Pint of Science kommt nach Innsbruck

von Sarah Embacher
Lesezeit: 4 min
Du denkst, Wissenschaftler:innen verstecken sich nur hinter Büchern, und wenn sie mal von ihrer Forschung erzählen, dann in reinstem Fachchinesisch? Nicht bei Pint of Science!

Kommen eine Astrophysikerin und ein Mikrobiologe in eine Bar ­– nein, das ist nicht der Anfang von einem Witz, sondern ein ganz normaler Abend bei Pint of Science. Denn manchmal fragt man sich ja schon: Woran forschen eigentlich die ganzen PhD-Student:innen, Post-Docs und Professor:innen hier in Innsbruck? Das erzählen sie uns am besten selbst, aber eben nicht in ellenlangen Fachwörtern, kryptischen Abkürzungen und publikationsreifen Schachtelsätzen. Bei Pint of Science liegt die Würze in der Kürze – maximal eine halbe Stunde haben die Vortragenden Zeit, ihre Arbeit vorzustellen. Sie gestalten ihre Präsentation dabei möglichst unterhaltsam und interessant. Anders als in der Uni fläzen Ihre Zuhörer:innen dabei nicht maximal unmotiviert auf knarzenden Klappsitzen und blinzeln ins grelle Neonlicht eines Hörsaals, sondern sitzen entspannt und gut gelaunt in einer der Bars oder Cafés Innsbrucks.

 „Gemütliche Tischrunden und manchmal auch der Hund dabei: So fühlt sich Pint of Science an. Die Stimmung ist locker, mal werden 3D-Brillen ausgeteilt, mal Demo-Instrumente hergezeigt.“

Das erzählt uns Chiara Herzog, Städtekoordinatorin von Pint of Science Innsbruck. Chiara war während ihres Doktorats in Edinburgh Mitglied und Editorin bei „EuSci Mag“, einem Magazin für Wissenschaftskommunikation. Über Freunde von dort kam sie dazu, in den Jahren 2015/16 Pint of Science in Edinburgh zu etablieren. Anfangs war sie Eventmanagerin für das Team „Beautiful Mind“ und übernahm im nächsten Jahr dessen Leitung. Besonders überrascht hat sie dabei: „Ein sogenanntes ‘Laienpublikum’ stellt oft bessere Fragen als ein wissenschaftliches Publikum! Bei Fachkonferenzen gibt es nach Vorträgen nur zu oft unangenehme Stille und als Organisator:in hat man dann die Verantwortung, selbst Fragen zu stellen. Bei Pint of Science haben wir uns als Organisator:innen auch Notfall-Fragen ausgedacht – es war aber bis jetzt noch nie notwendig, diese zu stellen. Und manchmal bringen Publikumsfragen die Vortragenden auch auf neue Ideen.“ Mit ihren Erfahrungen im Gepäck ist Chiara jetzt nach Innsbruck gezogen, wo sie als Post-Doc an der Universität Innsbruck im Bereich der Krebsprävention forscht.

„Es liegt mir sehr am Herzen, Pint of Science nach Innsbruck zu bringen. Einerseits weil sich durch das Event viele Kolleg:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen vernetzen – manchmal entstehen dadurch sogar neue Kooperationen – andererseits ist es mir wichtig, der Bevölkerung zu zeigen, welche spannenden Forschungsprojekte hier in Innsbruck betrieben werden.“

Genau in diesem Sinne wurde Pint of Science geboren: Im Jahr 2012 organisierten die Neurowissenschaftler Dr. Praveen Paul and Dr. Michael Motskin die Veranstaltung „Meet The Researchers“. Dabei zeigten sie Menschen, die von Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose betroffen sind, ihre Arbeit in den Laboren. Wegen des inspirierenden Austauschs zwischen den Forschenden und den Besucher:innen beschlossen sie, Pint of Science zu gründen. Im Mai 2013 fand das Event zum ersten Mal in drei englischen Städten statt und verbreitet sich seitdem wie ein Lauffeuer. Inzwischen strömen jeden Mai viele tausende Wissenschaftsbegeisterte in über 400 verschiedenen Städten zu Pint of Science. Und das passiert überall zur gleichen Zeit, dieses Jahr von Montag, dem 9. Mai, bis Mittwoch, dem 11. Mai.

In Innsbruck laufen die Vorbereitungen derzeit in vollem Gange. An jedem der drei Abende werden fünf Events gleichzeitig stattfinden, die von Ehrenamtlichen in den Teams “Tech Me Out”, “Atoms To Galaxies”, “Our Body”, “Beautiful Mind” und “Planet Earth” organisiert werden. Jeder Abend hat zwei bis drei Vorträge sowie eine unterhaltsame Aktivität für die Besucher:innen zu bieten. Chiara Herzog erzählt uns von ihren Erlebnissen in Edinburgh: „Ein Doktorand brachte einen Prototyp einer neuromuskulären Prothese mit, die elektrische Signale aus dem Oberarm in Bewegung einer Unterarmprothese verwandeln kann – das Publikum durfte diese sogar anprobieren und mit ihren Gedanken die Prothese bewegen. In einer anderen Vortragsserie, in der es um nachhaltige Essensgewohnheiten ging, kochte ein Vortragender mit Insekten auf. In Innsbruck wird‘s dieses Jahr vermutlich noch ein bisschen zahmer zugehen, aber es stehen der Kreativität keine Grenzen gesetzt.“

Wer neugierig geworden ist und ein Event von Pint of Science in Innsbruck oder anderswo besuchen möchte, findet auf der Website https://pintofscience.com/ mehr Informationen. Ungeduldige, die bis dahin nicht warten können, können unter https://pintofscience.co.uk/podcast/mini-series-untold-stories/  in den Podcast von Pint of Science England hineinhören. Cheers!

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