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	<title>Katharina Stotter, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Wenn sich die Studienwahl selbst wie die schwierigste Prüfung anfühlt:  Die Psychologische Studienberatung Innsbruck im Gespräch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 14:05:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christian Schöpf ist Leiter der Psychologischen Studienberatung Innsbruck, die unter anderem Studienwahlberatungen durchführt; seine Kollegin Angelika Schwarz-Ortner wird die Leitung in Kürze übernehmen. Im Interview beantworten sie Fragen, die bei&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Christian Schöpf ist Leiter der </span><i><span style="font-weight: 400;">Psychologischen Studienberatung Innsbruck</span></i><span style="font-weight: 400;">, die unter anderem Studienwahlberatungen durchführt; seine Kollegin Angelika Schwarz-Ortner wird die Leitung in Kürze übernehmen. Im Interview beantworten sie Fragen, die bei vielen angehenden Studierenden aufkommen, und eine, die ihnen nie gestellt wird.</span></div>
<p><span id="more-22216"></span></p>
<p><b><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-22217 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-scaled.jpg" alt="" width="461" height="615" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-scaled.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-225x300.jpg 225w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-768x1024.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-1152x1536.jpg 1152w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-1536x2048.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-1170x1560.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-Studienberatung-_Credit-Katharina-Stotter-585x780.jpg 585w" sizes="(max-width: 461px) 100vw, 461px" /></b></p>
<div class="bildunterschrift">Angelika Schwarz-Ortner und Christian Schöpf im Gespräch (Quelle: Katharina Stotter)</div>
<p><b>UNIpress: Wenn sich jemand für ein Studium einschreiben will, gibt es zum Beispiel einen Eignungstest vom AMS, um die Entscheidung zu erleichtern. Was halten Sie von solchen Tests?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Wir verwenden eigene Tests und Fragebögen und sehen die Ergebnisse nur als einen Teilaspekt für die Entscheidungsgrundlage. Deshalb versuchen wir, sehr persönlich auf jede:n einzugehen und das Individuelle zu stärken, um herauszuarbeiten, was eine Person ausmacht. Dies ist eine wichtige Grundlage für eine passende Studienentscheidung. Es ist auch immer wichtig, sich einen passenden Plan B zu überlegen, denn es gibt in manchen Studienrichtungen Aufnahmeverfahren und begrenzte Aufnahmekapazitäten. </span></p>
<p><b>UNIpress: Wie würden Sie jemandem ganz konkret dabei helfen, einen Plan B zu finden und beim Plan A die Stärken und Schwächen selbständig zu ermitteln? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Wir sehen die Tests, wie schon erwähnt, als Diskussionsgrundlage, aber nicht als Endresultat. Es geht beispielsweise auch um das Selbstbild: Wie erlebt sich jemand, wo sieht er:sie seine:ihre Fähigkeiten und Interessen? Sind diese im Studium und im angestrebten Beruf sinnvoll einzubringen? Auch das Abgleichen des Fremdbildes, also die Einschätzung des Umfeldes einzuholen, kann hilfreich sein.</span></p>
<p><b>UNIpress: Wie viel extrinsische Motivation darf bei der Studienwahl dabei sein und wie viel muss intrinsisch sein, damit es im Endeffekt die richtige Wahl wird?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Die intrinsisches Motivation, also die Motivation „aus mir selbst heraus“ ist hierbei die wichtigste.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Sollte die Wahl auf ein Studienfach fallen, das jemand zwar sehr interessant findet, das aber keine berufliche Sicherheit verspricht, ist es wichtig zu überlegen, ob man sich vorstellen kann, nach dem Abschluss des Studiums in andere berufliche Bereiche einzusteigen. Hier können sich durchwegs interessante Berufswege entwickeln.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Dazu fällt mir ein gutes Beispiel ein. Bogdan Roščić, der Chef der Wiener Staatsoper, hatte ursprünglich Philosophie studiert und wurde über Umwege – als Mitarbeiter im Spitzenmanagement bei Universal Music Austria – schließlich Leiter der Staatsoper in Wien. Ein ungewöhnlicher Weg, der so nicht voraussehbar war.</span></p>
