit ist die Blasmusik ein wichtiger sozialer und gesellschaftlicher Bestandteil des heutigen Tirols. Inzwischen haben sich Musikkapellen von politischen Einflüssen losgelöst und Geschlechtergrenzen überwunden, wodurch jetzt das Wesentliche im Vordergrund stehen kann: die Gemeinschaft durch Musik. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die sichtbare Veränderung beginnt schon mit der mittlerweile sehr hohen Diversität. Ganz anders als in der Studierenden-Bubble, in der sich fast ausschließlich Gleichgesinnte bewegen, findet man in Blasmusikkapellen Menschen jeden Alters und Hintergrunds. Heute ist die einzige Voraussetzung, um einer Musikkapelle beitreten zu können, ein Blasinstrument zu spielen. Die dadurch entstehenden bunten Zusammensetzungen führen zu vielfältigen Diskursen, bei denen Stammtischparolen keine Chance haben. Wo sonst könnte man sich eine zwanglose Unterhaltung auf Augenhöhe zwischen einem pensionierten Lehrer, einer Restaurantbesitzerin, einem Maschinenbau-Lehrling, einer Politikerin und einem Medizinstudenten vorstellen?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Jugend und junge Erwachsene</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt kaum ein Umfeld, in dem junge Menschen stärker in ihren musikalischen Talenten und sozialen Fähigkeiten gefördert werden als in Musikkapellen. So gut wie jede Musikkapelle hat auch eine zugehörige Jugendmusikkapelle, in der Kinder und Jugendliche die Freude am gemeinsamen Musizieren kennenlernen. Auch der Anteil an Student:innen in Blasmusikkapellen wird immer größer. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Blasmusik-Szene inzwischen auch in den Sozialen Medien vertreten ist, um viralen Trends einen ganz persönlichen Touch zu geben. Wer sich gerne ein Bild machen möchte, sollte auf Instagram bei </span><b>@mmk_telfs </b>vorbeischauen<b>.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">vorbeischauen.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;"> </span><b>Gemeinsam das Schöne am Leben feiern</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und der „Loneliness Epidemic“ sind gemeinsame, echte Erlebnisse von enormer Bedeutung. Wer sich davon überzeugen will, dass Blasmusikkapellen viel mehr sind als verstaubte Postkartenmotive, kann dies jederzeit auf Konzerten oder Festen tun. Der nächstgelegene Termin findet bereits diese Woche statt: Nur 25 Minuten von Innsbruck entfernt feiert die Marktmusikkapelle Telfs im Rahmen eines</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">viertägigen Bezirksmusikfestes vom 09.-12. Juli ihr 275-jähriges Bestehen. Ob in Dirndl, Bluejeans oder Goth-Look: Jede:r ist willkommen und gerne gesehen. Nähere Infos zum Fest gibt es unter</span><a href="https://www.mmk-telfs.com/"> <span style="font-weight: 400;">https://www.mmk-telfs.com/</span></a><span style="font-weight: 400;"> .</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ich hab&#8217; da so ein Gefühl&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Hallbrucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 11:07:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ob man es als „innere Stimme“, „moralischer Kompass“, „Vorahnung“ oder „Intuition“ bezeichnet – unser Bauchgefühl ist ein Phänomen, das einige Fragen aufwirft: Woher weiß mein Bauch, ob ich jemandem vertrauen&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Ob man es als „innere Stimme“, „moralischer Kompass“, „Vorahnung“ oder „Intuition“ bezeichnet – unser Bauchgefühl ist ein Phänomen, das einige Fragen aufwirft: Woher weiß mein Bauch, ob ich jemandem vertrauen kann oder nicht? Und warum tritt das Bauchgefühl oft als Warnung auf, noch bevor etwas passiert ist?</div>
