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	<title>Anna Stotter, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Der kleine, unfeine Lohnunterschied: Ein fiktives Streitgespräch zum Gender Pay Gap</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 09:27:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>8. März – der Feministische Kampftag. Frauen werden gefeiert, mit roten Venussymbolen, kämpferisch gereckten Fäusten und knallpinken Schlagzeilen. Hinter der ersten glitzernden Fassade geht es dann zentral um knallharte Ungleichheiten&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">8. März – der Feministische Kampftag. Frauen werden gefeiert, mit roten Venussymbolen, kämpferisch gereckten Fäusten und knallpinken Schlagzeilen. Hinter der ersten glitzernden Fassade geht es dann zentral um knallharte Ungleichheiten – darunter auch der Gender Pay Gap von 17,6 Prozent in Österreich.</span><span id="more-22091"></span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Zeit also, bestimmte Konversationen – wieder einmal – zu führen, Zeit, in diesem Artikel ein paar Hard Facts zum Gender Pay Gap zu beleuchten und Zeit, bei gleichgültigen, bagatellisierenden oder zynischen Kommentaren nicht ins Stocken zu geraten. (Wir haben die besseren Argumente.) Eines schon vorneweg: Dieses Gefühl von unterdrückter Wut, brennendem Wunsch nach Veränderung und Gerechtigkeit ist verdammt berechtigt, die Statistiken lügen nicht.</span></p>
<h3>„Lohndiskriminierung existiert nicht mehr. Frauen und Männer ungleich zu bezahlen ist seit den 70ern verboten.“</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Stimmt, aber wenn der Gender Pay Gap so „einfach“ wäre, dass Männer und Frauen Seite an Seite zum Beispiel die genau gleichen Supermarktregale einräumen und dann Männer am Ende einfach 17,6 Prozent (Stand 2024) mehr verdienen, wäre er wohl schon seit Jahren Geschichte. Fakt ist, die Lohnschere weitet sich im Verlauf des Erwerbslebens durch zahlreiche Faktoren aus: insbesondere durch höhere Teilzeitraten bei Frauen, aber auch, weil weiblich dominierte Branchen weniger gut bezahlt sind.</span></p>
<h3>„Eben, das mit dem Gap klingt vielleicht einmal hart. Aber was da alles hineingerechnet wird, verzerrt die Realität doch total. Am Ende bleiben nur eins-Komma-irgendwas Prozent über, also gar nichts.“</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Okay, interessant, das Gegenüber weiß offenbar genau, was in den Gender Pay Gap eingerechnet wird, aber nicht, wie hoch er tatsächlich ist. Eins-Komma-irgendwas Prozent sind nämlich falsch. Tatsächlich beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap 17,6 Prozent und der bereinigte Gender Pay Gap laut WIFO-Berechnungen von 2023 6,3 Prozent. Bereinigt und unbereinigt? Damit kann man uns auch nicht aus dem Konzept bringen: Der unbereinigte Gender Pay Gap ist per Definition „der Unterschied des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes zwischen Männern und Frauen“, also jene Lohnlücke, die beim Vergleich des Stundenlohns von Frauen und Männern sichtbar wird. Und der bereinigte Gender Pay Gap ist die kleinere Lücke, weil nur jene Einkommen von Vollzeitbeschäftigten in den jeweils gleichen Berufen, Positionen et cetera. betrachtet werden. Keine Sorgen, es müssen also auch gar nicht Birnen mit Äpfeln verglichen werden, damit die Lohnlücke mehr als 1 Prozent beträgt.</span></p>
