Studierende hatten es in den letzten Jahren schwer. Zuerst kam die Coronakrise. Dann der Ukrainekrieg. Daraus resultiert eine Migrationskrise. Sowie die ständig steigende Inflation. Eine Angst unter den Nachbarländern, als nächstes ins Visier genommen zu werden. Und die Möglichkeit einer drohenden Energiekrise. All dies hat die Art und Weise verändert, wie Universitäten ihre Geschäfte machen. Manchmal notwendig. Aber trotzdem entmutigend. So stehlt sich nun, am Anfang des neuen Semesters, die Frage: Und jetzt?
Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, geht die Situation rational an. “Es macht keinen Sinn, jedes einzelne mögliche Szenario durchzuspielen”, sagt er. “Weder was die Coronakrise noch den Ukrainekrieg angeht.” Der gebürtige Tiroler weiß aus Amtserfahrung, dass man nicht alles im Voraus kontrollieren kann. “Vieles muss man an sich herankommen lassen und dann reagieren.” Er und sein Team würden wachsam bleiben, sich mit ihren verschiedenen Task-Forces in ständiger Abstimmung befinden und gelassen und gefasst reagieren, wenn es soweit ist.
Die Realität ist anders
“Natürlich hatten wir alle die Hoffnung, dass unsere Sorgen nach diesem Sommer hinter uns liegen”, so Märk weiter. “Aber die Realität ist anders.” Corona beispielsweise könnte uns, argumentiert der Rektor, immer noch Probleme bereiten. “Wir müssen bereit sein, gegebenenfalls (wieder) Maßnahmen zu verhängen.” Märk schließt keine der möglichen Regelungen oder Restriktionen aus. Allerdings sollen bei deren Einführung alle Meinungen berücksichtigt werden. Auch von Studierenden, die es satt haben, eingeschränkt zu sein, und bereit sind, für mehr Freiheiten im Uni-Alltag ein paar Risiken einzugehen. “Wir wollen Ihnen so gut es geht entgegen kommen – ohne irgendwen zu gefährden.”
So kommt es, dass ÖH-Vorsitzender Daniel Müller und stv. Vorsitzender Lukas Schobesberger erneut die Möglichkeit einer Teil-Schließung der Universität wahrnehmen müssen. „Wir wissen, wie hart die Schließungen der letzten Jahre die Studierenden getroffen haben“, sagt Müller. „Daher sind wir davon überzeugt, dass das nicht wieder vorkommen darf.“
Wirksame Entlastung gebraucht
Die allgemeine Situation hinsichtlich Energie und Teuerung trifft viele Studierende ohnehin schon hart. „Auch hier braucht es endlich wirksame Entlastung“, führt Schobesberger aus. Die beiden seien keine Energieexperten, gestehen sie ein. So könnten sie keine Empfehlung abgeben, ob Sorgen rund um die Versorgungssicherheit berechtigt sind oder nicht. „Wir empfehlen jedoch allen, sich auf die Expert_innen zu verlassen und akademische Quellen in diesem Zusammenhang als glaubwürdige Quellen zu bevorzugen“, so Müller.
Ähnlich steht der Rektor zum Ukrainekrieg. “Die Situation ist nicht einfach einzuschätzen”, sagt er. Auch hier heißt es: abwarten. Zu der Angst vor einer Energie-Krise führt Märk aus: “Ich möchte nicht so tun, als wäre die Situation nicht ernst, aber ich glaube nicht, dass es einen Grund zur Panik gibt.“ Zwar stehe die Frage im Raum, wie viel zusätzliche finanzielle Unterstützung die Universität nunmehr vom Staat bekommen wird. “Sie wird höchst wahrscheinlich nicht alles abdecken”, so der Rektor. Aber dies sei ein überwindbares Problem. “Unsere Studierenden werden sicher nicht im Hörsaal erfrieren.”
In Task-Forces involviert
Auch dafür setzt sich die ÖH ein. Sie will allen Studierenden einen normalen Uni-Alltag garantieren. Dabei bringen Müller und Schobesberger die studentische Sichtweise und studentische Bedürfnisse in den verschiedensten Gremien der Universität ein. „Ob Energie, Covid oder Ukraine – wir sind in sämtliche Belange mittels Mitgliedschaft in den jeweiligen Task-Forces involviert und scheuen uns auch nicht, bei wichtigen Themen für Studierende auf Konfrontation mit der Universität zu gehen“, sagt Schobesberger. Müller legt nach: „Wenn es zum Wohle der Studierenden ist.“
Allerdings hatten die beiden, neben der vielen Arbeit an Projekten und an den weitreichenden Krisen, wenig Zeit, mit Studierenden direkt am Campus in Face-To-Face Kontakt zu treten. Dieses Jahr wollen sie versuchen, dem wieder mehr nachzukommen. „Wir sind der Überzeugung, dass die Inflation ein österreich-, ja EU-weites Problem ist, das sich nicht zielführend und vor allem bedürfnisorientiert lokal lösen lässt“, sagt Müller. Deswegen sei die ÖH mit der Politik in Kontakt. „Wir fordern klar gezielte Entlastungen für Studierende und Finanzierungshilfen für besonders stark betroffene Studierende“, schließt Schobesberger ab.