<p><span id="more-22257"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Das Bauchgefühl entsteht natürlich nicht wirklich im Bauch“, stellt Dr. Tilmann Betsch, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Erfurt, in einem Podcast über das Thema klar. Tatsächlich „sitzt“ es in unserem Gehirn, genauer gesagt im präfrontalen Cortex. Das klingt erst einmal widersprüchlich, denn im Oxford Dictionary wird „Intuition“ als „emotionale, nicht vom Verstand geleitete Einschätzung“ beschrieben. Schließen sich intuitives und rationales Denken also aus? Dr. Betsch widerspricht: „Rationale Gedankenvorgänge tragen zur Intuition bei. In unserem Gehirn laufen unglaublich viele komplizierte Prozesse parallel ab, die wir gar nicht mitbekommen. Deshalb berufen wir uns im Nachhinein eben oft auf unsere Intuition – vor allem dann, wenn sie sich als richtig herausstellt.“ </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Damit lehnt er auch den Ansatz des Systemdenkens ab. Laut diesem Ansatz gibt es zwei verschiedene Systeme, mit denen wir denken. „System 1“ stellt das schnelle, unüberlegte, impulsive Denken dar und „System 2“ das wohlüberlegte, bewusste und rationale Denken. „Gedankenprozesse auf zwei Systeme zu limitieren ist hinderlich für die Wissenschaft.“</span></p>
<h3>Komplizierte Denkprozesse</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Man kann die Funktionsweise des Gehirns in etwa mit der eines Computers vergleichen – manchmal sind mehrere Tabs offen, im Hintergrund läuft noch ein Backup, und von irgendwoher kommt Musik. Was genau dabei im Computer vorgeht, können wir von außen nicht nachvollziehen, genauso wenig wie unsere Gedankengänge. „Wissen ist zu großen Teilen das Produkt unserer Erfahrung“, sagt Dr. Betsch. Wenn wir uns also in einer Situation befinden, die wir schon mehrmals auf die gleiche oder ähnliche Weise erlebt haben, greifen wir automatisch – intuitiv – auf diesen Erfahrungsschatz zurück. Das Gehirn erfasst innerhalb von Millisekunden alle uns umgebenden Informationen, greift gleichzeitig auf den Erfahrungsspeicher zurück und wägt alles miteinander ab. Dadurch können Entscheidungen schnell und mit niedrigem Denkaufwand getroffen werden, was besonders in stressigen Berufen wie im Gesundheitsbereich, im Leistungssport und in der Luftfahrt von sehr hoher Bedeutung ist. Je besser unsere Erfahrungen sind und je mehr wir haben, desto höhere Erfolgschancen hat eine darauf basierende intuitive Entscheidung. </span></p>
<h3>Woher kommt Intuition?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-22259 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-scaled.jpg" alt="" width="449" height="299" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 449px) 100vw, 449px" /></span></p>
<div class="bildunterschrift">Intuition. (Quelle: Pexels.)</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Intuition ist angeboren. Tatsächlich prägt sich unsere Intuition bereits im Mutterleib und der frühen Kindheit aus. Evolutionär gesehen sind intuitive Entscheidungen überlebenswichtig und haben sich über Jahrhunderte hinweg immer weiter verbessert. Verschiedene Kulturen haben dafür im Laufe der Zeit mannigfaltige Erklärungen gefunden, beispielsweise wurden Menschen mit guter Intuition in der europäischen Geschichte als Hellseher angesehen. In der jahrtausendealten indischen Chakren-Lehre gilt unsere Körpermitte als Zentrum unserer persönlichen Kraft und im afrikanischen Raum etablierte sich das „Wissen der Ahnen“ als Erklärung für das Bauchgefühl &#8211; das wird im Disneyfilm „König der Löwen“ anschaulich dargestellt, indem Simba von seinem verstorbenen Vater Ratschläge erhält. Nach dem Glauben nordamerikanischer Ureinwohner hat jeder Mensch einen „Seelenführer“, der oft in animalischer Gestalt auftritt und uns bei Entscheidungen hilft. Die Liste der spirituellen Erklärungsansätze könnte noch länger fortgeführt werden, doch was uns wirklich interessiert: Gibt es auch eine wissenschaftliche Erklärung dafür, dass unsere Intuition aus dem Bauch zu kommen scheint? </span></p>