<h3>„Also, so schlimm ist es dann zumindest nicht. Unter 10 Prozent im Vergleich zu 17,6 Prozent ist schon ein gewaltiger Unterschied.“</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie kann es im Jahr 2026 sein, dass es überhaupt noch einen nicht (vollständig) erklärbaren Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen gibt? Von über 6 Prozent? Natürlich, ob Frauen bis zum Equal Pay Day am 27. Februar „gratis“ arbeiten oder nur bis in den Jänner, macht einen Unterschied. Nur gerecht würde ich das noch lange nicht nennen. Und übrigens, den ganz realen Folgen im Alltag vieler Frauen ist es völlig egal, was aus dem unbereinigten Gender Pay Gap herausgerechnet wird. Dass sich neben Zeiten ganz ohne Einkommen auch die kleinen Prozentunterschiede über Jahre summieren, wird spätestens beim Blick auf erschreckend niedrige Frauenpensionen klar. Nach wie vor liegt die Durchschnittspension der Frauen in Österreich unter beziehungsweise nahe an der Armutsgefährdungsschwelle. Schließen wir den Gender Pay Gap, halbieren wir die Frauenarmutsrate.</span></p>
<h3>„Ja, aber wenn Männer und Frauen eben nicht die gleiche Arbeit machen, kann die Lohnlücke doch gar nicht geschlossen werden. Ungleiche Leistung wird eben auch ungleich bezahlt.“</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Fast, oder eigentlich ganz daneben. Die unterschiedlichen Branchen, in denen wir alle beschäftigt sind, machen verständlicherweise einen Unterschied. Aber die Forderung lautet auch nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sondern gleichen Lohn für gleich</span><i><span style="font-weight: 400;">wertige </span></i><span style="font-weight: 400;">Arbeit. Ist es fair, dass Pflegeberufe in Österreich erst seit diesem Jahr als Schwerarbeit gelten oder dass Menschen, die in Parkgaragen Autos überwachen, mehr bezahlt bekommen als Elementarpädagog:innen? Ja, warum werden die elementarsten Tätigkeiten, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, so schlecht bezahlt? Ist mangelnde Leistungsbereitschaft der Grund, dass Care Arbeit, wie Kinderbetreuung, die Pflege älterer Angehöriger und das Tragen des Mental Load (Stichwort „Wer besorgt die Geburtstagskarten und -geschenke?“), gar nicht entlohnt wird?</span></p>
<h3>„Wenn Frauen mehr Teilzeit arbeiten, sind sie doch selbst schuld, wenn sie weniger verdienen. Oder vielleicht nicht schuld, aber das ist dann doch eine persönliche Entscheidung, die Familien selbst treffen sollten.“</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Danke für die Berichtigung, denn die „Schuld“ ist ganz sicher nicht bei Frauen zu suchen. Teilzeit bleibt aber einer der Hauptfaktoren für das Ausweiten der Lohnschere mit zunehmendem Alter. Im Jahr 2024 arbeiteten weniger als 15 Prozent aller Männer in Österreich in Teilzeit, aber mehr als die Hälfte aller Frauen, mit den entsprechenden Auswirkungen auf Aufstiegschancen und die Pension. Was ich mich auch immer frage, ist, wieso diese „persönliche“ Entscheidung in anderen europäischen Ländern ganz anders ausfällt. Unbezahlte Arbeit, allen voran Kinderbetreuung, ist nicht überall „Frauenarbeit“. Gehen in Island etwa  über 90 Prozent aller Männer nur in Karenz, weil die Eltern sonst gezwungen sind, auf drei Monate ihrer Karenz zu verzichten? Oder weil Väter sich genauso Zeit mit ihren Kindern wünschen und Mütter nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen?</span></p>
<h3>„Ja, eh arg. Aber machen kann man halt nicht viel. Ich zumindest nicht.“</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">War die Entscheidung rund um Karenz gerade nicht noch eine höchstpersönliche? Habe ich da etwas verpasst? Vielleicht können wir nicht jede:r allein den Gender Pay Gap schließen, aber wir können die entsprechenden Rahmenbedingungen einfordern, im Job und insbesondere in der Politik. Ausbau der Kinderbetreuung wäre schonmal mein Favorit. Oder auch mehr Transparenz bei Bewerbungsgesprächen, wie es  ab Juni mit einer neuen EU-Richtlinie umgesetzt wird. Ab dann ist Schluss mit Rätselraten: Einstiegsgehalt und Gehaltsspanne sowie durchschnittliche Entgelthöhe müssen genannt werden. Wir können also danach fragen und alle auf gleicher Basis verhandeln. (Damit auch niemand in alte Muster zurückfällt und behauptet, Frauen müssten eben besser verhandeln.) Ich glaube, am Ende wollen wir doch alle nicht bis nach 2050 warten, bevor der Gender Pay Gap endlich geschlossen wird.