Kaffee – Treibstoff der Studierenden

von Lisa Schoißengeier
Lesezeit: 5 min
Der Kaffeeautomat Retter so einiger langer und durchlernter Nächte vieler Studierender. Oft neben den Öffnungszeiten der Bibliothek der einzige Grund, diese kurz zu verlassen. Doch was trinken wir da eigentlich genau?

Von Espresso über Milchkaffee mit extra Milch und Haselnusssirup bis hin zu Irish Coffee: nicht nur bei Starbucks gibt es diese Bandbreite an Kaffeespezialitäten. Auch so ziemlich jeder Kaffeeautomat kann mit diesem Sortiment mithalten – mit zwei großen Unterschieden: der Kaffeeautomat ist bei Weitem günstiger, dafür aber auch um einiges schlechter berufen.

Was macht Kaffee zu Kaffee – wie wirkt dieser?

Kaffee ist bekannt für seine wachmachende Wirkung, als das enthaltene Koffein das Zentralnerven- und Herz-Kreislauf-System anregt. Dadurch werden die geistige Leistungsfähigkeit und Konzentration aufgrund des höheren Wachheitsgrades und der damit einhergehenden Aufmerksamkeit verbessert. Außerdem fördert Koffein die Adrenalinausschüttung, was zu einer höheren Motivation beiträgt – für Studierende besonders in intensiven Lernphasen bei uninteressantem Stoff daher wirklich eine tolle Unterstützung. Würde Koffein nicht auch so manche Schattenseiten haben: Die Wirkung von Koffein auf das Zentralnervensystem des Körpers stellt sich bei regelmäßigem Konsum aufgrund des Gewöhnungseffekts höchstwahrscheinlich ein. Das bedeutet, dass für eine gleichbleibende bzw. weitere Stimulierung die Dosis eigentlich erhöht werden müsste, aber Achtung: Zu hohe Mengen Koffein rufen Beschwerden wie Schlaflosigkeit in der Nacht, Herzrasen, (Muskel-)Zittern, oder Magen-Darm-Probleme hervor, die nicht nur unangenehm, sondern auch gesundheitsschädigend sein können und sicherlich für alles andere als Konzentration sorgen.

Wie viel Koffein ist nun also unbedenklich? Für gesunde Erwachsene (Stillende und Schwangere ausgenommen) ist eine Zufuhr von 200 mg Koffein pro Einzeldosis und insgesamt 400 mg pro Tag unbedenklich. Als Richtwerte: in Espresso sind in etwa 30 mg, in einer Tasse Filterkaffee 60-80 mg Koffein enthalten. Ab einer Menge von 5 g pro Tag kann es zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod kommen. Wer sich also 2-3 Tassen (oder Becher) pro Tag gönnt, dürfte nichts zu befürchten haben.

Automatenkaffee – ist er tatsächlich so ungesund und enthält kein Koffein?

Automatenkaffee sei ekelhaft und ungesund, aber für den Kaffeegenuss zwischendurch reiche er doch. Wie ungesund und entkoffeiniert der Automatenkaffee ist, kommt ganz auf die Auswahl der Kaffeeart an. Grundsätzlich wird für die Zubereitung Instantkaffee (= getrocknetes Kaffeeextrakt) verwendet, der kaum weniger Koffein enthält als Bohnenkaffee und gegen den gesundheitlich absolut nichts einzuwenden ist. Auch das oft verwendete Milchpulver ist grundsätzlich nicht schädlich. Problematisch wird die Sache erst bei Kaffeespezialitäten, die gesüßt und/oder mit Geschmack versetzt sind. Die Fertigpulvermischungen enthalten neben nur einer geringen Menge Instantkaffee (und folglich Koffein) und Milchpulver oft Zucker, Kaffeeweißer und andere Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Aromen und pflanzliche Fette. Sie sorgen für einen guten Geschmack und die gewünschte Cremigkeit. Wer seiner Gesundheit also etwas Gutes tun will und auf den Geschmack oder die Wirkung von Kaffee nicht verzichten will, sollte Kaffeesorten auswählen, die sich nahe am Kaffee in seiner reinsten Form befinden: Das heißt Sorten, die so wenig Zucker und Milch oder zusätzliche Geschmacksnuancen enthalten, wie möglich. Natürlich ist gegen einen Irish Coffee pro Tag nichts einzuwenden; aber bei einem hohen Kaffeekonsum und beim Bedürfnis nach einem Wachmacher, sollte dessen Taste aufgrund des niedrigen Kaffee-/Koffeingehalts bei gleichzeitig sehr hohem Zucker- und Zusatzstoff-Gehalt nicht jedes Mal gedrückt werden.

