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	<title>Jonas Krabichler, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Wie es ist, auf einem Festival Dienst zu haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 10:38:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[UNIpress Unterwegs]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Musik, Stimmung und tausende Fans prägen das Nova Rock Festival im Burgenland – doch hinter den Kulissen sorgen Einsatzkräfte für schnelle Hilfe im Notfall. Bei Österreichs größtem Rockfestival mit über&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><i>Musik, Stimmung und tausende Fans prägen das Nova Rock Festival im Burgenland – doch hinter den Kulissen sorgen Einsatzkräfte für schnelle Hilfe im Notfall. Bei Österreichs größtem Rockfestival mit über 200.000 Besuchern hatte ich heuer die Gelegenheit, selbst Teil des Einsatzes zu sein und den Dienst aus nächster Nähe mitzuerleben. </i><span id="more-22277"></span></div>
<p>Als Rettungssanitäter in Tirol war ich bereits Teil einiger Ambulanzdienste. Dabei handelt es sich um die Sanitätsbetreuung bei diversen Events direkt vor Ort –  sei es für die Zuschauer oder für die Künstler selbst. Im März ergab sich die Möglichkeit, mich für den Ambulanzdienst am Nova Rock anzumelden. Ich überzeugte einen Rettungskollegen, ebenfalls mitzumachen, und im Mai wurden wir prompt belohnt: Wir erhielten die Zusage.</p>
<h3>Vom Volksfest zum Festival</h3>
<p>Der Dienst beim Nova Rock steht in keinem Verhältnis zu den vorigen Events, bei denen ich dabei war, weder privat noch dienstlich: Die 200.000 Besucher im Burgenland stellen die paar Tausend bei Volksfesten oder Ski-Openings, die ich bisher betreute, deutlich in den Schatten. Natürlich braucht so ein großes Event eine detaillierte Planung, die für mich ebenfalls neu war: Bei einem Ambulanzdienst bei einem kleineren Fest wie dem Bezirksmusikfest ist nur ein kleines Briefing direkt vor dem Dienstbeginn notwendig, für den Nova Rock bekamen wir einen eigenen Moodlekurs, der beim ersten Durchlesen fast überwältigend wirkte. Solch eine detaillierte Planung im Vorfeld ist jedoch bei so großen Besuchermassen zwingend notwendig.</p>
<p>Nach intensiven Vorbereitungen war es schließlich so weit: Gemeinsam machten wir uns auf den Weg ins Burgenland nach Nickelsdorf, einem beschaulichen Dorf mit etwa 1900 Einwohnern. Doch schon bei der Anfahrt zeigte sich, dass Nickelsdorf zumindest an diesem Wochenende wie eine Kleinstadt wirkte: Endlose Campingflächen, mehrere Bühnen und eine von Weitem sichtbare Festivalinfrastruktur – und all das in einem Windpark.</p>
<h3>Aus Ankommen wird Orientierung</h3>
<p>Nachdem wir unser Auto auf dem eigens bereitgestellten Rotkreuz-Mitarbeiterparkplatz parken durften, wurden wir gleich mit einem eigens eingerichteten Shuttle in das Herzstück des Ambulanzdienstes gebracht – die SanHist Camping. Dabei handelt es sich um die Sanitätshilfestelle direkt neben dem Camping–Bereich des Festivals. Diese fungierte als Hauptbasis für die Rettungskräfte und zusätzlich als eine Art Feldlazarett, wo Verletzte und Erkrankte in Ruhe, und vor allem in Privatsphäre, behandelt werden können. Dort meldeten wir uns an und bekamen unsere eigenen Festival-Mitarbeiterausweise mit Lanyard, was uns das Gefühl vermittelte, nun offiziell Teil des Einsatzes zu sein.</p>
<p>Doch unseren Dienst leisteten wir nicht bei der Sanitätsstation beim Camping, sondern in jener bei der Red Stage. Diese Bühne war eine der beiden Hauptstages des Festivals, wo den ganzen Tag über bis in die Nacht die Künstler auftraten. Auch hier war die SanHist wie ein mobiles Behandlungszentrum aufgebaut und mit medizinischer Ausrüstung, Sauerstoff und Medizingeräten wie einem Defibrillator ausgestattet. Ein Shuttle brachte uns prompt dort hin und wir wurden sofort gebrieft. Wir wurden über die Aufgaben, Funkkanäle und Einsatz- sowie Arbeitsabläufe aufgeklärt.</p>
<h3>Eintauchen ins Einsatzgeschehen</h3>
<p>Der Dienst begann um 13:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war das Festival bereits recht gut besucht, die großen Besuchermassen wurden jedoch naturgemäß erst später erwartet. Nach dem Briefing machten wir uns einen ersten Überblick über das Festivalgelände und konnten bereits den ersten Interpreten lauschen. Das ist einer der angenehmen Nebeneffekte eines Ambulanzdienstes auf einem Festival: Auch wenn man jederzeit einsatzbereit ist, bekommt man zwischendurch immer wieder etwas Festivalatmosphäre mit.</p>
<p>Doch es dauerte nicht lange, bis die ersten Patienten medizinische Hilfe in Anspruch nahmen – hauptsächlich geringfügige Verletzungen wie etwa Schürfwunden. Nach einer kurzen Versorgung in der SanHist konnten sie sich wieder ins Getümmel stürzen. Dies war ein häufiges Muster am Nova Rock: Selbstverständlich wollen Fans, wenn sie nur leichte Probleme haben, nicht das ganze Festival auf einer Liege verbringen, sondern möglichst schnell wieder zurück ins Konzertgeschehen.</p>
<p>So verging Stunde um Stunde, während sich das Festivalgelände immer mehr füllte. Mit der steigenden Besucherlast stiegen natürlich auch die Versorgungen. Auch Kreislaufkollapse oder kurze Synkopen (kurze Ohnmacht) häuften sich, auch unsere Betten waren zunehmend belegt. Diese Krankheitsbilder müssen nicht zwingend im Krankenhaus abgeklärt werden, Maßnahmen wie Flüssigkeitsgabe per Venenzugang oder eine Überwachung sind aber nötig. Dadurch waren abends die Betten unserer SanHist gut ausgelastet, zu einer Überlastung kam es dank der sorgfältigen Planung nie.</p>
<h3>Wenn sich alles auf eine Bühne konzentriert</h3>
<p>Als sich der Tag langsam dem Ende zuneigte, stieg der Druck immer mehr. Der Grund? Sabaton. Die Kult-Band trat als allerletzter Act auf der Red Stage auf. Hinzu kam, dass sie auch den Abschluss des gesamten Tages bildeten und auf der Blue Stage während ihres Auftritts kein Act mehr stattfand. Also konzentrierten sich beim Sabaton-Auftritt alle Besucher im Bereich einer Bühne. Und wer Sabaton kennt, der weiß, dass die Shows das Publikum enorm anpeitschen. Dadurch bestand ein höheres Risiko einer kritischen Verdichtung der Menschenmenge. Der letzte Act wurde daher noch genauer geplant und unsere Standpunkte sorgfältig gewählt.</p>
<p>Zugegebenermaßen war ich zu Beginn des Sabaton-Acts deshalb etwas nervös. Die Sorgen sollten sich jedoch als unbegründet herausstellen: Der Auftritt war beeindruckend und das Sicherheitskonzept funktionierte perfekt, auch dank erhöhter Security- und Polizeipräsenz sowie durch Maßnahmen wie etwa erweiterte Sicherheitsabsperrungen.</p>
<p>Nach dem Auftritt strömten noch einige Hilfesuchende zu uns, die noch behandelt oder zu anderen SanHists gebracht wurden. Mein Dienst endete nach fast 13 Stunden und wir durften mit dem ersten Shuttle wieder zum Parkplatz reisen.</p>
<h3>Mehr als nur ein Einsatz</h3>
<p>Insgesamt ist ein Ambulanzdienst bei einem Festival eine einmalige Erfahrung. Als Besucher nimmt man die aufwendige Planung und komplexen Hintergrundabläufe kaum wahr – umso eindrücklicher war es, selbst Teil des Systems zu sein. Besonders deutlich wurde mir, wie wichtig eine detaillierte Einsatzplanung ist, um die Sicherheit aller Mitarbeiter, Performer und Besucher zu gewährleisten.</p>
<p>Neben der medizinischen Arbeit war auch der Austausch mit Sanitäterinnen und Sanitätern aus verschiedenen Bundesländern bereichernd. Unterschiedliche Erfahrungen und Herangehensweisen trafen hier aufeinander und erweiterten den eigenen Blick auf den Rettungsdienst.</p>
<p>Zurück bleibt vor allem die Erkenntnis, wie viel Organisation, Planung und Teamarbeit hinter den Kulissen eines Festivals nötig sind. Was Besucher meist nur am Rande wahrnehmen, ist ein komplexes System, das im Hintergrund dafür sorgt, dass im Ernstfall schnell und professionell geholfen werden kann.</p>
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		<title>Untauglich für die Zukunft: Wohin steuert Österreichs Wehrdienst?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 12:02:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der österreichische Wehr- und Zivildienst wird regelmäßig diskutiert, die aktuellen Reformpläne der Bundesregierung Stocker sehen eine Verlängerung der Dienstpflicht vor. Doch statt nur über eine Verlängerung, Verringerung oder Abschaffung zu&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/untauglich-fuer-die-zukunft-wohin-steuert-oesterreichs-wehrdienst/">Untauglich für die Zukunft: Wohin steuert Österreichs Wehrdienst?</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der österreichische Wehr- und Zivildienst wird regelmäßig diskutiert, die aktuellen Reformpläne der Bundesregierung Stocker sehen eine Verlängerung der Dienstpflicht vor. Doch statt nur über eine Verlängerung, Verringerung oder Abschaffung zu reden, soll eine andere Frage im Mittelpunkt stehen: Wie kann das System moderner und fairer gestaltet werden?<span id="more-22130"></span></div>
<p>Sechs Monate Bundesheer oder neun Monate Zivildienst – für junge Österreicher ist diese Entscheidung Normalität. Doch die Bundesregierung plant nun eine umfassende Reform: Der Dienst soll deutlich verlängert werden. Während Befürworter von einer dringend nötigen Verteidigungsfähigkeit und der Entlastung des Gesundheitssystems sprechen, warnen Kritiker vor „Zwangsarbeit“ zum Hungerlohn. Zeit für einen Blick auf die Fakten – und die Frage: Wäre eine Dienstpflicht für alle nicht ohnehin die fairste Lösung?</p>
<h3><b>Von der Musterung zur Abrüstung </b></h3>
<p>Österreich ist einer der wenigen europäischen Staaten, der noch auf eine aktive Wehrpflicht setzt. Das betrifft alle männlichen Staatsbürger: Mit 17 Jahren flattert die Einladung zur Musterung ins Haus. Jeder muss hingehen, egal ob man will oder nicht. Nach zwei intensiven Tagen bei der Stellungskommission, vollgepackt mit physischen und psychischen Tests, steht das Ergebnis fest. Die Einstufungen reichen von „voll tauglich“ (selbst eine spätere Karriere als Kampfpilot wäre denkbar) bis hin zu „untauglich“. Laut Statistik Austria betrifft Letzteres etwa 17 Prozent der jungen Männer.</p>