<p><b>UNIpress: Geschlechterrollen spielen, wenn man sich zum Beispiel Statistiken zur Studienwahl unter Frauen und Männern ansieht, leider immer noch eine Rolle: Was kann man tun, um sich möglichst wenig davon beeinflussen zu lassen – auch nicht unbewusst?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Wir versuchen, die Geschlechterrollen kritisch zu hinterfragen und mehr auf das Persönliche einzugehen. „Frauen und Technik“ ist seit vielen Jahren ein Thema und es gibt immer wieder Schülerinnen, die mit diesen Rollenbildern, auch heute noch, ein Problem haben. Leider bemerken wir, dass immer noch eher weibliche Studienwählerinnen an Themen wie Familienvereinbarkeit denken, männlichen Studienwählern hingegen Prestige, ein hohes Ansehen und die Aussicht auf einen möglichst hohen Verdienst besonders wichtig ist. Es ist zwar ein Veränderungsprozess im Gange, aber althergebrachte Rollenbilder zeigen noch Wirkung.</span></p>
<p><b>UNIpress: Angenommen, jemand hat sich dann für ein Studium entschieden, das sich nicht unbedingt durch sehr sichere Berufschancen am Arbeitsmarkt empfiehlt oder bei dem mit einem eher geringeren Gehalt zu rechnen ist. Wann soll man es trotzdem studieren und wann sollte man sich eher für Plan B entscheiden?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Leider gibt es darauf keine klare Antwort. Wenn jemand sehr überzeugt ist, kann er:sie auch in Nischenbereichen einen erfolgreichen Berufsweg kreieren. Ich habe in meinem Bekanntenkreis einen jungen Mann, der Musikwissenschaften studiert hat. Zunächst haben viele gemeint: „Das wird schwierig, mit so einem Studium eine angemessene Arbeitsstelle zu finden.“ Er bekam jedoch bereits während des Studiums ein sehr gutes Jobangebot. Oft kommen Engagement, Können und Glück zusammen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Entscheidung für einen Ausbildungsweg immer auch eine gewisse Unsicherheit beinhaltet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Prinzipiell raten wir, ein Studium zu wählen, das wirklich interessiert. Um viele Jahre intensives Studieren durchzuhalten, braucht es intrinsische Motivation und inhaltliches Interesse. Die Frage nach dem „sicheren Studium“ ist deswegen ein bisschen „Kaffeesud lesen“, denn erfahrungsgemäß ist schwer vorherzusagen, welche Ausbildungen in fünf Jahren gefragt sein werden und gute Berufseinstiegschancen bieten. </span></p>
<p><b>„Die Frage nach dem „sicheren Studium“ ist ein bisschen „Kaffeesud lesen.“ </b><span style="font-weight: 400;">– Christian Schöpf </span></p>
<p><b>UNIpress: Wie würden Sie mit der Unsicherheit durch KI, die den Arbeitsmarkt wohl nachhaltig verändern wird, umgehen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch wenn man heute KI und deren potenzielle zukünftige Entwicklung mitdenken muss, bleibe ich beim Fokus auf das eigene Interesse. Wie vorher erwähnt, ist es nicht möglich, heute abzuschätzen, was in fünf Jahren relevant sein wird. Wenn ich aber den Fokus auf mein Fachinteresse bewahre, habe ich gute Voraussetzungen, ein intensives, anstrengendes Studium durchzuhalten. Dies ist ein Vorteil gegenüber einem „vermeintlich sicheren“ Studium, wo echtes Interesse und die notwendige, langjährige Motivation fehlen.</span></p>
<p><b>UNIpress:  Wie weiß man, dass man sein Studium wechseln sollte – beziehungsweise wie unglücklich muss man in einem Studium sein, damit man weiß, dass der Wechsel sein muss?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Eine wichtige Frage, treffend formuliert. (</span><i><span style="font-weight: 400;">lacht</span></i><span style="font-weight: 400;">) </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Abbrechen beziehungsweise der Wechsel eines Studiums passiert nicht plötzlich, sondern dem geht ein Prozess voraus. Im Laufe eines jeden Studiums machen die Student:innen die Erfahrung, dass es immer auch Fächer, Seminare und Lehrveranstaltungen gibt, die eine:n wenig interessieren, die als belastend und uninteressant empfunden werden. Das gehört dazu und ist ganz normal. Es kann aber auch sein, dass man nach und nach merkt, dass das gewählte Studium in Summe nicht zu einem:r passt. Dies meint aber nicht den einmaligen Frust nach einer nicht bestandenen Prüfung oder das Desinteresse für einzelne Detailbereiche eines Studiums. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Eine Eingangsphase ist immer auch ein Anpassungsprozess. Gerade zu Studienbeginn denken viele, dass das selbst gewählte Studium nun hauptsächlich Spaß und Freude machen wird. Recht schnell zeigt aber die Realität, dass ein Studium harte Arbeit ist und man sich immer auch mit Fächern im Studium befassen muss, die wenig lustvoll sind. Hier gilt es, genau hinzuschauen. Wenn sich die Anzeichen häufen, dass man „im falschen Studium“ feststeckt und entsprechender Leidensdruck da ist, sollte man auf jeden Fall reagieren. </span></p>
