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	<title>Gianluca Purzer, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Aktionstage statt Feiertage!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gianluca Purzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2022 10:30:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die christliche Religion spielt in vielen Gesellschaften europäischer Länder immer weniger eine Rolle im Leben der Bürger. Ist es da nicht angemessen, all die christlichen Feiertage und Namenstage mit zeitgemäßen&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up" align="justify">Die christliche Religion spielt in vielen Gesellschaften europäischer Länder immer weniger eine Rolle im Leben der Bürger. Ist es da nicht angemessen, all die christlichen Feiertage und Namenstage mit zeitgemäßen und inklusiven Aktionstagen zu ersetzen?</div>
<p><span id="more-16773"></span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">An einigen Tagen scheint die Zeit in</span><span lang="de-DE"> der Kathedrale der italienischen Stadt Neapel</span><span lang="de-DE"> still zu stehen. Jedes Jahr s</span><span lang="de-DE">pielt sich </span><span lang="de-DE">im sakralen Gebäude</span><span lang="de-DE"> ein Drama keiner gleichen ab. </span><span lang="de-DE">Fest verschlossen in </span><span lang="de-DE">gläsernen </span><span lang="de-DE">Ampullen befindet sich das getrocknete Blut des heiligen Januarius – des Schutzpatrons der Stadt. An drei besonderen Tagen im Jahr wird die Reliquie aus den Katakomben gehoben. Einer dieser </span><span lang="de-DE">außerordentlichen </span><span lang="de-DE">Zeitpunkte</span><span lang="de-DE"> ist der Festtag des Heiligen, dem Friedrich Nietzsche </span><span lang="de-DE">übrigens ein ganzes Buch gewidmet hat. </span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Die Stadt steht still. Tausende Gläubige warten angespannt und ehrfürchtig auf die Hervorbringung der rot-braunen Substanz. Der Erzbischof hat die Aufgabe, den Behälter in die Nähe seines Hauptes zu bringen. Verflüssigt sich das trockene Blut </span><span lang="de-DE">beim</span> <span lang="de-DE">D</span><span lang="de-DE">rehen und </span><span lang="de-DE">W</span><span lang="de-DE">enden, geht ein </span><span lang="de-DE">R</span><span lang="de-DE">auschen der Erleichterung durch die Reihen der wartenden Prozession</span><span lang="de-DE">sgemeinschaft</span><span lang="de-DE">. Das Blutwunder hat sich </span><span lang="de-DE">erneut</span><span lang="de-DE"> bestätigt und </span><span lang="de-DE">das Omen ist günstig gestimmt. Verflüssigt sich das Blut nicht, sieht die Zukunft düster aus und </span><span lang="de-DE">nur inbrünstiges</span><span lang="de-DE"> Gebet </span><span lang="de-DE">kann noch</span><span lang="de-DE"> das Schlimmste </span><span lang="de-DE">verhindern. </span></p>
<h3 align="justify"><strong>Skepsis und Zauberei</strong></h3>
<p align="justify"><span lang="de-DE">&#8220;So ein Blödsinn&#8221;, denken sich jetzt womöglich </span><span lang="de-DE">einige</span><span lang="de-DE">. Schnell auf Google Hl. Januarius eingetippt. Wikipedia: &#8220;fest verschlossenen Ampullen, die </span><span lang="de-DE"><b>angeblich</b></span><span lang="de-DE"> das getrocknete </span><span lang="de-DE">Blut </span><span lang="de-DE">des Märtyrers enthalten.&#8221; Bei Begriffen wie &#8220;angeblich&#8221; </span><span lang="de-DE">und &#8220;vermutlich&#8221;</span><span lang="de-DE"> läuten selbstverständlich in den aufgeklärten Neuronen des rationalen Hochschüler</span><span lang="de-DE">s</span><span lang="de-DE"> alle Alarmglocken. </span><span lang="de-DE">Auch das kleine, aber </span><span lang="de-DE">schrille,</span><span lang="de-DE"> kein-Bier-mehr-im-Glas-Glöckchen. </span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Es ist doch völlig klar, dass das einzige Wunder in der uneingeschränkten Geschicklichkeit des junggebliebenen Erzbischofs besteht. Mindgames und Zaubertricks sind </span><span lang="de-DE">immerhin seit Jahrhunderten ein Spezialgebiet der Kirche. </span><span lang="de-DE">Schnell auf den Knopf gedrückt und schon wird Flüssiges zu Festem und Festes zu Flüssigem.</span><span lang="de-DE"> &#8220;</span><span lang="de-DE">Kosmos Magic Zauberkasten&#8221; – 19,99 Euro </span><span lang="de-DE">auf Amazon</span><span lang="de-DE">. </span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Die Frage besteht nun darin, aus welchem Grund solche illusionistische, </span><span lang="de-DE">leicht </span><span lang="de-DE">zu entlarvende </span><span lang="de-DE">Kunststücke überhaupt vollzogen werden müssen? Die Antwort kommt im Briefumschlag, ist </span><span lang="de-DE">orange und hat die Kaufkraft von fünfzig 1-Euro-Münzen: der Namenstag. </span></p>