<p>Die restlichen 83 Prozent müssen sich nach der Musterung entscheiden: Grundwehrdienst (Präsenzdienst) oder Zivildienst? Einer der beiden Dienste muss zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr geleistet werden. Wer sich für das Bundesheer entscheidet, dient sechs Monate. Nach acht Wochen Basisausbildung geht es in die jeweiligen, ausgesuchten Funktionen – ob als Soldat, Pionier, Koch, Kraftfahrer, Sanitäter oder Cybergrundwehrdiener. Wer danach noch bleiben möchte, kann sich für drei weitere Monate verpflichten und erhält dafür ein ansehnliches Gehalt von 3.750 Euro pro Monat. Das ist deutlich mehr als die reguläre Grundvergütung von 605,58 Euro (plus Zulagen). Auch der Beitritt zur Miliz ist eine Option: Hier geht man primär seinem zivilen Beruf nach, rückt aber für Übungen oder im Ernstfall ein.</p>
<p>Das Gegenmodell dazu ist der Zivildienst. Wichtig dabei: Man muss aktiv eine Zivildiensterklärung abgeben, sonst wird man automatisch dem Militär zugeteilt. Rund 45 Prozent der Tauglichen entscheiden sich für diese neunmonatige Alternative. Die Einsatzbereiche sind extrem vielfältig: Etwa 40 Prozent sind im Rettungsdienst tätig, 26 Prozent in der Sozial- und Behindertenhilfe und 11 Prozent in der Altenbetreuung. Auch Spitäler, Kindergärten, Katastrophenschutz oder sogar die Bergrettung sind mögliche Stationen. Finanziell gibt es das gleiche Grundgehalt wie beim Heer. Da Zivildiener aber oft auswärts essen müssen (etwa im Rettungswagen), können sie sich für ein Verpflegungsgeld entscheiden. Damit kommen sie so auf etwa 900 bis 1.000 Euro im Monat.</p>
<p>Am Ende des Dienstes, auch beim Militär, findet die Abrüstung statt – man bekommt eine Bestätigung der Ableistung des Dienstes, gibt seine Kleidung und Ausrüstung zurück und kann nun dem restlichen Leben nachgehen.</p>
<h3><b>Die geplante Reform 2026</b></h3>
<p>Dieses System existiert in seinen Grundzügen bereits seit Jahrzehnten. Die aktuelle Bundesregierung Stocker, bestehend aus ÖVP, SPÖ und NEOS, sieht hier jedoch Reformbedarf. Nachdem eine Kommission an verschiedenen Modellen gearbeitet hat, wurde im Januar 2026 das Ergebnis präsentiert: Das bevorzugte Modell „Österreich plus“ sieht vor, den Präsenzdienst auf acht Monate plus verpflichtende Milizübungen (circa zwei Monate) aufzustocken und den Zivildienst auf zwölf Monate zu verlängern.</p>
<p>Die Begründung der Regierung: Das Bundesheer sei im aktuellen Zustand nicht adäquat verteidigungsfähig – ein großes Problem angesichts der angespannten globalen Sicherheitslage. Mehr Zeit beim Heer soll also die Verteidigungsfähigkeit der Republik stärken. Der längere Zivildienst wiederum soll unserem chronisch überlasteten und unterfinanzierten Gesundheitswesen zugutekommen. Bundeskanzler Stocker (ÖVP) möchte diesen Plan mittels einer Volksbefragung direktdemokratisch absegnen lassen – das Ergebnis ist für Parlament und Regierung jedoch rechtlich nicht bindend. Wann diese stattfinden soll, ist aktuell noch unklar.</p>
<h3><b>Was spricht für die Reform?</b></h3>
<p>Befürworter der Reform verweisen auf ein Heer, das aktuell kaum verteidigungsfähig ist – eine Einschätzung, die auch die Regierung teilt und mit dem „Aufbauplan 2032+“ beheben möchte. In einer Zeit globaler Krisen sei eine funktionierende Landesverteidigung schlichtweg essenziell. Aber moderne Ausrüstung bringt wenig, wenn das Personal fehlt oder niemand weiß, wie man das Material bedient. Im aktuellen System verlassen viele junge Männer das Militär genau dann, wenn sie nach der Ausbildung eigentlich erst richtig effektiv für die Landesverteidigung eingesetzt werden könnten. Ein längerer Dienst plus Milizübungen würde diesen Personalengpass spürbar lindern.</p>
<p>Eine Verlängerung beim Heer würde Hand in Hand mit einem längeren Zivildienst gehen. Zivildiener sind mittlerweile eine unverzichtbare Säule unseres Gesundheitssystems. Sie stellen extrem günstige Arbeitskräfte dar (ca. 1.000 Euro bei Vollzeit) und entlasten das Budget der Gesundheitsinstitutionen massiv. Da unser Staatshaushalt ohnehin mit explodierenden Kosten kämpft, kämen mehr geleistete Stunden der Zivildiener der Finanzlage sehr zugute.</p>
<p>Außerdem wird mit dem persönlichen Mehrwert für die jungen Männer argumentiert. Ob LKW-Führerschein beim Heer oder die Ausbildung zum Rettungssanitäter beim Zivildienst – man nimmt durchaus praktische Fähigkeiten fürs Leben mit. Die Regierung plant zudem, den längeren Zivildienst mit weiteren nützlichen Zusatzausbildungen aufzuwerten.</p>
<h3><b>Hungerlohn und Zwangsarbeit?</b></h3>
<p>Kritiker sehen diese Pläne jedoch äußerst skeptisch und verweisen auf die gewaltigen Baustellen des aktuellen Systems. Trotz Zusatzleistungen wie einem gratis Klimaticket oder der Rezeptgebührenbefreiung fällt die Bezahlung dennoch extrem niedrig aus. Ein Zivildiener, der Vollzeit in einer Sozialinstitution arbeitet (ca. 170 Stunden) und 1.000 Euro überwiesen bekommt, arbeitet eine Stunde für 5,88 Euro. Der formale Trick dabei: Es handelt sich rechtlich nicht um einen „Lohn“, sondern um eine „Entschädigung“ – so fallen keine Abgaben oder Steuern an. Dennoch sehen Kritiker hier eine Ausbeutung junger Männer, die das eigene Leben stark beeinträchtigt. Gerade Lehrlinge, die bereits ein eigenes Einkommen haben, sehen sich plötzlich mit einem Bruchteil ihres vorigen monatlichen Budgets konfrontiert.</p>
<p>Auch der oft raue Umgangston steht in der Kritik. Der tragische Hitzetod eines Grundwehrdieners bei einem Marsch im Jahr 2017, der trotz Flehens ignoriert und angeschrien wurde, ist zwar kein alltägliches Ereignis, zeigt aber ein tieferliegendes Problem auf: Oft werden die jungen Männer wenig respektiert und vielmehr als „Staatseigentum“ betrachtet, über dessen Einsatz einfach nach Lust und Laune verfügt wird.</p>
<p>Für Reformgegner sind all das starke Argumente, die eigentlich eine Abschaffung des Systems rechtfertigen würden. Eine Verlängerung würde diese Missstände nur noch ausdehnen – und dazu führen, dass taugliche Männer gegenüber Frauen und Untauglichen noch mehr Lebenszeit einbüßen. Auch der Pazifismus spielt eine Rolle: Ein signifikanter Teil der Jugend ist nicht bereit, im Ernstfall das eigene Leben für Österreich zu riskieren. Eine Ausweitung der Wehrpflicht würde die Republik nur weiter auf einen möglichen Krieg vorbereiten, was dem Weltbild vieler widerspricht.</p>
<h3><b>Ein alternatives Modell</b></h3>
<p>Es gibt auf beiden Seiten berechtigte Argumente. Das eigentliche Problem der geplanten Reform ist jedoch, dass sie das aktuelle System lediglich fortführt, anstatt grundlegende und notwendige Änderungen vorzunehmen. Dabei ist der Grundgedanke des Dienstes für Österreich durchaus von Vorteil. Eine wehrhafte Landesverteidigung ist für uns als neutraler Staat in der aktuellen geopolitischen Lage beinahe unumgänglich. Und ohne den Zivildienst müssten wir den Gesundheitssektor noch massiver über Steuern finanzieren. Die Ersparnisse, die durch die Arbeit der Zivildiener entstehen, kommen letztlich der Allgemeinheit zugute und entlasten den Staatshaushalt.</p>
<p>Die Zeit beim Heer oder Zivildienst ist für viele prägend – für mich persönlich war es das ebenfalls. Ich und viele andere sahen uns plötzlich mit einer neuen Realität konfrontiert, in der echte Verantwortung von uns erwartet wurde. Für mich, der zuvor nur die Schule besucht hatte, war dieser Zwang, die eigene Komfortzone zu verlassen, eine extrem wertvolle Erfahrung. Gerade im Sozialbereich sammelt man Lebenserfahrung, die einen als Menschen bereichert. Natürlich ist nicht alles perfekt, und der mangelnde Respekt ist oft spürbar. Eine echte Reform müsste daher zwingend dafür sorgen, dass diese Arbeit aufrichtige Anerkennung findet und man nicht nur eine Nummer im System ist.</p>
<p>Ein Punkt, der im öffentlichen Diskurs vernachlässigt wird, bleibt aber die Fairness: Das System betrifft aktuell nur Männer. Wer echte Gleichberechtigung fordert, muss neben gleichen Rechten auch gleiche Pflichten akzeptieren. Wenn <i>alle</i> einen Dienst leisten würden, wäre das ein wichtiger Schritt in Richtung echter Gleichheit. Mehr Frauen im Bundesheer würden männerdominierte Strukturen aufbrechen, und unser überlastetes Sozialsystem bekäme die dringend benötigte personelle Verstärkung, die angesichts der alternden Gesellschaft bald unverzichtbar sein wird – schließlich will jeder später eine brauchbare Pension beziehen. Unser Gesundheitssystem wird schon zu einem signifikanten Teil durch die wichtige Arbeit von Frauen getragen, doch eine Mithilfe der Gesamtbevölkerung würde der Finanzierung des Systems dennoch zugutekommen.</p>
<h3><b>Der Blick nach Norden</b></h3>
<p>Wer nach Dänemark, Schweden oder Norwegen schaut, sieht, dass eine Pflicht für alle absolut machbar ist und dass sie sich bestens mit einer modernen, gleichberechtigten Gesellschaft verträgt . Norwegen gilt hierfür als Paradebeispiel. Seit 2015 können auch Frauen zum Militärdienst verpflichtet werden, im Gegensatz zu Österreich muss jedoch nicht jede/r Taugliche/r den Dienst antreten: Nach einer Selektion werden von den jährlich 60.000 bis 70.0000 gemusterten Personen etwa 10.000 bis 15.000 eingezogen, der Rest fungiert als Reserve. Die Teilnahme an der Musterung sowie die Rolle als Reservist/in ist jedoch verpflichtend.</p>
<p>Seit der Rekrutierung von Frauen verzeichneten die norwegischen Streitkräfte eine deutlich höhere Motivation, den Dienst anzutreten – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Männliche Soldaten sehen ihre weiblichen Kameradinnen als geschätzte Soldatinnen, die die gleiche Ausbildung erlangt haben und in der gleichen Kaserne hausen. Das norwegische Militär konnte auch eine Steigerung der Qualität verzeichnen: Schließlich bringen Frauen wertvolle Eigenschaften und Skills mit, die unter der männlichen Bevölkerung seltener vorkommen. So konnte das norwegische Militär durch die Kombination der besten Eigenschaften der Gesamtbevölkerung (statt nur einer Hälfte) ein motivierteres, vielfältigeres und leistungsfähigeres Heer schaffen, bei dem ein regelrechter Wettkampf besteht, den Dienst ausüben zu dürfen.</p>