<p><b>UNIpress: Meistens haben dann auch Eltern oder andere Bezugspersonen ein Wort mitzureden, besonders wenn sie das Studium hauptsächlich finanzieren. Wie viel sollte man sich vom persönlichen Umfeld in diesem Fall beeinflussen lassen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: In Studienwahlberatungen höre ich zu 90 Prozent, dass die Eltern sagen: „Egal was du studierst, Hauptsache du wirst glücklich.“ Das ist zwar ein toller Wunsch, aber auch ein überfordernder Auftrag. Manchmal halten sich Eltern sogar zu viel heraus, das ist mein Eindruck. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Natürlich gibt es auch das Gegenteil, wo es in Familien Erwartungshaltungen und Druck gibt. Wenn beispielsweise in einer Mediziner:innenfamilie der Auftrag an die Kinder geht, dieselbe Laufbahn einzuschlagen. Auch auf dieser Ebene können Studienwahlentscheidungen fallen und dann wählen junge Studierende mitunter eine Studienrichtungen, die gar nicht zu ihnen passt. Optimal wäre es, dass Elter den Kindern beratend zur Seite stehen.</span></p>
<p><b>UNIpress: Welche „Fehler“ sehen Sie bei der Studienwahl am häufigsten und wie kann man diese vermeiden beziehungsweise korrigieren?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Der erste Fehler ist Inaktivität. Die Studienwahlentscheidung ist ein Prozess, der von dem:der Betreffenden aktiv gestaltet werden muss. Die Frage löst sich nicht von allein. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Ein weiterer Fehler ist es, die Studienwahl davon abhängig zu machen, welches Studium die Freund:innen wählen und sich dem anzuschließen. Diese vermeintliche Sicherheit vor die eigenen Fachinteressen zu stellen, ist keine gute Idee.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Ein weiterer Fehler wäre es, ein Berufsbild nach beliebten Serien zu idealisieren, beispielsweise hat es eine Zeit lang viele Medizin-Interessent:innen wegen der Serie „Grey’s Anatomy“ gegeben. </span></p>
<p><b>UNIpress: Was kann man tun, um einen realistischeren Blick darauf zu gewinnen, welches Studium passen könnte? Die Curricula sind doch sehr abstrakt.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Wir raten einerseits, das Curriculum durchzuschauen, auch wenn es in Teilen abstrakt bleibt. Praxisnäher ist es, Vorlesungen zu besuchen, hier empfehlen wir </span><i><span style="font-weight: 400;">Studieren Probieren,</span></i><span style="font-weight: 400;"> ein Angebot der ÖH. Wir empfehlen auch, nach Möglichkeit mit Leuten zu sprechen, die in den Berufsfeldern tätig sind – sagen aber gleichzeitig dazu, dass dies natürlich nur eine einzelne persönliche Erfahrung widerspiegelt, die eventuell hilfreich sein kann. Bei </span><i><span style="font-weight: 400;">Whatchado </span></i><span style="font-weight: 400;">kann man beispielsweise Berufsbilder aufrufen, und man bekommt Einblicke in verschiedene Werdegänge. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz Ortner:  Hilfreich könnte auch das Angebot für Schüler:innen sein, noch während der Schulzeit ein vierwöchiges, gefördertes Praktikum in einem der angestrebten Fachbereiche der Uni zu machen. </span></p>
<p><b>UNIpress: Zu guter Letzt: Welche Frage wird Ihnen zu der Studienwahl eigentlich nie gestellt, die Sie aber gerne beantworten würden?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: (</span><i><span style="font-weight: 400;">überlegt</span></i><span style="font-weight: 400;">) Ich glaube, ich bin nie gefragt worden, wie ich zu meiner Studienwahl gekommen bin. Das erzähle ich manchmal, aber ich werde nie gefragt. </span></p>
<p><b>UNIpress: Wie sind Sie dazu gekommen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schöpf: Ich selbst habe schlimme Erfahrungen bei meiner Studienwahl gemacht. Ich war bei der Berufsberatung und habe dort einen Rohrschach-Test gemacht, der von einem Mitarbeiter ausgewertet worden ist. Zu meiner favorisierten Studienwahl Psychologie hat er mir in der Berufsberatung damals gesagt: Erstens muss man dafür eine ganz gesunde Persönlichkeit haben – wobei ich mir gedacht habe: „Aha, bei mir stimmt etwas nicht“ – und er würde es auf keinen Fall studieren, weil es da keine Berufsaussichten gibt. Aber ich habe glücklicherweise trotzdem Psychologie studiert und auch immer eine Anstellung gefunden. </span></p>