Und wie sieht es mit anderen Mythen um den Kaffee aus?

„Kaffee entwässert“

Dies ist vermutlich der häufigste und hartnäckigste Mythos, der allerdings nicht stimmt. Mehrfach konnte bereits bewiesen werden, dass Koffeinhaltiges nicht mehr oder weniger entwässert als Koffeinfreies.

„Kalter Kaffee macht schön“

Dieser aus der Barockzeit kommende Mythos stimmt leider nicht. Um das Make-up an Ort und Stelle zu behalten, tranken Frauen kalten Kaffee. Denn der heiße Dampf des Kaffees brachte die Schminke zum Verlaufen, wodurch frau nicht schön blieb. Daher auch der Spruch „Kalter Kaffee macht schön“.

Was allerdings Kaffee schon kann, ist für Verjüngung zu sorgen – was in gewisserlei Hinsicht auch schön macht. Dies gilt jedoch nur für Filterkaffee (egal ob mit oder ohne Koffein): Durch dessen Genuss wird die Wirkung des Proteins mTOR gehemmt, wodurch die Körperzellen eine Art Selbstreinigungs- und Recyclingprogramm starten (= Autophagie), die Zellen folglich verjüngen und somit den Alterungsprozess des Körpers und der Haut verlangsamen.

„Kaffee fördert die Fettverbrennung und hilft beim Abnehmen“

… nur bedingt: Zwar unterstützen Koffein (und auch Adrenalin) die Fettoxidation, wodurch Fettsäuren schneller zur Energiegewinnung herangezogen werden und die Glykogenspeicher geschont werden; allerdings tritt dieser Effekt nur bei trainierten Sportlern und Sportlerinnen ein. Kaffee als Abnehmhilfe zu betrachten ist daher falsch.

„Kaffee fördert das Haarwachstum“

Kaffee an sich nicht, aber das im Kaffee enthaltene Koffein regt die Durchblutung der Kopfhaut sowie die Wachstums- und Stoffwechselprozesse der Haarfollikel an. Dazu muss der Kaffeesatz allerdings direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden, kurz einwirken und anschließend mit Shampoo ausgewaschen werden.

„Löslicher Kaffee ungesund und enthält weniger Koffein als Bohnenkaffee“

Löslicher Kaffee ist aus gesundheitlicher Sicht Bohnenkaffee zwar nicht ganz gleichzusetzen, allerdings auch absolut nicht ungesund. Aufgrund der Verarbeitung enthält er etwas weniger Koffein, Antioxidantien (z.B. Chinin, das gegen Krämpfe und erhöhten Blutzucker wirkt) und Mineralstoffe wie Magnesium, doch der Unterschied ist nur minimal. Wer also den Geschmack von löslichem Kaffee bevorzugt oder eine Dosis Koffein benötigt, kann das Heißgetränk weiterhin problemlos trinken – auch vom Automaten.

„Espresso hat mehr Koffein als Filterkaffee“

Ja, tatsächlich hat Espresso mehr Koffein als Filterkaffee, allerdings nur beim Vergleich der Koffeinmenge pro Milliliter Kaffee bzw. Tasse. Da eine Tasse (Filter-)kaffee mehr Flüssigkeit fasst, ist auch pro Tasse doppelt bis dreifach so viel Koffein enthalten als in der kleinen Espressotasse. Intensiv im Geschmack bedeutet daher nicht intensiv in der Wirkung.

„Kaffee ist ungesund und verursacht Krebs“

Nein, im Gegenteil: Kaffee (Filterkaffee!) kann sogar vor Herz-Kreislauferkrankungen schützen und das Risiko für Leber-, Brust- und Prostatakrebs, Diabetes und Parkinson senken. Insbesondere Filterkaffee weist diese Vorzüge auf, da im Filter für das Herz ungesunde bioaktive Stoffe (Cafestol und Kahweol) hängen bleiben, die folglich nicht getrunken werden.

Mit dem Aufdecken dieses letzten Mythos sei zwar kein Freifahrtschein für unbegrenzten Kaffeekonsum ausgestellt, aber solange der Kaffee in Maßen geschlürft wird, ist der Genuss garantiert.

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