<p>All dies berichtete der norwegische Verteidigungsminister Tore O. Sandvik 2025 in einer Pressekonferenz anlässlich des zehnjährigen Bestehens der geschlechtsneutralen Wehrpflicht. Die norwegische Politik sieht dies ähnlich und befürwortet ihr System größtenteils. Nennenswerte Abschaffungs- oder Änderungsversuche gab es seit der Einführung keine. Auch die norwegische Bevölkerung unterstützt ihr System: Bereits vor der Einführung gaben 60 Prozent der Norweger/innen an, eine Pflicht für alle zu befürworten. Interessanterweise zeigten auch Jüngere sowie Frauen eine hohe Zustimmung.</p>
<p>Heute sind etwa 33 Prozent der eingezogenen wehrpflichtigen Personen in Norwegen Frauen, was zeigt, dass die Motivation besteht. Denn auch in Norwegen lässt sich der Wehrdienst abseits der Waffe ausüben, was viele Frauen ausnutzen. In Österreich kommt auch der Fakt hinzu, dass der Zivildienst als Alternative besteht. Damit kann der eigene Einsatz noch passender gewählt werden als in Norwegen, was ein Vorteil unseres Systems ist.</p>
<h3><b>Gleichheit als Voraussetzung</b></h3>
<p>Die Gleichheit ist ein zentraler Unterschied zwischen uns und Skandinavien: Dort ist die allgemeine Geschlechtergleichheit höher, was einen Dienstverpflichtung für alle nach dem Modell „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“ ermöglicht. In Österreich besteht hingegen noch ein größeres Ausmaß an Ungerechtigkeit, zum Beispiel bei Gehältern. Das aktuelle System in Österreich fungiert als Gegenspieler zur sonstigen gesamtgesellschaftlichen Ungleichheit, indem es alle Männer zu einem Dienst (oder zumindest zur Musterung) verpflichtet, während dies für Frauen freiwillig ist. Doch hier wird Ungerechtigkeit mit noch mehr Ungerechtigkeit bekämpft.</p>
<p>Die geplante Reform der Bundesregierung verstärkt dies bloß, anstelle das Problem der Ungerechtigkeit wirklich zu beseitigen. Wie so oft bleibt Österreich damit in der eigenen Komfortzone, statt sich selbst kritisch zu betrachten und die eigene Vorgehensweise zu überdenken. Eine zukunftsorientierte Reform muss geschlechterbasierte Ungleichheit anpacken, was den Weg zu einem Dienst für alle ebnet. Denn genau dieser Dienst ist für eine effektive Landesverteidigung sowie für ein Gesundheitssystem, das der Herausforderung der Überalterung gewappnet ist, unumgänglich.</p>
<p>Solch eine umfassende Reform kann selbstverständlich nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Doch die Pläne der Bundesregierung sehen nicht einmal die Möglichkeit einer Verpflichtung für alle vor. Hier könnte ein rechtlicher Mechanismus geschaffen werden, der dies ab einem gewissen Fortschritt in puncto Gleichberechtigung ermöglicht. Dies könnte auch stufenweise geschehen. Die aktuelle Dienstdauer könnte im Rahmen einer Reform für Frauen gelten, während die Verlängerung für Frauen zu einem späteren Zeitpunkt, mit mehr Gerechtigkeit, vollzogen wird.</p>
<h3><b>Die Zukunft des Wehrdienstes</b></h3>
<p>Wann über die Reform abgestimmt werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Aktuelle Umfragen sehen die Pläne der Regierung im Plus – vor allem die ältere Generation befürwortet sie, aber auch in der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen gibt es eine Mehrheit. Marktforscher betonen jedoch: Würde man nur die 16- und 17-Jährigen befragen, die der Dienst bald direkt betreffen wird, gäbe es wohl eine deutliche Ablehnung.</p>
<p>Fest steht: Angesichts der Lage des Bundesheeres und unseres Sozialsystems müssen wir handeln. Die Regierung verpasst es jedoch, die grundlegenden Systemfehler zu beheben, und verlängert stattdessen nur den Status quo. Ein Dienst für <i>alle</i>, gepaart mit echtem Respekt für die geleistete Arbeit, würde Österreichs in die Jahre gekommenes System endlich an unsere modernen Herausforderungen anpassen – und uns auf eine Stufe mit den nordischen Vorzeigestaaten heben.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ist jung sein heutzutage beschissen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 11:23:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir sind in den 2020ern in unseren Zwanzigern. Zwei überspitzte Perspektiven auf die Erfahrungen einer Generation. Jung, pleite, in Panik von Jonas Krabichler Schon seit Anbeginn der Zeit regen sich&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Wir sind in den 2020ern in unseren Zwanzigern. Zwei überspitzte Perspektiven auf die Erfahrungen einer Generation.</div>
<p><span id="more-22028"></span></p>
<h3>Jung, pleite, in Panik</h3>
<p><em>von Jonas Krabichler</em></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schon seit Anbeginn der Zeit regen sich ältere Generationen über die jungen Menschen auf, häufig wurden junge Menschen als besonders faul dargestellt. Heute ist das nicht anders. Durch Technik ist das Leben zwar komfortabel geworden, aber auf keinen Fall ein Zuckerschlecken. Denn ein Dach über dem Kopf ist unumgänglich. Dieses Dach bittet junge Menschen jedoch immer mehr an die Kassa. Viele junge Erwachsene haben den Traum, unabhängig zu sein und eigenständig zu wohnen. Exorbitante Mietpreise zerschmettern diesen Traum oft sofort bei der ersten Google-Suche von „Wohnungen in meiner Nähe“. Dann halt lieber doch Hotel Mama.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sollte man es doch wagen, aus dem Hotel Mama auszuchecken und ein Studium anzustreben, sieht man sich nach Abschluss mit einem neuen Problem konfrontiert – dem Arbeitsmarkt. Mittlerweile ist es schon ein Erfolg, wenn eine Absage im Posteingang eintrifft, denn oft muss man sich mit Funkstille zufriedengeben. Schafft man es sogar, früher oder später in die Arbeitswelt einzutauchen, schwebt das Damoklesschwert der KI ständig über der eigenen Tätigkeit. Besonders Büroberufe können leicht ersetzt werden. Damit ist die berufliche Perspektive vieler junger Menschen ungewiss. Dazu kommt die prekäre Weltlage: Überall gibt es Konflikte, die Kriege in der Ukraine und in Gaza scheinen nicht enden zu wollen. Und das alles wird von Algorithmen täglich ins Rampenlicht gestellt. Genau die gleichen Algorithmen führen sogar dazu, dass unsere Gehirne nur mehr Informationen in Intervallen von 30 Sekunden (am besten weniger) aufnehmen können. All dies führt zu einer deutlich größeren Präsenz von psychischen Erkrankungen, auch die Covid-19-Pandemie spielt eine Rolle. Damit lässt sich sagen, dass das Aufwachsen zwar komfortabler geworden ist, viele andere Faktoren machen das Jungsein aber definitiv nicht zum Luxus, den so mancher sieht.</span></p>
<h3><br style="font-weight: 400;" />Jung, digital, gutaussehend</h3>
<p><em>von Katharina Isser</em></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Jung sein ist geil. „Noch immer?“, ruft jemand aus dem Publikum und murmelt, plötzlich schüchtern geworden, hinter seinem Performative-Male-Schnauzer irgendetwas von Klimakrise, Lebenserhaltungskosten und stetig sinkenden Zahlen an sexueller Aktivität, was ich aber nicht so genau verstehe, weil ich mir seit Jahren mit geräuschunterdrückenden In-Ear-Kopfhörern die Haarsinneszellen im Innenohr weg fetze. „Gerade jetzt!“, antworte ich, Pressesprecherin der letzten Hoffnungsvollen. Hört mein Plädoyer. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich bin 2025 eine Frau Mitte zwanzig. Vor 50 Jahren wäre ich vermutlich schon verheiratet gewesen, vor 100 bereits bei der Entbindung meines dritten Kindes verstorben. Im Vergleich dazu bin ich richtig frei. Vielleicht gibt es ein paar große Krisen, aber wann gab es die denn nicht? Meine Eltern lagen im Kalten Krieg wach aus Angst vor der Atombombe, meine Großeltern wurden in eine Diktatur geboren. Da lob ich mir die Gegenwart.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch nie hatte eine Generation so viel Spaß wie wir! Das Studium ist geschenkt, seit ChatGPT unsere Pflichtlektüre zusammenfasst und unsere Arbeiten schreibt. Die gewonnene Zeit verbringe ich auf Netflix/Prime/Disney+/Hulu/Mubi/Tubu/Poopy und kann, wenn’s fad ist, dank autogenerierter Untertitel sogar ein bisserl durch stummgeschaltete Reels scrollen, ohne Dialog im Film zu verpassen. Sofort nach dem Abspann kommt die eigentliche Viewing-Experience: Edits vom Hauptcharakter auf TikTok anschauen („a man, a man, a ma-a-a-an“). Repost!</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Manchmal wage ich mich Freitag abends auch ins echte Leben. Dann fällt mir ein, dass mir jedes meiner Hinge-Matches „in the wild“ begegnen könnte, und ich lege ich noch einmal eine Extra-Schicht Makeup auf, vorbeugend gegen etwaige „Catfish-Allegations“. (Am Ende verliere ich sonst einen loyalen Story-Liker…) Zum Glück sind die Clubs aber eh leer. Und ich bin auch dankbar, dass die Spritzer sechs Euro kosten. Denn laut wissenschaftlichen Studien, über die Journalisten Artikel schreiben, die sie in Instagram-Posts verwandeln, deren Schlagzeile ich dann lese, gibt es eh keine unbedenklichen Mengen Alkohol. Die Gen Z trinkt weniger als vorherige Generationen, bestätigt Time Magazine. Wir wissen eben, wie man sich verantwortungsvoll vergnügt.</span></p>
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		<title>Piste nur für Touristen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 13:50:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lokal]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Skisport wird immer mehr zum Luxus. In den letzten Jahren sind die Preise für Skipässe rasant angestiegen. Früher konnten Einheimische diese zu billigeren Preisen erwerben, heute nicht mehr. Gepaart&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der Skisport wird immer mehr zum Luxus. In den letzten Jahren sind die Preise für Skipässe rasant angestiegen. Früher konnten Einheimische diese zu billigeren Preisen erwerben, heute nicht mehr. Gepaart mit den negativen Folgen des Tourismus ist dies für viele höchst problematisch.</div>
<p><span id="more-21980"></span></p>
<p>Es ist Samstagmorgen im Dezember. Wie jeden Wintertag tummeln sich Massen an Skifahrern an der Talstation der Galzigbahn in St. Anton am Arlberg. Wer mit den Bahnen fahren will, benötigt natürlich einen Skipass. Dieser kostet für Ski Arlberg satte 81,50 Euro pro Tag. Damit ist St. Anton jedoch kein Einzelfall: Andere bekannte Skiorte wie Sölden, Hintertux oder Kitzbühel weichen nur wenige Euro von diesem Preis ab.</p>