<h3 align="justify"><strong>Der Namenstag </strong></h3>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Dieser liturgische Gedenktag eines Heiligen ist der ultimative Beweis, dass die Zeit nicht nur in der örtlich begrenzten katholischen Stadt Neapel stehen geblieben ist, sondern auch </span><span lang="de-DE">in den Alpen</span><span lang="de-DE">. </span><span lang="de-DE">Der Religionskritiker Bertrand Russell meinte, dieser </span><span lang="de-DE">(nicht ernst gemeinten) </span><span lang="de-DE">Denklinie folgend: &#8220;Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Kirche im gegenwärtigen Moment durch ihr Beharren auf dem, was sie Moral nennt, allen möglichen Menschen unverdientes und unnötiges Leid zufügt.&#8221; </span><span lang="de-DE">Das Leid besteht aus der erniedrigenden Bloßstellung, die man erfährt, wenn </span><span lang="de-DE">einem </span><span lang="de-DE">der Grund für </span><span lang="de-DE">den arbeitsfreien</span><span lang="de-DE"> Feiertag </span><span lang="de-DE">partout </span><span lang="de-DE">nicht einfällt. Genau an dem Tag, an welchem das Fernsehen in der Fußgängerzone zu einem kommt und fragt, wie man gedenkt, den kommenden Feiertag zu verbringen. Eine Blamage, die im Bekanntenkreis hartnäckig haften bleibt wie Kaugummi an der Schuhsohle.<br />
</span></p>
<h3 align="justify"><strong>Abschaffung religiöser Feiertage</strong></h3>
<p align="justify"><span lang="de-DE">&#8220;Sollen wir religiöse Feiertage abschaffen?&#8221;, titelte unlängst eine österreichische Tageszeitung. Das Blatt zog eine Studie des <em>Vienna Institute for Demography </em></span><span lang="de-DE">herbei, welche einen beträchtlichen Rückgang der christlichen Religionsgemeinschaft in Österreich über die nächsten Jahre prognostiziert. In Österreich sind nur zwei der 13 gesetzlichen Feiertage nicht christlich konnotiert: der Staatsfeiertag und der Nationalfeiertag. Ist das bei einer Bevölkerung, die zunehmend </span><span lang="de-DE">wenig Interesse an religiöse Andenken zeigt, noch zeitgemäß? Würde die Bevölkerung nicht lieber Dinge feiern, die im 21. Jahrhundert von Bedeutung sind?</span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Zugegeben, die Kirche hat einige Feiertage und Schutzpatrone, die dem modernen Studenten durchaus gefallen. D</span><span lang="de-DE">er Heilige Arnulf von Soissons </span><span lang="de-DE">ist </span><span lang="de-DE">der Schutzpatron der Brauerei, zum Beispiel. Isidor von Sevilla der Schutzpatron des Internets. </span><span lang="de-DE">Nicht zu vergessen Kajetan von Thiene, der Schutzpatron des materiellen Wohlstands, und Honorius von Amiens, der Schutzpatron der Ölraffinerien. An diesem Punkt ein großes Danke, </span><span lang="de-DE">lieber </span><span lang="de-DE">Honorius</span><span lang="de-DE">.</span> <span lang="de-DE">Du</span><span lang="de-DE"> erlaub</span><span lang="de-DE">s</span><span lang="de-DE">t </span><span lang="de-DE">es </span><span lang="de-DE">mir,</span> <span lang="de-DE">diesen Sommer Helsinki, Stockholm und Kopenhagen </span><span lang="de-DE">an</span> <span lang="de-DE">zwei</span><span lang="de-DE"> Tagen zu besichtigen </span><span lang="de-DE">und </span><span lang="de-DE">während einer schönen Kreuzfahrt mal richtig zu entspannen. </span></p>