<h3>Das Wunder Mensch</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Zusammenhänge zwischen Bauch und Gehirn sind in der modernen Medizin bestens erforscht.. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte der deutsche Arzt Leopold Auerbach erstmals, dass die menschlichen Eingeweide von Nervengewebe umgeben sind, womit er den Grundstein für die Fachrichtung der Neurogastroenterologie legte. Nach jahrelanger Forschung auf diesem Gebiet fand man heraus, dass in den Gedärmen mehr Nervenzellen vorhanden sind als im gesamten Rückenmark, und dass Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren im Bauch denen im Gehirn exakt gleichen. Dieses Abbild des Gehirns im Bauch wird (ohne Witz) „Bauchhirn“ oder enterisches Nervensystem genannt. Bauchhirn und Gehirn sind direkt miteinander verbunden, wobei mehr als 90 Prozent der Nervenverbindungen von unten nach oben verlaufen. Wenn durch Nahrungszufuhr chemische Substanzen in den Körper gelangen, werden diese vom Bauchhirn analysiert und abgespeichert – das Bauchhirn kann sich später also an die Substanzen erinnern. Sobald das Bauchhirn Gefahr vermutet, sendet es Signale an das Gehirn, das entsprechend reagiert. Im Gehirn entstehen dabei Emotionen. Das bedeutet im Rückschluss, dass unser Gehirn gewisse Emotionen mit Vorgängen im Verdauungssystem assoziiert – und somit wäre geklärt, warum wir im Bauch „Gefühle“ empfinden. </span></p>
<h3>Kopfsache</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie helfen uns nun aber Emotionen dabei, bessere Entscheidungen zu treffen? Besonders starke negative oder positive Gefühle dringen tief in unser Bewusstsein. Wenn wir eine Erfahrung mit einem solchen Gefühl verbinden, erinnert sich das Gehirn an diese Emotion. Dazu hat der Psychologe Antonio Damasio im Jahr 1997 den Begriff „Somatische Marker“ eingeführt. Unter somatischen Markern versteht man körperliche Reaktionen, die mit einem unguten Bauchgefühl einhergehen, wie zum Beispiel kalte Hände, Kribbeln im Bauch und den berühmten Kloß im Hals. Diese physischen Äußerungen empfinden wir, wenn wir uns – bewusst oder unbewusst – an vergangene emotionale Erfahrungen erinnern. Somatische Marker helfen unserer Intuition also dabei, eine Situation als gut oder schlecht einzuschätzen.</span></p>
<h3>Achtung, Sackgasse!</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Aus Erfahrung kann wahrscheinlich jeder ein Lied davon singen, dass das Bauchgefühl zwar meist recht hat, hin und wieder jedoch in die falsche Richtung weist. Wenn sich nun aber sowohl mein Bauchhirn als auch mein Gehirn ganz von selbst an vergangene Erlebnisse und damit verbundene Emotionen erinnern, wie können sie dann falschliegen? Dazu probieren wir ein kurzes Experiment aus, das sogenannte „Schläger-Ball-Rätsel“:</span></p>
<p><i><span style="font-weight: 400;">Ein Tennisschläger und ein Tennisball kosten gemeinsam 1,10 Euro. Der Schläger kostet dabei einen Euro mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? </span></i></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer hier auf seine intuitive Eingebung vertraut, wird vermutlich antworten, dass der Ball zehn Cent kostet. Tatsächlich kostet er aber fünf Cent (macht an dieser Stelle gern mal eine Pause und denkt nach). Anhand dieses Beispiels lässt sich zeigen, dass es in manchen Situationen sinnvoll ist, seine Intuition zu hinterfragen und bewusst nachzudenken. Besonders in Situationen, die wir noch nie oder sehr selten erlebt haben, lässt uns das Bauchgefühl häufig im Stich. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine weitere Gefahr, die das Bauchgefühl mit sich bringt, ist die Entwicklung von Stereotypen. Oft überschätzen wir beispielsweise Risiken, die uns emotional herausfordernd erscheinen – wir haben mehr Angst vor dem Fliegen als vor dem Autofahren, obwohl Fliegen statistisch gesehen viel sicherer ist. Das liegt daran, dass wir Autofahren regelmäßiger erleben – unser Gehirn ist also schon damit vertraut. Zudem suchen wir gerne Informationen, die bereits bestehende Annahmen bestätigen, und lassen uns von ersten Eindrücken leiten. Dabei greifen wir auf Stereotypen zurück, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben. Was uns dann wie ein „Bauchgefühl“ vorkommt, ist oft keine besondere Menschenkenntnis, sondern die schnelle Aktivierung von unbewussten Vorurteilen, etwa gegenüber Alter, Herkunft oder Geschlecht. </span></p>