<p>Auch kleinere Skigebiete wie etwa das Rangger Köpfl oder der Hochzeiger verlangen für eine Tageskarte 47 bzw. 63 Euro. Mehrtagestickets lohnen sich erst ab vielen Tagen, etwa vier bis sechs Tage. Für Menschen, die sich einen Skiurlaub in Tirol leisten können, stellt dies kein großes Hindernis dar. Für Gelegenheitsskifahrer oder ärmere Personen jedoch schon.</p>
<h2>Unleistbare Grundpreise, teure Lebensmittel und kein Vorankommen auf Tirols Straßen</h2>
<p>Etwa 17,5 Prozent des Tiroler Bruttoinlandsprodukts sind dem Tourismus zu verdanken. Wer es schafft, von diesem Kuchen ein Stück abzuschneiden, kann komfortabel leben. Alle anderen spüren die negativen Seiten des Massentourismus der Alpen.</p>
<p>Skiorte liegen meist ländlich in Tälern. Hier ist der Platz naturgemäß begrenzt. Das führt zu exorbitanten Preisen für Grundstücke und Immobilien. Ein Blick auf die Grundstückspreise in Österreich zeigt, dass viele Skiorte gleich teuer oder sogar noch teurer als Städte sind. Die beiden Gemeinden mit den höchsten Grundstückspreisen in der gesamten Republik sind Reith bei Kitzbühel sowie die Stadt Kitzbühel selbst. Beide Orte sind klassische Tourismusgebiete. In Reith kostet ein Quadratmeter Baugrund 2666 Euro, 21,5-mal so teuer wie der österreichische Durchschnitt. Wer dort ein freistehendes Haus auf einem 600-Quadratmeter-Grundstück errichten will, zahlt allein für den Grund fast 1,6 Millionen Euro. Für den österreichischen Medianverdiener (66 578 Euro pro Jahr) ist ein Hausbau in Tourismusgemeinden nicht leistbar, ohne Schulden für das restliche Leben aufzunehmen.</p>
<p>Die immensen Preise für Anwohner durch Tourismus lassen sich auch an anderen Ecken bemerken. Lebensmittel sind in Tirol oft deutlich teurer als in anderen Regionen: Markenlebensmittel zum Beispiel kosten in Tirol um bis zu 234 Prozent mehr als in Deutschland. Auch andere Lebenshaltungskosten wie Mieten sind in Tirol, insbesondere in den Tourismusorten, deutlich höher als anderswo in Österreich.</p>
<p>Wer schon einmal im Sommer oder Winter an einem Samstag das Pech hatte, über den Fernpass fahren zu müssen, weiß, dass die Passstraße an manchen Tagen ein massives Nadelöhr der alpinen Überquerung darstellt. Andere Straßen, wie etwa der Brettfalltunnel, der ins Zillertal führt, oder der Zirler Berg, stoßen oft an die Grenzen der Kapazität – zum Leidwesen der Anwohner. Wenn auch noch Abfahrverbote wie im Wipptal ignoriert werden, können die Orte oft gar nicht mehr effektiv erreicht werden. Bei Notfällen ist dies höchst kritisch.</p>
<h2>Alternative Tarifoptionen</h2>
<p>Mit all diesen Auswirkungen müssen die Bewohner Tirols und speziell die von Tourismusorten klarkommen. Wer vom Tourismus selbst nicht lebt, spürt die Schattenseiten deutlich. Dass das Skifahren mittlerweile äußerst kostspielig ist, ist für viele Einheimische ein Problem. Dennoch ist der Skisport für viele unabdingbar und in Österreich ganz klar der beliebteste Wintersport.</p>
<p>Wer häufiger auf den Skipisten fährt, kauft sich Saisontickets oder regionale Multisporttickets wie die Regiocard oder das Freizeitticket. Damit öffnen sich die Türen für gleich mehrere Skigebiete und andere Freizeitorte wie Schwimmbäder im Sommer, alles gratis nach einer Einmalzahlung. Diese Einmalzahlung ist alles andere als günstig – 700 Euro aufwärts, wer erst später zugreift, zahlt mehr. Dass so viel Geld für ärmere Familien nicht im Budget ist, ist klar. Auch ist es offensichtlich, dass jede/r, der/die nur gelegentlich Wintersport betreiben will, kein 700-Euro-Ticket kaufen wird.</p>
<p>Genau für diese Gruppe boten Skigebiete früher verbilligte Tickets an, die Vergünstigungen wurden als „Einheimischenpreise“ bekannt. Die genaue Vorgehensweise war von Ort zu Ort unterschiedlich, jedoch konnten Personen mit Hauptwohnsitz in dem Skiort oder in Tirol Liftkarten zu günstigeren Preisen erwerben. Wer aktuell ohne Gästekarte in Serfaus-Fiss-Ladis einen Tagespass erwerben möchte, muss 65 Euro zahlen. Noch 2023 konnten Einheimische hingegen Tageskarten für 40 Euro erwerben, am sogenannten „Tiroler Tag“ des Skigebietes waren diese sogar für nur 33 Euro erhältlich für alle Personen mit Hauptwohnsitz in Tirol. Serfaus war kein Einzelfall: Im gesamten Land gab es ähnliche Rabatte, mit denen Anwohner die Lifte billiger nutzen konnten.</p>
<h2>Das Ende der Einheimischenpreise</h2>
<p>Die Betonung liegt auf <i>konnten</i>. Die Einheimischenpreise gibt es seit 2024 nicht mehr. Der Grund ist eine Klage des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Denn laut dem EU-Recht sind Vergünstigungen für Ortsansässige verboten. Für die EU sind solche Tarife diskriminierend, da sie manche Unionsbürger benachteiligen. Der gezahlte Preis darf nicht von der Herkunft abhängen.</p>
<p>Als bekannt wurde, dass durch die Klage des <i>österreichischen</i> VKI die Einheimischenpreise Geschichte sein würden, ging eine Entrüstungswelle durchs Land. Ausgerechnet ein österreichischer Verein hat die Vergünstigungen eliminiert. So verschwanden also ab der Wintersaison 2024/25 die Einheimischentarife.</p>
<p>Der Tourismus in Tirol wäre jedoch nie so weit gekommen, wenn die Tiroler bei jedem Problem den Kopf hängen gelassen hätten. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. So grübelten manche Touristiker seit jener verhängnisvollen Klage intensiv und ließen sich einige Ideen einfallen: Wer etwa einen Liefervertrag mit einheimischen Energielieferanten oder eine Mitgliedschaft in lokalen Vereinen an der Kassa aufweisen kann, zahlt weniger.</p>
<div id="attachment_21982" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21982" decoding="async" class="wp-image-21982 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/1000006015-e1768772351397-1024x799.png" alt="" width="1024" height="799" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/1000006015-e1768772351397-1024x799.png 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/1000006015-e1768772351397-300x234.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/1000006015-e1768772351397-768x599.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/1000006015-e1768772351397-585x457.png 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/1000006015-e1768772351397.png 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-21982" class="wp-caption-text">Illustration: Andreas Strobl</p></div>
<h2>Potenziell problematisches „Comeback“</h2>
<p>Solche Übergangslösungen könnten in Zukunft jedoch nicht mehr nötig sein. Nachdem aus dem Alpenraum ein ganzes Jahr lang harte Kritik Richtung Brüssel gehagelt war, signalisierte die EU eine mögliche Reform des Diskriminierungsverbots. Der dafür zuständige EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas meinte, dass Einheimischenpreise in bestimmten Regionen möglich gemacht werden sollten. Der Grieche spricht sich allgemein für nachhaltigen Tourismus aus: Dass Einheimische sich das Skifahren leisten können, ist für ihn Teil davon. Laut ihm sollen alle Menschen zwölf Monate im Jahr Zugang zu Tourismus haben können. Damit könnte es schon bald wieder offizielle Vergünstigungen für Einheimische geben, diesmal sogar mit offiziellem Segen der EU.</p>
<p>Doch ist die mögliche Wiedereinführung dieser Preise fair oder überhaupt sinnvoll? Denn dadurch könnte die Büchse der Pandora geöffnet werden – warum gibt es extra Rabatte für Einheimische bei Skiliften, bei Museen, Freizeitparks oder ähnlichen Einrichtungen aber oft nicht?</p>
<p>Dazu kommt die Frage: Wer ist überhaupt ein Einheimischer? Ist das eine Person aus dem Ort, wo der Lift steht, aus Tirol oder generell aus Österreich? Viele Skiorte, wie etwa Fieberbrunn, liegen viel näher an anderen Bundesländern: Würden dort die zehn Kilometer entfernten Salzburger keine Rabatte bekommen, die 19-mal so weit entfernten Tiroler aus Galtür aber schon?</p>
<h2>Tourismus ohne Anwohner?</h2>
<p>All dies sind legitime Kritikpunkte, jedoch sollten die Auswirkungen für Anwohner in Tourismusgebieten nicht vergessen werden. Die USA haben die Preise von Nationalparks-Eintritten für ausländische Touristen massiv erhöht – sehr zur Entrüstung vieler Europäer. Jedoch gilt auf der anderen Seite des Atlantiks das gleiche Prinzip. Viele Nationalparks und die anliegenden Orte sind komplett überlaufen. Die Preise in den USA sind ohnehin astronomisch, in den Tourismusorten sind sie in einer anderen Galaxie. Auch hier ist es wichtig, dass die lokale Bevölkerung zumindest Zugang zu den sehenswerten Parks erhält.</p>
<p>Gleiches gilt in Tirol und auch ganz Österreich: Das Skifahren selbst bleibt die einzige positive Seite der Liftanlagen für viele Bewohner. Die hohen Preise, der Lärm der Après-Ski-Bars und der Verkehr im Heimatort lassen sich zumindest besser ertragen, wenn man wenigstens den Skisport ausüben kann. Ohne lokale Sportler verliert der Skisport seinen Charakter und die Lifte verkommen zu einem Monument des Massentourismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„Wenn Sie ChatGPT benutzen, arbeiten Sie gegen Ihre eigene selbstbestimmte Zukunft“ – Dr. Oliver Leistert im Gespräch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 11:52:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit moderner künstlicher Intelligenz kann man sich in nur wenigen Sekunden einen Absatz oder sogar eine ganze Seminararbeit generieren lassen. Dies mag uns zwar ein paar Stunden Aufwand ersparen, hat&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Mit moderner künstlicher Intelligenz kann man sich in nur wenigen Sekunden einen Absatz oder sogar eine ganze Seminararbeit generieren lassen. Dies mag uns zwar ein paar Stunden Aufwand ersparen, hat aber auch weitreichende Konsequenzen, wie Dr. Oliver Leistert vom Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation im Interview erklärt.</div>
<p><span id="more-21919"></span></p>
<p>Vor etwa drei Jahren wurde ChatGPT für uns alle verfügbar. Die Technologie hat seitdem die Bildung maßgeblich verändert.</p>
<p>Der Begriff <em>künstliche Intelligenz </em>ist sehr breit. KIs gibt es schon seit längerem: <em>Deep Blue</em>, der Schachcomputer, der 1997 den damaligen Weltmeister Garri Kasparow besiegte, war eine frühe Form der künstlichen Intelligenz. ChatGPT hingegen ist eine fortgeschrittene Form: Es ist eine generative KI, genauer gesagt ein <em>Large Language Model</em> (LLM). Diese Art der künstlichen Intelligenz kann auf statistischer Basis Inhalte wie Texte, Bilder oder Videos generieren. Ein LLM verarbeitet gigantische Datenmengen, die dazu benutzt werden, menschliche Sprache zu imitieren.</p>
