Alles verändert sich in dieser Lebensphase. Neue Stadt, neue Leute, eigene Entscheidungen. Da setzt die Pandemie dem Ganzen nur noch das i-Tüpfelchen auf und die psychischen Belastungen der Studierenden nehmen zu. Bei manchen ist das Maximum an Belastbarkeit auch schon längst überschritten.
Wie soll es auch anders sein, ist der größte Problemfaktor für die meisten die soziale Distanz zu Mitstudierenden und die Isolation in der eigenen Wohnung, die einem Zeit für negative Gedanken gibt. Auch die psychologische Studierendenberatung in Innsbruck kann das nur bestätigen, denn auch dort sei die Nachfrage nach Unterstützung seit dem Beginn der Pandemie um knapp 30 Prozent gestiegen. Depressives Verhalten und Ängste machen den Studierenden also gerade in dieser ohnehin schon unsicheren Zeit zusätzlich zu schaffen. Auch psychische Vorerkrankungen werden durch die Isolation und Einsamkeit getriggert, bestehende Probleme weiter geschürt. Obendrein belasten familiäre Probleme der Eltern das Leben der Kinder oft negativ mit.
Nicht nur die Distanz macht den Studierenden zu schaffen, auch die fehlende Planungssicherheit und die teilweise fehlende technische Kompetenz seitens der Universität sind zusätzliche erschwerende Faktoren in der Bewältigung des Universitätsalltags.
Schwierigkeiten, mit denen auch die psychologische Studierendenberatung immer wieder in Berührung kommt, sind Versagensängste und Ängste vor der „neuen Normalität“ nach Corona. Studierende sind es gar nicht mehr gewohnt, längerfristig zu planen und Verbindlichkeiten anzupeilen. Besonders in unsicheren Zeiten, in denen niemand mehr weiß, was morgen passiert, leben alle nur noch im Hier und Jetzt. Außerdem fühlen sich viele immer noch im Zustand von vor zwei Jahren gefangen, persönliche Weiterentwicklungen sind wohl die letzten Monate ins Stocken geraten.
Mediale Berichterstattung nicht sehr förderlich
Viele Studierende sind verärgert und vor allem die sozialen Medien haben dazu beigetragen und somit den Ärger weiter geschürt. So ergeht es auch einigen Studierenden, wenn sie immer wieder in den Medien hören müssen, wie gut ihnen die Auszeit vom Weggehen und Freunde-Treffen doch fürs Vorankommen im Studium tun würde. Eine bittere Nachricht für die circa 70 Prozent der Studierenden, die berufstätig sind, oder für all jene, die schon mehrere Semester unnötig für ein WG-Zimmer bezahlen. Viel Zeit, um Gedanken übers Party-Machen zu vergeuden, bleibt da wohl nicht mehr.
Laut psychologischer Studierendenberatung gehöre das Weggehen am Abend und die Entwicklung der Persönlichkeit in einer gleichaltrigen Gruppe zum individuellen Reifungsprozess sogar mehr als nur dazu.
Vergessen sind die Studierenden aber auch in politischer Hinsicht. Universitäten schließen Wochen vor den Schulen und öffnen lange nach ihnen. Der Druck auf die Politiker:innen ist bei der Pflichtschule wohl einfach größer.
Bevor einem die Decke auf den Kopf fällt
Viele Studierende haben während den Lockdowns begonnen, die unterschiedlichsten neuen Hobbys zu verfolgen. Einige haben das Handarbeiten für sich entdeckt, andere machen Yoga und wieder andere lieben die 30-minütigen Spaziergänge durch die Nachbarschaft. Was alle gemeinsam haben, ist die Achtsamkeit auf sich selbst. Auch die psychologische Studierendenberatung rät allen, sich eine innere Insel der Ruhe zu schaffen, auf die man sich besinnt, sollte es einem einmal nicht gut gehen. Außerdem sei es wichtig, sich auf die positiven Ereignisse im Leben zu fokussieren und somit die Negativität in den Hintergrund zu stellen.