<h3>Übung macht den Meister</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Bauchgefühl lässt sich durchaus trainieren – beispielsweise kann man lernen, in welchen Situationen unsere Intuition meist richtig liegt und wann wir lieber noch einmal über eine intuitive Entscheidung nachdenken sollten. Dazu muss man wissen, dass die Verlässlichkeit unserer Intuition davon abhängt, wie gut unser Erfahrungsschatz ist. Deshalb ist es wichtig, Entscheidungen regelmäßig zu reflektieren. </span><i><span style="font-weight: 400;">War diese Entscheidung gut oder schlecht? Welche Konsequenzen gingen mit der Entscheidung einher? Wie habe ich mich dabei gefühlt? </span></i><span style="font-weight: 400;">Durch gründliche Reflektion stellt unser Gehirn Zusammenhänge zwischen Reiz, Reaktion und Konsequenzen her und kann deshalb in Zukunft besser einschätzen, in welchen Situationen unser Bauchgefühl hilfreich ist und in welchen nicht. Bei der Frage, ob ich mir jetzt einen Aperol genehmigen soll, muss ich jedenfalls kein zweites Mal überlegen – bei der Frage, ob ich für diesen Aperol mehr als acht Euro ausgeben soll, aber schon. </span></p>
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		<title>Der Teufel trägt Fast Fashion</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Hallbrucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 10:44:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Fashion]]></category>
		<category><![CDATA[Fast Fashion]]></category>
		<category><![CDATA[Kleidung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass sich Modetrends typischerweise mit einer neuen Jahreszeit ändern, kann über Jahrhunderte und verschiedene Kulturen hinweg beobachtet werden. Doch Trends werden immer kurzlebiger und Ansprüche auf modische Aktualität immer höher.&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Dass sich Modetrends typischerweise mit einer neuen Jahreszeit ändern, kann über Jahrhunderte und verschiedene Kulturen hinweg beobachtet werden. Doch Trends werden immer kurzlebiger und Ansprüche auf modische Aktualität immer höher. Davon profitiert vor allem die Textilindustrie, die jährlich für mehr Treibhausgase verantwortlich ist als der Flugverkehr.</div>
<p><span id="more-22197"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mode repräsentiert Zeitgeist und Lebensstile, und Menschen drücken durch ihre Kleidung einen Teil ihrer Persönlichkeit aus. Seit Jahrtausenden hat Kleidung nicht nur die Funktion des Bedeckens, sondern fungiert als wichtiger gesellschaftlicher Indikator: Wer etwas auf sich hält, kleidet sich nach den aktuellsten Modekreationen. Doch wer gibt den neuesten Schrei vor? Wessen Einfluss ist groß genug, um Menschenmassen für bestimmte Stile zu begeistern? Seit den 1950ern geben vor allem Sänger:innen und Schauspieler:innen der breiten Öffentlichkeit vor, was in der Modewelt angesagt ist. Laut einer Marktforschungsstudie bevorzugen auch heute noch knapp 39 Prozent der Konsument:innen Mode, die von Prominenten präsentiert wird.</span></p>
<h3>Wie Motten vom Licht</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit der Kommerzialisierung des Internets in den 2000ern verbreiten sich Modetrends global in Echtzeit. Dabei spielen soziale Medien eine große Rolle, in diesem Kontext vor allem Instagram, TikTok und Pinterest. Auf diesen Plattformen werden Trends durch Fashion-Influencer:innen verbreitet, die teilweise hunderttausende Follower:innen haben. Zu den bekanntesten Fashion-Influencer:innen weltweit zählen Chiara Ferragni, Kylie Jenner, Camila Coelho, Aimee Song und Julie Sariñana. Allerdings präsentieren auch weniger bekannte Influencer:innen Mode, oft gezielt für kleinere Zielgruppen und bestimmte „Aesthetics“.  Sie sind wichtige Partner:innen für Marken, da sie das Kaufverhalten ihrer Follower:innen beeinflussen können. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Besonders Influencer:innen mit geringerer Reichweite wirken in ihren Posts sehr authentisch, und oft ist nicht direkt ersichtlich, dass bezahlte Werbung dahintersteckt. Vielen Follower:innen ist dabei nicht bewusst, dass Influencer:innen Kleidungsstücke oft nur zu Vermarktungszwecken geliehen bekommen. Dadurch ist es ihnen möglich, in ihren Postings niemals ein Outfit zweimal zu tragen, was auch bei Konsument:innen das Bedürfnis weckt, immer topaktuell gekleidet zu sein.</span></p>