<p>Durch diese Modelle können auf Fragen Antworten generiert werden. Dies kann Menschen Arbeit und Zeit ersparen, hat aber noch weitreichende Konsequenzen, wie Dr. Oliver Leistert schildert. Dr. Leistert arbeitet am Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation der Universität Innsbruck mit Fokus auf Mediendynamiken und gesellschaftlichen Wandel. Leistert befasst sich mit Künstlicher Intelligenz als Medientechnologie im Kontext des Klimawandels. Über einige Auswirkungen generativer KI auf den Alltag an Universitäten spricht er im Interview.</p>
<div id="attachment_21920" style="width: 261px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21920" decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-21920" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/Oliver_Leistert.jpg" alt="" width="251" height="378" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/Oliver_Leistert.jpg 576w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/Oliver_Leistert-200x300.jpg 200w" sizes="(max-width: 251px) 100vw, 251px" /><p id="caption-attachment-21920" class="wp-caption-text">Foto: Dr. Oliver Leistert  (Quelle: Universität Innsbruck)</p></div>
<p><strong>UNIpress: Herr Leistert, haben ChatGPT und andere generative KIs großen Einfluss auf das Studieren? Wie genau beeinflussen diese Modelle den Universitätsalltag?</strong></p>
<p>Oliver Leistert: Auf sehr vielen Ebenen. Und ich würde sogar sagen, die Universität und die Hochschulausbildung als Ganzes stecken deshalb in einer Krise. Die generative KI ist auf uns alle hereingebrochen, ohne dass wir darauf vorbereitet waren. ChatGPT ist solch eine KI, genauer gesagt eine LLM. Für KIs im Gesamten mag es sinnvolle Anwendungsbereiche geben – ChatGPT ist aber in vielerlei Hinsicht ein problematisches Tool.</p>
<p>LLMs sind die ersten Maschinen, die uns Menschen in einem Bereich begegnen, der urmenschlich ist – nämlich dem der Sprache. Bis LLMs kamen, dachten wir, wir wären allein mit unserer Sprache. Es war unser Alleinstellungsmerkmal. Darum fällt es uns so schwer, einen Chatbot durchgängig als Maschine zu behandeln. Es handelt sich jedoch um kein emotionales Gegenüber. Wir anthropomorphisieren Chatbots andauernd. Das ist ein Symptom dafür, dass wir nicht in der Lage sind, sie als Maschinen zu begreifen. Genau darin liegt die Mächtigkeit von ChatGPT. Die KI tut so, als wäre sie Teil einer menschlichen Kommunikation. Es ist aber keine Kommunikation, vielmehr eine Art Interaktion.</p>
<p>ChatGPT ist nur eine Wahrscheinlichkeitsmaschine. Die KI gibt die wahrscheinlichste Antwort aus, die vielleicht Sinn macht, ohne dass der Chatbot versteht, ob es Sinn macht. Dieser Output ist dann oft falsch, oder häufiger ist er <em>just good enough</em>.</p>
<p>Andererseits ist ChatGPT auch ein Überwachungstool. Viele wissen das nicht einmal. Sie haben sehr viele, persönliche Interaktionen mit Bots, die als Daten weiterverarbeitet werden. Sie trainieren umsonst die Maschinen, deren Wissen sowieso bereits überwiegend aus geklauten Inhalten besteht. So machen Menschen umsonst die Arbeit für milliardenschwere Unternehmen. Übrigens inzwischen auch mit Postings auf z.B. Instagram.</p>
<p><strong>Welche legitimen Verwendungszwecke für generative KI sehen Sie?</strong></p>
<p>Mir fällt erstmal keiner ein. Eine große Sorge von mir ist <em>cognitive offloading</em>. Das eigene Denken wird an die Maschine übertragen. Die Basis des akademischen Arbeitens wird in einen Input-Output-Prozess verwandelt. In dem Moment, wo wir ChatGPT verwenden, widersprechen wir akademischen Grundprinzipien. Zum einen sind korrekte Quellenangaben eine Basis. ChatGPT verwürfelt diese und spuckt teilweise falsche und erfundene Quellenangaben aus. Das ist ein Hinweis, dass dieses Tool einfach nicht zur strukturierten Hochschulausbildung passt. Wenn man ChatGPT verwendet, muss man ChatGPT im nächsten Schritt stets kontrollieren. Zusätzlich ist der Output auch oft flach. Sätze schließen aneinander an, ohne dass es einen inhaltlichen Anschluss gibt. Beim Studieren geht es ja auch darum, mit Sprache genau und analytisch umzugehen. Hier ist ChatGPT gar keine Hilfe.</p>
<p>Meine Sorge ist, dass das Einwandern von ChatGPT in den Unialltag nur negative Folgen für das Verständnis wissenschaftlichen Arbeitens hat. Dazu kommt, dass KI ein fataler Klimakiller ist. Auch die Datensicherheit spielt eine Rolle. Ich würde allen Studierenden raten, soweit es geht, darauf zu verzichten. Es muss auf jeden Fall möglich sein, keine KI zu nutzen. An US-Unis ist das kaum mehr möglich, dort kommt man nicht mehr drum herum. Es muss aber möglich sein, dass die Studierenden zu KI auch <em>N</em>ein sagen können. Dies müssen Universitäten garantieren.</p>
<p><strong>Gibt es noch mehr Gründe, warum die Verwendung von generativer KI im Studienalltag problematisch sein kann?</strong></p>
<p>Es gibt noch mehr negative Aspekte, zum Beispiel Dialekte. Wer kein Hochdeutsch beziehungsweise „Hochenglisch“ spricht, wird von ChatGPT benachteiligt. Die KI gibt Menschen, die Dialekt sprechen, viel schlechtere Antworten aus. Hier steckt eine Art Sprachenimperialismus dahinter.</p>
<p>Die möglichen Abhängigkeiten sind auch problematisch. Wenn ChatGPT zum Alltag wird, entstehen unabsehbare Folgen. Wir alle befinden uns aktuell in einem Freiluftexperiment. Was sich durch Corona und der daraus folgenden gesellschaftlichen Polarisierung, am sichtbarsten in der toxischen Social-Media-Welt, ereignete, kann durch KI zu einem neuen Exzess werden: Die Fähigkeit, miteinander kritisch zu sprechen, das Vermögen, sachliche und persönliche Kritik unterscheiden zu können, wird durch KI, das befürchte ich, geschwächt.</p>
<p><strong>Es gibt auch das bekannte Beispiel, wo KIs behaupten, dass etwa im Wort <em>Berlin</em> zwei Ns sind oder in <em>Strawberry</em> vier Rs.</strong></p>
<p>Genau. Wir haben hier auch eine Verunsicherungsmaschine vor uns. Wir gleiten durch sie immer auch in faktenlose Parallelwelten ab.</p>
<p>Dazu kommt noch der Bias jeder KI. Es ist nicht möglich, eine KI ohne Bias zu entwickeln. Er muss nicht einmal politisch sein. Der Bias ist oft viel grundsätzlicher. Man sitzt einer Maschine gegenüber, die nur eine statistische „Persönlichkeit“ ist. Sie gibt als Antwort unstrukturierte Texte, die keine echte Persönlichkeit mit Stringenz verfasst hat. Sie sind vielmehr ein Echo aus vielen Stimmen. Wie ein Durchschnitt, den es im Realen aber nicht gibt.</p>
<p><strong>Welche Maßnahmen können Universitäten umsetzen, um generativen KIs entgegenzuwirken?</strong></p>
<p>Viele – wenn dies von der Universität überhaupt gewünscht ist. Die Uni Innsbruck sucht hier einen Mittelweg. Es heißt immer, dass man sich vor dem Neuen nicht verschließen darf und Innovation in die Arbeitsprozesse einbauen sollte. Oft kommt das Argument, die Uni dürfe es nicht verbieten, um keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden. Hier widerspreche ich aber. Das Schreiben von Prompts kann man sich selbst aneignen. Unsere Aufgabe als Lehrende ist es jedoch, die Studierenden in die Lage zu bringen, eine Art von Metawissen zu haben und somit kritisches Reflexionsvermögen zu vermitteln, das in reflexive Praxen mündet. Die Verlockung der anderen Seite ist die Rationalisierung – Prozesse abzukürzen, die aber notwendig sind für die akademische Arbeit. Es kann nicht die Aufgabe der Unis sein, den Studierenden zu beizubringen, wie sie nicht mehr selber denken.</p>
<p><strong>Wie effektiv sind diese Maßnahmen?</strong></p>
<p>Es gibt viele Perspektiven. Wenn ich mit Studierenden spreche, sehe ich, dass ein bisschen Wissen vorhanden ist. Jedoch sind die negativen Seiten, wie etwa der Ressourcenverbrauch von Rechenzentren, nicht so weit bekannt. Die eigentlichen Probleme wie der Klimawandel bekommen weniger Aufmerksamkeit, denn es kommt plötzlich diese KI herein. Es wäre wichtig zu vermitteln, dass es keinen Wettbewerbsvorteil gibt, wenn man ChatGPT verwendet. Es muss erkannt werden, dass die Verwendung von generativer KI im Studium <em>in the long run</em> nicht viel bringt.</p>
<p><strong>Was sagen Sie zu KI-Scannern bzw. KI-Detektoren, die eine Prozentzahl angeben, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Dokument KI-generiert wurde?</strong></p>
<p>Soweit ich weiß, sind diese nicht rechtlich verbindlich, es ist nur eine Wahrscheinlichkeit, die da ausgedrückt wird. Mein Eindruck ist – das mag sich vielleicht in ein paar Jahren ändern –, dass man Texte, die durch KI ausgespuckt worden sind, juristisch sicher noch nicht klar als solche kennzeichnen kann. In der Lektüre fällt dies meistens auf.</p>
<p><strong>Studierende verwenden KI hauptsächlich als Ergänzung. ChatGPT wird so zum persönlichen Tutor. Warum wird KI hier so häufig angewendet?</strong></p>
<p>Das vermeintlich Magische daran ist, dass man eine KI alles fragen kann und immer eine Antwort bekommt. Ich könnte KI viel ernster nehmen, wenn sie manchmal sagen würde, dass sie etwas nicht weiß. Die KI ist kein Geschenk des Himmels, sondern ein ökonomisches Produkt. Das Ziel ist es, die Nutzungszeit zu maximieren, darum muss immer eine Antwort ausgegeben werden, egal wie hilfreich diese ist.</p>
<p><strong>Wie kann künstliche Intelligenz von Lehrenden in der Lehre verwendet werden?</strong></p>
<p>Die wichtigste Aufgabe des wissenschaftlichen Personals sollte sein, die Studierenden in ein kritisches Verhältnis zu setzen. Nur erklären, dass manchmal was Falsches herauskommt, ist zu wenig. Man sollte schildern, wie uns diese Technologie aufgedrückt wird. Ein Beispiel wäre die forcierte Integration von Copilot in Microsoft-Produkten. Man muss erkennen, dass ein Projekt dahinter steht, das unser Vermögen, selbständig zu denken, einschränkt. Es gibt ganze Jobsparten, die eigentlich dicht machen können, wie Übersetzer, Video- und Grafikbereich und <em>Creative Industries</em>.</p>
<p><strong>Kunst auch?</strong></p>