<h3 align="justify"><strong>Das Plädoyer für den Aktionstag </strong></h3>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Aber ist dies genug? Ausnahmen </span><span lang="de-DE">bestätigen </span><span lang="de-DE">die Regel. Einige wenige Feiertage mögen zwar zeit- </span><span lang="de-DE">und standes</span><span lang="de-DE">gemäß sein. Aber wenn man sich die evangelischen Räte </span><span lang="de-DE">der Vollkommenheit</span> <span lang="de-DE">vor Augen führt</span><span lang="de-DE"> – </span><span lang="de-DE">Keuschheit, Armut </span><span lang="de-DE">u</span><span lang="de-DE">nd Gehorsam – </span><span lang="de-DE">welche die meisten Heiligen verkörpern, dann sind diese nur schwer mit dem Lebensstil eines vernetzten Wochenend-Jet-Setters vereinbar. Mein Vorschlag ist es nun, diese ganzen sakralen Tage durch neue, bessere </span><span lang="de-DE">und</span> <span lang="de-DE">von der Kirche emanzipierte</span><span lang="de-DE"> zu ersetzen. Das schöne dabei: Es gibt schon eine Vielzahl von Aktionstage, die </span><span lang="de-DE">der Vernunft</span> <span lang="de-DE">eines</span><span lang="de-DE"> Homo Sapiens <strong>Sapiens</strong></span> <span lang="de-DE">entsprechen</span><span lang="de-DE"> und nur noch auf die richtige Wertschätzung warten. </span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">So </span><span lang="de-DE">wäre</span><span lang="de-DE"> a</span><span lang="de-DE">m </span><span lang="de-DE">6.</span><span lang="de-DE"> Juni der Tag des Heiligen Norbert von Xantan. Ein Mann, der das Leben eines reichen Chorherren </span><span lang="de-DE">für das eines genügsamen Asketen eintauschte. Ein Lebenswandel, </span><span lang="de-DE">der wohl gegen die Natur des modernen Konsumenten geht. </span><span lang="de-DE">Folgendes ist allerdings im Leben vieler von Bedeutung: Kennt ihr das auch? Wenn euer Wochenende beschissen lief und ihr euch nur noch auf die nächste Woche freut? Um dies zu feiern, gibt es genau am </span><span lang="de-DE">6.</span><span lang="de-DE"> Juni </span><span lang="de-DE">den</span><span lang="de-DE"> Gott-sei-Dank-ist-Montag-Tag. Ein würdiger Nachfolger des Hl. Norbert</span>, der sogar einen sakralen Rest im Namen trägt.</p>
<h3 align="justify"><strong>Aktionstage für eine neue Ära</strong></h3>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Weitere nennenswerte Aktionstage </span><span lang="de-DE">im Juni</span><span lang="de-DE">, </span><span lang="de-DE">die zeitgemäße Nachfolger </span><span lang="de-DE">von</span><span lang="de-DE"> Feier- und Gedenktage sind</span>:</p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">11. Juni: Tag des Maiskolben. Nur der Gedanke an einen in Butter getränkten, frisch gegrillten Maiskolben und das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Gleiches passiert mir beim Gedanken an den bisherigen Platzhalter, den Apostel Barnabas, nicht. </span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">19. Juni: Weltbummeltag. Folgt direkt auf den 18. Juni: Gönn-Dir-was-Tag. Zwei Tage, an denen man ohne schlechtes Gewissen durch die Straßen flaniert, sich in ein paar Geschäften verirrt und ausnahmsweise vier Milchshakes bei McDonalds schlürft. Einer mehr als sonst.<br />
</span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">20. Juni: Tag der Produktivität. Der wichtigste Aktionstag in der Leistungsgesellschaft. Kommt dem Weihnachtstag gleich. Zipfelmützen werden durch VR-Brillen ersetzt, die Gans weicht einer &#8220;Trinkmahlzeit für Gestresste&#8221; und an die Stelle des Weihnachtsmannes tritt Elon Musk, der mit einem Gespann aus neun Teslas Freude, Wohlwollen und einen Internetanschluss – ohne danach gefragt worden zu sein – an nichts-ahnende Menschen verteilt.</span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">27. Juni: Der Siebenschläfertag – benannt nach den sieben Brüdern, die sich auf der Flucht in einer Höhle versteckten und lebendig eingemauert wurden – wird ersetzt durch den Tag der Zwiebel. Ein gewisser Grad der Kontinuität bleibt gewährleistet, da die Tragik beider Geschichten auf die Tränendrüse drückt.</span></p>
<p align="justify"><span lang="de-DE">Zu guter Letzt sehe ich keine andere Möglichkeit, als das Hochfest der Apostel Petrus und Paul am 29.Juni mit dem Tag des Waffeleisens zu ersetzen. Der Sprung durch das Petersfeuer wird dann ersetzt durch einen Hops über frisch angerührten Teig. Und ich bin mir sicher, dass die Qualität des freiwerdenden Wunsches </span><span lang="de-DE">durch die Profanisierung </span><span lang="de-DE">keine Einbüßen erleiden wird. </span></p>
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