<p><b>UNIpress: Frau Schwarz-Ortner, welche Frage würden Sie gerne beantworten?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schwarz-Ortner: Mir ist es wichtig zu sagen, dass Karrieren nicht immer geradlinig sein müssen. Ein Studium zu absolvieren und anschließend in einem fachfremden Bereich tätig zu werden, heißt nicht gleichzeitig, dass jemand mit seinem Weg unzufrieden sein muss. Selbst Studienabbrecher:innen müssen nicht erfolglos bleiben, da denke ich an prominente Beispiele wie Bill Gates oder Steve Jobs. An diese Aspekte zu denken, kann entlastend sein, wenn man selbst noch auf der Suche nach seinem:ihrem Weg ist.</span></p>
<p><b>„Karrieren müssen nicht immer geradlinig sein.“</b><span style="font-weight: 400;">– Angelika Schwarz-Ortner </span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
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			</item>
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		<title>Quo vadat: Eine Bildungsreform gegen eine Totgesagte?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 13:44:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es hätte nur der erste Schritt der erwarteten Bildungsreform werden sollen, die Bildungsminister Christoph Wiederkehr Anfang Februar angekündigt hat. Stattdessen hat die Aussicht auf Latein- bzw. Fremdsprachen-Stundenkürzung eine Grundsatzdebatte über&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Es hätte nur der erste Schritt der erwarteten Bildungsreform werden sollen, die Bildungsminister Christoph Wiederkehr Anfang Februar angekündigt hat. Stattdessen hat die Aussicht auf Latein- bzw. Fremdsprachen-Stundenkürzung eine Grundsatzdebatte über den Sinn und die Ziele von Bildung ausgelöst….</span></div>
<p><span id="more-22089"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eigentlich könnte es ganz doch einfach sein, wenn die AHS-Oberstufe  vor dem Aufbruch in die Zukunft ihre Altlasten zurücklässt: Weg (natürlich nicht ganz) mit Latein oder der zweiten lebenden Fremdsprache, her mit KI und Demokratiebildung. Einmalig, einfach, effizient. Wenn es da nicht ein paar winzige Probleme gäbe… Aber davon lässt sich eine echte Reformregierung natürlich nicht aufhalten. Per aspera ad astra, richtig?</span></p>
<h3> Die Faktenlage</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat für April 2026 die neuen AHS-Lehrpläne angekündigt: Lehrpläne, die auch KI und „Medien und Demokratiebildung“ enthalten sollen. Diese sollen aber nicht als fächerübergreifende Materien in bestehende Fächer integriert werden, sondern als eigene Gegenstände, für die vier Stunden Latein am Gymnasium beziehungsweise an den Realgymnasien zwei Stunden einer lebenden Fremdsprache gestrichen werden sollen. Schließlich könnten den Schüler:innen nicht immer mehr Fächer aufgebürdet werden. Wiederkehrs Betonung lag dabei klar auf dem toten Latein, nicht den quietschlebendigen Fremdsprachen – selbstverständlich kein pinker Populismus. Wo denken Sie hin?</span></p>
<h3>Alia iacta est?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Blöd nur, dass ausgerechnet Latein eine sehr energische Fürsprache genießt. Sogar an vorderster Front knirscht es, spätestens seit der „Arbeitsverweigerung“ der Latein-Gruppe, die eben diese neuen Lehrpläne ausarbeiten sollte. Aber ausgerechnet die hat jetzt einstimmig hingeschmissen. Die Begründung: Der Zeitrahmen sei zu knapp und gefährde die europäische Vergleichbarkeit und die Reputation Österreichs als Bildungsstandort. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Um genau diesen geht es auch der Petition „Latein ist kein Luxus – es ist Bildung“, unterstützt mit bereits über 41.100 Stimmen, unter anderem von den Nobelpreisträger:innen Elfriede Jelinek und Anton Zeilinger sowie zahlreichen weiteren prominenten Persönlichkeiten aus der österreichischen Wissenschafts-, Kunst- und Kulturszene. Für sie leistet humanistische Bildung, bestehend wesentlich auch aus Latein- und Literaturunterricht, dessen Rückbau im selben Atemzug kritisiert wird, einen unverzichtbaren Beitrag zur Ausbildung mündiger, selbst denkender Staatsbürger:innen. Acht Stunden würden zur seriösen Aneignung schlicht nicht ausreichen. Wobei acht Stunden wohlgemerkt zum Beispiel  zwei Wochenstunden über vier Jahre Oberstufe bedeuten würden, nicht acht Wochenstunden.</span></p>