<p>Das würde ich ausklammern. LLMs sind angetreten, um zu <em>deskillen</em>. Die Gefahr besteht, dass Menschen nur noch da sind, um die KI zu kontrollieren. Ich verstehe diese Angst von Studierenden sehr. Darum sollten wir an Unis nicht lehren, wie man Prompts schreibt, sondern wie wir mit Technologien umgehen. Auch mit denen, die noch kommen werden. Um generative KI in der Lehre einbauen zu können, braucht es einen guten Grund. Bei einem Vortrag über LLMs ist es sinnvoll, ChatGPT einzubauen und auch vorzuführen. Es ist aber meiner Einschätzung nach kein grundlegendes Tool, das man immer verwenden kann.</p>
<p><strong>Was sind die Implikationen der heutigen Verwendung von KI, wenn Studierende in die Arbeitswelt eintauchen?</strong></p>
<p>Darüber habe ich schon ein bisschen geredet. Es ist aber noch nicht ganz abzusehen. Das <em>Deskilling</em> führt zu einer größeren Austauschbarkeit der Arbeitnehmer:innen und zu mehr Konkurrenzdruck untereinander. Für lohnabhängig Beschäftigte werden LLMs wenig Positives beitragen können. Negatives jedoch schon: mehr Überwachung und Kontrolle des Arbeitsplatzes. Das Management gewinnt so an Macht, es muss aber selbst Angst haben, <em>deskilled</em> oder wegrationalisiert zu werden. Im Allgemeinen wird sich das Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern verschärfen. Wir verlieren viel praktisches Wissen, das Arbeitnehmer:innen noch haben. Es gibt Verlust von altem Wissen und Praktiken.</p>
<p><strong>Wie sieht die Zukunft der generativen KI im Universitätsalltag aus?</strong></p>
<p>Das weiß ich nicht. LLMs stellen im Bereich der Forschung ein unfassbar großes Problem dar. Es gibt bereits sehr peinliche Fälle bei einigen wissenschaftlichen Journals, die KI-generierte Papers publizieren, obwohl sie sogar inhaltlich falsch waren. Die Bedrohung ist riesig, dass die Integrität von Forschung und Lehre ausgehöhlt wird.</p>
<p>Die Existenz der KIs ist auch eine Wette, da KI-Plattformen aktuell mehr ausgeben, als sie einnehmen. Die Grenzen für die Mega-Pläne des Ausbaus sind nicht mehr, dass es nicht genügend Chips gibt. Es gibt nicht mal genug Strom. Stromnetze sind komplett überlastet, und Strompreise steigen dadurch auch für die Endverbraucher. Es gibt so viele irre Aspekte, die man im Kopf haben muss, um zu verstehen, dass diese Technologie nicht das hält, was sie verspricht, und in vielerlei Hinsicht sehr verantwortungslos von ihren Betreibern auf uns losgelassen wurde. Sie verschärft den Klimawandel, löst ihn nicht. Man sollte eine wache Skepsis haben, gerade weil Strom zur Transition in die fossilfreie Zukunft benötigt wird. Deshalb würde ich diese Maschinen nur sehr reflektiert nutzen.</p>
<p>Um es kurz zu fassen: Wenn Sie ChatGPT benutzen, arbeiten Sie gegen Ihre eigene selbstbestimmte Zukunft.</p>
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		<title>Wie wir aus der Berichterstattung zum Amoklauf in Graz lernen können</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2025 10:30:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der schreckliche Amoklauf von Graz hat viele Menschen bewegt und zog eine intensive mediale Berichterstattung nach sich. Die Auseinandersetzung der Medien mit dem Ereignis – vor allem der Fokus auf&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der schreckliche Amoklauf von Graz hat viele Menschen bewegt und zog eine intensive mediale Berichterstattung nach sich. Die Auseinandersetzung der Medien mit dem Ereignis – vor allem der Fokus auf den Täter – war jedoch oft reißerisch und respektlos. Wie wir mit Schreckenstaten umgehen, muss sich ändern.</div>
<p><span id="more-21694"></span></p>
<p>Vor etwa einem Monat, am 10. Juni, wurde Graz und ganz Österreich von einer unfassbaren Tragödie erschüttert. Bei einem Amoklauf an einer Schule wurden zehn unschuldige Menschen getötet, der Täter erschoss sich selbst. Solch schreckliche Tragödien bewegen Menschen, und was Menschen bewegt, spiegelt sich in den Medien wider. Doch der mediale Umgang mit dem Amoklauf war oft respektlos und gefährlich. Wir alle hoffen, dass solch eine Tragödie nie wieder geschieht. Sollte es trotzdem passieren, muss die Berichterstattung komplett anders aussehen.</p>
<h3>Die Probleme der Berichterstattung über Graz</h3>
<p>Nur kurze Zeit nach dem schrecklichen Amoklauf konnte man in den Medien schon erste Berichte lesen, die Fotos oder Videos der Ereignisse zeigen, oft hinterlegt mit dramatischer Musik. Zu sehen waren Schüler und Schülerinnen, die ins Freie flüchteten, Schüsse in Klassenzimmern oder Verletzte, die in Notarzthubschrauber verladen wurden.  Auch wenn dabei keine Personen aus nächster Nähe gezeigt wurden: Solche Aufnahmen hätten nicht veröffentlicht werden dürfen. Denn die abgebildeten Menschen durchlebten gerade den vielleicht schlimmsten Moment ihres Lebens. Insbesondere Menschen, die schwer oder lebensbedrohlich verletzt sind, brauchen Schutz. Dazu zählen auch ihre Persönlichkeitsrechte. Sie zu zeigen, hat keinen Informationswert. Stattdessen wird die Leserschaft zu Gaffern gemacht.</p>
<p>Hinzu kommt, dass oft die Gegenwartsform verwendet wurde. Überschriften wie etwa „Video zeigt, wie Jugendliche um ihr Leben rennen“ suggerieren, dass die Ereignisse im Hier und Jetzt stattfinden und die betroffenen Personen noch in Gefahr sind, was Angst auslösen kann – auch wenn die Leserinnen und Leser rational wissen, dass das Ereignis vorüber ist.</p>
<p>Ein weiteres Problem: In den ersten Tagen wurde viel über den Ablauf der Tat und den Täter sowie seine Motive spekuliert. Dies führte zu vielen Falschmeldungen. Auch wenn Medien diese irgendwann berichtigen: Die späteren Korrekturen werden oft nicht mehr gelesen.</p>
<p>So wurde ein Mann aus der Südweststeiermark, der aus Zufall den gleichen Vornamen sowie den Anfangsbuchstaben des Nachnamens hat, wurde deshalb online sowie telefonisch beleidigt und bedroht. Sogar seine Familie war Opfer verstörender Nachrichten, er selbst erhielt Morddrohungen. Dies zeigt die negativen Auswirkungen von Meldungen, die Schnelligkeit statt Richtigkeit priorisieren.</p>
<h3>Die Gefahr der Heroisierung</h3>
<p>Schreckliche Gewalttaten kommen oft plötzlich und unerwartet. Das unfassbare Leid, das durch einen einzigen Menschen ausgelöst werden kann, ist unbegreiflich. Genau diese Punkte beschäftigen die Öffentlichkeit.  Antworten suchen viele in der Beschäftigung mit dem Täter. Entsprechende Spekulationen wurden von den Medien schon in den ersten Tagen nach der Tragödie in Graz aufgegriffen.</p>
<p>Intensive Berichterstattung über den Täter bringt allerdings einige negative Konsequenzen mit sich. Der Täter wird in den Mittelpunkt gestellt und erlangt so Ruhm und Bekanntheit.  Dadurch werden Täter zu einem gewissen Maß validiert. Zudem werden Täter durch die mediale Aufmerksamkeit als etwas Außerordentliches dargestellt. Ihr Leben wird auf das kleinste Detail untersucht, um Unterschiede zur breiten Gesellschaft offenzulegen. Die Informationen können für Menschen, die sich in ähnlichen Situationen wie der Täter befinden, Identifikationsmaterial bringen. Dies kann zur Folge haben, dass der Täter als Vorbild dient, und so weitere Schreckenstaten folgen.</p>
<p>Ein Blick in die USA zeigt die Gefahr von Nachahmern. 1999 fand ein „School Shooting“ mit 12 getöteten Personen in Colorado statt, das eine große und landesweite mediale Aufmerksamkeit erlangte. Die beiden Amokläufer wurden zu Vorbildern, unter anderem für einen Amokschützen, der 2007 in Virginia 32 Menschen an seiner Universität tötete. Er drückte vor der Tat aus, das Colorado-Massaker wiederholen zu wollen. Seitdem diente der Amoklauf von Virginia als Inspiration für weitere Täter, manche drohten im Vorfeld, noch mehr Menschen zu töten.</p>
<p>Nicht nur anekdotische Hinweise, sondern auch wissenschaftliche Studien, zum Beispiel durch das amerikanische <i>National Center for Health Research</i>, bestätigen den Nachahmungseffekt. Die <i>American Psychological Association </i>empfiehlt aus diesen Gründen, dass die Namen der Täter nicht veröffentlicht werden sollten, um ihnen den Ruhm zu verwehren.</p>
<p>Durch das intensive Durchleuchten von Amokläufern kann auch eine Täter-Opfer-Umkehr entstehen. Oft wird spekuliert, Mobbing sei der Auslöser für solche Schreckenstaten. Der Amokläufer wird als Opfer und die Tat als eine Art Hilfeschrei oder Racheakt angesehen. Das bestätigen reale Kommentare unter Artikeln oder Videos, die starkes Mitleid mit dem Grazer Amokschützen äußern.</p>
<h3>Das Scheitern der Medien und was wir daraus lernen können</h3>
<p>Die Medien haben mit ihrer Berichterstattung über den schrecklichen Amoklauf von Graz versagt. Damit sind nicht alle Medien der gesamten Republik gemeint, jedoch haben viele der reichweitenstärksten Blätter verstörende Videos von Verletzten gezeigt oder dem Täter Ruhm und somit Validität gewährt. Infolge des Amoklaufs gingen beim österreichischen Presserat 80 Beschwerden ein. Der Presserat kann jedoch nur unverbindliche Empfehlungen geben. Beschäftigt wird sich damit Anfang Juli. Es wurden diesbezüglich noch keine Folgeentscheidungen getroffen.</p>
<p>Der Amoklauf muss politische und mediale Konsequenzen haben, die weitere Schreckenstaten hoffentlich verhindern können. Sollte aber ein weiteres, ähnliches Ereignis in Zukunft auftreten, muss die mediale Berichterstattung anders stattfinden.  Die Grundsätze der Menschenwürde und des Persönlichkeitsschutzes – verankert im Ehrenkodex des Österreichischen Presserats – müssen mehr Beachtung finden: Es sollten keine Fotos oder Videos von Opfern veröffentlicht werden, die ihr Leid für wirtschaftliche Interessen ausnutzen. Schließlich werden auch bei Unfällen keine Fotos oder Videos von Opfern veröffentlicht. Das größere öffentliche Interesse bei Schreckenstaten rechtfertigt Persönlichkeitsrechtsverletzungen nicht.</p>
<p>Ebenfalls sollte auf intensive Berichterstattung über den Täter verzichtet werden. Die amerikanischen Erfahrungen zeigen die negativen Auswirkungen der Täterfokussierung. Amokläufern darf keine öffentliche Bühne gegeben werden, damit sie nicht validiert oder sogar heroisiert werden können, wie Studien belegen. Verschiedene Gruppen wie „Don‘t name them“ setzen sich dafür ein, dass die Namen der Täter nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Solch eine mediale Berichterstattung, die sich nicht auf die Verursacher konzentriert, hilft dabei, dass solche Schreckenstaten nicht erneut geschehen – in Österreich, in den USA und auch weltweit.</p>