<h3>Money Game</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Durch den immer schneller werdenden Wechsel von Trends ist über die Jahrzehnte hinweg die Modeindustrie enorm gewachsen. Das Geschäftsmodell „Fast Fashion“ brachte globale Marken wie H&amp;M, ZARA, NewYorker, Primark, Temu und SHEIN hervor. Diese Marken bieten angesagte Kleidungsstücke in minderwertiger Qualität für niedrige Preise an, die in Massenproduktion unter ethischen und umweltbezogenen Mindeststandards hergestellt werden. Im Schnitt werden auf diese Art und Weise jährlich 24 Kollektionen von jeder Fast-Fashion-Brand herausgebracht – das sind zwei Kollektionen pro Monat. Dieses Geschäftsmodell ist so erfolgreich, dass inzwischen bereits von „Ultra Fast Fashion“ gesprochen wird. Allein der Onlinehändler SHEIN stellt täglich 6.000 neue Produkte online.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dass sich Trends inzwischen im Wochentakt ändern, wird zwar von den Verkaufsstrategien von Influencer:innen gepusht und durch die Überproduktion der Modeindustrie ermöglicht, doch das Konsumverhalten der breiten Masse ist der treibende Motor hinter diesem Phänomen. Marktforschungsstudien haben ergeben, dass Konsument:innen ein Kleidungsstück im Schnitt nur sieben- bis zehnmal tragen, bevor sie es wegwerfen. Viele kaufen beim Onlineshopping außerdem gleich sehr viele Kleidungsstücke, auch in verschiedenen Größen, um den Großteil dann wieder zu retournieren. Dieses Verhalten simuliert erhöhten Bedarf, wodurch viel zu hohe Stückzahlen produziert werden. Das resultiert darin, dass weltweit ein Drittel der hergestellten Kleidung ungetragen weggeworfen wird. Mit dem Verbrauch von Konsument:innen summiert sich der Textilmüll pro Jahr somit auf geschätzte 120 Millionen Tonnen. Bei einer Weltbevölkerung von knapp 9 Milliarden macht das ungefähr 13 Kilogramm Kleidung – was 39 bis 78 Kleidungsstücken entspricht, je nach Material – pro Person, die jährlich auf Mülldeponien landen. Die Organisation Greenpeace hat herausgefunden, dass nur ein Prozent der weggeworfenen Kleidung auch recycelt wird. Dadurch sind textile Müllberge in Chile bereits auf eine solch enorme Größe gewachsen, dass sie vom Weltall aus sichtbar sind.</span></p>
<h3>Leistbare Alternativen<span style="font-weight: 400;"> </span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Nummer-Eins-Argument von Konsument:innen, die bei Fast-Fashion-Brands kaufen, ist der geringe Preis der Kleidungsstücke. Vor allem für Personen mit niedrigem Einkommen sind diese Marken daher verlockend – dazu gehören in der Regel auch Student:innen. Allerdings gibt es in Innsbruck und Umgebung zahlreiche Möglichkeiten, preiswerte Kleidung zu erwerben, ohne Fast-Fashion-Brands zu unterstützen:</span></p>
<ul>
<li><span style="font-weight: 400;">Die gemeinnützige GmbH WAMS hat Filialen in Innsbruck, Telfs, Jenbach und Schwaz. Im Sortiment finden sich Kleidung, Schuhe, Bücher, Spiele, Accessoires und Einrichtungsgegenstände aus zweiter Hand.</span></li>
<li><span style="font-weight: 400;">Ebenfalls Secondhand-Kleidung bietet „die Diele“ in Innsbruck. Die Inhaberin Janine Schugg wählt ihre Ware selbst auf verschiedenen Flohmärkten aus, um den besten Stücken ein zweites Leben zu schenken.</span></li>
<li><span style="font-weight: 400;">Der Vintage-Flohmarkt „Fesche Katz“ findet in unregelmäßigen Abständen vor dem Kaufhaus DEZ statt. Informationen zum nächsten Flohmarkt gibt es online.</span></li>