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Viel Spaß beim Diskutieren und Happy International Women’s Day!</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>New year, new me – Alle Jahre wieder oder nicht schon wieder?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Jan 2026 12:16:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon wieder steht ein neues Jahr vor der Tür und die Menschheit teilt sich in zwei Lager: Es gibt die, die am ersten Jänner voller Motivation aus dem Bett springen,&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Schon wieder steht ein neues Jahr vor der Tür und die Menschheit teilt sich in zwei Lager: Es gibt die, die am ersten Jänner voller Motivation aus dem Bett springen, und sich auf ihre hunderten Jahresvorsätze stürzen. Und die, die sich in intellektueller Herablassung (blanke Selbstverteidigung, natürlich) nur mit einem Vorsatz bürsten, nämlich keinen zu haben.</div>
<p><span id="more-21938"></span></p>
<h2>Die ungebremste Enthusiastin</h2>
<p><em>von Anna Stotter</em></p>
<p>2026: Das wird mein Jahr werden! Ich spüre es, jetzt brechen richtig produktive Zeiten an. Ich bin so was von bereit, all in zu gehen. Früh aufstehen, ha, das wird meine ganze Persönlichkeit sein im neuen Jahr. Um sechs Uhr oder besser noch um vier Uhr morgens (die Ashton-Hall-Motivation-Shorts kicken rein). Und das ist erst der Anfang, wenn ich mir meine neue, super produktive Morgen-Routine (10 Steps absolutes Minimum) ausmale, wird mir schon ganz schlecht (vor Aufregung, versteht sich!).</p>
<p>Gut, vielleicht, ganz vielleicht verkrampfe ich innerlich beim Gedanken, eiskalt zu duschen (näher an Eisbaden komme ich logistisch leider nicht heran). Eigentlich bin ich am Kaltduschen auch schon einmal gescheitert. (Zumindest meine Zehen haben ein paar Tage durchgezogen.) Das wird also doch wieder gestrichen. Aber von so ein paar klitzekleinen Anfangsschwierigkeiten lässt sich ein echter Neujahrs-Junkie doch nicht aus dem Konzept bringen: Früh aufstehen kommt fix auf die Liste!</p>
<p>Und morgens hört der Tag zum Glück nicht auf. Die Uni wird in den nächsten Monaten so richtig durchgezogen: strukturiertes Lernen (fast) jeden Tag! Wenn ich mir den perfekt aufgeräumten Schreibtisch samt farblich sortierter Marker und handgeschriebener To-Do-Listen für jede Sekunde meines Tages so vorstelle, kann ich die Produktivität à la Paris Geller schon richtig fühlen. Sämtliches lustloses Scrollen am selben Schreibtisch letztes Jahr? Sowas von vorbei. Zeit für ein Academic Comeback!</p>
<p>New year, new me. Sagt mein neues Vision Board schließlich auch. In Großbuchstaben, mitten am Board angebracht. Und das funktioniert bestimmt, ich schwöre! Vor ein paar Jahren im Sommer habe ich schließlich auch mal mit Joggen angefangen. Einen Halbmarathon laufen, das wär‘s. Wobei, warum klein anfangen? Warum nicht gleich einen ganzen? Vor meinem inneren Auge sehe ich mich schon strahlend über die Ziellinie hechten (oder humpeln). Ich höre auch schon förmlich David Goggins „They don’t know me, son“ in meinem Ohr. Habe ich bereits erwähnt, wie motiviert ich bin?</p>
<p>Irgendwas fehlt aber noch. Ich weiß! Etwas, das mir auch tatsächlich Spaß macht und nicht nur nach extrem viel Arbeit oder einem echten Albtraum klingt. Lachen, LEBEN! Das kommt jetzt auch noch auf die Liste mit Neujahrsvorsätzen. Perfekt, fertig: 2026 kann kommen.</p>
<h2>Die intellektuell Überlegene</h2>
<p><em>von Katharina Stotter</em></p>
<p>Silvester, das heißt Highlight Reels aus 2025, Vision Board Reviews und Accomplishment Cakes. Und selbstverständlich freue ich mich für alle, die ihre Ziele im vergangenen Jahr erreicht haben. Selbstverständlich. Über Gefühlen wie Neid stehe ich schließlich drüber. Milliardär:in werden, Millionen an Follower:innen bekommen und um die halbe Welt reisen mit 20, alles machbar und nur eine Frage der Vorsätze, oder? Trigger-Warnung: Ignoranz in Reinkultur. Als nächstes kommt dann noch das Argument, dass ohnehin alle dieselben 24 Stunden hätten und Privilegien nur Einbildung wären.</p>