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		<title>Wacker Innsbruck: Liebe kennt keine Liga</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 May 2025 13:36:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lokal]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der FC Wacker Innsbruck steht schon seit Jahren im Schatten seiner selbst. Die goldenen Zeiten, als der Verein ein ernstzunehmender Anwärter für die österreichische Meisterschaft war, sind vorbei. Trotz dieser&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der FC Wacker Innsbruck steht schon seit Jahren im Schatten seiner selbst. Die goldenen Zeiten, als der Verein ein ernstzunehmender Anwärter für die österreichische Meisterschaft war, sind vorbei. Trotz dieser Umstände begeistert der Verein auch heute die Tiroler Fans. Diese große Leidenschaft war vor wenigen Wochen besonders im “Tiroler Derby” zu bestaunen.</div>
<p><span id="more-21547"></span></p>
<p>Am 4. April 2025 spielte der FC Wacker Innsbruck gegen den Lokalrivalen, die WSG Tirol. 5.551 Zuschauer bestaunten im Innsbrucker Tivoli-Stadion einen spektakulären 4:2-Heimsieg von Wacker. Klingt nach einem klassischen Bundesliga- oder Zweitligaderby zwischen den beiden historisch bedeutsamsten Tiroler Fußballclubs. Das Problem: Die Partie fand im Rahmen der viertklassigen Regionalliga Tirol statt –und Wacker spielte nicht gegen die Profis der WSG, sondern gegen deren Zweitmannschaft. Wie es dazu kam, ist eine turbulente Geschichte voller Ups und Downs für die „Wackerianer“.</p>
<h3>Eine Odyssee durch die Vereinsgeschichte</h3>
<p>Die Geschichte des Vereins beginnt im Jahr 1913. Oder doch 1915? Dies lässt sich nicht objektiv festlegen: die ersten Statuten des Vereins wurden Ende 1914 eingereicht, im Februar 1915 wurden diese genehmigt. Doch viele Quellen der Nachkriegszeit nennen 1913 als Gründungsjahr – die Gründe dafür bleiben bis heute unklar. Dennoch verbinden viele Innsbrucker 1913 mit der Vereinsgründung und so wird das Jahr vom Verein selbst verwendet.</p>
<p>Nach der Auflösung des Vereins und der Neugründung im Jahr 1923 unter gleichem Namen bewegte sich Wacker in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Richtung der höchsten Spielklasse, der heutigen Bundesliga. 1964 gelang der Aufstieg in die höchste Leistungsstufe, und 1971 konnte der erste Meistertitel gefeiert werden. Nur einen Monat später fusionierte der Verein mit dem nahe gelegenen Club WSG Wattens. Der neue Name lautete in voller Pracht „Spielgemeinschaft Swarovski Wacker Innsbruck – Spielgemeinschaft FC Wacker Innsbruck – Werksportgemeinschaft Wattens“. Die Spielgemeinschaft war in den 1970er Jahren eines der dominantesten Teams in Österreich und konnte 4 weitere Meistertitel in der Dekade erringen. Nach dem Abgang wichtiger Spieler, einem Abstieg in die 2. Liga und starken finanziellen Schwierigkeiten wurde die Spielgemeinschaft 1986 aufgelöst.</p>
<p>Wattens und Innsbruck gingen wieder getrennte Wege. Der neu gegründete FC Swarovski Tirol aus Wattens übernahm die Spiellizenz des alten Vereines und Wacker Innsbruck musste seine Rückkehr aus der 10. Liga starten. Der Verein konnte sich selbst bis in die 6. Liga hochkämpfen, ehe sich Swarovski Tirol trotz des Sieges zweier Meisterschaften auflöste. Wacker übernahm die Lizenz und spielte plötzlich wieder Bundesligafußball. Jedoch war die neue Bundesligazeit sehr begrenzt. Mit Hinblick auf sinkende Zuschauerzahlen und öffentlichen Druck vonseiten des Landes Tirol wurde aus dem FC Wacker Innsbruck ein neuer Verein, der FC Tirol Innsbruck, abgespalten. Wacker spielte erneut im Amateurbereich. 1999 löste sich der Club endgültig auf.</p>
<p>Der „Nachfolgeverein“ FC Tirol konnte die österreichische Meisterschaft 2000, 2001 und 2002 gewinnen, jedoch wurden die Finanzen des Vereines nicht nachhaltig geführt und so häufte sich ein immer größer werdender, nicht aufräumbarer Schuldenberg an. Dieser führte zur Insolvenz und Auflösung des Vereins. Die Fans sehnten sich jedoch nach Profifußball in Tirol. So wurde der FC Wacker Innsbruck 2002 komplett neu gegründet und trat sofort eine weitere Spielgemeinschaft unter dem Namen Wacker Tirol mit Wattens ein, um nicht erneut in der letzten Liga beginnen zu müssen. Die Spielgemeinschaft wurde nach dem schnellen Aufstieg in die 2. Liga wieder aufgelöst. Ein großes Problem war der Vereinsname: Viele Fans identifizierten sich nicht mit dem Namen „Wacker Tirol“, weshalb der Verein 2007 wieder in Wacker Innsbruck umbenannt wurde. Dieser Name sollte sich bis heute bewähren.</p>
<p>Bis 2022 war der Verein ein Fahrstuhlverein, der sich konstant in der Bundesliga oder 2. Liga halten konnte. Im April 2022 wurde dem Verein die Lizenz für den Profifußball nach langjährigem wirtschaftlichem Missmanagement verwehrt. Der FC Wacker Innsbruck musste erneut den Gang in den Amateurfußball antreten – diesmal in die fünftklassige Tiroler Liga.</p>
<h3>Die vielen Insolvenzen des österreichischen Fußballs</h3>
<p>Die turbulente Geschichte des FC Wacker Innsbruck zeigt, dass die aktuellen Entwicklungen nicht neu sind und der Verein schon oft in den Amateurfußball abstürzte und sich wieder bis in den Profifußball hochkämpfen konnte. Damit ist der Verein auch kein Einzelfall. Insolvenzen, Lizenzentzüge, Fusionen und Wiederaufstiege sind ein typisches Muster des österreichischen Fußballs, der durch chronischen Geldmangel geprägt ist. Neben Wacker stürzten viele Traditionsvereine wie Austria Salzburg, der Grazer AK oder der SV Mattersburg in den Amateurbereich ab. Der Fußball in Österreich ist jedoch auch von immenser Fanliebe zu den Vereinen geprägt. Alle der vorher genannten Vereine wurden von den Fans neu gegründet oder weitergeführt und befinden sich auf dem Weg nach oben – der Grazer AK schaffte in der Saison 2023/24 sogar den Wiederaufstieg in die Bundesliga.</p>
<p>Dies ist auch das Ziel des FC Wacker Innsbruck. Trotz der niedrigen Spielklasse, in der sich der Verein derzeit befindet, finden sich in jedem Heimspiel tausende Fans ein. Auch die Anzahl an Fans, die den Verein bei Auswärtsspielen unterstützen, ist beachtlich. So wurden Heimspiele gegen Wacker für kleinere Tiroler Dorfvereine zum Jahreshighlight. Doch auch die Partien, die im Innsbrucker Tivoli-Stadion stattfinden, sind für viele Vereine etwas Besonderes. Durchschnittlich finden sich etwa 2.000 bis 3.000 Fans zu einem Spiel ein. Solche Kulissen sind im Tiroler Amateurfußball außergewöhnlich. Auch der Support der Ultras, den fanatischen Fußballfans, die sich auf Stehplätzen einfinden und ihre Mannschaft das ganze Spiel über mit Gesängen unterstützen, macht jedes Spiel im Tivoli-Stadion zu einem Highlight.</p>
<h3>Eine besondere Partie</h3>
<p>Solch eine besondere Atmosphäre herrschte beim Spiel gegen die WSG Tirol Amateure, wo eine Rekordkulisse von 5.551 Fans vertreten war. Die eng verbundene Geschichte der Vereine macht jedes Spiel der Mannschaften zu einer außergewöhnlichen Auseinandersetzung. In diesem Fall wurde die Partie noch mehr angeheizt, da sich die beiden Teams jeweils auf Platz eins und zwei der Tabelle befanden, und es somit um den Aufstieg in die drittklassige Regionalliga West ging. Auch ist es für Wacker wichtig, die Spiele gegen die WSG zu gewinnen, da sich der Verein aufgrund der Geschichte selbst als <i>den</i> Verein Tirols versteht. Dies ist aktuell zumindest faktisch nicht der Fall, da die WSG Tirol seit 2019 durchgängig in der Bundesliga spielt und damit zweifellos der sportlich relevanteste Tiroler Männerfußballclub ist. Jedoch trumpft Wacker durch Emotionen, und alle zwei Wochen unterstützen bei jedem Heimspiel mehrere Tausend den FC Wacker, egal in welcher Liga er sich befindet.</p>
<p>Zur Freude der Fans dürfte der Verein auch bald eine Rückkehr in den Profibereich feiern. Nach einem Jahr Orientierungslosigkeit nach dem Zwangsabstieg konnte Wacker 2024 die 5. Liga gewinnen. Dieses Jahr konnte der Verein den Titel der 4. Liga erringen und spielt nächste Saison in der drittklassigen Regionalliga West. Das Niveau dort ist deutlich höher als in den unteren Klassen, zumal Wacker in dieser Liga auch gegen Vereine aus Vorarlberg und Salzburg spielen wird. Dennoch geben sich die Innsbrucker zuversichtlich, da der Verein über viele junge Spieler mit Potenzial verfügt. Auch eine strategische Kooperation mit dem amerikanischen Verein Los Angeles FC lässt die „Wackerianer“ träumen. Wie genau die Kooperation im Detail aussieht, ist nicht klar – Wacker-Präsident Hannes Rauch sprach in einem Interview 2024 mit dem 90-Minuten Magazin nur von wirtschaftlichen und sportlichen Aspekten.</p>
<h3>Kein Verein der Seligen</h3>
<p>Der FC Wacker weist auch einen sehr hohen Anteil von Legionären auf. Das sind Spieler, die nicht in ihrem Heimatland aktiv sind. Der Anteil liegt bei 16 von 24 Spielern und somit bei zwei Dritteln. Für eine Amateurmannschaft in der 4. Liga ist das außergewöhnlich. Viele Fans sind jedoch der Meinung, dass eine Amateurmannschaft hauptsächlich lokale Talente ausbilden sollte. Ihnen ist der lokale Bezug sehr wichtig. Dies steht jedoch im Konflikt mit dem Selbstverständnis des Vereins als eine der Größen des österreichischen Fußballs. Ein schneller Wiederaufstieg in die oberen Ligen ist daher wichtig – dabei können Legionäre helfen.</p>
<p>Neben diesem Punkt gibt es auch andere Aspekte, die so mancher am Verein kritisiert. Oft wird hervorgehoben, dass Wacker Innsbruck jahrelang überproportional viele Förderungen des Landes Tirol auf Kosten anderer Vereine in Anspruch genommen hat. Durch die turbulente Geschichte und dem kürzlichen Insolvenzverfahren wirkt der Verein unruhig. Böse Zungen nennen den Verein wegen der Kooperation mit Los Angeles FC auch schmähhaft „FC Hollywood“ – eine Anlehnung an einen Spitznamen des FC Bayern aus den 1990er Jahren, der damals durch massive interne Unruhen geprägt war.</p>
<p>Auch die Insolvenz 2022 ist auch heute noch ein Thema. Von mehr als 130 verschiedenen Gläubigern wurden circa 18 Millionen Euro gefordert, die der Verein nicht bezahlen konnte. Bisher wurden von diesen 2,4 Millionen Euro anerkannt. Der Kreditschutzverband rechnet jedoch damit, dass den Gläubigern ein Totalausfall entstehen wird – es konnten seit der Eröffnung des Verfahrens vor drei Jahren keine relevanten Beträge einbringlich gemacht werden.</p>