<li><span style="font-weight: 400;">Verschiedene Floh- und Trödelmärkte in Innsbruck sind außerdem auf der Website der Stadt Innsbruck einsehbar.</span></li>
</ul>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer nur einen begrenzten finanziellen Spielraum hat, muss also keineswegs auf stilvolle Kleidung verzichten: Secondhand-Läden verkaufen erstklassige Ware und werden immer beliebter. Statt globale Fast-Fashion-Konzerne zu unterstützen, lohnt es sich, Klamotten aus zweiter Hand in Erwägung zu ziehen. Denn: Letzten Endes haben Konsument:innen die Macht darüber, ob Fast Fashion Erfolg hat oder nicht.  </span></p>
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		<title>100 Jahre zuvor&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Hallbrucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2026 11:27:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Die Goldenen Zwanziger“ – was heute ein beliebtes Motto für Geburtstagsfeiern ist, war für die gesellschaftliche Entwicklung in Europa ein Meilenstein ohnegleichen. Doch was genau „vergoldete“ die Zwanziger-Jahre des 20.&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><b>„Die Goldenen Zwanziger“ – was heute ein beliebtes Motto für Geburtstagsfeiern ist, war für die gesellschaftliche Entwicklung in Europa ein Meilenstein ohnegleichen. Doch was genau „vergoldete“ die Zwanziger-Jahre des 20. Jahrhunderts eigentlich? Und ist wirklich alles Gold, was glänzt?</b></div>
<p><span id="more-21975"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Lage in Deutschland und Österreich war nach Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 noch alles andere als golden. Ein verlorener Krieg, politische Umorientierung, Hunger, Wohnungsnot, Massenstreiks, Arbeitslosigkeit und Putschversuche – es musste eine Rettung her. Diese Rettung war im Jahr 1923 die Einführung der Rentenmark in Deutschland, 1925 folgte der Schilling in Österreich. Die Wirtschaft erholte sich und das Volk konnte aufatmen.</span></p>
<h3><strong>Berlin &#8211; die schöne Stadt, in der das Laster sehr wohl eine Chance hat</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Und wie das Volk aufatmete! Von 1924 bis 1929 folgten die „Goldenen Zwanziger-Jahre“.  Heute assoziieren wir diese Zeit mit rauchenden Frauen mit Kurzhaarfrisur in glitzernden kurzen Kleidern, eleganten Männern im Dreiteiler und vor allem mit Jazzmusik und -tanz. Tatsächlich erlebten die Musik- und Kulturszene eine Blütezeit in diesen Jahren, ebenso die Wissenschaft. Diese positiven Veränderungen spielten sich jedoch ausschließlich in den größeren Städten ab, vor allem in Deutschland, während sich in den ländlichen Regionen wenig am Elend der Menschen änderte. </span></p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-21976 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-1.jpg" alt="" width="496" height="613" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-1.jpg 640w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-1-243x300.jpg 243w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-1-585x723.jpg 585w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Bild 1: Marlene Dietrich, Stilikone der Zwanziger (Quelle: Wikimedia Commons)</div>
<div></div>
<div><span style="font-weight: 400;">Während in den Vereinigten Staaten in Folge der Prohibition jeglicher Alkoholkonsum verboten war (manche behaupteten, solch eine Absurdität könne auch nur den Amerikanern einfallen), entwickelte sich vor allem die deutsche Hauptstadt Berlin in den 1920ern zur pulsierenden Metropole der neuen Kulturszene und des Nachtlebens. Neben der Eröffnung zahlreicher Kinos schossen auch Tanzlokale und Nachtklubs quasi aus dem Boden. Schnell entwickelte sich Berlin als </span><i><span style="font-weight: 400;">Hauptstadt des Verbrechens</span></i><span style="font-weight: 400;">  zum Mythos und fasziniert bis heute. Um die neue wirtschaftliche Stabilität und das Leben nach dem Krieg zu feiern, wurden rauschende Ballnächte und legendäre Partys gefeiert. Zur Normalität gehörten auch „Transvestitenbälle“, die sich bereits während der Kaiserzeit unter dem hohen Adel etabliert hatten. In ganz Berlin flossen auch Rauschmittel, und zum ersten Mal wurde Kokain zur alltäglichen Volksdroge. Daran war ausgerechnet die damalige Reichswehr stark beteiligt, da das Heer Kokain in großen Mengen zur Betäubung und Schmerzlinderung sowie Konzentrationssteigerung eingesetzt hatte. Von der Vergnügungs- bis zur Intellektuellenszene erfreute sich die neue Droge großer Beliebtheit. Einmal in Umlauf gebracht, konnten weder Politik noch Polizei den zur Normalität gewordenen Kokainkonsum eindämmen.</span></div>