<p>Vom Leinöl auf leeren Magen (und nicht nur davon) kommt mir die Galle hoch, außerdem bin ich mir um vier Uhr früh nicht einmal sicher, wie ich heiße. Und bin ich eigentlich die Einzige, die den Verdacht hat, dass Guided-Meditation-Videos Brainwashing sind? Oder schlicht absurd (wir wollen es schließlich nicht gleich übertreiben). Apropos absurd, um Geld zu machen, muss man es sicher erst ausgeben, logisch. Also wird jetzt rundherum kräftig investiert: In die Zukunft, das heißt in heillos überteuerte gluten-, zucker- und geschmackfreie Riegel mit unglaublichen acht Prozent Protein; zusammenpassende Workout-Sets, die ansonsten höchstens dem KI-Model gepasst haben; und Finanzbücher, dank denen das Wohnzimmerregal jetzt gebildeter ist als die Personen, die davor sitzen. Das laut zu sagen? Schlechte Idee, am Ende hieße es noch, ich hätte nur Komplexe.</p>
<p>Ich übertreibe und suche Ausreden für mein Scheitern? Unsinn! Ein wenig Arroganz hat noch niemandem geschadet, intellektuelle Überlegenheit ist in diesen Tagen mein zweiter Vorname, und von Vorsätzen habe ich die Schnauze voll! Ich bin ein Mensch, kein Vision Board! Und dieser Mensch bewegt sich jetzt zurück ins Bett und steht erst wieder für ein essbares Frühstück auf.</p>
<p>Ein paar Stunden später und nach einer extra Runde Schlaf bin ich dann schon deutlich milder gestimmt. So milde, dass ich sogar die Neujahrsvorsätze von anderen schlucke – geht auch vorbei. Dafür habe ich das erste Achievement für den Achievement Cake, und das schon am ersten Tag des Jahres: Neujahr überlebt.</p>
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		<title>Die Pariser Klimaziele: Alles schon zu spät?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Stotter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 12:13:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist November und die Klimakonferenz in Belém wäre theoretisch in vollem Gange. Mit Betonung auf theoretisch, weil sich die Politik, wenn überhaupt, rückwärts bewegt. Derweilen hetzen wir deutlich zu&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Es ist November und die Klimakonferenz in Belém wäre theoretisch in vollem Gange. Mit Betonung auf theoretisch, weil sich die Politik, wenn überhaupt, rückwärts bewegt. Derweilen hetzen wir deutlich zu spät zum Vortrag „Unternehmerische Chancen des Klimawandels in Zeiten des Trump’schen Chaos“ auf der Innsbrucker SoWI. Aber bringt das überhaupt noch etwas?</div>
<p><span id="more-21827"></span></p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21828" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-300x200.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-COP-30_Artikel-Klima-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></div>
<div></div>
<div class="bildunterschrift">Die diesjährige COP30 in Belém findet unter wenig vielversprechenden Vorzeichen statt (Stichwort abwesende USA und verwässerte EU-Klimaziele). (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<p>„Verdammt, wir sind viel zu spät! – Na und? Das hat eh alles keinen Sinn mehr, und außerdem ist es alles deine Schuld!“ 17:54 Uhr, wir stehen im MCI und zischen uns wütend an. In der SoWi Aula findet derweilen seit einer knappen Stunde der Vortrag „Unternehmerische Chancen des Klimawandels in Zeiten des Trump‘schen Chaos“, für den wir viel zu spät dran sind, statt. Langsam zahlt sich das Kommen gar nicht mehr aus, weil der Vortrag um 18:30 Uhr endet. „Entschuldigung, Sie wissen nicht zufällig, wo die SoWi Aula ist?“ Ein letzter Versuch, bevor wir das Handtuch werfen – und dieses Mal haben wir Glück. Die Studentin bringt uns sogar freundlicherweise direkt dorthin ins Nachbargebäude. Durch die Glasfront sieht man den Schriftzug SoWi Aula auf der Tür, die Lösung unseres Problems war also die ganze Zeit da, keine hundert Meter entfernt, typisch. Aber egal, besser spät als nie, also ziehen wir vorsichtig die Tür auf und schlüpfen in den halb gefüllten Saal.</p>