<h3>Non vitae sed scuolae discimus?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">KI ist viel wichtiger als Fremdsprachen, übersetzen kann sie sie zum Beispiel längst. Demokratiebildung wird demokratiebewusste Bürger:innen heranbilden, und wer übersetzt schon Cicero im „echten Leben“?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sicher? Vielleicht besteht zukunftssichere Bildung doch aus mehr als dem Vermitteln am Arbeitsmarkt direkt gefragter Kompetenzen. Vor diesem Hintergrund könnte auch etwas dran sein an dem, was zahlreichen Unterzeichner:innen der Petition zwischen den Zeilen orten: Eine grassiere Nützlichkeitsepidemie im Bildungssystem. </span>Dieser drohen übertragbare Fähigkeiten zum Opfer zu fallen, wie interkulturelles Verständnis, Wissen um historische und heute noch erschreckend ähnliche Propaganda, Jahrtausende alte, aber immer noch kaum anders klingende Vorurteile und zeitlose literarische Motive. <span style="font-weight: 400;">Ganz abgesehen davon, dass das Überbordwerfen von antikem Wissen historisch gesehen auch eher selten zu einer fortschrittlicheren Gesellschaft beigetragen hat. So war es schließlich das (bewusste) Vergessen der griechischen und römischen Literatur und damit verbundener Erkenntnisse, dass den wissenschaftlichen und kulturellen Verfall Europas am Übergang zum Mittelalter wesentlich ausgelöst hat. </span><span style="font-weight: 400;">Andererseits waren Jahrhunderte später Sophie Scholl und die „Weiße Rose“ in ihrem Weltbild und ihren Flugblätter stark von der Übersetzung antiker Quellen und dem daraus gezogenen humanistischen Weltbild geprägt. Wobei gerade dieses Beispiel zeigt, wie die Fähigkeit zum selbständigen Verständnis antiker Texte, in einer Zeit, in der sie gleichzeitig für Propaganda missbraucht wurden, essenziell war. Und es sind Momente der Geschichte wie diese, die hinter abstrakten Begriffen wie „geistige Grundlage Europas“ oder „humanistische Grundbildung“ stehen, und die uns auch in Zeiten weniger unmittelbar zivilisations- und menschlichkeitsgefährdender Bedrohungslagen in Europa innehalten lassen sollten, bevor wir reformieren.</span></p>
<h3>Ende offen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Aber zurück in die Gegenwart, wo besagte Bildungsreform noch ganz am Anfang steht und Österreich damit ein bildungspolitisch turbulenter Frühling mit einigen Zukunftsentscheidungen erwartet. Frei nach dem Motto „Quo vadat?“ – „Wohin soll es gehen?“ Ach, und Totgesagte, die leben bekanntlich länger. </span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>New year, new me – Alle Jahre wieder oder nicht schon wieder?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Jan 2026 12:16:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon wieder steht ein neues Jahr vor der Tür und die Menschheit teilt sich in zwei Lager: Es gibt die, die am ersten Jänner voller Motivation aus dem Bett springen,&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/new-year-new-me-alle-jahre-wieder-oder-nicht-schon-wieder/">New year, new me – Alle Jahre wieder oder nicht schon wieder?</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Schon wieder steht ein neues Jahr vor der Tür und die Menschheit teilt sich in zwei Lager: Es gibt die, die am ersten Jänner voller Motivation aus dem Bett springen, und sich auf ihre hunderten Jahresvorsätze stürzen. Und die, die sich in intellektueller Herablassung (blanke Selbstverteidigung, natürlich) nur mit einem Vorsatz bürsten, nämlich keinen zu haben.</div>
<p><span id="more-21938"></span></p>
<h2>Die ungebremste Enthusiastin</h2>
<p><em>von Anna Stotter</em></p>
<p>2026: Das wird mein Jahr werden! Ich spüre es, jetzt brechen richtig produktive Zeiten an. Ich bin so was von bereit, all in zu gehen. Früh aufstehen, ha, das wird meine ganze Persönlichkeit sein im neuen Jahr. Um sechs Uhr oder besser noch um vier Uhr morgens (die Ashton-Hall-Motivation-Shorts kicken rein). Und das ist erst der Anfang, wenn ich mir meine neue, super produktive Morgen-Routine (10 Steps absolutes Minimum) ausmale, wird mir schon ganz schlecht (vor Aufregung, versteht sich!).</p>
<p>Gut, vielleicht, ganz vielleicht verkrampfe ich innerlich beim Gedanken, eiskalt zu duschen (näher an Eisbaden komme ich logistisch leider nicht heran). Eigentlich bin ich am Kaltduschen auch schon einmal gescheitert. (Zumindest meine Zehen haben ein paar Tage durchgezogen.) Das wird also doch wieder gestrichen. Aber von so ein paar klitzekleinen Anfangsschwierigkeiten lässt sich ein echter Neujahrs-Junkie doch nicht aus dem Konzept bringen: Früh aufstehen kommt fix auf die Liste!</p>
<p>Und morgens hört der Tag zum Glück nicht auf. Die Uni wird in den nächsten Monaten so richtig durchgezogen: strukturiertes Lernen (fast) jeden Tag! Wenn ich mir den perfekt aufgeräumten Schreibtisch samt farblich sortierter Marker und handgeschriebener To-Do-Listen für jede Sekunde meines Tages so vorstelle, kann ich die Produktivität à la Paris Geller schon richtig fühlen. Sämtliches lustloses Scrollen am selben Schreibtisch letztes Jahr? Sowas von vorbei. Zeit für ein Academic Comeback!</p>