<h3>Coming out of the closet</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Während in den Vereinigten Staaten in Folge der Prohibition jeglicher Alkoholkonsum verboten war (manche behaupteten, solch eine Absurdität könne auch nur den Amerikanern einfallen), entwickelte sich vor allem die deutsche Hauptstadt Berlin in den 1920ern zur pulsierenden Metropole der neuen Kulturszene und des Nachtlebens. Neben der Eröffnung zahlreicher Kinos schossen auch Tanzlokale und Nachtklubs quasi aus dem Boden. Schnell entwickelte sich Berlin als [kursiv_anfang] </span><i><span style="font-weight: 400;">Hauptstadt des Verbrechens</span></i><span style="font-weight: 400;"> [kursiv_ende] zum Mythos und fasziniert bis heute. Um die neue wirtschaftliche Stabilität und das Leben nach dem Krieg zu feiern, wurden rauschende Ballnächte und legendäre Partys gefeiert. Zur Normalität gehörten auch „Transvestitenbälle“, die sich bereits während der Kaiserzeit unter dem hohen Adel etabliert hatten. In ganz Berlin flossen auch Rauschmittel, und zum ersten Mal wurde Kokain zur alltäglichen Volksdroge. Daran war ausgerechnet die damalige Reichswehr stark beteiligt, da das Heer Kokain in großen Mengen zur Betäubung und Schmerzlinderung sowie Konzentrationssteigerung eingesetzt hatte. Von der Vergnügungs- bis zur Intellektuellenszene erfreute sich die neue Droge großer Beliebtheit. Einmal in Umlauf gebracht, konnten weder Politik noch Polizei den zur Normalität gewordenen Kokainkonsum eindämmen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten stoppte diese Entwicklung ruckartig, der Paragraph 175 wurde sogar noch verschärft und erweitert. Während des NS-Regimes wurden homosexuelle und trans Menschen systematisch verfolgt und ermordet. Abgeschafft wurde der Paragraph erst vor knapp 30 Jahren, am 10.06.1994.</span></p>
<h3>Studierende &#8211; emanzipiert, progressiv und &#8230; radikal?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Obwohl Universitätsstudien auch in den progressiven Zwanzigern noch der Oberschicht vorbehalten waren, erhöhte sich dennoch die Studentenquote. Durch die Gründung von Studentenwerken und Studentenwohnheimen erleichterte sich der Zugang zu einem Studium in der Stadt, außerdem wurde die Frauenquote an deutschen Universitäten in der Zeitspanne von 1921 bis 1931 mehr als verdoppelt. Allerdings teilte sich auch die Studentenschaft in politisch polarisierende Lager auf, und der Nationalsozialistische Studentenbund erreichte noch vor der Machtübernahme Hitlers an 28 deutschen Hochschulen die absolute Mehrheit. Das lag unter anderem auch an den Universitätsprofessoren und -professorinnen (im Jahr 1918 erhielten Frauen nicht nur das Wahlrecht, sondern konnten auch beruflich in die Hochschullehre gehen): Nur knapp 10 Prozent der deutschen Hochlehrerschaft bekannte sich offen zu den Werten und Zielen der neuen Weimarer Republik, während die übrigen 90 Prozent den Studentinnen und Studenten antiliberale und nationalistische Ansichtsweisen vermittelten, wie das Deutsche Historische Museum Berlin veröffentlicht hat.</span></p>
