Studium wechseln? – Ja, nein, vielleicht

von Chiara Geppert
Lesezeit: 5 min
Wie viele interessante Studiengänge kannst du aufzählen? Bei der Auswahl hast du die Qual der Wahl. Kein Wunder also, dass so manch eine:r unter uns um einen Studiengangwechsel nicht umhin kommt.

Nicht verzagen…

„Es fühlte sich irgendwie wie Versagen an“, erzählt Valentina von UNIpress, als sie an ihre Studienwechsel-Erfahrung zurückdenkt. Heute ist sie anderer Meinung. Ihr wurde schon in den ersten Wochen klar, dass das Sprachwissenschafts-Studium nicht die richtige Wahl für sie war. Angela und Isabella erging es ähnlich. Um allen die Unsicherheit vor einem potentiellen Wechsel zu nehmen, möchten sie euch Ratschläge rund um den Studienwechsel geben.

… sondern hinterfragen 

Die 20-jährige Angela zog ursprünglich nach Innsbruck, um Literaturwissenschaft zu studieren. Das habe sie dann erstmal vier Semester gemacht, bevor sie beschloss: „Das ist nicht das, was ich in Zukunft machen will.“ Ihr sei vor allem die Freude am Lesen abhandengekommen. Also wechselte sie.

Foto: Chiara Geppert

„Wenn man merkt: ‘Mir geht es gerade nicht gut’, ist es wichtig zu reflektieren, warum“, betont Angela. Von vier Semestern Literaturwissenschaft hatte Angela nur ein Semester in Präsenz, dann kam Corona. Ende des dritten Semesters sei es ihr allgemein nicht gut gegangen: „Es hat mich alles psychisch sehr mitgenommen. Dann habe ich auf einen Schlag alles abgewählt, um mich ein bisschen um mich zu kümmern.“ Sie stellte sich die Frage, wie viel an der Online-Uni und Corona lag und was alles hinter ihren Gefühlen stecken könnte. Was genau gefiel ihr an ihrem Studiengang nicht? „Sind es Lehrveranstaltungen, die ich nächstes Semester nicht mehr habe, aber jetzt machen muss, oder ist es das, was ich studiere?“

Studiengangswechsel? 

Eindeutige Anzeichen, die für einen Wechsel sprechen, sind Unzufriedenheit mit dem Inhalt sowie unerfüllte Erwartungen.

Foto: Chiara Geppert

„Wenn man sich für das Studium entscheidet, dann ist das irgendwie schon eine Lebensentscheidung, die man dann trifft.“ Isabella hat sich unter ihrem ersten Studiengang – Wirtschaftsrecht – etwas anderes vorgestellt. Sie hat das Studium gewählt, weil sie dachte, es sei eine gute Basis für das spätere Berufsleben. „Ganz wie’s Klischee“, sagt Isabella und lacht. Ihr liegt der Jus-Teil des Studiums mehr als der Wirtschafts-Teil. Im vierten Semester hat sie zwei neue Studiengänge ausprobiert – Komparatistik und Französisch. „Ich habe mir gedacht, dass ich noch was anderes brauche, weil mir das Studium nichts gibt – also mir persönlich.“ Auch viele ihrer Freunde hätten sich im Laufe des Studiums entweder für Wirtschaft ODER für Jus entschieden.

„Wenn man länger bei einer Prüfung hängt, könnte man sich überlegen, ob dieses Studium einem auch liegt“, kann Isabella heute über sich selbst schmunzeln, als ich sie frage, wann man denn einen Wechsel in Betracht ziehen könnte.

„Mir war klar, dass ich studieren möchte, nur meinen Studiengang wollte ich nicht mehr weiterstudieren“.  Das stand für Isabella fest. Daher hieß es für sie: Studiengangswechsel!

Wechseln, aber wohin? 

Als Angela sich entschieden hatte, die Literaturwissenschaft zu verlassen, habe sie in Österreich die Möglichkeit gesehen, Psychologie zu studieren. Den Aufnahmetest für Psychologie hat sie jedoch nicht geschafft. Durch ihren Onkel sei sie auf Erziehungswissenschaften gekommen. „Dann habe ich mir gedacht: Das ist ein guter Plan B“, lächelt Angela, „und tatsächlich war das auch die bessere Entscheidung.“

Ein Tipp, den sie denen mitgeben möchte, die nicht wissen, ob der momentane Studiengang der richtige für sie ist: Interessiert mich denn noch etwas anderes? Gibt es etwas, dass ich lieber machen würde? „Und es dann einfach probieren!“, ermutigt Angela. Sich Vorlesungen ungezwungen anschauen und sich die Frage stellen: Gefällt mir das? Sich mit Freunden und Bekannten über den Studiengang austauschen und zu Kursen begleiten.

Der tatsächliche Wechsel

Manch einen plagen Ängste hinsichtlich der bürokratischen Hürden, die ein Umdenken des Studienganges mitsichbringen. „Dabei ist das Wechseln des Studiengangs ganz simpel“, so Kilian Walch, Referent für Studien- und MaturantInnenberatung von der ÖH Innsbruck. Er hat selbst schon einen Studienwechsel erfolgreich hinter sich. Beim „Papierkram“ hilft das Referat gerne weiter – was sie jedoch nicht anbieten, ist die Beratung, ob ein Wechsel sinnvoll wäre: Sie leiten die Studierenden weiter zum Sozialreferat oder zur psychologischen Studienberatung. Bei detaillierten Fragen kann die Studienabteilung kontaktiert werden.

Sowohl Angela als auch Isabella betonen, wie einfach der Wechsel war: „Ich habe dann ganz spontan beim Frühstück am Handy beim Kollegen daheim beschlossen: Ich schreibe mich jetzt um! Und dann war es eh schon erledigt.“ Isabella lacht, als sie davon erzählt.

Als Angela das Ergebnis für den Aufnahmetest bekommen hat, war die Anmeldefrist für Erziehungswissenschaften schon abgelaufen, erzählt sie. Die Studienabteilung hätte ihr aber zugesichert, dass die, die den Aufnahmetest in Psychologie machen, in Studiengänge nachgetragen werden. „Ansonsten wäre das ja unfair“, bestätigt Angela. Den gesamten Prozess des Wechsels habe sie per E-Mail gemacht: „Ich habe nie mit jemandem persönlich geredet.“

Ende gut, alles gut 

So wie sich herausstellt, ist das Wechseln des Studiengangs nicht die größte Herausforderung. Entscheidender ist, ob es sinnvoll ist, den Studiengang zu wechseln, und was es dabei alles zu beachten gibt. Denn was man nicht tun sollte, ist einen Wechsel zu überstürzen: Durch den Wechsel hat Isabella Probleme mit der Familienbeihilfe bekommen. Diese kann gestrichen werden, wenn man nach dem zweiten Semester oder mehr als zweimal wechselt. Isabella betont, dass man sich diesbezüglich erkundigen sollte und verweist auf die ÖH. 

Valentina kann potenzielle Wechsler:innen beruhigen: Man sollte sich keine Gedanken machen, dass man „Zeit verloren“ hätte. Durch die Wahlfächer kann man sich auch im neuen Studium ECTS-Punkte anrechnen lassen, und hat dadurch vielleicht sogar ein Semester gewonnen.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Oktober-Ausgabe 2022.

Schreibe einen Kommentar

* Durch die Verwendung dieses Formulars stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website zu.

Artikel aus der selben Rubrik