<p>New year, new me. Sagt mein neues Vision Board schließlich auch. In Großbuchstaben, mitten am Board angebracht. Und das funktioniert bestimmt, ich schwöre! Vor ein paar Jahren im Sommer habe ich schließlich auch mal mit Joggen angefangen. Einen Halbmarathon laufen, das wär‘s. Wobei, warum klein anfangen? Warum nicht gleich einen ganzen? Vor meinem inneren Auge sehe ich mich schon strahlend über die Ziellinie hechten (oder humpeln). Ich höre auch schon förmlich David Goggins „They don’t know me, son“ in meinem Ohr. Habe ich bereits erwähnt, wie motiviert ich bin?</p>
<p>Irgendwas fehlt aber noch. Ich weiß! Etwas, das mir auch tatsächlich Spaß macht und nicht nur nach extrem viel Arbeit oder einem echten Albtraum klingt. Lachen, LEBEN! Das kommt jetzt auch noch auf die Liste mit Neujahrsvorsätzen. Perfekt, fertig: 2026 kann kommen.</p>
<h2>Die intellektuell Überlegene</h2>
<p><em>von Katharina Stotter</em></p>
<p>Silvester, das heißt Highlight Reels aus 2025, Vision Board Reviews und Accomplishment Cakes. Und selbstverständlich freue ich mich für alle, die ihre Ziele im vergangenen Jahr erreicht haben. Selbstverständlich. Über Gefühlen wie Neid stehe ich schließlich drüber. Milliardär:in werden, Millionen an Follower:innen bekommen und um die halbe Welt reisen mit 20, alles machbar und nur eine Frage der Vorsätze, oder? Trigger-Warnung: Ignoranz in Reinkultur. Als nächstes kommt dann noch das Argument, dass ohnehin alle dieselben 24 Stunden hätten und Privilegien nur Einbildung wären.</p>
<p>Vom Leinöl auf leeren Magen (und nicht nur davon) kommt mir die Galle hoch, außerdem bin ich mir um vier Uhr früh nicht einmal sicher, wie ich heiße. Und bin ich eigentlich die Einzige, die den Verdacht hat, dass Guided-Meditation-Videos Brainwashing sind? Oder schlicht absurd (wir wollen es schließlich nicht gleich übertreiben). Apropos absurd, um Geld zu machen, muss man es sicher erst ausgeben, logisch. Also wird jetzt rundherum kräftig investiert: In die Zukunft, das heißt in heillos überteuerte gluten-, zucker- und geschmackfreie Riegel mit unglaublichen acht Prozent Protein; zusammenpassende Workout-Sets, die ansonsten höchstens dem KI-Model gepasst haben; und Finanzbücher, dank denen das Wohnzimmerregal jetzt gebildeter ist als die Personen, die davor sitzen. Das laut zu sagen? Schlechte Idee, am Ende hieße es noch, ich hätte nur Komplexe.</p>
<p>Ich übertreibe und suche Ausreden für mein Scheitern? Unsinn! Ein wenig Arroganz hat noch niemandem geschadet, intellektuelle Überlegenheit ist in diesen Tagen mein zweiter Vorname, und von Vorsätzen habe ich die Schnauze voll! Ich bin ein Mensch, kein Vision Board! Und dieser Mensch bewegt sich jetzt zurück ins Bett und steht erst wieder für ein essbares Frühstück auf.</p>
<p>Ein paar Stunden später und nach einer extra Runde Schlaf bin ich dann schon deutlich milder gestimmt. So milde, dass ich sogar die Neujahrsvorsätze von anderen schlucke – geht auch vorbei. Dafür habe ich das erste Achievement für den Achievement Cake, und das schon am ersten Tag des Jahres: Neujahr überlebt.</p>
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		<title>Die Pariser Klimaziele: Alles schon zu spät?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 12:13:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Es ist November und die Klimakonferenz in Belém wäre theoretisch in vollem Gange. Mit Betonung auf theoretisch, weil sich die Politik, wenn überhaupt, rückwärts bewegt. Derweilen hetzen wir deutlich zu spät zum Vortrag „Unternehmerische Chancen des Klimawandels in Zeiten des Trump’schen Chaos“ auf der Innsbrucker SoWI. Aber bringt das überhaupt noch etwas?</div>
<p><span id="more-21827"></span></p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21828" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-300x200.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></div>
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<div class="bildunterschrift">Die diesjährige COP30 in Belém findet unter wenig vielversprechenden Vorzeichen statt (Stichwort abwesende USA und verwässerte EU-Klimaziele). (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<p>„Verdammt, wir sind viel zu spät! – Na und? Das hat eh alles keinen Sinn mehr, und außerdem ist es alles deine Schuld!“ 17:54 Uhr, wir stehen im MCI und zischen uns wütend an. In der SoWi Aula findet derweilen seit einer knappen Stunde der Vortrag „Unternehmerische Chancen des Klimawandels in Zeiten des Trump‘schen Chaos“, für den wir viel zu spät dran sind, statt. Langsam zahlt sich das Kommen gar nicht mehr aus, weil der Vortrag um 18:30 Uhr endet. „Entschuldigung, Sie wissen nicht zufällig, wo die SoWi Aula ist?“ Ein letzter Versuch, bevor wir das Handtuch werfen – und dieses Mal haben wir Glück. Die Studentin bringt uns sogar freundlicherweise direkt dorthin ins Nachbargebäude. Durch die Glasfront sieht man den Schriftzug SoWi Aula auf der Tür, die Lösung unseres Problems war also die ganze Zeit da, keine hundert Meter entfernt, typisch. Aber egal, besser spät als nie, also ziehen wir vorsichtig die Tür auf und schlüpfen in den halb gefüllten Saal.</p>