<p>Trotz all dieser Umstände bleibt der FC Wacker Innsbruck eine Institution im österreichischen Fußball. Mit den insgesamt zehn gewonnenen Meistertiteln in verschiedenen Formen steht der Verein auf Platz vier der Liste der Vereine mit den meisten Erfolgen. Auch die Fankultur gilt als herausragend – jedoch schießen Fans keine Tore. Es bleibt abzuwarten, ob der Verein es schafft, sich wieder langfristig im Profifußball zu etablieren, finanziell auf sicheren Füßen zu stehen und die lang ersehnte Rückkehr in die Bundesliga zu feiern.</p>
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		<title>Das Ende des Nazi-Regimes in Tirol</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Krabichler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 10:30:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahre 2025 jährt sich der Zusammenbruch des Nationalsozialismus und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Dieses Ereignis ist in vielen Gebieten des deutschsprachigen Raumes durch das&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Im Jahre 2025 jährt sich der Zusammenbruch des Nationalsozialismus und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Dieses Ereignis ist in vielen Gebieten des deutschsprachigen Raumes durch das Gefühl einer Niederlage geprägt. In Tirol hingegen wurde eine einzigartige Geschichte geschrieben, denn der Widerstand schaffte es schon vor dem Eintreffen der Alliierten die Landeshauptstadt Innsbruck zu befreien.</div>
<p><span id="more-21448"></span></p>
<p>Wir schreiben den 30. April 1945. Franz Hofer, seines Zeichens nationalsozialistischer Gauleiter Tirol-Vorarlbergs, hält eine verzweifelte Rundfunkansprache an die lokale Bevölkerung, in der er vergebens versucht, deren Willen zu stärken. Er erinnert an das Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und an die darauffolgenden schweren Jahre. Sollten es die Tiroler und Tirolerinnen schaffen, die Alliierten aus dem Land fernzuhalten, erhoffte er sich bessere Friedensbedingungen. Hofer war ein enthusiastischer Nazi, aber auch Realist. Er erkannte, dass das Ende des Regimes nicht weit entfernt war und seine Ansprachen keinen großen Effekt mehr haben werden.</p>
<p>Zwei Tage zuvor drangen amerikanische Einheiten durch das Außerfern in Tirol ein und französische Soldaten kämpften sich in der Arlbergregion voran &#8211; der Einmarsch war nur eine Frage der Zeit. Gauleiter Hofer erhoffte sich, dass Tirol nach Schweizer Vorbild eine „Alpenfestung“ werden könnte. Seit 1944 plante er das Verteidigungskonzept, Hitler erlaubte die Umsetzung jedoch erst kurz vor seinem Tod in der letzten Aprilwoche 1945. Dies war jedoch viel zu spät. Noch relevanter war jedoch, dass die Amerikaner schon lange zuvor von diesem Vorhaben und anderen Verteidigungsprojekten wussten.</p>
<h3>Die Operation Greenup</h3>
<p>Drei Agenten, die beiden in die USA geflohenen Juden Fred Mayer und Hans Wijnberg sowie der Tiroler Deserteur Franz Weber funkten im Rahmen der amerikanischen „Operation Greenup“ geheime Informationen über Verteidigungspläne und Angriffsziele an die US-Armee. Ebenfalls vernetzten sie lokale Widerstandsgruppen. Die drei Agenten wurden zuvor im Februar 1945 per Fallschirm über dem kleinen Dorf Oberperfuss, das sich nahe Innsbruck befindet, abgesetzt und konnten ein effektives Kommunikationsnetzwerk aufbauen. Dieses Netzwerk wurde jedoch auch selbst bespitzelt und so wurden Mitte April 1945 einige Helfer des Widerstandes verhaftet und im Innsbrucker Gestapo-Lager gefoltert. Dennoch erwiesen sich die Informationen als maßgeblich für die Befreiung Tirols.</p>
<p>Am 1. Mai 1945 drangen amerikanische Soldaten am Fernpass vor. Gleichzeitig wurde eine Offensive an der Scharnitzer Klause, welche etwa 17 Kilometer Luftlinie von Innsbruck entfernt liegt, gestartet. Das Vordringen der Alliierten nahmen die Widerstandskämpfer unter Leitung von Karl Gruber, späterer Landeshauptmann von Tirol und Außenminister Österreichs, als Zeichen. Am Abend des 2. Mai besetzten sie Innsbrucker Kasernen und verhafteten mehrere SS-Offiziere beim Abendessen auf der Innsbrucker Hungerburg. Einige der eroberten Stellungen wurden in der Nacht jedoch wieder aufgegeben, da eine Falschmeldung einging, dass sich 1.500 Einheiten der SS von Osten nähern.</p>
<p>Am nächsten Tag, dem 3. Mai 1945, setzten die Widerstandskämpfer die Befreiung fort. Am Mittag konnten sie die Polizeidirektion einnehmen sowie einen Funkmast in Aldrans, einem Dorf oberhalb von Innsbruck. Von dort aus sendeten sie eine wichtige Radiobotschaft, in der sie zur Ruhe aufriefen. Außerdem verkündeten sie, dass der Widerstand die Regierungsgeschäfte in Tirol übernommen hat. Diese Nachricht war wichtig, da die Landeshauptstadt im Chaos versunken war. Das Straßenbild war geprägt von herumschwirrenden deutschen Soldaten und den Widerstandskämpfern, die sich durch rot-weiße Armbinden zu erkennen gaben. Der Widerstand teilte wahllos Waffen aus, um auch zahlenmäßig überlegen zu sein. Vielerorts ergaben sich die deutschen Besatzer, in manchen Fällen gab es jedoch Gefechte. So wie in der zentral gelegenen Maria-Theresien-Straße. Dort wurde der Widerstandskämpfer Franz Mair von Mitgliedern der Waffen-SS erschossen. Kurz vor 20 Uhr erreichte die US-Armee schließlich Innsbruck. Den Amerikanern wurde ein Bild der Befreiung offenbart, in der Bevölkerung herrschte Furore, es wurden hunderte Flaggen gehisst und die eintreffenden Einheiten mit Blumensträußen begrüßt. Karl Gruber übergab dem amerikanischen Major Shelden D. Elliott die nun freie Stadt Innsbruck.</p>
<h3>Die außergewöhnliche Schlacht um Schloss Itter</h3>
<p>Während die Kampfhandlungen in Innsbruck schon am 3. Mai endeten, wurden manche Teile des Landes erst später befreit. Besonders die Befreiung des Schloss Itters nahe Kitzbühel ist bemerkenswert, da sie neben der Operation Cowboy im heutigen Tschechien die einzige Schlacht war, in der Deutsche und Amerikaner an einer Seite kämpften. Die Festung wurde ab 1943 als Außenlager des KZ Dachau verwendet, hauptsächlich wurden prominente französische Gefangene festgehalten. Gegen Kriegsende wurde das Schloss von der SS aufgegeben. Doch war die Angst unter den Insassen groß, dass sie bei einem Fluchtversuch dennoch erschossen werden würden. Trotzdem verließ der jugoslawische Gefangene Zvonimir Čučković die Festung Richtung Inntal, um von dort aus alliierte Hilfe anzufordern. In Innsbruck traf er schließlich amerikanische Einheiten, die jetzt Richtung Itter vorrückten, jedoch auf dem Weg in Gefechte verwickelt wurden. Diese Informationen waren den Insassen, die im Schloss verblieben, jedoch verwehrt. Somit radelte ein tschechischer Gefangener ebenfalls Richtung Inntal. Dort traf er auf Josef Gangl, einen Wehrmachtsmajor, der sich dem Widerstand angeschlossen hatte. Dieser war offen für die Befreiungsaktion, wollte seine Soldaten jedoch nicht in den sicheren Tod schicken. So wartete er auf eintreffende Amerikaner und bat sie unter weißer Flagge um Unterstützung für die Befreiungsaktion des Schloss Itters. Diese nahmen das Angebot an.</p>
<p>Das Schloss wurde von den neuen Verbündeten erfolgreich erreicht, jedoch folgte wenig später ein Angriff der Waffen-SS. Die Kampfhandlungen verliefen zu Ungunsten der Verteidiger, jedoch konnten sie telefonisch Unterstützung aus dem Inntal anfordern, bevor die Leitung zusammenbrach. Der Angriff wurde durch das Eintreffen weiterer alliierter Einheiten beendet. Die SS ergriff die Flucht, als ein erster Sherman-Panzer am Schlachtfeld anrollte. In den folgenden Tagen rückten die Alliierten in ganz Tirol voran und befreiten das gesamte Land. Die letzten deutschen Einheiten in Tirol kapitulierten am 6. Mai, am 8. Mai endete der Krieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. Während in vielen Gebieten Österreichs massive Kämpfe gegen die eintreffenden Befreier geführt wurden, blieb Tirol von solchen größtenteils verschont. In Osttirol fanden keine Kämpfe statt. Auch die Befreiung Innsbrucks durch den Widerstand ist beachtenswert.</p>
<div id="attachment_21451" style="width: 1210px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21451" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21451 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch.jpg" alt="" width="1200" height="756" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch.jpg 1200w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch-300x189.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch-1024x645.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch-768x484.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch-1170x737.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Schloss_Itter_historisch-585x369.jpg 585w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><p id="caption-attachment-21451" class="wp-caption-text">Foto: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek (1971 &#8211; 1978), CC 4.0</p></div>
<h3>Die Helden nach dem Krieg</h3>
<p>Fred Mayer wurde in Amerika nach Kriegsende mit einem „Purple Heart“ ausgezeichnet. 2010 bekam er schließlich auch in Tirol eine Auszeichnung – den „Adler-Orden“. Franz Weber schwieg lange über seine Heldentaten. Erst im Laufe der Waldheim-Affäre, wo die nationalsozialistische Vergangenheit des damaligen Bundespräsidenten an die Öffentlichkeit gelangte, gab er ein Interview zu seiner Rolle am Kriegsende. Hans Wijnberg schwieg ebenfalls über seine Taten im Rahmen der Operation Greenup und verließ nach Kriegsende die US-Army. Er studierte Chemie und verbrachte seine restliche Karriere als Universitätsprofessor.</p>
<p>Ohne den tapferen Taten dieser Männer wäre die Befreiung Innsbrucks nicht mit so wenig Blutvergießen möglich gewesen. Vielen Menschen sind die Heldentaten, die zur Befreiung Tirols beitrugen, bis heute unbekannt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich daran erinnert wird und die Helden des Kriegsendes nicht in Vergessenheit geraten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/das-ende-des-nazi-regimes-in-tirol/">Das Ende des Nazi-Regimes in Tirol</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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