<h3>Und in Innsbruck?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Von der neuen Musik- und Kulturszene in Deutschland bekam das kleine Innsbruck nicht viel mit – das bedeutet aber nicht, dass die Tiroler Hauptstadt nicht auf ihre eigene Art aufgeblüht ist: in der Architektur. Inspiriert von der deutschen </span><em><span style="font-weight: 400;">Neuen Sachlichkeit</span></em><span style="font-weight: 400;"><em> </em>und den US-amerikanischen Wolkenkratzern etablierte sich in Innsbruck um 1925 die sogenannte </span><i><span style="font-weight: 400;">Tiroler Moderne</span></i><span style="font-weight: 400;">. Während dieser Zeit entstanden viele Gebäude in der Innsbrucker Altstadt neu, wie beispielsweise das „Weinhaus Happ“ in der Nähe des Goldenen Dachl.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-21977 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-2.jpg" alt="" width="481" height="640" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-2.jpg 481w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Abbildung-2-225x300.jpg 225w" sizes="(max-width: 481px) 100vw, 481px" /></span></p>
<div class="bildunterschrift">Bild 2: Das Weinhaus Happ in der Innsbrucker Altstadt (Quelle: privat)</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Außerdem wuchs in der breiteren Bevölkerung die Sportbegeisterung, unter anderem vor allem für alpine Sportarten. Deshalb wurde in den 1920ern die Nordkette umgebaut: Einige wenige Grandhotels wichen im Zuge des Umbaus einer Infrastruktur für Sportbegeisterte. Im Jahr 1927 begann die Planung für die Seegrubenbahn.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Jahr 1926 wurde unter Rudolf von Ficker (lest den Namen ruhig nochmal, er steht wirklich so da) in Innsbruck das Institut für Musikwissenschaften gegründet, das seit 2018 im Haus der Musik untergebracht ist.</span></p>
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		<title>Alle ballern Löcher in die Luft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Hallbrucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 2025 11:28:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>So laut, bunt und feuchtfröhlich wie möglich soll sie sein, die Silvesternacht. Wer nicht langweilig sein will, feiert ohne Rand und Band und hat natürlich auch weltverbessernde Neujahrsvorsätze. Nebenwirkungen und&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">So laut, bunt und feuchtfröhlich wie möglich soll sie sein, die Silvesternacht. Wer nicht langweilig sein will, feiert ohne Rand und Band und hat natürlich auch weltverbessernde Neujahrsvorsätze. Nebenwirkungen und mögliche unerwünschte Wirkungen können da durchaus schon mal dabei sein…</div>
<p><span id="more-21942"></span></p>
<p>Gerade einmal eine Woche nach der „Stillen Nacht“ endet der weihnachtliche Frieden abrupt mit der wohl lautesten Nacht des Jahres: Silvester. Ein krasser Gegensatz zur besinnlichen Adventszeit, die viele anscheinend nur mit der Aussicht auf Alkoholexzesse, Glitzerkleidchen und Sprengkörpern am Altjahresabend überstehen. Dass die Kombination von Alkohol und Sprengstoff nicht unbedingt die gesündeste ist, beweisen jährlich hunderte Blaulichteinsätze in der Silvesternacht (an dieser Stelle ist ein Lob an alle freiwilligen und berufstätigen Einsatzkräfte angebracht). Sachbeschädigung, Körperverletzungen, sexuelle Übergriffe und natürlich Brände – wenn es darum geht, das neue Jahr einzuleiten, wird nichts ausgelassen.</p>
<p>Doch bevor es soweit ist, bekommen auf einmal alle noch den irrationalen Stress, dieses und jenes noch „vor dem neuen Jahr“ erledigen zu wollen – als ob die Welt am ersten Januar untergehen würde. Wieder andere planen mit größter Sorgfalt, wie sie im neuen Jahr „die beste Version von sich selbst“ werden könnten und „alles anders machen werden als im alten Jahr“. Allseits beliebte Neujahrsvorsätze lauten in etwa: mehr Geld sparen, gesünder essen und mehr Sport machen. Das mit dem Sparen könnte zum Beispiel schon einmal damit beginnen, nicht hunderte Euro in der Silvesternacht in die Luft zu ballern. Stattdessen könnte man sich auch auf der Couch einfach wiederholt einem „Sissi“-Marathon hingeben oder zum 100. Mal „Dinner for One“ – aus beiden lassen sich recht nette Trinkspiele ableiten, hab ich gehört.</p>
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