<h3>Die Menschheit hat kollektiv versagt</h3>
<p>Warum wir das alles erzählen? Weil es eine gute Metapher für den Umgang mit der Klimakrise ist. Wir sind nicht zum Spaß hier, sondern weil wir wenigstens irgendetwas tun müssen, während das 1,5-Grad-Ziel unweigerlich unter- und auf der COP 30 in Belém nichts weitergeht.</p>
<p>Nicht einmal eine Woche ist es her, dass der Präsident der Vereinten Nationen, António Guterres, offiziell verkündet hat, dass das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen ist. Eine Entwicklung, die sich lange abgezeichnet hat – aber das macht sie nicht weniger schmerzhaft. Die Menschheit hat kollektiv versagt. Wir haben die Hoffnungen unzähliger Menschen, die im Zuge von Fridays4Future und auch schon vorher in diversen Protesten seit den 70ern lautstark auf den Straßen Umweltschutz und Klimagerechtigkeit gefordert haben, enttäuscht. Und wir haben uns letztlich selbst verraten. Zumindest hat es sich in diesem Moment für uns persönlich so angefühlt.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21829" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-300x200.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Bilder, die um die Welt gingen: 2019 protestierten unzählige Menschen jeden Freitag lautstark für mehr Umweltschutz und Klimagerechtigkeit, wie hier in Wien. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<h3>„Die Probleme von heute sind die Lösungen von gestern“</h3>
<p>Andererseits ist es auch unmöglich, all die positiven Beispiele und Fortschritte zu ignorieren. Immerhin sitzen wir in einem Panel-Talk im Zuge der schon dritten Nachhaltigkeitswoche der Uni Innsbruck. Und auch in der Mensa gibt es mittlerweile einige wirklich leckere, nachhaltige Angebote. Vielleicht haben wir also gar nicht alle Ambitionen unseres idealistischeren Selbst von damals verloren, vielleicht bewegen wir uns sehr wohl weiter in Richtung einer klimafreundlicheren Zukunft. Und sobald wir unseren Fokus darauf lenken, wird uns irgendwie auch klar, dass wir nicht die einzigen sind: Die ganze Welt setzt kleine, grüne Schritte. Zum Beispiel auf neu entwickelten stromerzeugenden Fliesen, die in US-amerikanischen, brasilianischen und Berline Bahnhofshallen die kinetische Energie der Schritte von Passant:innen in Strom umwandeln. Und auch immer mehr Unternehmen steigen auf erneuerbare Energie um.</p>
<p>Der Haken? Die Kosten. Die sind zweifelsfrei hoch, aber im Vergleich laut Dr. Margreth Keiler, Universitätsprofessorin und Vortragende beim Panel, in Österreich stemmbar. Die jährlich notwendigen Investitionen von 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro würden nämlich noch immer unter den jährlichen Ausgaben für die Importe fossiler Energie liegen. Ganz abgesehen davon, dass wir uns nicht nur autonomer und unabhängiger machen würden, sondern im wahrsten Sinn des Wortes in die Zukunft investieren. Eine Zukunft, für die wir aber aktuell noch viel zu wenig tun, und für die Technologie allein auch nicht die Lösung darstellt. Erst recht nicht, wenn wir neue Abhängigkeiten schaffen. „Die Probleme von heute sind die Lösungen von gestern“, so drückt es Dr. Keiler aus. Ein sehr prägnanter Satz, der nachdenklich stimmt.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21830" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-300x197.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="197" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-300x197.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1024x672.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-768x504.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1536x1008.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-2048x1344.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1920x1260.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1170x768.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-780x516.jpg 780w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-585x384.jpg 585w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Wenigstens über der grünen Energie geht die Sonne auf. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<h3>Noch weniger als zu wenig</h3>