<h3>Die Menschheit hat kollektiv versagt</h3>
<p>Warum wir das alles erzählen? Weil es eine gute Metapher für den Umgang mit der Klimakrise ist. Wir sind nicht zum Spaß hier, sondern weil wir wenigstens irgendetwas tun müssen, während das 1,5-Grad-Ziel unweigerlich unter- und auf der COP 30 in Belém nichts weitergeht.</p>
<p>Nicht einmal eine Woche ist es her, dass der Präsident der Vereinten Nationen, António Guterres, offiziell verkündet hat, dass das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen ist. Eine Entwicklung, die sich lange abgezeichnet hat – aber das macht sie nicht weniger schmerzhaft. Die Menschheit hat kollektiv versagt. Wir haben die Hoffnungen unzähliger Menschen, die im Zuge von Fridays4Future und auch schon vorher in diversen Protesten seit den 70ern lautstark auf den Straßen Umweltschutz und Klimagerechtigkeit gefordert haben, enttäuscht. Und wir haben uns letztlich selbst verraten. Zumindest hat es sich in diesem Moment für uns persönlich so angefühlt.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21829" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-300x200.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Fridays4Future-Wien_Artikel-Klima-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Bilder, die um die Welt gingen: 2019 protestierten unzählige Menschen jeden Freitag lautstark für mehr Umweltschutz und Klimagerechtigkeit, wie hier in Wien. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<h3>„Die Probleme von heute sind die Lösungen von gestern“</h3>
<p>Andererseits ist es auch unmöglich, all die positiven Beispiele und Fortschritte zu ignorieren. Immerhin sitzen wir in einem Panel-Talk im Zuge der schon dritten Nachhaltigkeitswoche der Uni Innsbruck. Und auch in der Mensa gibt es mittlerweile einige wirklich leckere, nachhaltige Angebote. Vielleicht haben wir also gar nicht alle Ambitionen unseres idealistischeren Selbst von damals verloren, vielleicht bewegen wir uns sehr wohl weiter in Richtung einer klimafreundlicheren Zukunft. Und sobald wir unseren Fokus darauf lenken, wird uns irgendwie auch klar, dass wir nicht die einzigen sind: Die ganze Welt setzt kleine, grüne Schritte. Zum Beispiel auf neu entwickelten stromerzeugenden Fliesen, die in US-amerikanischen, brasilianischen und Berline Bahnhofshallen die kinetische Energie der Schritte von Passant:innen in Strom umwandeln. Und auch immer mehr Unternehmen steigen auf erneuerbare Energie um.</p>
<p>Der Haken? Die Kosten. Die sind zweifelsfrei hoch, aber im Vergleich laut Dr. Margreth Keiler, Universitätsprofessorin und Vortragende beim Panel, in Österreich stemmbar. Die jährlich notwendigen Investitionen von 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro würden nämlich noch immer unter den jährlichen Ausgaben für die Importe fossiler Energie liegen. Ganz abgesehen davon, dass wir uns nicht nur autonomer und unabhängiger machen würden, sondern im wahrsten Sinn des Wortes in die Zukunft investieren. Eine Zukunft, für die wir aber aktuell noch viel zu wenig tun, und für die Technologie allein auch nicht die Lösung darstellt. Erst recht nicht, wenn wir neue Abhängigkeiten schaffen. „Die Probleme von heute sind die Lösungen von gestern“, so drückt es Dr. Keiler aus. Ein sehr prägnanter Satz, der nachdenklich stimmt.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-medium wp-image-21830" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-300x197.jpg" alt="Foto: Wikimedia Commons" width="300" height="197" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-300x197.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1024x672.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-768x504.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1536x1008.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-2048x1344.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1920x1260.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-1170x768.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-780x516.jpg 780w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild-Erneuerbare-Energie_Artikel-Klima-585x384.jpg 585w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Wenigstens über der grünen Energie geht die Sonne auf. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<h3>Noch weniger als zu wenig</h3>
