Massive Open Online Courses

von Tobias Jakober
Lesezeit: 3 min
Distance Learning und Online-Vorlesungen gibt es nicht erst seit gestern. Trotz all der Nachteile im Vergleich zur Präsenzlehre bietet sich hier auch eine große Chance. Wir stellen die Idee der Massive Open Online Courses vor.

Eine Universität findet sich nicht in jedem Kuhdorf – Internet meistens schon. Genau das weiß das Konzept der Massive Open Online Courses (MOOC) auszunützen. Wie der Name bereits verrät, erlaubt das digitale Format eine unlimitierte Zahl von Teilnehmern/-innen an den Kursen. Hochwertige Bildung allen Menschen auf der Welt frei zugänglich zu machen, das ist das hehre Ziel dieses neuen Ansatzes. Schließlich gibt es nicht überall ein öffentliches Hochschulwesen wie hierzulande, welches allen Bevölkerungsschichten eine akademische Ausbildung ermöglicht. Egal ob die Reisbäuerin aus Kambodscha, die Wirtschaftsstudentin aus Tansania oder der Pensionist aus Gramais in Tirol, die MOOCs stehen allen von ihnen zur Verfügung.
Es braucht bloß eine kostenlose Registrierung und schon eröffnet sich einem eine völlig neue Welt. Tausende Lernvideos und andere Kurse warten darauf, entdeckt zu werden.
Ihren Ursprung haben diese Onlinekurse vor allem an US-amerikanischen Universitäten. Dort wurden schon früh Vorlesungen aufgezeichnet, um sie später einem größerem Publikum zugänglich zu machen. Inzwischen werden die Kurse jedoch eigens für den Onlineunterricht erarbeitet. 

Die großen Plattformen, die heute MOOCs anbieten, entwickeln diese nicht selbst, sondern arbeiten mit einer Vielzahl von Hochschulen, oft auch mit Eliteuniversitäten, zusammen. Von einer Einführung in die Computerwissenschaften an der Harvard University über Japanisch- und Italienischkurse bis hin zu einem Kurs über John Miltons Paradise Lost am Dartmouth College – den wählbaren Themen sind keine Grenzen gesetzt.
Man kann dort jedoch nicht bloß sein Allgemeinwissen aufbessern, viele Kurse sollen einem Zusatzqualifikationen auf dem Arbeitsmarkt oder Berufsfortbildungen bieten.
Die bekanntesten kommerziellen MOOC Plattformen sind: Coursera, edX, iversity oder Udacity. Auf diesen Webseiten kann man alle Kurse zwar kostenlos besuchen, um letztendlich aber ein Zertifikat zu erhalten, ist es notwendig, einen gewissen Betrag zu zahlen. Neben einzelnen Vorlesungen bieten diese Seiten mittlerweile sogar ganze Bachelor- oder Masterstudiengänge an. Häufig sind auch Angebote für Fortbildungen für Unternehmen dabei. 

Freilich herrscht nirgends eitel Sonnenschein und auch die MOOCs sehen sich mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Ein Manko ist die geringe Quote von Teilnehmern/-innen, die einen Kurs am Ende tatsächlich mit einer Prüfung abschließen. Gründe dafür sind einerseits die Kosten, die für eine offizielle Zertifizierung anfallen, aber auch ein zu hoher Lernaufwand und schwindendes Interesse durch das repetitive Onlineformat. Letzteres wird nach zwei Semestern Distance Learning wohl auch unsereiner leicht nachvollziehen können. Dadurch, dass vor allem kommerzielle Plattformen MOOCs anbieten, hegt manch einer die Befürchtung, es könnte Einfluss auf die angebotenen Themen genommen werden. Zudem wird die Rolle von Hochschulen selbst in Frage gestellt, wenn nur die einzelnen Vortragenden die Zertifizierungen für die Kurse vornehmen.
Kritisiert wird außerdem, dass, auch wenn der Zugang zu den MOOCs sehr niederschwellig ist, dafür dennoch ein internetfähiges Gerät und eine Netzwerkanbindung notwendig sind. Dass vielen Menschen in manchen Erdregionen weder das eine noch das andere zur Verfügung steht, rückt den noblen Gedanken, vor allem in Ländern des Globalen Südens tertiäre Bildung vermehrt zu fördern, in ein etwas fahles Licht. 

Die Anbieter von MOOCs haben über Jahre Erfahrungen gesammelt, wie sich Online-Lehrveranstaltungen attraktiver gestalten lassen. Einige Punkte werden den Studierenden unter uns mit Sicherheit bekannt vorkommen und auch unter vielen Lehrenden haben sich Lerneffekte mit dem virtuellen Unterricht eingestellt – andere Aspekte wiederum könnten uns selbst helfen, die Online-Lehre noch besser zu gestalten: die zusätzliche Übertragung des Gesichts der Vortragenden erhöht die Motivation, kürzeren Videos ist einfacher zu folgen, eine dynamischere Präsentationsform als PowerPoint-Folien ist von Vorteil, Videos in informellem Setting sind einnehmender und – last but not least – ein stabiles soziales Netzwerk innerhalb des Kurses und eine intensive Einbindung der Lernenden fördert Engagement und reduziert die Drop-out-Quote.

Auch wenn mit Sicherheit viele schon viereckige Augen bekommen angesichts all ihrer Online-Lehrveranstaltungen und auch trotz aller Kritik an dem Konzept an sich – wir finden, man könnte da durchaus einmal reinschnuppern.

Daher finden sich untenstehend einige Websites verlinkt, die MOOCs anbieten: 

mooc.orgcoursera.org | iversity.org | udacity.com | khanacademy.org | futurelearn.com  

Schreibe einen Kommentar

* Durch die Verwendung dieses Formulars stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website zu.

Artikel aus der selben Rubrik