<p>Das erste Mal in der Geschichte liegt es in unserer Macht, eine große Klimaveränderung zu beeinflussen. Wir haben das Wissen, wir haben die Lösungen. Aber anstatt auf die zu hören, die sich auskennen – die Wissenschaftler:innen – , und anstatt zu sprinten, wenn es knapp wird, resignieren wir. Wir nehmen eine zynische Gleichgültigkeit ein und akzeptieren sie einfach, diese Nachricht vom verfehlten Pariser Klimaabkommen, die uns schockieren sollte.</p>
<p>Schuld sind sowieso die anderen: Die USA respektive Trump, China als Hauptemittent oder die Generationen vor uns. Es ist doch auch viel einfacher, die Schuld auf andere zu schieben oder gleich ganz zu verdrängen, oder? Nein! Denn diese so komplexe Krise auch uns betrifft, wie wir wieder im SoWi-Vortrag hören, wenn zum Beispiel Innsbruck als Hitze-Hotspot Wien überholen wird.</p>
<p>Überhaupt dürfte es in Österreich unangenehm warm werden, vor allem da wir voraussichtlich nicht bei 1,5 Grad Erwärmung im Vergleich zum präindustriellen Zeitalter, sondern bei 3°C landen. Dabei trifft uns diese Krise, trotz zu erwartender Hitzetoter, vergleichsweise weniger hart als den globalen Süden. Aber eine Erwärmung um 2,7 Grad statt 1,5 Grad würde global nach einer Schätzung des Weltwirtschaftsforums in Davos 2024 3,5 Millionen Todesopfer bis 2050 fordern. Keine Überdramatisierung, sondern ein blanker Fakt. Einer, bei dem die Politik anscheinend nicht zu genau hinschauen möchte. Oder sie sieht im abgeholzten Amazonas trotzdem den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Insofern ist unsere Anwesenheit bei diesem SoWi-Vortrag selbstverständlich höchst symbolisch, denn die Entscheidungen müssten in Belém getroffen werden. Nur dass man dort lieber darüber diskutiert, wie wir mit noch weniger als zu wenig ans Ziel kommen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21831" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-300x200.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-1024x682.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-1536x1023.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-2048x1364.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-1920x1279.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-1170x779.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Waldbraende-Amazonas_Artikel-Klima-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Auch wenn die politischen Ambitionen seit 2019 spürbar erkaltet sind, der Amazonas brennt seitdem immer weiter. Hier 2020 nahe Flona do Jacundá in Rondônia in Brasilien. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<h3>Besser spät als nie</h3>
<p>Weniger als zu wenig reicht aber nicht! Wir brauchen mehr, auch wenn wir das 1,5-Grad-Ziel verfehlt haben.</p>
<p>Denn spät ist immer noch besser als nie. Sogar wenn man, wie wir, eine Stunde zu spät zu einem eineinhalbstündigen Vortrag auftaucht. Es bringt nichts, sich mit Anschuldigungen zu überbrüllen, sondern es geht darum sich kompetenten Rat einzuholen, und zu handeln. Gerade bei der Klimakrise befinden sich die Lösungen, so wie in unserem Fall die SoWi, direkt vor der eigenen Nase. Wir müssen handeln, ohne langes Zögern, beherzt und gemeinsam. In dem Wissen, dass nur wir die Welt verändern können und das 2019 nicht vergebens war. Uns allen ist bewusst, wie schlecht es um die Erde steht. Es ist an der Zeit, auch die Politik an ihre Visionen aus Paris zu erinnern, mit dem Druck der Straßen, der schon einmal radikale Veränderungen möglich gemacht hat. Es ist Zeit für eine zweite Welle!  Wir sind bereit, und Innsbruck ist es auch, oder?</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21832" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-300x200.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-1024x681.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-768x511.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-1536x1022.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-2048x1362.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-1920x1277.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-1170x778.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-585x389.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-We-cant-recycle-wasted-time_Artikel-Klima-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<div class="bildunterschrift">„We can’t recycle wasted time“, aber wir können die verbleibende Zeit nutzen! (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/die-pariser-klimaziele-alles-schon-zu-spaet/">Die Pariser Klimaziele: Alles schon zu spät?</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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