<p>Das erste Mal in der Geschichte liegt es in unserer Macht, eine große Klimaveränderung zu beeinflussen. Wir haben das Wissen, wir haben die Lösungen. Aber anstatt auf die zu hören, die sich auskennen – die Wissenschaftler:innen – , und anstatt zu sprinten, wenn es knapp wird, resignieren wir. Wir nehmen eine zynische Gleichgültigkeit ein und akzeptieren sie einfach, diese Nachricht vom verfehlten Pariser Klimaabkommen, die uns schockieren sollte.</p>
<p>Schuld sind sowieso die anderen: Die USA respektive Trump, China als Hauptemittent oder die Generationen vor uns. Es ist doch auch viel einfacher, die Schuld auf andere zu schieben oder gleich ganz zu verdrängen, oder? Nein! Denn diese so komplexe Krise auch uns betrifft, wie wir wieder im SoWi-Vortrag hören, wenn zum Beispiel Innsbruck als Hitze-Hotspot Wien überholen wird.</p>
<p>Überhaupt dürfte es in Österreich unangenehm warm werden, vor allem da wir voraussichtlich nicht bei 1,5 Grad Erwärmung im Vergleich zum präindustriellen Zeitalter, sondern bei 3°C landen. Dabei trifft uns diese Krise, trotz zu erwartender Hitzetoter, vergleichsweise weniger hart als den globalen Süden. Aber eine Erwärmung um 2,7 Grad statt 1,5 Grad würde global nach einer Schätzung des Weltwirtschaftsforums in Davos 2024 3,5 Millionen Todesopfer bis 2050 fordern. Keine Überdramatisierung, sondern ein blanker Fakt. Einer, bei dem die Politik anscheinend nicht zu genau hinschauen möchte. Oder sie sieht im abgeholzten Amazonas trotzdem den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Insofern ist unsere Anwesenheit bei diesem SoWi-Vortrag selbstverständlich höchst symbolisch, denn die Entscheidungen müssten in Belém getroffen werden. Nur dass man dort lieber darüber diskutiert, wie wir mit noch weniger als zu wenig ans Ziel kommen.</p>
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<div class="bildunterschrift">Auch wenn die politischen Ambitionen seit 2019 spürbar erkaltet sind, der Amazonas brennt seitdem immer weiter. Hier 2020 nahe Flona do Jacundá in Rondônia in Brasilien. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<h3>Besser spät als nie</h3>
<p>Weniger als zu wenig reicht aber nicht! Wir brauchen mehr, auch wenn wir das 1,5-Grad-Ziel verfehlt haben.</p>
<p>Denn spät ist immer noch besser als nie. Sogar wenn man, wie wir, eine Stunde zu spät zu einem eineinhalbstündigen Vortrag auftaucht. Es bringt nichts, sich mit Anschuldigungen zu überbrüllen, sondern es geht darum sich kompetenten Rat einzuholen, und zu handeln. Gerade bei der Klimakrise befinden sich die Lösungen, so wie in unserem Fall die SoWi, direkt vor der eigenen Nase. Wir müssen handeln, ohne langes Zögern, beherzt und gemeinsam. In dem Wissen, dass nur wir die Welt verändern können und das 2019 nicht vergebens war. Uns allen ist bewusst, wie schlecht es um die Erde steht. Es ist an der Zeit, auch die Politik an ihre Visionen aus Paris zu erinnern, mit dem Druck der Straßen, der schon einmal radikale Veränderungen möglich gemacht hat. Es ist Zeit für eine zweite Welle!  Wir sind bereit, und Innsbruck ist es auch, oder?</p>
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<div class="bildunterschrift">„We can’t recycle wasted time“, aber wir können die verbleibende Zeit nutzen! (Bild: Wikimedia Commons)</div>
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